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Ehmig: Gleichnisse

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18b8sege

Segen – Selbstverwünschung – Seligkeit - Sinn

2.11.2016
ETIKA-Bibliothek.
Auszüge

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1869. Vierter Band. Stichwörter: Segen. Selbstmord. Selbstverwünschung. Seligkeit. Ab Seite 231

Vorhergehende Gleichnisse: Seele

Segen.
Der Segen der Aeltern steigt auf gute Kinder nieder.

Der Sohn eines alten, unerschütterlich braven Försters in dem großen Walde, der früher dem Herzoge von Orleans gehörte,  bei Villiers-Colleres, kam in den Verdacht, einen reichen jungen Mann aus Paris, der sich bei einem Geschäftsfreunde seines Vaters befand, um sich für den Holzhandel auszubilden, erschlagen zu haben. Der Leichnam war gefunden und der angebliche Mörder ergriffen, dessen Schuld sicher zu sein schien. Als er eingebracht wurde, hatten sich auch die alten Aeltern des Unglücklichen eingefunden, um den Sohn noch einmal zu sehen. Sobald die Mutter denselben erblickte, rief sie aus: Mein Sohn! mein lieber Sohn! und wollte ihn mit den Armen umschlingen; der Vater aber hielt sie zurück und sagte: Mutter, jetzt nicht; erst müssen wir wissen, ob wir ihn noch unseren Sohn nennen können, oder ob wir einen Mörder vor uns haben. Dann wendete er sich an den Bürgermeister  und den ersten Gerichtsbeamten, während die Gendarmen den Gefesselten umgaben, und sagte:

Ich bitte  um weiter nichts, als ihm in das Gesicht sehen und ein paar Worte mit ihm reden zu dürfen; dann werde ich selbst sagen, ob er schuldig ist oder nicht.

Die Erlaubniß konnte nicht wohl verweigert werden. Der Vater trat an den Sohn heran, die Anwesenden bildeten einen Halbkreis um die Gruppe und Aller Herzen  klopften fast hörbar. Da streckte der alte Förster die Hand aus und sagte:

Seid alle Zeugen, die ihr hier seid,  was ich ihn fragen werde und er antworten wird. – Vor der alten Frau da, die deine Mutter ist – vor dem weinenden Mädchen, das deine Schwester ist – vor dem würdigen Geistlichen, der dich in der Religion unterrichtet hat, frage ich, dein Vater, der dir von Kindheit an die Liebe zur Wahrheit und den Haß gegen die Sünde, vor Allem gegen die Lüge eingepflanzt hat, frage ich dich hier, Bernard, wie dich Gott da oben einst fragen wird: Bist du schuldig oder unschuldig?

Dabei sah er den Sohn mit einem Blicke an, der in den tiefsten Tiefen des Herzens lesen zu wollen schien.

Vater! ….. begann der Beschuldigte; aber der Alte unterbrach ihn und sagte:

Nimm dir Zeit, - übereile dich nicht, daß dein Herz nicht in den Abgrund des Verderbens sinke … sieh mich an, - Aug in Aug – und ihr Alle da, sehet ihn fest an und höret wohl, was er sagt … Und nun antworte: - -

Vater, ich bin unschuldig, antwortete der Sohn ruhig und gefaßt.

Da streckte der Alte seine Hand aus, legte sie auf die Achsel seines Sohnes und sagte:

Kniee nieder! –

Der Sohn gehorchte und der Vater sprach im  Tone der festesten unerschütterlichen Ueberzeugung:

Ich segne dich! – Gott segne dich! – Du bist unschuldig! Der Beweis deiner Unschuld wird kommen, wenn es Gott gefällt. Es ist dieß eine Sache zwischen ihm und den Menschen. Mag nun die Justiz ihren Lauf haben. Mutter, sagte er zu der weinenden Frau, jetzt komme und umarme deinen Sohn!

