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Ehmig: Gleichnisse

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18b8mart

Martyrer, Masken …

12.3.2016
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Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Martyrer, Masken, Maurer, Meineid, Meinung, Mensch. Seiten 460-468

Martyrer.

Die heiligen Martyrer fühlten nur die ersten Anfänge des Schmerzes, weiterhin machten die ekstatischen Zustände gefühllos für den körperlichen Schmerz.

Das Wort der heiligen Felicitas ist in dieser Beziehung von Bedeutung. Als sie im Kerker, ein Kind gebärend, über die Geburtsschmerzen aufgeschrieen und der Kerkermeister ihr darüber gesagt: Wie willst du doch die größere Pein ertragen, wenn die geringere dir so nahe geht? erwiederte sie: Dieser Schmerz ist mein Schmerz, der andere aber der des Herrn und der wird ihn mir tragen helfen. Und ihr wie der Andern Vertrauen wurde nicht zu Schanden. Als sie den Martyrer Sanctius, den die erste Folter ganz verzogen, nach wenigen Tagen das zweitemal auf die Folterbank brachten, in der Hoffnung, er werde es nimmer auszudauern vermögen,  wurde er in dieser zweiten Marter erhoben und aufgerichtet und hatte seine vorige Gestalt und den Gebrauch seiner Glieder wieder erhalten; gerade als ob diese zweite Peinigung durch ein Wunder der göttlichen Gnade ihm vielmehr Heilung als Versehrung gewesen.

Die Martyrer herrschten über die Elemente und wilden Tiere.

Als das Feuer des Scheiterhaufens unter dem heiligen Polykarpus angezündet worden, bildeten die Flammen einen krummen Bogen, dessen Spitzen an den Enden in ziemlicher Weite gleich dem Segel eines Schiffes ausgespannt, den Leib des Martyrers sanft umschlossen; so daß das Feuer kein Glied verletzte; ein köstlicher Salbengeruch verscheuchte den üblen Rauchdampf des Feuers. Auch die blutdürstigsten Bestien trauten sich nicht, die Leiber der Martyrer zu berühren, und wendeten sich wohl eher auf ihre Anreizer zurück. Die heilige Blandina blieb den ganzen Tag am Pfahle angebunden in Mitte der wilden Thiere, keines wagte ihren Leib zu berühren.

Standhaftigkeit der chinesischen Martyrer.

Im Jahre 1818 wurden viele Christen in die tartarischen Wüsten verbannt und als 1823, nach fünf Jahren des Leidens allen Denen, welche der christlichen Religion entsagen würden, Verzeihung angeboten wurde, nahmen nur fünf das Anerbieten an, das mehr als zweihundert standhaft zurückwiesen. An einem andern Ort nahm aus der Schaar, die zehn Jahre lang die Folter des Cangur, das heißt, eine Existenz ertragen hatten, die weit unerträglicher war, als ein russisches oder türkischen Gefängniß, nur ein Einziger dieselbe Bedingung an, wie wohl mehr als die Hälfte der ursprünglichen Anzahl gestorben war. Selbst die ersten Christen überstanden eine solche Probe nur selten.

Marter eines christlichen Indianers.

Der Martyrer Stephan te Ganonakoa bewies einen Heldenmuth. der ihn würdig unter die edelsten Martyrer reiht. Auf der Jagd von einer Parthie heidnischer Cayugas überrascht, ward er mit seinem Weibe und einem Gefährten nach Onondaga geführt und dort mit teuflischer Freude empfangen. Stephan mußte Spießruthen laufen und der gewöhnlichen Marter sich unterziehen; aber er bekannte sich als Christen, der glücklich sei, als solcher selbst den Tod zu leiden. Während sie seine Nägel ausrissen und die Finger abschnitten, rief einer seiner Peiniger: Bete! Ja, sprach Stephaan, das will ich; und seine gefesselten Hände erhebend, bekreuzte er sich mit lauter Stimme. Ein Wuthschrei brach aus der Menge; sie fielen über ihn her und schnitten seine noch übrigen Finger halb ab. Bete nun, gellte es aus dem Kreise der wütenden Wilden – und nochmals erhob er die Hand zur Stirne. Und wieder fielen sie ihn an und hackten alle seine Finger ab, nur den blutigen Handstummel übrig lassend. Schläge und Schmähungen regnete es über ihn, und abermals forderte man ihn trotzig heraus zu beten. Wie dieser treue Liebhaber des Kreuzes nochmals seine Hand erhob – da ward sie ihm ganz abgehackt und, wie um das verhaßte Kreuzzeichen zu vernichten, wo sie Stirne, Achseln und Brust berührt, jedwede Stelle mit Messern zerschlitzt. Dann kam erst die Feuerpein! Er ging aber im Triumph auch durch diese und ward nun an den Pfahl gebunden. Schont meiner nicht, rief Stephan aus; je größer meine Marter hier, desto kostbarer wird meine Krone im Himmel sein! Sie schonten seiner wahrlich nicht und doch konnten sie den Lippen des Helden keinen Seufzer erpressen; bewegungslos stand er da, seine Augen gen Himmel erhoben, seine Seele ganz verzückt im Gebete. Als er endlich den Todesschweiß auf seiner Stirne fühlte, bat er um eines Augenblicks Ruhe und sang mit lauter Stimme sein Sterbelied – einen Bittgesang für seine Peiniger, die kurz darauf ihr Werk vollendeten.

