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Ehmig: Gleichnisse

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Seele

30.10.2016
ETIKA-Bibliothek.
Auszüge

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1869. Vierter Band. Stichwörter: Seele. Ab Seite 206

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Seele.
Die armen Seelen sind dankbar gegen ihre Wohlthäter.

Die heilige Katharina von Siena liebte die armen Seelen im Fegefeuer und leistete ihnen große Hilfe. Da offenbarte ihr Christus, daß ihr die Seelen im Fegefeuer aus Dankbarkeit über sechshundert große Gnaden erbeten haben.

Eine Seele ohne Liebe ist todt.

Die Liebenden kennen kein größeres Vergnügen, als zu lieben und wieder geliebt zu werden. Um die eigene Liebe an den Tag zu legen, sprechen sie die süßesten Worte, geben dem Geliebten die lieblichsten Namen, die zärtlichsten Blicke, verschwenden Liebkosungen und machen kostbare Geschenke, um Freude zu machen, die Gegenliebe zu erhalten und zu nähren. Welche Seligkeit, die Liebe mit Gegenliebe belohnt zu sehen; wie schmerzt es, wenn ihr Liebe verschmäht und nicht erwiedert wird; Manche werden irrsinnig und bringen sich um´s Leben. Gerade so legt es der gütige Gott auf unsere Gegenliebe an. Seine Liebe zu uns ist unendlich und unerschöpflich. Daher verschwendet der Herr Seine Freundlichkeit, Seine Liebkosungen, Seine Zärtlichkeit in unermeßlich reichen Geschenken. Er hat uns erschaffen, gibt uns Essen, Trinken, Wohnung, Kleidung; Er ließ uns erlösen durch Seinen eingebornen Sohn; Er breitet unzählige Schönheiten in der Natur aus, unser Auge zu erfreuen, läßt uns herrliche Töne in tausend Kehlen der gefiederten Sänger vernehmen, lehrte uns die entzückenden Harmonien der Musik, legte den verschiedenartigsten Wohlgeschmack für den Gaumen in die Speisen, bereitete so viele köstliche Gerüche und unerschöpfliche Freuden in dem gesellschaftlichen Beisammenwohnen der Menschen; sogar das tiefe Weltmeer und sein großer Bewohner, der Plattfisch, muß in seinen Eingeweiden einen bis achtzig Pfund schweren Klumpen Ambra erzeugen, welcher nicht nur heilet, sondern auch beim Verbrennen einen Wohlgeruch von sich gibt. Das Alles thut Gott, um uns Seine Liebe zu offenbaren und unsere Gegenliebe zu gewinnen. Muß es, menschlicher Weise zu reden, diesen guten Gott nicht schmerzen, wenn wir so kalt gegen Ihn sind? Kann ein solcher Seelenzustand etwas Anderes, als der Seelentod sein? O lasset uns diesen guten Gott von Herzen lieben und bei allen Genüssen und Freuden denken: Gott! wie gut bist Du!

Die menschliche Seele ist ein selbstbewußter, freier, unsterblicher Geist.
(Beschämt die Religionsspötter!)

In einem Städtchen kamen Abends die Nachbarn in einem Gasthause bei einem Glas Bier zusammen; unter ihnen erschien auch ein junger Mann, aus demselben Städtchen gebürtig, welcher mehrere Jahre in der Fremde abwesend war. An diesem Tage wurde vormittags ein Begräbniß abgehalten, wobei sich die Nachbarn zahlreich betheiligten. Der junge Mann gab sich den Anschein, als wäre er in der Fremde wer weiß wie aufgeklärt worden. Mit sichtbarer Eitelkeit sprach er:

Aber liebe Landsleute und Nachbarn, ihr seid doch noch sehr abergläubisch, das hat man heute beim Begräbniß gesehen! Was soll das Singen und Beten für die Verstorbenen? Es hilft ihnen zu nichts; denn wenn der Mensch stirbt, ist er weg wie das Vieh; seine Seele vergeht und wird zu Nichts! Euere Furcht für Hölle und Sünde ist leer; es gibt gar keine Sünde; denn alles, was wir denken, wünschen, reden, thun, ist ein Spiel unserer Nerven. Diese Wahrheit könnt ihr in dem Werke: „Die sämmtlichen Naturwissenschaften“, gedruckt lesen; ein Berliner Doktor der Medizin hat sie entdeckt! Machen die Leute ein Wesen mit der Erbsünde, welche wir von den unseren Stammältern Adam und Eva geerbt haben sollen;  glaubt es nicht! ich will es euch besser sagen: Wir stammen vom Affen Gorilla, welcher noch heute in den Wäldern Afrika´s lebt; das hat ein Doktor der Medizin in Graz als Professor seinen Schülern mitgetheilt, und der muß es doch besser wissen; also ist die Erbsünde eine leere Einbildung; darum weg mit euerem finsteren Aberglauben, schreitet mit dem Zeitgeiste fort, nehmt Aufklärung an! So prahlte der junge Mann. Seine Nachbarn hörten ihm mit offenem Munde zu; denn solche freisinnige Ansichten wären ihnen selbst nicht im Traume eingefallen.

In demselben Gasthause übernachtete ein fremder reisender Herr, der diesem Geschwätze mit spöttischem Lächeln zuhörte. Als der junge Mann geendet hatte und Niemand ihm etwas zur Widerlegung entgegnete, weil sie zu sehr überrascht waren, rückte der Fremde näher und setzte sich dem jungen Mann gegenüber. Dann fragte er ihn:

-      Wie lange waren Sie in der Fremde?

-      Fünf Jahre.

-      Und in diesen fünf Jahren haben Sie nichts Gescheidteres gelernt, als dieses dumme Zeug? Hören Sie, ich spüre große Lust in mir, Ihnen ein paar derbe Ohrfeigen zu verabreichen!

-      Wagen Sie es! sie würden Ihnen teuer zu stehen kommen!

-      Wie so?

-      Nun, glauben Sie denn, ich würde diese Beleidigung ungestraft hinnehmen? wozu haben wir denn die Gerichte und Strafgesetze? Sie müßten mir die Ohrfeigen theuer bezahlen und würden noch überdieß einige Tage eingesperrt!

-      Meine Herren, sagte der Fremde, sie sehen, wie sich der junge Mann selbst widerspricht; er selbst glaubt nicht an seine soeben geäußerten Ansichten, nur die Eitelkeit hieß ihn so sprechen. Haben Sie nicht kurz zuvor gesagt, daß es keine Sünde gäbe, daß unser Wollen, Reden, Thun nur ein Spiel der Nerven sei? Wenn nun meine Nerven gerade spielen, daß meine Hand Sie beohrfeigt, wie wollen Sie klagen?

Beschämt schwieg der junge Mann; denn die Widerlegung war zu schlagend. Darauf sprach der Reisende zu den Anwesenden:

Meine Herren, stehen Sie auf und verneigen Sie sich ehrerbietig vor diesem jungen Manne; denn er ist von hohem uraltem Adel! Wir gemeine Leute kennen unsere Vorfahren höchstens bis zum Groß- und Urgroßvater; nur der Adel hat seinen Stammbaum und kennt seine Ahnen bis in´s vierzigste, fünfzigste Glied hinauf, bis zu fünf- bis sechshundert Jahren zurück. Der Adel dieses jungen Mannes reicht weiter hinauf, bis in die Urzeit, wo noch Niemand eine Geschichte schrieb; er stammt vom Affen Gorilla; das ist der älteste und ehrwürdigste Adel! Begrüßen Sie ihn daher mit mir: Euer Exzellenz, Herr Graf Aff von Gorilla!

Es entstand lautes Gelächter. Der junge Mann fuhr zornig auf und sprach:

-      Was, Sie wollen mich verspotten?

-      Meine Herren, sagte der Fremde, entscheiden Sie, ob ich ihm Unrecht gethan? Hat er sich nicht selbst für einen Sprößling des Affen Gorilla ausgegeben?

-      Ja, ja, schrieen Alle, er ist der Graf Aff von Gorilla!