Nach dieser Scene, die alle Anwesenden auf´s Tiefste ergriffen und zu Thränen gerührt hatte, wurde der Gefangene in den Kerker abgeführt, und der Prozeß begann. aber nach kurzer Zeit wurde der wirkliche Mörder entdeckt und der Sohn kehrte, von aller Schuld rein, in das Vaterhaus zurück. –

Den Jubel in der ganzen Gemeinde kann man sich denken. Einer der ersten und reichsten Bürger in der Stadt L. machte, gerührt von dem Vorfalle, diesem braven Sohne den Antrag, ihm seine Tochter, ein blühendes, tugendhaftes Mädchen zur Braut zu geben, falls er Neigung zu ihr haben sollte; denn, sagte er, er könne seiner Tochter keinen braveren Mann wünschen, als einen solchen, der eine so gute, gottesfürchtige Erziehung genossen und so würdige Aeltern habe! Diesen Fasching soll die Hochzeit stattfinden, zu der die ganze Gemeinde geladen wird. (Gemeindezeitung 1865.)

Selbstmord.
Der Selbstmord ist die gewöhnliche Folge von Lüderlichkeit und Irreligiosität.

Der Skorpion ist ein grauenhaftes, böses, giftiges Thier, der den Menschen sticht und verwundet; legt man ihn in einen Kreis von glühenden Kohlen, so daß er nicht mehr entfliehen kann, so sticht er sich selbst todt. Das ist das treue Bild lüderlicher, irreligiöser, schlechter Menschen. Haben sie sich in Folge ihrer Sünden in Unannehmlichkeiten verwickelt, so morden sie sich selbst. Der Fromme lebt gut, kommt nicht in Verlegenheit und die Trübsale, welche Gott auferlegt, trägt er geduldig; ihm geschieht so etwas nicht.

Selbstverwünschung.
Die Selbstverwünschung eines Gottlosen geht in Erfüllung.

Ein vornehmer Indier, ein Mann von roher Gemüthsart, wollte durchaus Nichts vom heiligen Franz Xaver hören und würdigte ihn keines Blickes, ja er jagte ihn auf die schmählichste Weise aus seinem Hausse, indem er sagte: Wenn mir jemals einfiele, in die Kirche der Christen zu gehen, so bin ich gern zufrieden, daß man mir die Thüre verschließe. Wenige Tage nachher wurde er von einem Haufen Bewaffneter überfallen, die ihm nach dem Leben trachteten. Unfähig, sich zu vertheidigen, ergriff er die Flucht. Als er von Weitem die Kirche der Christen offen sah, flüchtete er dahin, von den Feinden verfolgt. Doch die zum Gottesdienste versammelten Christen schlossen schnell die Kirchenthüren, weil das laute Geschrei des Verfolgten und der Verfolger sie glauben machte, es kämen die erbitterten Götzendiener, um sie zu überfallen und die Kirche zu plündern. So wurde Der, welchen die Noth getrieben hatte, an der heiligen Stätte Rettung zu suchen, davon ausgeschlossen und der Grausamkeit seiner Feinde überliefert, welche ihn tödteten. Dieß war die Strafe Gottes für die dem Heiligen zugefügte Schmach und er wurde von dem Fluche getroffen, den er selbst über sich herabgerufen hatte; seine Selbstverwünschung ging in Erfüllung.

Seligkeit.
Die Seligkeit ist nicht ohne Beschwerden zu erlangen.

In Cochinchina wurde eine Christenverfolgung angeordnet. Dreißig Christen wurden gefangen in das Haus geführt, in welchem sich gegenüber zwei Thüren befanden, die Thüre des Lebens und die Thüre des Todes genannt. Wer zu jener ausging, konnte leben, er mußte aber über das Kreuz Christi hinwegschreiten und also Christum verläugnen; wer zur andern ausging, wurde von den Soldaten niedergestochen. Achtundzwanzig gingen durch die Thüre des Todes in die ewige Seligkeit ein, nur zwei verläugneten Christum für ihr zeitliches Leben und fielen in den ewigen Tod. Wir haben auch zwei Pforten vor uns, die zum ewigen Leben und die zum ewigen Tod.

Selig werden ist schwer.

Besser ist es, die folgende Geschichte nicht zu lesen. Der Herausgeber dieser Web-Seite befindet sich in einem Gewissenskonflikt.

