ETIKA

Ehmig: Gleichnisse

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4. Band, Anfang
Natur - Ordnung

8.10.2016
ETIKA-Bibliothek.
Auszüge

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1869. Vierter Band. Stichwörter: Natur, Neid, Neigung, Obrigkeit, Offiziere, Opfer, Ordnung. Ab Seite 3 bis 25.

Natur.

Die Heiligen beherrschen die Natur.

Als der heilige Martyrer Felix vor seinen Verfolgern in eine Höhle entwich und der Bischof Cainus in einem Gebüsche sich verbarg, überspannen die Spinnen schnell mit ihren Netzen die Zugänge, und lenkten dadurch die Nachspürenden von den Verfolgten ab.

Der Augustiner Jakob de Cirqueto gebietet den Fröschen Schweigen, weil sie die Messe stören, und sie gehorchen; dasselbe erfolgte, als sie die Predigt des seligen Rainald, Bischofs von Ravenna, unterbrachen.

Die Schlangen weichen, wo die Heiligen sich anbauen wollen; so verlassen sie die Insel, als Sankt Julius das Kreuz auf einem Felsen in ihrer Mitte aufpflanzte. Der Einsiedler Goderich wohnte an der Werra mitten unter diesen Thieren; sie lebten mit ihm in aller Vertraulichkeit und ließen sich ohne Widerstreben von ihm anfassen; wenn er am Feuer saß, umwanden sie seine Füße und legten sich in seine Schüssel, sich im Kreise zusammenringelnd. Jahre lang dauerte diese Vertraulichkeit fort, bis sie ihn endlich allzusehr im Gebete störten und er ihnen eines Tages den Eintritt in die Zelle untersagte, worauf sie dich dann verloren und keine seine Schwelle weiter zu überschreiten wagte.

Wenn Ida von Löwen am Ufer des Teiches die Wäsche wusch, kamen Fische aller Art aus dem Grunde herauf, als locke sie gute Speise. Sie drängten sich an sie heran und so oft sie die Hände in´s Wassser tauchte, hingen sie sich an ihre Finger; sie ergriff wohl einen oder den andern und keiner entzog sich ihrer Hand durch die Flucht, sondern wie Kinder an die Mutter, hingen sie sich saugend an ihre Finger. Und dieß dauerte so lange, bis die die Menge durch ihren Wink entließ.

Wenn der heilige Joseph von Copertino ein Vogelnest fand, so bezeigten sie nicht die mindeste Furcht; Männchen wie Weibchen ließen sich von ihm greifen und er konnte mit ihnen vornehmen, was er wollte. Er gab einst einem Distelfink die Freiheit, sprechend: Geh, genieße, was dir Gott zugetheilt! ich will nichts von dir, als daß du, wenn ich dir rufe, wiederkommst, um mit mir deinen und meinen Gott zu loben. Der Vogel hielt sich von da im nächsten Garten auf und so oft er rief, kam er zurück und half ihm singen.

Adler und andere größere Raubvögel übernahmen häufig die Verrichtung der Speisemeister und brachten dem Bischof Guthbert, dem heiligen Corbinian, dem Abte Stephan und Anderen Fische auf ihrer Wanderschaft. Dem Jakob de Stephano setzten sich die wilden Tauben auf Kopf, Schultern und Arme; sie kannten seine Stimme und verstanden seinen Wink. Wenn die Schwalben im Frühjahr wiederkehrten, setzten sie sich dem Einsiedler Gutlach auf den Kopf, Arme und Schultern und sangen ihn fröhlich an. Dieß ist bei Vielen der Fall gewesen.

Als der heilige Hugo, Bischof von Linkoln, seinen bischöflichen Sitz eingenommen, kam ein Schwan angeflogen, den man zuvor noch nicht gesehen. Er zeigte sich nur allein dem Bischof vertraut und zahm, nahm Brod aus seinen Händen, versteckte seinen Kopf mit seinem langen Halse in seine weiten Aermel und blieb Tag und Nacht bei ihm, wie ein treuer Schutzwächter. Ging der Bischof auf Reisen, dann flog er zum Teiche zurück; die Rückkehr des heiligen Mannes aber verkündete er drei oder vier Tage zuvor, durch Hin- und Herfliegen, Schreien und andern ungewöhnlichen Bewegungen, so daß die Diener zu einander zu sagen pflegten: Lasset uns Alles in Ordnung bringen, der Bischof wird bald da sein. Bei seiner letzten Rückkehr vor seinem Tode ging er ihm aber nicht entgegen, konnte auch nur mit Mühe von den Dienern herbeigeführt werden und ließ bei seinem Anblicke kein Zeichen der Freude und Vertraulichkeit  blicken; sondern mit hängendem Kopf sich krank stellend, ging er trauernd davon. Er blieb aber nach dem Tode Hugo´s noch viele Jahre im Schlosse.