Masken.

Menschen sollen sich nicht als Thiere maskiren.

Zur Zeit König Karls VI. von Frankreich hat einer vom Hofe Hochzeit gehalten. Unter den Festlichkeiten der Nacht war auch eine Maskerade. Der König selbst mit vielen Andern kamen als Löwen, um einen Löwentanz aufzuführen. Die Kleidung war von Leinwand, woran die Mähnen und Haare aus Flachs mit Pech befestigt waren. Des Königs Bruder wollte aus Vorwitz die Sache genauer ansehen, kam mit der Fackel zu nahe, zündete den Löwen an und im Gewühle fingen auch die Anderen Feuer. Zwei verbrannten, zwei andere haben nach zwei Tagen den Geist aufgegeben, den König selbst hat die Königin geschwind in ihren langen geschweiften Rock eingewickelt und so die Flammen gelöscht. Ob das Strafe Gottes war, weiß ich nicht; aber Gott hat schon im alten Testamente verboten, daß ein Mann nicht sollte Weibskleider tragen, außer in höchster Noth; wie mag man ihm erst mißfallen durch Thierkleider? Der Mensch ist nach dem Ebenbilde Gottes erschaffen.

Maurer.

Tod eines Freimaurers.

König Leopold I. von Belgien war Freimaurer und – wie der Großmeister bezeugt, blieb er seinem Eide während seiner fünfunddreißigjährigen Regierung treu. Er war Protestant. Dadurch wird es klar, wie in dem katholischen Belgien der Geheimbund so völlig das Regiment hat in die Hand kriegen und seine Gewaltthätigkeit gegen die katholische Kirche fortwährend hat steigern können. Er ließ vor seinem Tode keinen Geistlichen seiner Konfession rufen, wie es andere gläubige Protestanten thun, das Abendmahl zu empfangen; vielmehr hat er sich seinen Klavierspieler kommen und sich Zukunftsmusik vorspielen lassen und er blieb als echter Freimaurer auch in der Sterbestunde religiösen Gedanken fern. Die Herzogin von Brabant versuchte Alles, um den König auf bessere Gedanken zu bringen, sie wollte zuerst einen katholischen Priester, dann wenigstens einen protestantischen Prediger rufen lassen; zuletzt soll sie versucht haben, dem König ein geweihtes Medaillon, welches ein Marienbild enthielt, um den Hals zu schlingen. Der König lehnte jedoch Alles ab. Nur ein Kruzifix, das sie ihm an die Lippen drückte, soll er mit Thränen geküßt haben. Wahrscheinlich fühlte er seine Verwerfung. O falscher Stolz! O Blindheit! So ein gescheidter Mann! (Gemeindezeitg.)

Meineid.

Dem Meineidigen entzieht Gott seine Gnade ganz.

Jemand gab einem Manne Geld, ohne sich darüber eine Handschrift ausstellen zu lassen. Als die Frau ihr Geld wieder haben wollte, läugnete er die Schuld ab. Sie klagte bei Gericht und trug ihm und seinem Weibe den Haupteid auf; beide schwuren – falsch. Das Weib hatte ein Kind in der Wiege zu Hause gelassen und ein fünfjähriges Mädchen zur Aufsicht bestellt. Als sie nach Hause kam, lag die Wiege umgestürzt und das Kind unter derselben, todt, erstickt. Das Weib erzürnte sich über das fünfjährige Kind und schlug es todt. Während dem kam der Mann nach Hause und als er die Wirthschaft sah, erschlug er das Weib. Ueber den Lärm kamen Nachbarn herbei und arretirten ihn. Er wurde zum Tode verurtheilt. Da kein Henker bei der Hand war, erbot sich der noch lebende Sohn von einigen zwanzig Jahren zum Henker, weil er seinen Vater verabscheute. Nach geschehener Hinrichtung ging er hin und erhenkte sich. Von Meineidigen weicht die Gnade Gottes ganz. (Gemeindezeitg.)

