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Ehmig: Gleichnisse

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4. Band, Priester – Religion – Rosenkranz – Rückfall - Scham

27.10.2016
ETIKA-Bibliothek.
Auszüge

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1869. Vierter Band. Stichwörter: Priester. Religion. Rosenkranz. Rückfall. Scham. Scherz. Schönheit. Ab Seite 53

Vorhergehende Gleichnisse: Natur - Ordnung

Priester.

Der Priesterstand ist ein ehrenwerther Stand.

In Aegypten und in den heißen Ländern leben giftige Schlangen, besonders aber lebt im Nil, im Ganges, im Euphrat und in andern Flüssen Afrikas ein großes gefräßiges Ungeheuer, das Krokodil. Eben dort wohnt auch der Ibis, ein Vogel von der Größe und Art des Storches. Dieser tödtet die Schlangen, und sucht die Eier des Krokodils auf, welches er in den heißen Sand legt und von der Sonne ausbrüten läßt, säuft sie aus und vernichtet diese Ungeheuer, ehe sie noch zum Dasein gelangen. Dieser Vogel ist ein Wohlthäter jener Länder, Jedermann liebt ihn dieses Nutzens wegen, Niemand verfolgt oder tödtet ihn, ja die alten Aegypter verehrten ihn wie einen Gott und balsamirten ihn ein.  Diese abgöttische Verehrung zeigt, daß man den Vogel seines großen Nutzens wegen schätzte.

Nun was ist der Schaden, welchen eine Schlange oder ein Krokodil anrichtet, gegen den Schaden einer Sünde, welche zeitliche und ewige Strafen nach sich zieht. Was ist also der Nutzen des Ibis gegen den unberechenbaren Nutzen für Zeit und Ewigkeit, welchen der Priesterstand erzeugt, da seine ganze Thätigkeit, das Predigen, die Christenlehre, der Beichtstuhl, die Seelsorgeführung auf Unterdrückung und Ausrottung der Sünde berechnet ist. Wenn man einen nützlichen Vogel ehrt, ist es wohl zu viel, wenn Christus verlangt, daß man die Priester ehrt? Er sagt ja ausdrücklich: Wer euch ehret, ehret mich; wer euch verachtet, verachtet mich! (Anmerkung ETIKA: Verehrung verdient also jeder Priester, dessen Tätigkeit auf Unterdrückung und Ausrottung der Sünde berechnet ist. Wer aber die Sünde akzeptiert und die Sünder ermutigt, in ihrem Treiben fortzufahren, hat seine Beruf und seine Berufung verfehlt.)

Prozeß.
Prozesse endigen gewöhnlich zum Nachtheil beider Streitenden.

Bei der menschlichen Gebrechlichkeit ist es unvermeidlich, daß nicht manchmal Beleidigungen vorfallen, bald durch Reden, bald durch Unrecht. Ist nun ein Zwist entstanden, so soll Jeder zum Frieden geneigt sein und die Hand zur Versöhnung bieten. Geschieht dieß nicht, so artet der Zwist in Feindschaft aus und wer in dieser Gesinnung stirbt, ist verloren. Es geht ihnen, wie den Hirschen. Zuweilen kämpfen zwei Hirschböcke wüthend miteinander; keiner will weichen, ein jeder will seinen Gegner durchbohren und so geschieht´s nach langem Kampfe, daß sie sich mit den Hörnern spießen, nicht wieder von einander loskommen können und beide verhungern müssen. Es geht dem Prozeßsüchtigen wie dem Ameisenbär; er schlägt dem größten Raubthiere seine krummen langen Krallen tief in den Leib und kann sie dann nicht wieder herausziehen; beide setzen den Kampf fort, bis sie zusammen todt niederfallen; oft findet man einen Ameisenbär und ein Raubthier auf diese Weise vereinigt todt. Lasset die Sonne nicht über eueren Zorn untergehen, sagt Paulus.

Religion.
Ohne Religion ist der Mensch ein Sklave der Sinne.

Der Mensch ist in Folge seiner verdorbenen Natur zu fleischlichen Lüsten geneigt; er ist hoffärtig, geizig, neidisch, wollüstig, genußsüchtig, zornig und träge. Der Pavian ist auch wollüstig, diebisch, boshaft. Was ist also für ein Unterschied zwischen Mensch und Pavian? Der Mensch kann mittelst des Gebetes und der Gnadenmittel der Religion seine Begierden beherrschen, das Thier kann das nicht. Ohne Religion setzt sich der Mensch auf die Stufe des Pavian. Darf er sich beschweren, wenn ihn Gott nicht wie einen Menschen, sondern wie ein unreines Thier verabscheut?