-      Sie sehen daraus, meine Herren, daß der junge Mann selbst nicht glaubt, was er prahlend spricht. Sie, junger Mann, sind sammt ihrem Grazer Doktor ein Narr! Denn der weise Schöpfer hat ein Naturgesetz gegeben, kraft dessen sich kein Geschöpf aus seiner Gattung hinaus in eine höhere bessere Gattung veredeln kann. Der Schlehen- und Dornstrauch kann trotz aller Gartenbaukunst kein Weinstock, die Eiche und Buche kann kein Kirsch- oder Nußbaum werden; kein Schaf kann ein Pferd und kein Esel ein Kameel oder Elephant werden; mithin kann auch aus dem Affen Gorilla kein Mensch werden. Zwar lassen sich Pflanzen und Tiere durch Pflege veredeln, aber nur in ihrer Race, in ihrem eigenen Geschlechte; so werden einfache Blumen gefüllt, die Obstbäume tragen feineres Obst, die Schafe feinere Wolle, das Pferd nimmt eine edlere Gestalt an und gewinnt mehr Kraft; aber die Rose bleibt Rose, ob leer oder gefüllt, der Kirschbaum bleibt Kirschbaum, das Schaf bleibt Schaf, das Pferd Pferd, der Esel Esel. Wenn sich Hunde mit Wölfen, Pferde mit Eseln paaren, so verlieren die so erzeugten Jungen mit der zweiten Generation ihre Zeugungsfähigkeit. Angenommen, es hätte einmal ein Affenpaar menschliche Kinder zur Welt gebracht, so würden sich diese menschlichen Kinder nicht haben fortpflanzen können, ihr menschliches Geschlecht wäre ausgestorben. Daß aber alle Menschen nicht vom Gorilla, sondern von Adam und Eva abstammen, das beweiset die Zeugungsfähigkeit der Weißen und Schwarzen, der Weißen und Rothen und Gelben, in´s Unendliche fort, wie wir es in den asiatischen und amerikanischen Völkern sehen. Nun entscheiden sie, meine Herren: Hat Seine Exzellenz Graf Aff von Gorilla mit seiner Ansicht Recht?

-      Nein, nein, schrieen Alle;

und der junge Mann saß beschämt und stumm mit niedergeschlagenen Augen da; man sah es ihm, daß er sich gerne entfernt hätte; aber die Scham hielt ihn zurück.

Hierauf wendete sich der Reisende wieder zu dem jungen Manne und sprach:

-      Sie haben behauptet: Wenn der Mensch stirbt, ist er weg, wie das Vieh! Sie haben somit die Unsterblichkeit der Seele bestritten. Ich muß Ihnen sagen: Nur zweierlei Menschen läugnen die Unsterblichkeit, aber überzeugt ist Keiner von ihnen; sie reden es sich selbst ein, daß es so ist, nämlich: Die Narren und die schlechten Menschen, die ein böses Gewissen haben, die sich vor dem gerechten Gott fürchten, die da fühlen, daß sie die Hölle verdienen; diese suchen sich selbst zu überreden, daß die Seele stirbt, weil sie vom Gewissen nicht so gegeißelt werden. Sie sind Eins von Beiden, entweder ein Narr, oder ein schlechter Kerl! Sind Sie noch nicht schlecht, so müssen Sie es bei solchen Ansichten gewiß bald werden; denn da Sie in der Ewigkeit keine Seligkeit hoffen und keine Strafe fürchten, so müssen sie nothwendigerweise Ihre Seligkeit hier suchen, in der Wollust, Hoffart, Genußsucht und Habsucht. Sie werden sich nicht scheuen, ein unschuldiges Mädchen durch Betheuerungen und Schwüre zu verführen und sie sitzen zu lassen; Sie werden Ihrer Frau nicht treu sein, sondern mit anderen huren; Sie werden auf großem Fuße leben, gut essen, gut trinken wollen, das Einkommen wird nicht ausreichen, Sie werden Ihr Haus verschulden, werden borgen, stehlen, betrügen; ich würde Ihnen nicht fünf Gulden ohne Zeugen und Handschrift leihen; Sie werden lügen, selbst Ihre Eide vor Gericht werden Lüge sein. Solche Leute wie Sie fürchten keine Sünde, kein Unrecht; es hält sie nichts davon ab, als die Furcht vor den Gerichten; Die Gerichte aber können nicht Alles erfahren und strafen. Also sind Sie entweder ein Narr, oder ein schlechter Karl; sind Sie´s noch nicht, so sind Sie auf dem Wege, es bald zu werden.

