ETIKA

Ehmig: Gleichnisse

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Spiel – Strafe  - Sünde - Sünder

17.11.2016
ETIKA-Bibliothek.
Auszüge

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1869. Vierter Band. Stichwörter: Spiel – Stand – Stärke - Strafe – Sünde - Sünder. Ab Seite 270

Spiel.
Die Leidenschaft des Spiels macht wahnsinnig.

Diese Leidenschaft benimmt dem Sklaven derselben alle Ueberlegung, alles Gefühl, alle Gewissenhaftigkeit und Gottesfurcht; sie ist eine Art Wahnsinn. Ein junger Bauer aus Niklasdorf spielte unlängst in Kaaden ein hohes Kartenspiel, wobei er dreihundert Gulden verlor. Um das Spiel fortsetzen zu können, ging er und borgte gegen einen Wechsel hundert Gulden; auch dieses Geld verspielte er. Er hätte gerne fortgespielt; aber – ohne Geld kein Spiel. Da hörte er, daß ein Jude in einem andern Wirtshshause ieine Kuh eingestellt habe. Er kaufte diese Kuh um sechzig Gulden gegen Wechsel und verkaufte sie um fünfundzwanzig Gulden, bloß um fortspielen zu können. Verdient so ein Mann nicht, mit Ruthen gepeitscht zu werden? Die Leidenschaft des Spielens macht wahnsinnig.

Das Spiel und seine Folgen.

Ein Bauer aus dem Dorfe Trauschkowitz hatte am 18. August 1865 in Kommotau sein Getreide verkauft und das eingenommene Geld, dessen er in seiner Haushaltung sehr bedürftig war, in einem Wirthshause verspielt. Als er nun zu Hause von seinem Weibe gefragt wurde, wo er das Geld habe, nahm er in leidenschaftlicher Erregung das Gewehr und schoß sich eine volle Ladung durch den Kopf. Er war kaum dreißig Jahre alt und Vater von vier Kindern.

Stand.
Jeder Stand hat seine besondere Pflicht.

In der Kirche zu Nassenbeuern ist ein altes Bild, welches alle Stände vorstellt mit der Angabe ihrer Pflichten. Der Papst ist darauf im Ornate mit der Unterschrift: Ich lehre euch Alle. Der Kaiser mit Scepter und Krone mit der Schrift: Ich regiere euch Alle. Ein General mit der Unterschrift: Ich schütze euch Alle. Der Landmann mit dem Pfluge sammt Unterschrift: Ich ernähre euch Alle. Unten steht auch der Teufel mit einem Schubkarren, mit der Unterschrift: Ich hole euch Alle, wenn ihr nicht ein Jeder seine Pflicht und Schuldigkeit thut! Ein ganz wahres Wort!

Stärke.
Körperliche Stärke ist kein Gegenstand des Prahlens und Rühmens.

Nichts trifft man unter jungen Leuten so häufig, als das Rühmen mit körperlicher Stärke. Wie viele blutige Händel werden deßwegen angefangen, Gesundheits- und lebensgefährliche Wetten eingegangen, blos um seine Stärke zu zeigen, und den Ruhm zu haben, stark genannt zu werden. Ist diese Körperkraft ein würdiger Gegenstand des Stolzes und Ruhmes? Was hat der Mensch dazugethan und beigetragen? Wenn die Stärke an sich ein Grund des Rühmens wäre, so könnten sich die Thiere mit weit mehr Recht derselben rühmen. Der Strauß reißt mit Einem Schlage mittelst seiner Kralle dem Menschen den Bauch auf; kann das der Mensch auch? Der Kasuar tritt mit einem einzigen Stoß seines Fußes zolldicke Bretter durch; kann das der Mensch auch? Also rühme dich etwas Besseren, wenn ja doch gerühmt werden soll, als eines Vorzugs, worin du den Thieren viel nachstehst.

Strafe.
Die zeitlichen Strafen gleichen einer Schuld auf Wechsel, der im Tode fällig ist.