Die christliche Religion ist ein Licht für die Seele.

In welcher Geistesfinsterniß befanden sich die Heiden! Sie erkannten nicht einmal den Schöpfer und beteten Bilder an, die sie selbst gemacht hatten. Und wie blind waren sie in der Sittenlehre! Was Gott als Todsünde, als Verbrechen mit zeitlichen und ewigen Strafen verpönt, das erlaubten ihre Weltweisen nicht nur, das übten sie sogar zur Ehre der Götter, als: Diebstahl, Unzucht und Ehebruch zu Ehren der Götter im Tempel, Sklaverei, Aussetzung und Ermordung der Kinder. Wie glücklich sind die Christen, denen der Sohn Gottes seine heilige Religion geoffenbaret hat, welche die Menschen gerade über die wichtigsten Dinge unterweiset, über Gott, Ewigkeit, Gebote und Sünde. Mit dankbarer Wißbegierde sollen wir daher die heilige Religion lernen, hören, darüber nachdenken, darnach leben. wir sollen mit solchem Vergnügen dem Worte Gottes zueilen, wie das Käuzchen dem Lichte. Religion ist ein übernatürliches Licht, welches den Menschen erleuchtete und ihn lehrt, hier gottgefällig zu leben und nach dem Tode ewig selig zu werden.

Wir sollen die Verheißungen und Drohungen der Religion mehr beachten.

Wir sollen uns an die göttlichen Verheißungen und Drohungen wenigstens eben so sorgsam halten und darnach achten, als wir die Wetterprophezeiungen der Natur glauben und beachten. Sind sie nicht verläßlicher als die Verkündigung des Wetters? Nun hat aber Gott gedroht: Kein Dieb, kein Räuber, Geiziger, Unzüchtiger, Ehebrecher, Trinker, Rachsüchtiger, in Haß und Feindschaft Lebender wird das Reich Gottes sehen.

Spott ist nur gegen falsche Religionen erlaubt.

Die heiligen Martyrer Selucius und Stratonike lagen ganz zerfleischt im Kerker und ein Engel heilte sie. Darüber wurde der Richter ganz verwirrt. Er befahl ihnen, den Göttern Weihrauch zu streuen. Stratonike rief lachend: Ich rede euch an, ihr Götter; Zeus, stummes Götzenbild; Cybele, Machwerk von Holz; blinder stummer Bel, Sitz des Teufels; Diana, du hohles Erz!, saget, sollen wir euch anbeten oder beschimpfen? Aber keiner von euch siehet, oder höret, oder redet. Dann erklärten beide dem Richter, taube sprachlose Steine werden sie nicht als Gott anbeten. Sie wurden noch viel gemartert und endlich getödtet.

Verspottung der Religion wird von Gott schon hier bestraft.

Ein Wandbild im Kreuzgange zu Marienschein zeigt die Strafe eines Religionsspötters. Im Jahre 1610 verlobte sich ein blinder Mann von Techowitz zu Maria. Er ließ sich hieher führen, machte seine Andacht und wurde sehend. Als er nach Hause kam, fragte ihn sein Nachbar, ein Protestant, ob er sehe? Ja, sagte Dieser. Nun, entgegnete Jener spottend, da muß ich mein blindes Pferd auch hinführen! er kam auch wirklich mit dem Pferde und führte es zum Spott der Katholiken um die Kirche herum. Das Pferd wurde sehend, der Spötter aber stockblind.

Rosenkranz.
Die Rosenkranzandacht durch ein Wunder aufgefrischt.