-      Sie schweigen, Ihr Bewußtsein schlägt Sie, Sie können Nichts entgegnen! Wissen sie denn auch, daß sie das ganze Menschengeschlecht von Adam bis auf uns, alle Völker vor und nach Christus gegen sich haben? Alle glaubten und glauben an die Unsterblichkeit der Seele, ja sogar an ein Gericht jenseits; darum hatten die Griechen und Römer den Tartarus für die Bösen, und das Elysium für die Guten und den Höllenrichter, was unserem Gerichte, unserer Hölle und unserem Himmel ähnlich ist. Selbst die Wilden in Amerika glauben an die Unsterblichkeit der Seele, darum geben sie ihren Verstorbenen Bogen und Pfeile in´s Grab mit, daß sie jenseits Büffel jagen können. Woher dieser allgemeine Glaube aller Menschen an die Unsterblichkeit der Seele? Er ist vom Schöpfer dem Menschen eingegossen und anerschaffen, wie das Athmen, wie der Pulsschlag, wie das Selbstbewußtsein: deshalb ist dieser Glaube göttliche unumstößliche Wahrheit.

-      Die Seele kann nicht sterben; denn als Gott den Menschen schuf, sprach Er: Lasset uns den Menschen machen nach unserem Bilde und Gleichniß. Gott ist ein Geist; Er lebt ewig; die Seele des Menschen ist Sein Ebenbild, also ist sie ein unsterblicher Geist wie Gott. Darum sagt Jesus: Fürchtet auch nicht vor Denen, die den Leib tödten, die Seele aber nicht tödten können; fürchtet vielmehr Den, der den Leib tödtet und die Seele in die Hölle stürzet; ja Diesen fürchtet! Den sollten Sie, junger Mann, auch fürchten!

-      Unsere Seele ist ein ganz einfaches Wesen, sie besteht aus ganz und gar keinen Theilen; sie kann also nicht zerfallen, wie der Leib; sie kann nicht aufhören, zu sein; und in Nichts kann sie auch nicht zurückkehren; nur Gott allein kann sie vernichten; dieser thut es aber nicht, weil Ihm dieses zur Unehre gereichen würde, indem sie Sein Ebenbild ist.

-      Die Seele kann auch einstweilen bis zur Auferstehung ohne Leib fortbestehen, denken, wollen, fühlen; das beweisen unsere Träume im Schlafe und die Arbeiten der Somnambulen, die als Priester im Schlafe Predigten, als Advokaten Prozesse ausgearbeitet haben und zwar meisterhaft.

-      Was machen Sie aus Gott? Sie stellen Ihn ungerecht und grausam dar gegen die Blinden, Lahmen, Krüppel, Taubstummen, gegen alle Kranken und Armen, die bei körperlichen Leiden ihr Brod betteln müssen, wie Lazarus. Nach Ihrer Ansicht thäten sie besser, sich umzubringen, da sie im anderen Leben keinen Ersatz zu hoffen hätten. Doch zum Glück ist es nicht so, wie sie träumen; denn Lazarus wird im Himmel getröstet, der reiche Prasser aber wird in der Hölle gepeinigt. Ja, ja, es gibt eine Unsterblichkeit der Seele, sonst wäre Gott ungerecht und grausam.

-      Noch Eins! Weil alle Menschen ohne Unterschied an die Unsterblichkeit ihrer Seele glauben, so hat das Menschengeschlecht für den menschlichen Tod ein eigenes Wort erfunden und dieses wird nur auf Menschen angewendet; man sagt: der Mensch stirbt. Dieses Wort wendet man weder bei Pflanzen, noch bei Thieren an; bei Pflanzen und Bäumen sagt man: sie verwelken, sie verdorren, sie gehen ein; bei Thieren sagt man: sie gehen d´rauf, sie verenden, sie verrecken, sie krepiren; nur vom Menschen sagt man: er stirbt. Da Sie nun glauben, der verstorbene Mensch ist weg, wie das Vieh, so können sie auch nicht von sich sagen: Ich sterbe; Sie müssen sagen: Ich verende, ich gehe d´rauf, ich verrecke, ich krepire! – Ich fürchte sehr, Gott werde Ihnen ein Ende bereiten, welches mehr dem Krepiren ähnlich sein wird, als dem Sterben; denn Gott läßt selten die Freidenker und Religionsspötter ungestraft aus der Welt scheiden. Was Ihnen drüben bevorsteht, wenn sie sich nicht bessern, wird Ihnen Ihr Gewissen weissagen.