Gott straft die Meineidigen.

Rudolf, Graf von Rheinfelden, vermählte sich mit Mathilde, einer Tochter Heinrichs III. und Schwester Heinrichs IV., durch dessen Freigebigkeit er das ganze Schwabenland erhielt. Nicht lange hernach ergriff er auf Einrathen etlicher Reichsfürsten die Waffen wider Heinrich, verlor aber in der ersten Schlacht die Hand und als er so nach Merseburg gebracht wurde, zeigte er seinen abgestumpften Arm den anwesenden Bischöfen und Fürsten und brach in diese Worte aus: Weil ich mit dieser Hand Treue geschworen und diese nicht gehalten, also hab ich nunmehr den verdienten Lohn meines Eidbruches. Bald darauf starb er. (Albas Usperg. 1080.)

Ludovikus Sforzia verlor die Stadt Mailand und behielt nur die Festung daselbst. Er begab sich nach Deutschland und übergab diese Festung seinem besten Freunde Bernardino Curzio, und ließ sich schwören, daß er die Festung auf´s Aeußerste vertheidigen wolle. Kaum waren zwölf Tage verflossen, da ließ sich genannter Bernardino durch französisches Geld bethören, daß er, Pflicht und Eid vergessen, freiwillig diese fast unüberwindliche Festung der König von Frankreich übergab. Dieser meineidige Mann wurde durch göttliche Strafe bei den Französen selbst so verhaßt, daß er in keiner Gesellschaft erscheinen durfte, indem man ihm solchen Schimpf und schändlichen Spott anthat, daß er endlich aus lauter Verdruß und Melancholie starb. (Guiciardinus I. 4.)

Meinung.

Die gute Meinung gibt der Handlung ihren Werth.

Robert, ein frommer Vater, stand, bevor er irgend ein wichtiges Geschäft unternahm, immer eine Weile still und in Nachdenken vertieft. Einer seiner Söhne, der ihm einmal eine besondere Angelegenheit vorzutragen hatte, und seine Entscheidung erwartete, fragte ihn: Was sinnest du, warum gibt du mir keine Antwort? Der Vater antwortete ihm auf diese Frage: Mein Sohn, du hast unlängst, als wir im Walde Holz fällten, einen Jäger gesehen, der mit Pfeil und Bogen ausgegangen war. Du wirst bemerkt haben, wie er stille stand, den Pfeil in gerader Richtung zurecht legte, das Ziel scharf in´s Auge faßte, und erst dann den Pfeil abschoß. So mache ich es auch, so oft ich etwas anzuordnen oder zu unternehmen habe. Ich fasse das Ziel und Ende erst fest in´s Auge; ich frage mich, ob das, was ich thun will, zur Verherrlichung Gottes und zum Heil meiner Mitmenschen diene? Denn ohne dieses wäre es ganz und gar unnütz. Ich überlege wohl, ob die Art und Weise, wie ich das Geschäft auszuführen gedenke, das Ziel und Ende auch sicher erreichen werden. Die rechte Absicht, oder die gute Meinung, in der wir Etwas thun, gibt unsern Handlungen erst wahren Werth. Ob wir unsere Absicht erreichen oder nicht, hängt von Gott ab.

Mensch.

Gottlose Menschen leben oft lange, glücklich und ungestraft; warum?

Die Frommen werden oft an Gott irre, wenn sie sehen, daß die Gottlosen glücklich sind und lange leben. – Ist denn mit diesem Leben Alles abgethan? Folgt nicht das Gericht darauf und die Verdammniß für die Sünder? Muß denn Gott alle Sünder hier bestrafen? Kann ein Sünder Gott entgehen? Der Sünder gleichet dem Falken. Der Jäger hält ihn an einer Schnur. Er läßt ihn an derselben aufsteigen, so hoch er will, so weit die Schnur reichet; läßt ihn oben herumschweben und kreisen, so lange es ihm gefällt. Will er ihn aber herunter haben, so zieht er ihn mittels der Schnur herab. Der Falke kann ihm nicht entwischen. So hält´s Gott mit dem Sünder; jeden Augenblick hat er ihn in seinen Händen; jeden Augenblick steht es in seiner Macht, ihn sterben zu lassen, vor sein Gericht zu fordern und ihn zu strafen. Verlängert er ihm also das Leben, so geschieht es, um ihm Zeit zur Buße zu lassen und weil er ihm ja doch nicht entgehen kann.