Die Brüder des Dominikanerordens beteten Anfangs täglich den Rosenkranz; allein sie fingen nach und nach an, nach eitlen Dingen zu trachten und wurden im Rosenkranzgebet immer lauer. Einige strebten nach hoher Wissenschaft und hohen Würden, verführten auch Andere, daß der Rosenkranz fast in Verfall geriet und mit ihm die gute Zucht. Maria selbst warnte sie vergebens. Da trugen sich in einem Dominikanerkloster zu Neapel schreckliche Dinge zu, die den Rosenkranz bald wieder zu Ansehen und Ehren brachten. Als einst der Speisemeister in das Refektorium ging, das Abendmahl anzurichten, sah er den ganzen Saal voll Mönche in ihren Kappen sitzen, als wollten sie speisen. Bestürzt lief er zum Prior, welcher sogleich in den Speisesaal ging. Sogleich erhoben sich die Mönche von ihren Sitzen, neigten sich vor ihm und warfen zum Zeichen ihrer Ehrerbietung die Kappen zurück. Im Namen Gottes fragte der Prior, wer sie wären und was sie begehreten? Da sprach der Oberste: Wir sind Dominikaner, die einst hohe Würden hatten und sind zur ewigen Pein verdammt, weil wir den Rosenkranz zu beten versäumten. Wir sind von den Todten auferstanden, um euch zu warnen. Und plötzlich schlugen Alle ihre Oberkleider zurück und man sah ihre Leiber brennen in lichterlohen Flammen. Der Oberste that darauf einen gewaltigen Schlag mit der Faust auf den Tisch und sogleich war alles zerstoben und verschwunden. Dieß geschah im Jahre 1380 und ist von diesem Schlage ein unvertilgbares Zeichen geblieben bis auf diesen Tag. Als die Menschen solches Wunder hörten, beteten Alle den Rosenkranz mit neuem Eifer, und übten viele Bußwerke, um die Ablässe zu gewinnen, welche auf das Rosenkranzbeten verliehen sind.

Das Beten des Rosenkranzes dient zur Bekehrung.

Es lebte zu Saragossa ein gottloser Edelmann, der Peter hieß und mit dem heiligen Dominikus verwandt war. Als nun der Heilige eines Tages predigte und bemerkte, daß auch Peter in die Kirche kam, da bat er Gott, er wolle der ganzen Versammlung den traurigen Zustand, in welchem dieser arme Sünder sich befand, zu erkennen geben. Da erschien Peter plötzlich wie ein höllisches Ungeheuer, von vielen Teufeln umgeben, welche ihn mit sich fortschleppten. Jedermann floh seine Nähe, sogar seine Frau, welche sich in der Kirche befand, und die Diener, welche ihn begleitet hatten. Hierauf ließ ihm der heilige Dominikus durch einen seiner Gefährten sagen, er solle sich der allerseligsten Jungfrau empfehlen und anfangen, den Rosenkranz zu beten, welchen er ihm zugleich überschickte. Hierauf verdemütigte sich der Edelmann, ließ dem Heiligen danken und empfing selbst die Gnade, die Teufel zu sehen, welche ihn umgaben. Auch beichtete er unter Vergießung vieler Thränen dem heiligen Dominikus seine Sünden, welcher ihm die Versicherung ertheilte, Gott habe ihm dieselben vergeben. Er fuhr fort, den Rosenkranz zu beten und gelangte zu großer Vollkommenheit. St. Liguori.

Das Rosenkranzbeten ist sehr kräftig gegen die Anfechtungen des Teufels.

Die Sion 1856 im letzten Hefte (?) erzählt: Ein Geistlicher in Baiern ward am 3. November 1856 zu einem kranken Mädchen gerufen, das ein sehr unkeusches Leben führte. Sie sprach sehr verwirrt und nur mit Mühe konnte er sie Beicht hören; doch gab sie Zeichen der Reue von sich. Er besuchte sie fleißig bis zum 15. November; da ward er sogleich nach der heiligen Messe zu ihr gerufen. Sie griff in die letzten Züge, der Priester ertheilte ihr die letzte Oelung. Gegen zwölf Uhr ward das Mädchen schwarzblau im Gesichte, die Augen traten hervor, die Haare stiegen zu Berge, sie schrie mit Einemmale: Ich bin verdammt, verdammt in den Abgrund der Hölle, Teufel, Teufel! Der Priester forderte sie auf, den Namen: Jesus und Maria! auszusprechen. Sie sagte: Ich kann es nicht, sonst wäre ich gerettet! Das Schreien: Teufel, Teufel! ging fort, die Anwesenden erblaßten, weinten und rangen die Hände. Alles umsonst; das Mädchen schrie fortwährend: Die Teufel holen mich! Der Priester besprengte sie mit Weihwasser; umsonst; er wußte sich nicht mehr zu helfen und forderte die Anwesenden auf, gemeinschaftlich mit ihm den Rosenkranz zu beten. Während des Gebetes ward das Mädchen ruhiger, endlich ganz ruhig. Der Priester hieß sie: Jesus! sprechen; sie antwortete: Maria! Er fragte: Sind die Teufel weg? Sie sagte: Ja. Sprich: Jesus; sie sprach´s.  Er betete weiter; das Mädchen betete jetzt mit; sie sprach fleißig: Jesus, Maria! Die Teufel wichen und sie starb nach einer halben Stunde um drei Viertel auf vier Uhr ruhig. Die Mutter Gottes entriß abermals eine Seele dem Teufel. Bete also fleißig den Rosenkranz!