Die zeitlichen Strafen, die wir für unsere Sünden verdient haben, gleichen einer Wechselschuld. Wechsel müssen am bestimmten Tage bezahlt werden; wo nicht, so kann der Gläubiger in Kraft des Wechselrechtes alle seine Habe, Haus, Vieh, Getreide, Waaren pfänden und verkaufen und wenn es nicht hineinreicht, den Schuldner arretiren lassen. So macht es Gott; Er ist der Gläubiger, die zeitliche Strafe ist die Schuld,  der Wechsel lautet auf den Sterbetag. Ist dieser Zahlungstermin vorüber, und du hast deine zeitlichen Strafen weder durch Geduld in Leiden, noch durch Bußwerke und Ablässe getilgt: dann pfändet Gott die Verdienste deiner Tugenden und guten Werke und den Himmel, Er arretirt dich im Fegefeuer so lange, bis die Schuld abgetragen ist; dann setzt er dich in Freiheit und läßt dich in den Himmel ein.

Wodurch man sich versündigt, dadurch straft uns Gott.

Heinrich VI., deutscher Kaiser, hatte Konstantia zur Gemahlin, welche ihm Sizilien als Brautschatz mitbrachte. Die Sizilianer wollten aber keinen Deutschen zum König haben und huldigten einem gewissen Tankred. Nach vier Jahren starb dieser und nun bekam Heinrich Sizilien und Apulien ohne viele Mühe in seine Gewalt. Durch Schrecken wollte er seine Herrschaft befestigen. Den Anverwandten seiner Gemahlin aus der königlichen Familie ließ er die Augen ausstechen, oder sie in Klöster stecken; die übrigen Anhänger wurden gehängt oder sonst gemartert. Ein Graf wurde erst durch die Straßen geschleift und dann bei den Beinen aufgehängt. Ein Anderer, der sich zum König hatte ausrufen lassen, wurde auf einen glühenden Thron gesetzt und mit einer glühenden Krone gekrönt. Da er sich an der königlichen Familie so schwer versündigte, so ließ es Gott zu, daß er durch ein Glied derselben gestraft wurde; seine Gemahlin konnte die Grausamkeit nicht länger ansehen, sie gab ihrem Manne Gift und Heinrich starb, erst dreiunddreißig Jahre alt. Deutsche und Italiener freuten sich darüber; denn wer konnte einen solchen Despoten lieben?

Sünde.
Die Sünde ist etwas Abscheuliches in Gottes Augen.

Die Sünde ist etwas Abscheuliches und Stinkendes in Gottes Augen und gleichet dem stinkenden Safte, den der Stunk (Skunk) von sich spritzt und der Menschen und Thieren den Athem nimmt. Gleich wie aber dieses Thier, welches die stinkende Feuchtigkeit erzeugt, den Gestank selbst nicht riecht, so fühlen auch Sünder das Abscheuliche ihres sündhaften Lebens nicht, bis sie Gott erleuchtet.

Kennzeichen der Todsünde.

Alle Sünden, welche die Gerechtigkeit und Liebe nicht nur verletzen, sondern auslöschen, sind Todsünden; denn Gerechtigkeit und christliche Liebe ist das Leben der Seele; sie gleichen den Schwefeldämpfen und Stickgasen, welche in Schachten das Licht auslöschen und starke Flammen ersticken; wenn Rauchfänge brennend werden, darf man nur unten Schwefel anzünden. Was das Feuer löscht, tödtet auch das körperliche Leben, und was die Liebe und Gerechtigkeit vernichtet, tödtet auch die Seele.

Die schöne, lockende Außenseite der Sünde ist Täuschung.

Die Sünde bietet sich uns in keiner abschreckenden, sondern in lieblicher, lockender angenehmer Gestalt dar; sonst würden wir uns vor ihr besser in Acht nehmen. Die christliche Klugheit rathet uns also, die Ueberzeugung fest zu halten, daß ihre Reize und Lockungen Täuschungen sind und daß der Tod der Seele dahinter steckt; so beim Diebstahl und Unrecht, bei Unzucht und Ehebruch, bei Trunk, Rache, Haß, Hazardspiel. Das Schöne der Sünde gleichet dem Fliegenschwamme mit seinem rothen Ueberzuge und seinen weißen Punkten, die wie Zucker aussehen und worauf die Fliegen begierig gehen; aber eben diese weißen Punkte auf rothem Grunde sind Gift und Tod für sie.

