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Ehmig: Gleichnisse

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18b8mess

Messe – Mörder – Müssiggang – Mutter – Nährvater Jesu

13.9.2016
ETIKA-Bibliothek

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Dritter Band. Stichwort: Messe. ab Seite 468 bis zum Schluss 545

Ab sofort bringen wir – krankheitshalber – nur noch wenige ausgewählte Geschichten aus dem umfangreichen, vierbändigen Gesamtwerk des Titanen Ehmig, nicht mehr alle.

Messe.

Nutzen, die heilige Messe zu hören.

Als der heilige Ferdinand von Talavera, erster Bischof von Granada, noch am königlichen Hofe lebte, und vom Regenten mit den wichtigsten Geschäften betraut wurde, hatte er eine Menge Neider, die, weil sie keine andere Veranlassung zum Tadel ausfindig machen konnten, sich besonders darüber mißbilligend äußerten, daß er, da ihm doch so wichtige Geschäfte obliegen, deren Versäumniß die nachtheiligsten Folgen hätte, desseunungeachtet Zeit gewänne, tagtäglich dem Meßopfer beizuwohnen, als wenn er in einem Kloster und nicht am königlichen Hofe lebte. Ein Freund des eifrigen Mannes theilte ihm eines Tages im vertrauten Gespräche mit, was seine Feinde an ihm zu tadeln wüßten. Lächelnd und ruhig erwiederte Ferdinand: Eben darum, weil mir eine irdische Majestät so viele und schwere Geschäfte aufbürdet, flüchte ich mich, um von deren Last nicht zu Boden gedrückt und in´s Irdische ganz versenkt zu werden, zur himmlischen Majestät und hole mir beim hochheiligen Meßopfer überirdische Stärke und Kraft.

König Stephan erließ im Jahre 1016 in Ungarn das Gesetz, wornach diejenigen, welche die sonntägliche Messe und den Gottesdienst vernachlässigten, ganz kahl geschoren werden sollten, damit Jedermann sie erkennen könnte. Binterim bemerkt hierzu nicht übel: Wie viele Kahlköpfe möchte man jetzt haben, wenn dieses Gesetz bei uns noch in Kraft wäre! Ohne Zweifel würde die Kahlköpfigkeit zur Mode eitler Herren und Damen.

Nutzen des Messehörens.

Aeneas Sylvius, später Papst geworden unter dem Namen Pius II., erzählt, daß in Deutschland ein Edelmann so arm geworden, daß ihm nur ein elender Meierhof blieb und daß er in seinem Kleinmuth mit dem Gedanken umging, sich das Leben zu nehmen, wozu ihn der Satan heftig anreizte. Endlich entdeckte er sich einem Beichtvater, welcher ihm den weisen Rath gab, täglich die heilige Messe zu hören und Gott zu bitten, Er wolle ihn von dieser Versuchung erlösen. Diesem Rathe kam der Edelmann eifrig nach und hörte ein ganzes Jahr hindurch täglich die heilige Messe. Darnach geschah es, daß er einmal zu spät kam und von einem Bauer am Wege vernahm, daß der Gottesdienst schon beendet sei, worüber der Edelmann weinte. Der Bauer tröstete ihn und erbot sich, ihm die Frucht der Messe, die er gehört, gegen eine Entgeltung zu überlassen. Du Einfältiger, versetzte der Edelmann, weiß du nicht, daß eine heilige Messe weder verkauft noch gekauft werden kann. Verkaufen oder nicht verkaufen, sagte der Bauer, geben sie mir Ihren rothen Rock, so überlasse ich Ihnen die Messe. Der Edelmann willigte endlich ein und eilte in die Kirche, um einige Vater unser zu beten, der Bauer aber ging nach Hause. Als der Edelmann nach Hause zurückkehrte, sah er von ferne etwas Rothes in der Höhe, als er aber näher kam, da sah er, daß sich der Bauer an eben dem Orte, wo er kurz vorher die Messe verkaufte, erhenkt habe. Daraus ist zu ersehen, wie durch das Messehören die Macht des Satans geschwächt werde und wie gottlos und gewissenlos es ist, das heilige Meßopfer gering zu achten.

Vor der Kraft der heiligen Messe erzittern die Teufel.