Der heilige Norbert, Bischof von Magdeburg, hatte einen Wolf, welcher die Heerden hütete und ihnen bis zum Stalle folgte; dann kratzte er so lange an der Thüre, bis ihm der Heilige ein Stück Fleisch zum Lohne gab.

Der heilige Walenus hatte ein Pferd, das gegen jeden Andern wild und ungeberdig, sich niederkniete, wenn es der Heilige besteigen wollte, und wenn er aufgesessen, wie in Lamm mit ihm dahin ging; man sah es leise treten, wenn er schlief, wenn er aber erwachte, schnell vorschreiten, um die Vorgeeilten wieder einzuholen. Als sein Herr gestorben, trauerte es alle seine Lebenszeit, magerte ab und war zu Nichts mehr brauchbar.

Die Natur ist das unterrichtendste Buch.

Ein Weltmeister (Altmeister?) fragte den heiligen Antonius und sprach: Sage mir, Vater, wie vertreibst du deine Zeit? Wie kannst du bestehen ohne den Trost der Bücher? Antonius antwortete: Mein Buch ist die Natur mit allen Creaturen; dieses Buch ist immer bei mir, vor mir und um mich; und wenn ich es zu lesen anfange, so lese ich darin die Worte des allmächtigen Gottes.

Die Natur lehrt Gott lieben.

Der fromme Dienstmagd Armella konnte nicht in Büchern lesen, aber sie las die erbaulichsten Predigten in der Natur. Wenn sie einen Hund sah, betrachtete sie, wie er seinem Herrn so treu ist, ihn nie verläßt, für einen Bissen Brod ihm tausend Liebkosungen macht. Dieß war ihr eine gewaltige Aufforderung, auch so gegen Gott zu thun, der sie mit zahllosen Gutthaten verpflichtet habe. Sie sagte ferner: Wenn ich die kleinen Lämmer sehe, die so sanft und friedsam sind, die sich scheeren und schlachten lassen und ganz stumm dabei bleiben; so stelle ich mir meinen Heiland vor, der sich eben so zum Tode führen ließ und Seinen Mund nicht aufthat und daß ich bei allen widrigen Dingen Ihm mich gleichförmig machen müsse. Wenn ich die kleinen Hühnchen sehe, wie sie sich unter die Flügel der alten Henne verkriechen und sich wärmen, so mahnen sie mich, unter die Flügel der göttlichen Vorsehung zu fliehen. Wenn ich sehe, wie sich die Bäume mit ihren Aesten vor dem Winde beugen, so nehme ich mir vor, dem Antrieb des heiligen Geistes mich hinzugeben. Wenn ich das Fleisch zerschneide, denke ich dasn Leib Jesu im Sakramente und verlange ihn zu empfangen. Wenn ich in der Scheuer den Weizen von der Spreu sondern sehe, denke ich an das Gericht.

Neid.

Neid ist eine häßliche Sünde.

Der Neid ist eine so garstige Sünde, daß Gott für gut fand, seine häßlichen Wirkungen an den Hunden recht anschaulich zu machen. Ein Knochen reicht hin, ihren Neid zu erregen; in dem, der leer ausging, regt sich vor Neid die Galle, es sträubt sich das Haar, er blöcket die Zähne, sieht mit scheelen Augen hin und lauert auf die Gelegenheit, ihm den Knochen zu entreißen; da setzt es blutigen Hader, der nicht eher endet, bis der Herr beide züchtigt und den Gegenstand des Streites wegnimmt.