Rückfall.
Der Rückfall in die alten Sünden ist vor Gott abscheulich.

Um den Abscheu auszudrücken, welchen Gott an jenen Menschen hat, welche sich bekehrt hatten, längere Zeit tugendhaft lebten, nachher aber wieder in die alten Sünden zurückfallen, gebraucht der heilige Petrus in seinen Briefen das Bild von einem Hunde, welcher das Übermaß von Speisen und das Unverdaute durch Erbrechen von sich gibt und gleich darauf das Gespieene wieder frißt. Es ist dieses Beginnen des Hundes so eckelhaft, daß man es nicht mit ansehen kann, ohne mit Eckel und Abscheu erfüllt und zum Erbrechen gereizt zu werden. Auf gleiche Weise will Petrus sagen, wird der Herr über einen rückfälligen Sünder mit Abscheu erfüllt. Daher sagt die Schrift, daß Gott solche Menschen aus Seinem Munde speie, wie wir etwas Eckelhaftes auszuspeien pflegen.

Dem Rückfälligen entzieht Gott Seine Gnade.

Wer sich gebessert hat und sein altes Sündenleben wieder anfängt, dem entzieht Gott Seine Gnade und überläßt ihn der Verstockung. Der heilige Petrus deutet diese schreckliche Strafe damit an, daß er den Rückfälligen mit dem Schweine vergleicht. Das Schwein, wenn es gewaschen ist,  wälzt sich alsogleich wieder in die erste beste Kothlache; es wäre vergebliche Mühe, es rein und sauber erhalten zu wollen; man wäscht es also nicht mehr. Damit will er sagen, daß Gott den rückfälligen Sünder aufgibt. Wer also in der Beichte Vergebung seiner Sünden haben will, muß sich standhaft bessern.

Sakrament.

Im allerheiligsten Altarssakramente ist Jesus Christus gegenwärtig.

Ein frommer Diener sah einen Priester mit beflecktem Gewissen Messe lesen; schon bei der Wandlung sah er, wie schwer es ihm wurde, die heilige Hostie emporzuheben, als er aber kommuniziren wollte, sah er, wie das holdselige Jesukindlein sich mit Händen und Füßen sträubte, in den unreinen Mund des Priesters einzugehen. (Cranitz lib. I. c. 9. Exempl. 2.)

Am Todbette soll man die heiligen Sterbesakramente empfangen.

Voltaire, der ungläubige Philosoph, der Gottesläugner und Gotteslästerer, bekam im Alter von vierundachtzig Jahren einen Blutsturz und der Tod  trat ihm schrecklich vor die Augen. Schon zweimal vorher hatte er bei ähnlicher Gelegenheit seinen Unglauben verflucht, und mit Zerknirschung die heiligen Sakramente empfangen. Auch diesesmal bat er den Pfarrer von St. Sulpice, ihm die Sakramente der Sterbenden zu reichen, und stellte darüber vor einem Notar und zwei Zeugen ein Dokument aus, worin er erklärte, als katholischer Christ zu sterben. Die Philosophen wurden rasend, daß ihr Patriarch als Katholik sterben sollte. Voltaire erholte sich und vergaß seine Bekehrung. In dieser Stimmung suchten ihn seine Genossen zu erhalten. Als ein neuer Blutsturz erfolgte und Voltaire wieder einen Priester verlangte, wichen Alembert, Diderot und andere Philosophen nicht von seiner Seite, und hielten alle Geistlichen ferne von ihm. Da gerieth Voltaire in Wuth und mit zerreißender Verzweiflung rief er wiederholt den Namen Jesus Christus aus, biß sich mit den Zähnen in die Hände und Arme und verwünschte seine Freunde. So starb er. Der Erzbischof versagte ihm standhaft das kirchliche Begräbniß. Wenn nun so ein Freidenker so sehnlich nach den heiligen Sterbesakramenten verlangte, und sie dreimal auf dem Krankenlager empfing, so kann man daraus abnehmen, wie dringend nothwendig der Empfang derselben sei.