Bernard von Lützelburg im Catalogus haereticorum lit. G. schreibt von Guido von Lachia, einem Einsiedler im Bisthum Brixen, daß er scheinbar ein strenges Leben führte, bei den Leuten für einen Heiligen galt, Allen aber, die zu ihm kamen, um sich Raths zu erholen, die heilige Messe als eine Abgötterei darstellte und viele ketzerische Lehren verbreitete. Gott strafte seine ketzerische Heuchelei durch einen gähen Tod, und stürzte seine Seele in die Hölle. Seine Ketzerei kam zur Kenntniß des Bischofs und dieser befahl, seinen Leichnam, der unter vielem Gepränge und unter Zulauf vielen Volkes begraben worden, wieder auszugraben und durch Henkershand öffentlich zu verbrennen. Obwohl das bethörte Volk dagegen protestirte, wurde doch der halbverfaulte und stinkende Leichnam in´s Feuer geworfen. Aber siehe da, der Leichnam wurde von unsichtbarer Hand in die Höhe gehoben und schwebte über dem Feuer. Da schrie das Volk, man solle den Bischof und die Mönche umbringen, Gott habe gerichtet und erkläre den Guido als einen Heiligen. Ueber dieses Schreien und Toben erschrack der Bischof und wollte fliehen. Er begab sich mit seiner Geistlichkeit in die Kirche und las die heilige Messe; das Volk blieb draußen beim Scheiterhaufen. Als zur Wandlung mit der Glocke geläutet wurde, hörte Jedermann die Teufel fürchterlich schreien, heulen und klagen: O Guido von Lachia! Bisher haben wir dich nach Kräften beschützt, jetzt aber können wir es nicht mehr; denn es ist ein Anderer in die Höhe erhoben worden, der viel größer ist, als wir und dich unseres Schutzes beraubt! Nach diesen Worten warfen sie den Leichnam ungestüm in´s Feuer und entflohen unter Heulen und Wehklagen. Teufel waren es also, die die Leiche des Ketzers über´s Feuer emporhielten, weil er ihnen zu lieb gegen die heilige Messe gepredigt hatte. Seine Anhänger schämten und zerstreuten sich. Die Leiche verbrannte zu Asche.

Alles, was bei der heiligen Messe gebraucht wird, soll sauber und reinlich sein.

In England lebte ein Stiftsdechant, welcher der vertraute Freund eines frommen Ordensgeistlichen war. Als dieser vernahm, daß sein Freund krank sei, besuchte er ihn, um ihm in seiner Todesstunde beizustehen. Als nun der Ordensgeistliche anfing, dem Dechant zuzusprechen, da verfinsterte sich das Zimmer und man hörte eine fürchterliche Stimme, welche schrie: Stehe auf, du Gottesschänder, und empfange deinen Lohn! Und plötzlich starb der Dechant und sein Leib ward kohlschwarz. Der Ordensgeistliche eilte voll Schrecken in sein Kloster zurück, fiel in seiner Zelle auf die Kniee und bat Gott inständigst um Erkenntniß des Urtheils seines verstorbenen Freundes. Da erschien ihm der Geist des Verstorbenen und sprach: Ich bin verflucht und verdammt! Als sich der Ordensgeistliche wunderte, sagte er weiter: Wundere dich nicht darüber, sondern vielmehr darüber, daß überhaupt ein Geistlicher, der als Pfarrer einer Gemeinde vorsteht, selig werde. Ihre Wohnung ist gut gebaut und gedeckt, die Kirche ist im Verfall; ihre Hauskleider sind zahlreich und reinlich, die Kirchenkleider schmutzig und zerrissen; auf ihren Tischen haben sie silberne Becher, Schalen und Löffel, auf dem Altare zinnerne Kelche; ihre Wäsche ist sauber und reinlich, die Kirchenwäsche aber schmutzig; und das ist die Ursache ihrer Verdammniß. Nach diesen Worten verschwand der Geist, von stinkenden Flammen umgeben und stürzte zum Schrecken des Ordensmannes in die Hölle. (Specul. Verb. Benef. Eccl. Exempl. 8.)

Bei der heiligen Messe soll man geistlicherweise kommunizieren.