Gottlose Menschen nützen nach ihrem Tode unfreiwillig in Etwas.

Heut zu Tage gibt´s manche Menschen, die der Menschheit gar Nichts nützen, sondern ihr nur schaden. Gleichwohl nützen sie nach ihrem Tode in Etwas. Sie gleichen dem Krokodile. Dieses ist eines der fürchterlichsten Raubthiere, dreißig Fuß lang, fünf Fuß dick; in seinem großen Rachen stehen oben und unten fünfzig bis sechzig schreckliche Zähne; durch seine dicke Haut dringt keine Flintenkugel; es lebt im Wasser und auf dem Lande und lauert im Schilfe auf Menschen, Pferde, Rinder, Tiger und Fische, dies es mit Hinterlist überwältigt. Es ist ein schreckliches Thier, welches nur verwüstet, tödtet und lebend keinen Nutzen schafft. Gleichwohl nützt es nach seinem Tode, wo man sein Fleisch ißt. Diesem gleichen manche gottlose Menschen, sie nützen im Leben Niemandem; gleichwohl schaffen sie nach ihrem Tode einen unfreiwilligen Nutzen durch ihr Fett, welches sich in ihrem Sarge in Klumpen absondert und welches der Todtengräber nach Jahren findet, womit er seine Lampe unterhält, wenn es nicht der Apotheker kauft.

Menschen ohne Religion sind charakterlos und unverläßlich.

Der religiöse Mensch thut Alles nach vernünftigen Zwecken, nach festen Grundsätzen und strebt dem erkannten Guten mit Beharrlichkeit nach. Darum ist er verläßlich. Der Mensch ohne Religion wird vom Nutzen, Vergnügen, von Neigungen, Leidenschaften und Launen bestimmt; da diese wechseln, so ist er unbeständig, veränderlich und unverläßlich. Er gleichet dem Chamäleon. Dieses kann seine Augen schnell nach entgegen gesetzten Richtungen bewegen und damit schrecklich schielen; auch verändert es oft seine Farbe, theils willkürlich, theils wenn es gereizt wird, so daß es bald gelb, bald schwarz, bald bunt erscheint, da doch seine eigentliche Farbe stahlgrau ist. Darum ist der Mensch ohne Religion keines Vertrauens und Glaubens würdig, und es ist kein freventliches Urtheil, solchen das Vertrauen zu versagen.

Menschen, die an der Andachtsübung einen Eckel empfinden, sind nicht auserwählt.

Beten, Besuch des Gottesdienstes, Lob Gottes muß schon auf Erden unsere Freude sein, weil dieses im Himmel die immerwährende und einzige, aber auch angenehmste Beschäftigung der Heiligen sein wird. Es ist für Kinder kein gutes Anzeichen und für jeden Christen kein Zeichen der Auserwählung, wenn er am Gebete und den Andachtsübungen keinen Geschmack findet, sie aus Eckel und Ueberdruß unterläßt und solches nur gezwungen thut. Das Schäflein des heiligen Franziskus von Assisi war besser, als solche Christen. Zu Sta. Maria von den Engeln schenkte Jemand dem Heiligen ein Schaf, welches er gerne annahm. Dieses ermahnte er, sorgfältig Gott zu loben und sich wohl zu hüten, die Klostergeistlichen zu beleidigen oder aufzubringen; was es auch nach Möglichkeit in Acht nahm und befolgte, so daß es seltsam zu sehen war, mit welchem Eifer es beflissen gewesen, seinem Herrn zu gehorchen. Wenn die Geistlichen im Chore sangen, setzte sich das kleine Thier auch in Bewegung und folgte ihnen dahin, wo es, ohne daß es von Jemandem dazu abgerichtet worden wäre, sich auf die Kniee niederließ und statt des Gebetes und Gesanges vor dem Altar der Mutter Gottes Maria und ihres Sohnes, des mackellosen Lammes, leise blöckte, als wolle es sie begrüßen und lobpreisen. Und wenn bei der Messe die heilige Hostie aufgehoben wurde, neigte es sich nieder und betete knieend seinen Schöpfer an. O Christen, die ihr allen Geschmack an der Andacht verloren habt, dagegen stundenlang nichtswürdige Dinge besprechen und verderbliche Bücher ohne Langeweile lesen könnet: wie wird euch einst der heilige Franz beschirmen, wenn er als Mitrichter an dieses Schäflein erinnern wird?