Sammlung.

Sammlung des Geistes ist besonders zur Zeit des Gebetes und der Kommunion nöthig.

Ein hervorragendes Beispiel von Geistessammlung war die heilige Emiliana. Sie wußte, daß das viele unnöthige Reden jede Geistessammlung unmöglich macht, weßhalb sie mit der größten Strenge über ihre Zunge wachte. Nicht nur die vierzigtägige Fasten hindurch, sondern auch vierzig Tage vor Weihnachten, deßgleichen drei Tage in jeder Woche beobachtete sie gänzliches Stillschweigen und redete mit keinem Menschen ein Wort, wenn nicht dringende Umstände es nothwendig machten. Jeden Samstag ging sie zur heiligen Kommunion; da sie dann auf dem Wege zur Kirche ganz besonders gesammelt sein wollte, so bat sie ihre Begleiterin, Nichts mit ihr zu reden, und führte folgenden Grund an: Gott ist überall und theilt sich überall gerne mit einem jeden Menschen, wenn er nur ein empfängliches gesammeltes Herz findet; wenn du mir deßhalb einen Gefallen thun willst, so störe mich nicht.  Denn auch beim Gehen auf dem Wege habe ich schon oft vollständig meinen Herrn gefunden, wie beim Gebet in einsamer Kammer. Aber man muß still und gesammelt sein schon aus Ehrfurcht vor dem Herrn, welchen man empfangen will. (Hausen II, S. 203.)

Schaden.
Muthwilliger und boshafter Weise Schaden machen, von Gott bestraft.

Zwei abessinische Edelleute jagten ein wildes Schwein und ritten unbedenklich durch die beinahe reifen Aecker. Der Bauer, dem die Aecker gehörten, beklagte sich bei ihnen über den verursachten Schaden, um so mehr, als das Jagen durch Getreidefelder verboten war. Die Edelleute, statt den Schaden zu vergüten, geriethen in so einen ungerechten Zorn, daß sie ihre Kameraden aufforderten und den Acker gänzlich verwüsteten. Dieß kam dem kaiserlichen Prinzen zu Ohren, welcher die Uebelthäter einsperren ließ und zum Tode verdammte. Die Aeltern der Betreffenden entschädigten nun den Bauer reichlich mit Geld und baten ihn, beim Prinzen Fürbitte einzulegen. Täglich erschien der Bauer im Palaste des Prinzen und bat um ihre Freigebung; der Prinz aber willigte nicht in seine Bitte, indem er strenge Gerechtigkeit zu üben beschlossen hatte. Da nun alle friedlichen Mittel vergeblich waren, befreite sie der Adel des Nachts aus ihrem Gefängnisse und half ihnen zur Flucht. So entgingen sie zwar der Strafe von der weltlichen Gerechtigkeit, aber nicht der Strafe Gottes. Sie kamen auf ihrer Flucht gerade auf den Acker, den sie boshafter Weise verwüstet hatten. Siehe, da kam ihnen ein Löwe und eine Löwin entgegen, welche die flüchtigen Beschädiger augenblicklich zerrissen und fraßen. (Hist. Abess. n. 9.) Kann Gott deutlicher zeigen, daß muthwillige, oder wohl gar boshafte Beschädigung in Seinen Augen eine abscheuliche Handlung sei?

Scham.
Schamhaftigkeit eine Zierde und ein Schutz der Unschuld der Jugend.

Die schamhafte Sinnpflanze in Brasilien zieht bei der leisesten Berührung die Blätter zusammen, bei stärkerer Berührung senket sie auch die Zweige; jeden Abend senken sich die Blätter und erheben sich des Morgens wieder, wenn auch das Gewächs durch ein Obdach beschattet ist. So schamhaft soll die Jugend sein, namentlich die weibliche. Bei jedem schmutzigen Worte, bei jedem geilen Blicke oder unschicklichen Geberde und Berührung soll sie schamroth werden, entfliehen oder wenigstens mit Ernst darein schauen. Schamhaftigkeit ist der Schmuck und der Schutz der Jugend; ist diese verloren, dann ist die Jugend zur Unzucht reif und wird verführt.