(Piner in fornicario lib. 1. c. 1.) Bei der Stadt Nürnberg wohnte ein Bauer, welcher ein gottseliges Leben führte. Er versäumte keine heilige Messe, so oft es ihm möglich war. Wenn der Priester kommunizierte, empfand er eine große Begierde, mit ihm zu kommuniziren. Damals war es Gebrauch, nur zweimal im Jahr zu kommuniziren. Der Mann seufzte oft und wünschte sehnlichst, das heilige Sakrament öfters empfangen zu dürfen. Wenn der Priester kommunizirte, öffnete er seinen Mund und legte die Zunge auf die Lippe, wie die Kommunizirenden zu thun pflegten. Da geschah es eines Tages, da er sich vorstellte, als ob er kommunizire, daß er ein Theilchen von der heiligen Hostie auf der Zunge fühlte und nicht wußte, wie es dahin gekommen sei; gleichwohl verschluckte er es ehrerbietig und empfand in seinem Herzen einen besonderen Trost. Von diesem Tage wuchs die Begierde zur heiligen Kommunion heftig in ihm und er fühlte in jeder heiligen Messe ein Theilchen auf der Zunge. Eines Tages, als er aus Vorwitz erfahren wollte, was er auf der Zunge hätte, griff er mit dem Finger in den Mund und merkte, daß es ein Theilchen der heiligen Hostie sei. Hierüber erschrack er, verschluckte eilends das Theilchen, bereute aber sehr, mit seinen ungeweihten Fingern das heilige Sakrament berührt zu haben. Wegen dieser Vermessenheit entzog ihm Gott die ertheilte Gnade, so daß er von nun an nie mehr ein Theilchen der heiligen Hostie bekam. Aber doch blieb die Begierde nach der geistigen Kommunion in ihm, wodurch er täglich in seine Seele gestärkt wurde.

Mörder.
Mörder haben keine Ruhe mehr.

Theoderich der Große wurde im Jahre 489 König der Ostgothen. In seinem hohen Alter wurde der große Mann grämlich und argwöhnisch. Da befleckte er seinen Ruf durch Grausamkeit. Der Senator Albinus ward in´s Gefängniß geworden, weil er ein Freund des griechischen Kaisers sein sollte, und als sein Freund Böthius, ein anderer Senator, ihn kühn vertheidigte, ward auch er in Ketten gelegt. Beide ertrugen ihr Schicksal geduldig und wurden ohne Verhör hingerichtet. Symmachus, der Schwiegervater des Böthius, bedauerte dessen Tod zu laut und mußte ebenfalls sterben. Als alle drei todt waren, ergriff den König die bitterste Reue. Ueberall sah er die Gemordeten vor sich und als man ihm einmal einen Fisch aufsetzte, rief er angstvoll: Weg mit dem Kopf! Das ist Symmachus Kopf! Er fiel in tiefe Schwermuth und starb bald darauf. Gerechtigkeit hat ihn groß und glücklich gemacht, das Unrecht brachte seine Größe und sein Glück zum Wanken.

Müssiggang.
Müssiggang ist eine abscheuliche Sünde.