Auch kleine Sünden machen uns vor Gott mißfällig.

Was ist lieblicher, als Honig und Wein; fällt aber nur eine Mücke, Fliege, oder Spinne, oder ein Würmchen hinein, so empfinden wir einen Eckel (Ekel), wir mögen nicht mehr davon genießen. So ist es mit der Seele des Menschen. Gott hat an ihr das größte Wohlgefallen, so lange sie rein und unbefleckt und mithin sein Ebenbild ist; befleckt sich aber der Mensch nur mit einer geringen Sünde, so mindert sich das Wohlgefallen Gottes. St. Chrysost.

Die läßliche Sünde gibt dem Teufel einen Berührungspunkt zur Versuchung.

Je mehr der Mensch läßliche Sünden begeht und je freiwilliger die Neigung dazu, desto mehr Berührungspunkte findet der Teufel zu Versuchungen. Bestreicht man zwei Platten mit Fett oder Kitt, so hängen sie zusammen, und um so enger und unzertrennlicher, je zahlreicher die Berührungspunkte sind.

Man soll keine schere Sünde thun, in der Hoffnung, sie zu beichten.

Wer eine schwere Sünde thut in der Hoffnung, sie zu beichten, der gleicht einem Menschen, der einen kostbaren Diamanten in den Fluß wirft in der Hoffnung, ihn später wieder zu suchen. Ein solcher Sünder stürzt seine Seele in die Hölle; zu einer guten Beichte gehört wahre Reue, diese kömmt aus der Gnade, Gnade ist ein freies Geschenk Gottes, und wer steht denn für´s Leben bis zur Beichte?

Sünder.

Sünder bestrafen ein gutes Werk.

Es ist eine der neun fremden Sünden, das Böse nicht strafen und dagegen ein geistliches Werk der Barmherzigkeit, die Sünder bestrafen. Wie leicht ist dieses gute Werk! ein bescheidener Tadel, ein mürrischer, verachtender Blick, ein bedeutsames ernstes Schweigen, ein mißbilligendes Kopfschütteln ist oft schon hinreichend, besonders für solche, die noch Gefühl haben. Der Löwe selbst hat nicht nur Respekt vor dem Menschen, sondern kömmt in Verwirrung und schleicht sich davon, wenn dieser bei seiner Annäherung dreist stehen bleibt und ihn starr ansieht. Hast du Muth und Verstand, so tadle den Sünder; wo nicht, so zeige wenigstens deine Unzufriedenheit, deine Mißbilligung durch Blick, Miene, Geberde, Schweigen. Es wirkt wohlthätig abschreckend auf den Sünder.

Verstockte Sünder wollen Nichts von Gott und Religion hören, um nicht an ihre Verdammung erinnert zu werden.

Verstockte Sünder machen es wie der Strauß, wenn er gejagt wird. Dieser Vogel ist größer als ein Pferd, lebt in den Sandwüsten Afrikas und Arabiens, scheuet den Menschen und läßt im Laufen das beste Pferd hinter sich. Man setzt ihm zu Pferde nach. Wenn er endlich ermüdet und sieht, daß er dem nachsetzenden Jäger nicht mehr entgehen kann, weil er nicht mehr laufen mag, dann bohrt er seinen Kopf in den Sand, bleibt ruhig stehen und läßt sich mit Prügeln todtschlagen oder erschießen. Wenn er nur nicht den Jäger sieht, todtschlagen mag ihn dieser immerhin. Er könnte sich noch vertheidigen; ein einziger Schlag seines Schnabels streckt Jäger und Pferd zu Boden und mit einem Risse mittelst seiner Kralle reißt er dem Jäger und seinem Pferde den Bauch auf, daß die Gedärme herausfallen. Er aber läßt sich todtschlagen, boht seinen Kopf in den Sand und begnügt sich damit, die Gefahr, den Todfeind und seine Waffen nicht zu sehen. Gerade so machen es verstockte Sünder in Bezug auf die Gefahr der ewigen Verdammniß. Sie wollen nichts davon hören, sie wollen nicht daran erinnert sein; darum meiden sie die Predigt. O ihr Straußmenschen! Ist es nicht vernünftiger, die Augen des Glaubens zu öffnen, die Hölle und das Gericht zu betrachten, die Gefahr der ewigen Verdammniß zu erwägen, als blind und taub dagegen zu sein?