Der junge Mann hielt die Augen niedergeschlagen, mit Schamröthe war sein Gesicht übergossen, er schlich sich still fort und prahlte nie mehr mit solchen Religionsspötteleien. Doch mußte er noch manchmal die Stichelei hören: Exzellenz, Herr Graf! – wissen schon!

Wendet dieses Gespräch auf die Religionsspötter an, die euch aufstoßen. Der heiligen Apostel sagen, man solle sich keine Mühe geben, Ungläubige, Freidenker und Religionsspötter zu belehren; weil sie in ihrer Hoffart die Belehrung verachten und weil ihr verdorbener Sinn für Belehrung unzugänglich ist. Beschämet sie, wie es dieser Reisende mit dem jungen Manne gethan; das ist das beste Mittel, solchen Schwätzern den Mund zu stopfen.

Die Seele ist unsterblich.

Ein gewisser italienischer Graf, Namens Leontius, war Einer Meinung mit dem viehischen Epikur, daß auf der Erde nur müsse gefressen, gesoffen und geschwärmt sein, weil nach dem Tode Alles aus sei. Er veranstaltete dem Adel seines Landes ein Gastmahl, ging vorher an dem Kirchhof vorüber spazieren und fand einen Todtenschädel, den er mit dem Fuße stieß und so anredete:

Sag´an, du ausgedorrtes Gebein, ist es wahr, was die Leute sagen, daß die Seele unsterblich sei? Wenn in dir ein solcher Geist gewesen, wo ist er jetzt? geht´s ihm gut oder schlecht? wird die andere Welt ewig dauern, oder ist es eine Fabel, was die Pfaffen vom Jenseits schwatzen?

Darnach lud er den Todtenkopf auf sein Gastmahl ein. befahl ihm, zu erscheinen, und auf diese Fragen zu antworten. Bei der Tafel wurden die Gesundheiten tapfer getrunken, fest gegessen und als Alle guter Dinge waren, kam auf einmal der Diener voll Schrecken gelaufen, meldend, daß ein Fremder, oder vielmehr ein lebendiges Ebenbild des Todes sich anmelde und zum Gastmahl wolle. Die anwesenden Gäste entsetzten sich; der Graf befahl, man solle das Ungeheuer befragen, was sein Begehren sei? Es antwortete:

Ich gehöre zu den geladenen Gästen; ich bin heute früh geladen worden, als der Graf am Kirchhofe vorüber spazierte.

Leontius erinnerte sich nicht ohne Grausen des Todtenkopfes und befahl dem beherztesten Knechte, das Ungeheuer hinauszuwerfen und die Thüre zu verrammeln, wenn´s ja Gewalt brauchen sollte. Das Gerippe hatte aber schnell die Riegel zerbrochen, war im Saale und sagte den Gästen, sie sollten sich nicht geniren, sondern die Tischfreuden fortsetzen, sie hätten schon lange nichts gegessen und er wollte sie doch zum Essen und Trinken anfrischen. Die Gäste schlichen sich aber hinaus, also, daß der Graf mit dem Knochengerippe allein war.

Kennst du mich? Ich bin der Schädel, den du heute früh mit dem Fuß gestoßen, und bin gekommen, auf deine Fragen zu antworten. Die erste Frage ist: Ob die Verstorbenen ewig leben; ob die Bösen gestraft werden? Nun, auf Befehl des göttlichen Richters bin ich gekommen, dir zu sagen, daß die Todten wirklich ewig leben, daß die Bösen ewig gestraft werden! Du sollst daran nicht zweifeln; denn ich bin dein Urgroßvater und du mein Urenkel. Wir sind aber Beide unglücklich; ich brenne in der Hölle, weil ich auch ein so viehisches Leben geführt, wie du. Mein Vetter! du mußt aus gerechtem Urtheile Gottes mit mir fort, wegen deiner Sünden.

Hiermit ergriff er den Leontius und schleuderte ihn so derb an die Wand, daß er augenblicklich todt war.

 

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