Bei Menschen ist es nicht anders, wenn sie diesem häßlichen Laster nicht widerstehen; mit scheelen Blicken betrachtet er auf fremden Aeckern und Gärten den Segen Gottes; der Arme beneidet den Reichen und verkleinert ihn, setzt ihn herab, verläumdet ihn. Wie viel Neid herrscht unter Kindern derselben Familie, derselben Schule? Wie oft hat der Neid eine gute Spekulation, eine vorhabende Ehe, einen guten Kauf oder Verkauf vereitelt? Der Neid ist geradezu gegen die Liebe Gottes und des Nächsten und darum hasset ihn Gott; daher entzieht Gott dem Neidischen Seine Gnade; der Neid untergräbt den Frieden, und da er so viele Nahrung hat, so ist der Neidische nie zufrieden und lebt in einem beständigen Aerger und Verdruß. Der Neidische bitte Gott um Heilung seines Herzens!

Neid erzeugt Haß und Verleumdung.

Mustapha, der älteste Sohn des tyrannischen Sultans Suleyman, kehrte einst siegreich von einem Feldzuge gegen die Perser zurück und das Volk von Stambul zog ihm mit Jubel entgegen, um ihn im Triumph in die Hauptstadt zu begleiten. Suleyman wurde darüber so erzürnt, daß der Grimm des Neides alle väterlichen Gefühle erstickte. Er ließ den Mustapha erwürgen und den Leichnam vor die Füße der Janitscharen hinauswerfen, zu welcher Gräuelthat ein Herold die erklärenden Worte ausrufen mußte: Ein Gott im Himmel, Ein Suleyman auf Erden!

Neigung.
Böse Neigungen darf man nicht aufkommen lassen.

Böse Neigungen gleichen dem Wiesel; es ist ein kleines Thier, tödtet aber weit größere, als Hasen und Rehe; lassen sie es sich nahe kommen, so springt es ihnen auf den Nacken; schütteln sie es nicht gleich ab, so macht es einen Biß in´s Genick, saugt das Blut aus und tödtet sie. So macht es jede böse Neigung; wer sie überhand nehmen läßt, dessen Seele fesseln sie, schwächen sie, tödten sie. Ist sie herrschend und zur Gewohnheit geworden, so ist es sehr schwer, sich aus ihrer Sklaverei zu befreien. Aber selbst im Falle einer aufrichtigen Bekehrung bleibt eine starke Schwäche in der Seele zurück, so beim Unzüchtigen, Geizigen, Neidischen.

Obrigkeit
Jedermann muß der Obrigkeit in der Aufsuchung und Bestrafung der Verbrecher behilflich sein.

Die Obrigkeit ist von Gott zum Schutz der Guten und zur Bestrafung der Bösen eingesetzt; darum ist Jeder im Gewissen verpflichtet, von geschehenen Verbrechen Anzeige zu machen, Zeugenschaft abzulegen, und zwar ohne Schonung und Verdrehung der Wahrheit. Wer die Verbrecher vertheidigt, schützt, verbirgt, schadet dem allgemeinen Besten und begeht eine schwere Sünde. Man muß der Obrigkeit bei der Aufsuchung der Bösewichter ebenso behilflich sein, wie man in Surinam den Zugameisen behiflich ist, damit sie die Häuser vom Ungeziefer reinigen können. Diese Ameisen kommen alle Jahre einmal aus ihren Höhlen in zahllosen Schwärmen, dringen in die Häuser, durchlaufen alle Zimmer und tödten alle Insekten. Die größten Spinnen werden gleich von so vielen angepackt, daß sie sich nicht wehren können. Die Menschen selbst können sich ihrer nicht erwehren, vielmehr schließen sie ihnen alle Kisten und Kästen auf, denn sie suchen Alles durch und vertilgen Ratten und Mäuse, Skorpione, Kakerlaken und wie das Geschmeiß des Landes weiter heißt. Ist ein Haus gesäubert, so ziehen sie in´s benachbarte und so alle Häuser durch, bis sie endlich in ihre Höhlen zurückkehren. Man sieht sie also gern, wollte man sie aber hindern, so würden sie zur Rache alle Kleider zerfressen. Ebenso darf man auch die Obrigkeit in der Aufsuchung und Bestrafung der Verbrecher nicht hindern, muß ihr vielmehr behilflich sein. So will es die Anordnung Gottes im Geister- wie im Naturreiche.

Ohne Obrigkeit gibt es weder Schutz des Rechtes, noch der Person und des Eigenthums.