Die Bekehrung des Sünders verlangt außer der Sinnesänderung noch eine Reinigung der Seele.

Hat sich Jemand lange Zeit einer Sünde hingegeben, so hat diese allen seinen Gedanken, Wünschen, Reden und Neigungen eine sündhafte Richtung gegeben und einen starken Hang zu der gewohnten Sünde hinterlassen. Diese Richtung, dieser Hang müssen erst nach der Bekehrung vollends ausgetilgt werden. Sie gleichen dem Unrathe der Würmer im Obste. Die Aepfel, in welchen Würmer gewesen, sind durchfressen; sind auch die Würmer als Käfer ausgeflogen, so bleibt doch der Unrath in den Aepfeln zurück.

Die Bekehrung verschieben ist gefährlich für Sünder.

Zu Toledo gab ein Domherr öffentlich Aergerniß durch seinen lasterhaften Wandel, indem an ihm nichts Geistliches war, als das Kleid. Oeftere Ermahnungen vermochten Nichts, die göttlichen Einsprechungen besserten ihn nicht. Da wurde er tödtlich krank. Ein Priester ermahnte ihn zur Beichte. Es ist noch Zeit, entgegnete er. Der Priester betete für ihn um die Gnade der Reue. Da löste das Kruzifix seine Hände los, verstopfte sich die Ohren und sprach: Ich habe dich gerufen und du hast dich geweigert; so will nun auch ich zu deinem Untergange lachen. So starb er. (Promontorium malae spei.) (Anmerkung ETIKA: Vergleiche Altes Testament.)

Zu große Nachsicht gegen Sünder ziehet diesen und ihren Beichtvätern die Verdammniß zu.

Ein Edelmann ging zwar wie Andere zur Beichte, aber wie der Mohr in´s Bad und als solcher wieder heraus. Dazu trug viel die allzugroße Nachsicht des Beichtvaters bei. Nicht lange darauf starb der Edelmann. Bald hernach erschien er seinem Weibe in schrecklicher Gestalt, von einem Andern auf dem Rücken getragen. Wer bist du? fragte endlich die vor Furcht erstarrte Frau. Ich bin die Seele deines verstorbenen Mannes, antwortete er, und der mich trägt, ist mein Beichtvater. Wir Beide sind verdammt; ich, weil ich wohl öfters beichtete, aber nie mit dem festen Vorsatze, mich ernstlich zu bessern; mein Beichtvater, weil er wohl gewußt, daß ich von meiner alten Gewohnheit nicht abstehe und gleichwohl mich von Sünden absolvirt hat. (Chrysost. Vega. p. 2 c. 14)

Den rückfälligen Sündern versagt Gott Seine Gnade.

Ein Mädchen, das ein ausschweifendes Leben geführt und sich dadurch jene schreckliche Krankheit zugezogen, die den Leib so entsetzlich ruinirt, kam in das Spital, litt dort bis zu ihrer Herstellung furchtbare Schmerzen, verlangte freiwillig zu beichten und zu kommuniziren, empfing die heiligen Sakramente und gab Zeichen großer Reue und ernster Besserung von sich. Sie schien es vollkommen einzusehen, wie wahnsinnig dumm diese Sünde sei, wie sehr sie sich durch dieselbe an Leib und Seele geschadet, und wie gerecht die Strafe sei, die sie dafür auszustehen hatte. Sie versprach, alle sündhaften Bande zu zerreißen, die nächste Gelegenheit zu meiden, keine Bekanntschaft mehr anzuknüpfen und stets Gott vor Augen zu haben. Bald darauf wurde sie aus dem Spitale entlassen. Und wer begegnete mir am nächsten Sonntag Abends, als ich auf einem Spaziergange um die Ecke bog? Dasselbe Mädchen, - mit einem Soldaten am Arm! Wer sollte es glauben! Aber wer kam auch sechs Wochen darauf wieder angesteckt in´s Spital? Dasselbe Mädchen. Ja, lebendig kam es hinein, und todt trug man´s nach kurzer Zeit wieder heraus, - todt an Leib und – Seele, denn es hatte sich nicht bekehrt.