Im Leben des heiligen Bernardus liest man von einem Einsiedler, der ein strenges Leben geführt, früher Dechant zu Lingonien war, seine fette Pfründe aus Furcht Gottes verließ und sich in die Wüste zurückzog. Nachdem derselbe mehr als fünfundzwanzig Jahre in außergewöhnlicher Heiligkeit zugebracht, erschien er nach seinem seligen Hinscheiden dem Bischofe von Lingonien, als seinem guten Bekannten und sagte ihm: Thue Buße undd bessere dein Leben, verlasse die Hoffart und den Geiz, sonst wirst du nicht selig; ach! der arme Mensch kann so leicht nicht selig werden! Da ich dem Gerichte Gottes vorgestellt worden bin, sind mit mir dreißigtausend Seelen erschienen, aus welchen Bernard und ich allein selig wurden; drei sind zum Fegefeuer verurtheilt, die Uebrigen aber verdammt worden. Darnach verschwand der Einsiedler.

Bei der Erscheinung über die geringe Zahl der Erlösten handelt es sich unserer bescheidenen Meinung nach um einen Traum, der nichts besagt. Die allermeisten Erscheinungen stammen von bösen Geistern, hat schon die hl. Teresa von Avila erkannt. Die hier genannten Ziffern könnten viele Menschen in Depression und Verzweiflung versetzen. Wir aber glauben, daß Gott gut und barmherzig ist und unsere Gebete erhört und sehr viele Menschen retten wird. Apostel der letzten Zeiten AIHS

Sinn.
Kennzeichen des irdischen Sinnes.

Der Maulwurf steckt immer unter der Erde, gräbt und wühlt fort und fort in der Tiefe; er sehnt sich nicht nach dem freundlichen Sonnenlichte, er wärmt sich nicht in ihren milden Strahlen; er verlangt nur Erdenwürmer zur Nahrung, keine süßen Kräuter, keine Früchte, kein Getreide; nur unversehens kömmt er aus der Erde hervor; dann fühlt er sich aber auch gleich unbehaglich und suchet das Dunkel der Erde.

Diesem Thiere gleichen jene Menschen mit irdischem Sinne, die das Geistige, das Ewige, die Gnade, die Religion, den Himmel gering achten und wie Paulus sagt, nur allein nach dem Irdischen trachten. Das Wort Gottes hören, Religion lernen, widert sie an; aber Theater, Tanz, Musik, Romane sprechen sie an. Den Himmel würden sie gern mit fünfzig Jahren irdischen Lebens vertauschen; bei Gott mögen sie nicht reich sein, wohl aber an Geld und irdischen Gütern; der Verlust eines Geldstückes schmerzt sie mehr, als der Verlust der Gnade Gottes. Er sucht nur irdische Güter und sinnliche Freuden, nur Ehre und Ruhm bei Menschen und nicht bei Gott. Dieser irdische Sinn ist mehr oder weniger den meisten Menschen eigen.

Irdischer Sinn läßt die Gnade nicht wirksam werden; die Folge ist Verhärtung des Herzens.

Menschen, bei denen der irdische Sinn die Oberhand hat, welche für die höheren Güter: Religion, Tugend, Gnade keinen Sinn haben und nur irdische Dinge und Genüsse lieben: Essen, Trinke, Häuser, Felder, Vieh, Kleider, Geld; diese verlieren alle Gewissenhaftigkeit und das Gefühl für´s Wort Gottes und was recht und gottgefällig ist, so sehr, daß sie keine Gewissensbisse mehr empfinden und ohne alle Unruhe sündigen; daß alle Ermahnungen, Gnadenerweckungen, Erleuchtungen und Züchtigungen Gottes an ihnen ohne Wirkung bleiben und nicht zur Buße und Sinnesänderung anregen. Der Sünder, wenn er tief gefallen, verachtet es, sagt die Schrift. Es geht ihnen, wie den Schweinen, wenn sie recht fett geworden sind. So weit der (ihr) Speck reichet, verlieren sie das Gefühl und es gab Fälle, wo Mäuse und Ratten große Löcher in den Speck hin eingefressen, ohne daß sie unruhig geworden wären, Schmerz empfunden oder geschrieen hätten.

Die Sinnlichkeit muß bezähmt werden.

Wir müssen die Sinnlichkeit auf jede Weise abtödten, im Essen, Trinken, im Schlafe, in Ertragung der Hitze und Kälte. Wir müssen es machen, wie Kaiser Max mit den Bären. Einmal kroch er zu zwei Bären in einen Käfig und als diese wüthend gegen ihn ansprangen, schlug er sie mit einer Schaufel so lange, bis sie sich ruhig niederlegten.

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