Die Menschen lieben Irdisches oder Himmlisches.

Je nachdem der Sinn der Menschen himmlisch oder irdisch gestellt ist, lieben sie Irdisches, Sinnliches, oder Himmlisches; sinnliche Genüße, oder Religion und himmlische Dinge. Sie gleichen dem Raben oder der Taube, welche Noe aus der Arche ließ. Der Rabe flog aus und kehrte nicht wieder zurück; er scheute sich nicht, im Schlamme herumzuwaten und mit seinem Schnabel darin herumzuwühlen; er ließ sich wohlschmecken das Fleisch der menschlichen Leichname und ertrunkener Thiere; er fand des besten Fraßes in Fülle; deßhalb sehnte er sich nicht zurück in die Arche. So sind die Weltmenschen; sie scheuen nicht die Befleckung der Sünde, lieben nur, was den Sinnen schmeichelt, sehnen sich also nicht nach dem Himmel, verschmähen die höhern Güter, verwickeln sich in zeitliche Geschäfte und befinden sich wohl dabei. Noe ließ auch eine Taube aus, diese aber kam wieder zurück in die Arche; der reinliche Vogel wollte seine Füße und sein Gefieder nicht im Schlamme besudeln, seine Nahrung fand er auf der Erde noch nicht, den Fraß des Raben verschmähte er, er liebte die reinliche Kost mehlreicher Körner. So die Frommen, die Geistesmenschen. Sie lieben das Bleibende, Ewige, Himmlische. Nun hat aber der Herr die Taube als Vorbild aufgestellt. Seid einfältig wie die Tauben, sagte er; den Raben stellt er nicht zum Muster auf. Mithin sind die Weltmenschen die Thörichten.

Der bösen Menschen bedient sich Gott, um die Guten zu vervollkommnen.

Gott bedient sich der bösen Menschen, um die guten zu üben und zu vervollkommnen; in der Selbstbeherrschung, in der Sanftmuth, Großmuth, Geduld und Feindesliebe, und um für ihre Sünden abzubüßen. Er bedient sich ihrer, wie sich der Tuchmacher der rauhen Walkerdistel bedient, um dem Tuche und seiner Wolle gleichen Strich zu geben.

Mit gottlosen Menschen soll man keinen Umgang haben.

Gleichwie man Menschen mit pestartigen Krankheiten absondert, ihre Kleider nicht trägt, aus ihren Geschirren nicht ißt, z. B. Aussatz, Typhus, Wuth; ebenso soll man auch den Umgang mit ungläubigen sittenlosen, gottlosen Menschen meiden; denn so wie sich der leibliche Krankheitsstoff mittheilt, so theilen sie auch ihre Ansichten, Grundsätze und Maximen mit. (Anmerkung ETIKA: Also das genaue Gegenteil von der Dialog-und-Toleranz-Ideologie des Papstes Franziskus und der meisten Bischöfe. Sie haben sich bereits infiziert mit den Ansichten der Feinde Gottes und geben diese innerhalb der Kirche weiter.)

Wie man feindseligen Menschen begegnen soll.

Die selige Eustochio wurde auf Zulaß Gottes aus besonderer Fügung vom Teufel besessen. Sie war Nonne, und trug mit demselben Gleichmuth die grausamen Angriffe des Teufels, wie die noch drückenderen ihrer Mitschwestern. Sie ihrerseits hatte nur Unarten, Grobheiten und Beschimpfungen zu erdulden, liebte dagegen die sie Mißhandelnden, ehrte und achtete sie um so mehr als ihre Vorgesetzten und ließ keine Gelegenheit vorüber gehen, ihnen zu dienen; obgleich der böse Geist nicht nachließ, sie zu irgend einem Akte des Hasses und der Empfindlichkeit zu reizen. Sie aber entschuldigte Alles, nahm Alles zum Besten und erwies den Nonnen jeden Beweis der Liebe, Hochachtung und der herzlichsten Zuneigung, als hätte sie von ihnen nichts als Guthaten und Begünstigungen empfangen. Ein solches tugendhaftes und erbauliches Benehmen, von ihr vier Jahre lang fortgesetzt, mußte doch auf die Länge Eindruck auf die Nonnen machen. Sie fingen an, eine bessere Meinung von ihr zu fassen, begannen zuerst mit Mitleid, dann mit Wohlwollen sie anzusehen und kamen am Ende auf den Gedanken: sie hätten sie mißverstanden und allzuhart behandelt. Die zur Erkenntniß gekommenen Nonnen gaben eine entscheidendere Probe ihrer Sinnesänderung, indem sie die Ueberglückliche zur feierlichen Ablegung der Ordensgelübde zuließen.