Der gründlich bekehrte Sünder ist Gott treu bis in den Tod.

Zur Zeit der Kreuzzüge war Palästina, das gelobte Land, wüst und öde. In seinen einsamen tiefen Thälern und Schluchten hausten wilde Thiere, und in seinen niederen sumpfigen Gegenden wilde Schlangen. Einst ritt ein tapferer Kreuzfahrer, Graf Latour, indem er sich vom Heere entfernt, in solcher einsamer, unheimlicher Gegend fürbaß. Plötzlich vernahm er aus einer nahen Bergkluft das Brüllen eines Löwen, der, wie es ihm schien, im Kampfe um Hilfe rief. Keine Furcht kennend, sprengte der Ritter mit Blitzesschnelle hin zur grausen, finstern Höhle, schwang sich aus dem Sattel, trat ein und sah nun einen Löwen im Kampfe mit einer riesigen Schlange, die ihre Ringe fest um seinen Leib geschlungen und mit ihrem furchtbaren Gebisse seinen Nacken zerfleischte. Schnell zog Latour das scharfe Schwert und zerhieb die Schlange, so daß sie sterbend ihre Beute fahren lassen mußte. Von seiner mörderischen Feindin befreit, kroch nun der Löwe, schwer aufathmend von seinem heißen Kampfe, zu seinem Lebensritter hin, leckte dankbar seine Hand und legte sich zu seinen Füßen nieder.

Und von nun an folgte ihm der Löwe überall hin nach, er kämpfte an seiner Seite in blutiger Schlacht, er beschützte ihn in Gefahr, er wachte an seiner Seite, wenn er schlief. Als das gelobte Land erobert war, wendete sich der tapfere Graf heimwärts, sein treuer Begleiter folgte ihm; sie kamen an den Meeresstrand, um sich nach Europa einzuschiffen; die Schiffer aber weigerten sich, den unheimlichen Gast an Bord zu nehmen. So mußte sich denn der Ritter entschließen, von seinem treuen Freunde Abschied zu nehmen und ihn am Meeresstrane zurückzulassen. Als das Schiff vom Lande stieß, erhob der Löwe ein schreckliches Angstgeschrei, wie ehedem in jener Felsenkluft im Kampfe mit der Schlange, lief hin und her am steilen Ufer und stürzte sich endlich mit gewaltigem Sprunge in´s Meer, um schwimmend das Fahrzeug zu erreichen, das seinen Lebensretter trug, ohne den er nicht leben konnte. Lange kämpfte er mit den Fluthen, sank unter, tauchte wieder auf, verschwand, erhob sich wieder, bis ihn die Kraft verließ. Da hob er sich zum letzten Male empor, sandte nochmals einen wehmüthigen Blick nach dem Schiffe und – ging dann unter.

Wer bewundert nicht die Liebe und Treue eines Thieres gegen einen Menschen, gegen seinen Lebensretter! Ein schönes Bild des wahrhaft bekehrten Sünders! So liebend und treu schließt er sich an Gott, seinen Lebensretter an, so muthig und tapfer kämpft er an seiner Seite, so anhänglich und opferwillig folgt er ihm überallhin nach. Er thut Alles, um das Andenken und die Spuren seines früheren Sündenlebens zu verwischen, er vernichtet auch den letzten Rest der Anhänglichkeit an die Welt und ihren Dienst. Er will von Nichts mehr wissen, als von Christo allein; Ihm lebt er, Ihm stirbt er, Sein ist er im Leben und im Tode. Und darum leistet er nach seiner Bekehrung freudig und gern, ungesäumt und gewissenhaft Genugthuung!

Anmerkung ETIKA: Er gesellt sich zu den Löwen, die Jesaja ins Paradies versetzt hat.