In Medien war der König mit den meisten Großen während eines Krieges umgekommen; nur Handwerker und Landleute blieben übrig, und diese hatten keine Lust, sich wieder einen König zu wählen. Sie wollten frei sein, Jeder wollte thun, was ihm beliebte. Eine Weile ging das recht gut, aber bald kam es anders. Unter den Medern gab es Leute, die das Arbeiten scheuten. Hatten sie Hunger, oder sonst Noth, so beraubten sie die Arbeitsamen. Widersetzte man sich ihnen, so brauchten sie Gewalt. Auch die Besseren des Landes gerieten wohl in Streit über die Grenzen ihrer Aecker, oder sagten sich in der Hitze ein Schimpfwort. Da kam´s gleich zu Gewaltthätigkeiten, oft zum Morde. Die Verwandten des Erschlagenen traten als Rächer auf, ruhten nicht eher, als bis der Mörder aus der Welt geschafft war, ganze Dörfer bekriegten sich oft und die Rache erbte auf Kinder und Kindeskinder fort. Kaufleute und Handwerker zogen aus dem mörderischen Lande fort, aber auch der Landmann mußte auf dem Felde seine Waffen tragen, weil ein feinseliger Nachbar ihn überfallen konnte, und durfte das Nacht nicht ruhig schlafen.

Da hörten die benachbarten Völker von der Unordnung in Medien, fielen in´s Land ein, schleppten Menschen und Vieh weg, und was sie nicht fortbringen konnten, vernichteten sie mit Feuer und Schwert. Die Meder griffen freilich auch zu den Waffen; aber weil sich jedes Dorf nur für sich wehrte, so verloren sie fast immer. Gewannen sie auch einmal, so hatten sie im Sommer ihre Arbeit versäumt, ihre Felder lagen öde und im Winter mußten sie hungern oder rauben. Auch der Fluß, welcher durch ihr Land strömte, trat oft aus und verwüstete ihre Aecker. Obrigkeiten waren nicht da, die Leute zur Eindämmung der Ufer anzuhalten. Das Dorf, in welchem der Fluß zuerst durchbrach, war allein zu schwach, dem Damm herzustellen, und die Andern sagten: Was geht uns euer Dorf an? Täglich wurde das Elend größer; Hunger und Mord raffte die Menschen weg, alle Liebe und Freude war entflohen, am Ende glich das Land einer Wüste.

Das muß anders werden, meine Freunde, sagte bei einer Zusammenkunft einmal ein alter Mann, laßt uns einen Bund miteinander machen, laßt uns einer dem Andern versprechen, ihn nicht mehr an seiner Person und an seinem Eigenthume schaden zu wollen. Wünscht ihr nicht Alle Ruhe? Ihr könnet sie haben, wenn Jeder sie dem Andern gewährt. Der Vortrag des Alten schien zu gefallen. Aber ein Anderer erhob sich und sprach: Versprechen können wir das wohl, aber werden es auch Alle halten? Wenn mein Nachbar mich anfällt, soll ich das dulden, soll ich mich nicht wehren? Weder du sollst deinem Sinne folgen, entgegnete der Alte, noch der Andere seinem Sinne. Eins ist, Freunde, was uns besonders noth thut. Wir müssen einen Richter haben, sonst ist des Streitens unter uns kein Ende. Wer soll denn dieser Richter sein? riefen bald mehrere Stimmen. Alles schwieg. Der Bewohner jener einsamen Hütte dort am Walde! – rief endlich eine einzelne Stimme- der so oft zum Frieden rieht, und der immer mit uns gegen die Feinde ausrückte, wenn er selbst auch keinen Schaden gelitten hatte. Kennet ihr den edlen Dejoces nicht? Die Wahl erhielt Beifall. Die Meder versprachen, einander in Ruhe zu lassen und wenn sie Streit bekämen, so wollten sie zum Dejoces gehen, der sollte ihr Richter sein. So thaten nun auch Viele, aber nicht Alle. Manche kamen gar nicht zu ihm, wenn sie Streit hatten; Andere waren mit seinem Ausspruche nicht zufrieden und suchten durch Gewalt sich zu helfen, wie zuvor; und wenn Dejoces Alle zum Kriege aufrief, oder sie zum Eindämmen des Flusses, zum Erbauen neuer Brücken bestellte, so blieb Mancher aus.