Wie schamhaft christliche Jungfrauen sein sollen.

Die heilige Jungfrau Eulalia wurde zum Feuer verurtheilt. Mehrere Fackeln wurden rings um die junge Martyrin angezündet; die Flamme umringte sie von allen Seiten, sie leckte an den Seiten, an der Brust; sie schlängelte, sie züngelte um den ganzen Körper. Als sie sah, daß man ihr die Kleider abzog, hatte die keusche Jungfrau von Anfang an ihre Haare, die eine Flechte unter ihrem Schleier leicht zusammen hielt, aufgelöst. Sie wallten über ihre Schultern und bedeckten dieselben mit zahllosen Locken, die nicht durch die Kunst entstanden waren. Diese Vorsicht hatte etwas ihre bestürzte Schamhaftigkeit beruhigt. Doch bereits erhob sich die Flamme und erfaßte den zerstreuten Haarschmuck. Da gewahrte Eulalia, daß der einzige Schleier, der ihr blieb, um dem Männervolke ihren Busen zu verhüllen, ihr durch die Heftigkeit des Feuers geraubt werde, und sie glaubte, es nicht mehr überleben zu sollen; sie öffnete also ihren Mund und, zum letzten Mal athmend, zog sie in ihre Lungen die Flammen ein und mit ihnen den Tod. Zu gleicher Zeit sah man aus ihrem Munde eine Taube, weißer als der Schnee, hervorsteigen und zum Himmel fliegen; es war Eulalia´s Seele, die aus ihrer irdischen Haft sich befreite und sich oben mit dem Chore der Jungfrauen vereinte. Sogleich erlöschten von selbst die Fackeln, sanft neigte sich das Haupt der Heiligen und ihr Leib sank zusammen. Der Statthalter, die Henker, die Wachen, die Zeugen des Wunders, ergriffen die Flucht. Der Schnee begann in dichten Flocken in den verlassenen Saal zu fallen, der Leib der Jungfrau wurde damit bedeckt. Christen bedeckten sie mit Kleidern und beerdigten sie.

Scherz.
Ein gottloser Scherz und seine Strafe.

Der heilige Johannes Kapistranus predigte zu Krakau und Wratislavia in Polen mit allem nur denkbaren Erfolge. Die Hussiten wollten ihn durch einen Scherz öffentlich beschämen; daher schloßen sie einen lebenden Jüngling in einen Sarg, brachten ihn dem Heiligen und baten ihn, diesen Todten zum Leben zu erwecken. Johannes aber erkannte durch Offenbarung ihren boshaften Scherz und sprach mit strengem Tone zu ihnen: Der, den ihr tragt, verbleibe für immer unter den Todten! Da höhnten ihn die Gottlosen, als könne er ihren Todten nicht lebendig machen; bald aber verwandelte sich ihr Lachen in Geschrei und Gestöhne; denn als Einer aus ihnen seine Stimme erhob und dem Todten befahl, aufzustehen, gleichsam als könnten sie diese Todtenerweckung bewirken, da antwortete der Junge nicht und es zeigte sich, daß er wirklich todt war. Dieses Wunder bekehrte die Spötter, von welchen zwei nach Rom gingen, um Zeugniß davon abzulegen, und die Lossprechung von ihrer Ketzerei zu erlangen.

Schönheit.
Körperliche Schönheit ist kein Glück für die Mädchen.

Eine Fabel erzählt: Eine junge Tochter von häßlicher Gestalt ging hinaus in den Wald, das Unglück ihrer Häßlichkeit zu beweinen und sich zu hängen. Indem sie eine Weile weinte, redete der nächste Baum sie also an: Mein Mädchen! warum so kleinmütig? Du mußt dir dieses Unglück nicht so zu Herzen nehmen! Schau, neben mir sind die nächsten Bäume gestanden, hoch, stark, gerad, gesund; sie wurden umgehauen und verbraucht; die schönsten sind zu Brücken verwendet worden und seufzen unter der Last, da man auf ihnen geht, reitet und mit Lastwagen fährt. Ich aber, weil ich krumm, knorpelig und wurmstichig bin, bin unverletzt geblieben. So, mein Mädchen, wenn du eine schöne Gestalt hättest, wärest du längst eine Hure und ein Kind der Hölle.

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