Wozu man die Rauhheit mancher Menschen benützen soll?

Eine angesehene Edle reiste einst nach Jerusalem, um die heiligen Orte zu verehren. Sie bat den Bischof, ihr eine Jungfrau zu senden, die sie in der Furcht Gottes unterwiese. Der Bischof suchte ihr eine demüthige Jungfrau aus und sendete sie zu ihr. Als ihr der Bischof nach einiger Zeit begegnete, fragte er sie, wie sich die Jungfrau betrage, die er ihr zugeweisen habe? Sie antwortete: Sie ist zwar gut, allein sie bringt meiner Seele nicht hinlänglichen Nutzeen; denn in ihrer Demuth läßt sie mich in allen Stücken meinen freien Willen thun. Da gab ihr der Bischof eine Jungfrau von rauher Gemüthsart, welche sie bei jeder Gelegenheit auszankte und eine reiche Närrin und noch mehr schalt. Als er nach einiger Zeit die Frau wieder fragte, wie sie mit dieser andern Jungfrau zufrieden sei, antwortete sie: Diese ist mir für mein Seelenheil viel zuträglicher; denn durch diese übte sie sich in der Sanftmuth. Auf diese Art sollten wohl alle Menschen aus der rauhen, groben Gemüthsart der Mitmenschen Nutzen ziehen.

Verdorbene Menschen soll man nicht aufgeben, sondern desto eifriger für sie beten.

Der heilige Theoderich wurde trotz seines Widerstrebens zum Abte seines Klosters gewählt. Die Mönche waren verdorben, thaten, was ihnen gelüstete, waren unwissend und roh. Theoderich gab sich nun alle Mühe, durch sein Beispiel, durch freundliches Zureden, durch Vorhalt und Strafe, durch Predigten und durch sein Gebet die Mönche auf bessere Wege zu bringen. Allein es schien Alles vergebens; die sittenlosen Mönche verlachten ihren Abt oder leisteten offenen Widerstand. Inbesondere waren einige Mönche da, welche voll Dünkel auf ihre vornehme Geburt sich durch Ungehorsam und Verachtung der Klosterregeln auszeichneten. Ihr Rädelsführer war Lambert, hochmüthig und zuchtlos; dieser hetzte noch die Andern auf, fügte dem Abte offen und insgeheim Unbilden zu, vertheidigte die schuldigen Mönche und widersprach Allem, was der Abt sagte, mit bissigen Reden. Theoderich ertrug die vielen Beleidigungen mit aller Geduld und suchte nur durch Gebet, durch Zureden, durch Vorstellungen von ewiger Seligkeit und ewiger Verdammniß diesen boshaften Menschen zu bessern; allein er wurde im Gegentheil nur noch ärger. aber nach zwei Jahren bekehrte sich Lambert zum Heiligen und die Uebrigen wurden besser; dieß bewirkte das Gebet des heiligen Theoderich.

Böse Menschen benützt Gott zur Vervollkommnung der Guten.

Jemand hatte einen Hund, dem er zuweilen eine Brodscheibe so vorhielt, daß sie zum Portrait eines berühmten Mannes ausgebissen wurde. Der Hund wußte und wollte natürlich nichts von Gesichtszügen, sondern biß eben in das Brod, so weit es ihm zugelassen wurde; hingegen der Mensch wendete und drehte die Brodscheibe so geschickt, daß die Zähne des unvernünftigen Thieres gerade so eine Gestaltung hervorbrachten, wie er sie beabsichtigte. Gerade so macht es Gott mit Seinen Auserwählten und mit bösen Menschen. Er läßt nämlich Jene, aus welchen er ein Ebenbild Christi gestalten will, von bösen Menschen verfolgen und peinigen; Gott hält den guten Christen in Seiner Hand und läßt ihn nur so weit ängstigen, als es für seine höhere Bestimmung zweckmäßig ist.

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