Da sprachen die Besseren unter ihnen: Was nützt uns ein Richter, dem nur gehorcht, wem es beliebt? Es fehlt ihm die Gewalt. Und einige starke Männer traten an seine Seite: wer nun gegen die Befehle des Richters handelte, gegen den erhoben sie ihren bewaffneten Arm. Nun gewannen Ruhe und Einigkeit wieder die Oberhand; Jeder lag ruhig seinem Geschäfte ob und fürchtete den Richter. Weil Dejoces und seine Gehilfen mit den öffentlichen Angelegenheiten so sehr beschäftigt waren, daß sie ihre eigenen Felder nicht bebauen und also ihren Unterhalt nicht verdienen konnten, so legten die Meder auch gerne so viel zusammen, daß dieselben anständig leben konnten. Dejoces war nun Richter oder vielmehr König von Medien und er verstand zu regieren. Er erbaute eine neue Hauptstadt, mit Namen Ekbatana. Nach seinem Tode folgte ihm sein Sohn Phraortes als König. Hier sieht man an einem Volke die Nothwendigkeit der Obrigkeit, die Nothwendigkeit der obrigkeitlichen Gewalt und die Nothwendigkeit der Abgaben und Dienstleistungen.

Anmerkung ETIKA: Die Obrigkeit muss gerecht und darf nicht antichristlich sein. Bei sündhaftem Verhalten braucht ihr das Volk nicht zu gehorchen. Auch tyrannische und unsinnige Gesetze haben keine Gültigkeit.

Offiziere.
Der Offizier kann und soll sittlich und religiös sein.

Prinz Eugen war sehr bescheiden, so daß er in seinen Siegesberichten die Fehler des Gegners und die Klugheit und Tapferkeit seiner Unterfeldherren erwähnte, nicht aber die Weisheit seiner getroffenen Maßregeln. Nie wollte er sich über Andere erheben. Menschenblut hielt er für heilig und nicht Einen Mann opferte er unnütz auf. In den Spitälern sah er täglich selbst nach den Kranken und fragte sie, ob ihnen Etwas abgehe, und wehe den Wärtern und Aerzten, wen die Klagen der Kranken begründet befunden wurden! In den Winterquartieren verschaffte er seinen Soldaten alle möglichen Bequemlichkeiten und Erholungen, dafür verlangte er auch Pünktlichkeit im Dienste. Sein Schlaf dauerte nur drei Stunden, den Rest der Nacht benützte er für die Mathematik und Geschichte, oder er betete. Den Gottesdienst besuchte er fleißig, um sein Herz zu heiligen, hielt auch seine Krieger zur Religiosität an. Man hat noch Gebete, die er selbst verfaßt hat. Er war ein Feind eines unsittlichen Lebens und in diesem Punkte möchte nicht leicht ein anderer großer Feldherr früherer oder späterer Zeit ihm gleich stehen.

Opfer.
Das Heidenthum war grausam in seinen Opfern.

Die Grausamkeit der Karthager war von allen Fremden gefürchtet, denn sie tödteten die von einem Sturm an ihre Küste geworfene Schiffsmannschaft und tödteten die Kriegsgefangenen. Zu bestimmten Zeiten und bei großen Staatsunfällen opferten sie bis zweihundert Kinder ihren Göttern; die unschuldigen Geschöpfe wurden aus den vornehmsten Familien genommen. Der unter dem Bilde des Saturnus angebetete Teufel, dem man diese Kinder opferte, forderte sogar, daß man ihm selbst die zärtlichsten Naturgefühle zum Opfer bringe; die Mütter mußten diesem Blutbade beiwohnen und jedes Zeichen von Schmerz oder Mitleid wäre als Verbrechen betrachtet worden. Gott strafte diese Gräuel durch innere Unruhen, durch die Pest und durch gänzliche Vertilgung dieses Staates.

Ordnung.
Gott ist ein Freund der Ordnung.