Der heilige Andreas Avellinus hatte den größten Haß gegen allen Müssiggang. Die, welche ihn genau kannten, behaupteten, er habe nie einen Augenblick müssig vorbeigehen lassen und er habe nie ein müssiges Wort geredet. Er war ein solcher Feind des Müssiggangs, daß er ein Tyrann der Zeit genannt wurde, indem er die Zeit durch fortwährende Geschäfte gefesselt und gebunden hielt. Er trug deßhalb eine Sanduhr am Gürtel. Diese zeigte nämlich nicht an, wie viel Zeit es ist, sondern nur, daß wieder eine Stunde abgelaufen sei. Er wollte durch diese Uhr fortwährend gemahnt werden, wie schnell die Zeit abläuft und daß er sie emsig benütze. Die Sanduhr sollte ihn unaufhörlich zur Besinnung mahnen, wie er alle seine Stunden für Gott, für den Nächsten und für sich selbst verwende und richtig austheile. Am meisten that ihm leid die wenige Zeit, welche er für die Pflege seines Leibes verwenden mußte. Er beneidete gleichsam die Engel im Himmel, daß sie, frei von aller Pflege des Leibes und von Schlaf, alle ihre Zeit nur der Anschauung, Liebe und dem Loben Gottes zuwenden können. Aber auch an Anderen war ihm der Müssigang unausstehlich, und wenn er solche Müssiggänger fand, die mit leerem Plaudern sich die Zeit vertrieben, gab er ihnen eine nachdrückliche Ermahnung. Er pflegte zu sagen, der Christ habe keinen größeren Feind, als den Müssiggang, denn dieser sei ein Ursprung aller Uebel; Gott dem Allmächtigen mißfallen ganz besonders drei Dinge: Lauigkeit des Geistes, Ausschweifung des Gemüthes und Müssiggang des Leibes. Wenn man Rechenschaft geben müsse von dem müssigen Worten, werde man um so mehr von so vielen  Augenblicken verlorener Zeit Rechenschaft geben müssen, indem jene Augenblicke so überaus kostbar seien, daß mit einem einzigen derselben die ganze Ewigkeit erkauft und Gott selbst gewonnen werden kann. Einst besuchte Avellin einen Mann, der sein Beichtkind war, und traf hier einige adelige Herren, welche ein Spiel miteinander machten. Da machte er ihnen alsbald eine ernsthafte Ermahnung dagegen. Sie wollten sich entschuldigen, daß sie nicht aus Leidenschaft und Gewinnsucht spielen, sondern nur, um sich die Zeit zu vertreiben. Da kamen dem heiligen Avellin die Thränen in die Augen und er sprach seufzend: O weh! o weh mir! So ist denn Allen die Zeit zu lang und mir allein ist sie zu kurz.  Mir Armen geht die Zeit so schnell vorbei und ich bin nicht im Stande, sie zurückzuhalten, und Anderen vergeht sie so langsam, daß ihnen von nöthen ist, sie zu vertreiben! Kaum hatte er dieses gesagt, als er im Eifer über die Zeit ihnen den Rücken kehrte und eilig davon ging. Die adeligen Herren standen beschämt und voll Reue vom Spieltische auf, um etwas Nützlicheres anzufangen.

Mutter.
Um was Mütter bei der Geburt ihrer Kinder bitten sollen.

Der heilige Eleazar wurde zu Robians, im Schloße Ansois in Frankreich geboren. Kaum hatte das Kind das Licht der Welt erblickt, so opferte ihn seine Mutter Gott, indem sie mit Innigkeit betete: Ich danke Dir, o mein Gott, für den Sohn, den du mir soeben geschenkt. Gieße Deine Gnaden über ihn aus. Solltest Du voraussehen, daß er sündigen werde, so lasse ihn lieber gleich nach der heiligen Taufe sterben. Ihre Wünsche wurden erfüllt, er wurde ein Heiliger.

Nährvater Jesu.
Der heilige Joseph bekehrt lasterhafte Menschen.

Ein Priester der Gesellschaft Jesu hatte einen nahen Verwandten, der bereits mehrere Jahre ein ärgerliches Leben führte. Nachdem der eifrige Ordenspriester alle väterlichen Vorstellungen und liebevollen Ermahnungen vergebens angewendet hatte, flehte er zu Gott, er möge ihm eine schwere Krankheit auferlegen, weil nur dieses ihn zur Besinnung bringen konnte. Zu diesem Zwecke wendete er sich an den heiligen Joseph und forderte seine Freunde zu einer neuntägigen Andacht zu Ehren dieses Heiligen auf und zwar so, daß die Priester neun Tage nacheinander die heilige Messe lesen, die Andern aber dieselbe zu Ehren des heiligen Joseph hören sollten. Der heilige Joseph bewirkte die erflehte Gnade; der Sünder fiel in eine schwere Krankheit und als er sah, daß es mit ihm zum Sterben ging, öffnete er die Augen über die Unordnung seines Lebens und über die Gefahr, ewig verloren zu gehen. Er beeilte sich, mittelst des heiligen Bußsakramentes sich mit Gott zu versöhnen, welches er mit großer Zerknirschung empfing. Der heilige Joseph wollte nicht nur seine Seele heilen, sondern machte ihn auch körperlich gesund. Als der Kranke sich plötzlich hergestellt sah, faßte er den Entschluß, das gegebene Aergerniß wieder gut zu machen. Von nun an verwendete er seine Zeit mit ebensoviel Ausdauer auf Werke der Buße und Frömmigkeit, er arbeitete und lebte nur für die Ehre Gottes und für die Andacht zu seinem mächtigen Beschützer, dem heiligen Joseph.

 

Ende des 3. Bandes

 

 

 

 

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