Allen Thieren hat Gott ihren Wohnort angewiesen, einigen in kalten Ländern, andern in gemäßigten, andern in heißen Zonen. Einige bewohnen die Luft, andere die Erde, andere das Wasser; einige im Meere, einige in Flüssen, einige in Bächen. Jeder Pflanze und jedem Baume ist der Standort und Boden mit dem Lande angewiesen, so daß diese auf Bergen, jene auf Ebenen wohnen. Nicht minder hat Er jedem Thiere seine Lebensart, seine Fähigkeit und Nahrungsmittel mitgetheilt und angewiesen. Bei dieser Ordnung bleibt Gott seit der Schöpfung. Eben so wirkt Gott Alles zu seiner bestimmten Zeit; die Sonne rückt er uns näher und näher bis zum Juni, sodann entfernt Er sie weiter und weiter bis zum Dezember; Er läßt sie binnen vierundzwanzig Stunden auf- und untergehen; so wechselt der Mond alle neunundzwanzig Tage nach seinen vier Vierteln; die Sterne erscheinen und verschwinden und vollenden in der festgesetzten Zeit ihre Bahn. Es wechselt jährlich Frühling, Sommer, Herbst und Winter in immer sich gleichbleibender Folge, es keimen die Gewächse zu seiner Zeit. Gott hält die pünktlichste Ordnung in der Natur. Wenn das nicht wäre, man könnte sich nicht darauf verlassen, man könnte keine Arbeit, keine Saat vornehmen. Den Schöpfer sollen wir in unserem Thun und in den Geschäften des menschlichen Lebens nachahmen. Wir müssen uns an Ordnung gewöhnen. Alles im Hause soll seinen bestimmten Platz haben, dieß unterstützt das Gedächtniß, man erspart Zeit beim Suchen, man findet es im Finstern. Alles soll zu rechter Zeit geschehen; dieß erspart Zeit und erleichtert die Geschäfte. Wer sich also an Ordnung gewöhnt, wird den Sonntag nicht zu weltlichen Arbeiten brauchen; denn er gehört Gott und dem Seelenheile; ein Solcher wird nicht die Nacht zum Tage machen. Ordnung ist die Seele der Haushaltung.

Ordnung ist die Seele der Haushaltung.

Ordnung ist die Seele jeder Haushaltung, der Kirche, des Staates. Zur Ordnung gehört, daß jedes Geräthe seinen Ort habe; daß jeder sein ihm zugewiesener Geschäft habe und gut verrichte; daß Alles zu rechter Zeit geschehe. Hat jedes Ding seinen bestimmten Platz, so findet man es ohne Zeitverlust, im Finstern; wo nicht, muß man lange suchen und es geht Zeit verloren. Sind die Geschäfte gehörig vertheilt, so weiß Jeder, was er zu thun hat; thut Jeder des Seinige treu, so werden alle Arbeiten gut verrichtet. Geschieht Alles zu rechter Zeit, so erspart man Zeit, man leistet mehr und Alles gelingt; geschieht eine Sache zur Unzeit, so mißräth sie, und fordert mehr Kraft und Kosten. Um aber solche Ordnung zu handhaben, müssen die Vorsteher mit Umsicht und Weisheit anordnen, die Untergebenen aber müssen willigen und pünktlichen Gehorsam leisten.

Die schönste Ordnung dieser Art sieht man in den Bienen- und Ameisenkolonien. Die Königin ordnet die Geschäfte an, vertheilt die Arbeiten, und alle Glieder dieses tausendfältigen Staates gehorchen willig und pünktlich; jede Biene treibt mit Eifer ihr angewiesenes Geschäft. Dieser Gehorsam ist die Grundlage ihrer bewunderungswürdigen Ordnung. Da ist alles auf seinem Platze; hier Honig, hier stehen Zellen für die Eier in Bereitschaft, hier sind Maden, hier liegen Puppen; hier die Arbeitsbienen, hier die Drohnen, hier die Zelle für eine junge Königin. Jede Biene weiß, was sie thun soll; diese begleiten die Königin, nähren, pflegen, putzen sie; andere nehmen die Eier weg und legen sie in die Zellen; andere liegen auf der Brut, andere füttern die Würmer; andere säubern die auskriechenden Bienen; andere holen Wachs oder Honig; andere verarbeiten das Wachs zu den Zellengebäuden. Dabei geschieht Alles zur rechten Zeit; Honig und Wachs sammeln sie zur Blüthezeit; die Brut legen sie an, wo die meiste Nahrung zu haben ist; die Drohnen werden getödtet, wenn sie Nichts mehr nützen und nur aufzehren würden. Diese Ordnung erhält manchen gesunden Stock bis zwanzig Jahre bei derselben Kraft und Anzahl. Möchte doch jedes christliche Haus diese Ordnung handhaben! Möchte jedes Familienmitglied, jeder Christ, jeder Unterthan diesen pünktlichen Gehorsam leisten!

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