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Ehmig: Gleichnisse

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Taufe - Teufel

18.11.2016
ETIKA-Bibliothek.
Auszüge

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1869. Vierter Band. Stichwörter: Taufe – Teufel. Ab Seite 372

Taufe.
Die Unschuld der Taufe soll man unbefleckt bewahren, wie das Taufkleid.

Unter dem Katholikenfeinde Hunerich, dem Könige der Vandalen, fiel ein Katholik, Namens Elipodofore, vom Glauben ab, und wurde zur Belohnung als Richter in Karthago angestellt. Dieser Elende ließ eben den Diakon, der ihn getauft hatte, gefänglich einziehen. Als man ihm die Kleider vom Leibe riß, zog er vor der ganzen Versammlung das weiße Kleid hervor, welches der Richter bei seiner Taufe getragen hatte, und sprach: Dieses Gewand wird dich anklagen vor Gott, wenn er zum Gerichte kommen wird. Ich habe es zum Zeugnisse deines Abfalles, der dich in die Hölle hinabstürzt, aufbewahrt. Dieses Kleid, das dich umgeben hat, als du aus dem Taufwasser heraufstiegst, wird deine Qual im ewigen Feuerschlunde vermehren.

Teufel.
Des Teufels Naturell ist Würgen.

Der Teufel und der Marder haben gleiches Naturell; denn gleichwie dieser blutdürstig Alles erwürgt, wenn er´s auch nicht verzehren kann, so hat auch der böse Geist sein Vergnügen daran, unsterbliche Seelen in die Verdammniß zu stürzen. Es schafft ihm zwar keine Erleichterung seiner ewigen Pein, ob er allein in der Hölle ist oder mit tausend Menschen; gleichwohl verführt er zur Sünde; denn beider Naturell ist Würgen, Tödten. Diesen gleichen die Verführer der Unschuld.

Mittel zur Verscheuchung der teuflischen Versuchungen.

Gleichwie der Bär das Schreien, das Rasseln mit Ketten, Feuer und Musik nicht vertragen kann und sich damit verscheuchen läßt, so fürchtet auch der Teufel Reue und Buße, Liebesakte, die Ergebung und Gleichförmigkeit mit Gottes Willen, das heilige Kreuzzeichen, das Weihwasser, das Anrufen der Namen Jesu und Maria. Er läßt von solchen Menschen ab und flieht. Petrus vergleicht den Teufel mit einem brüllenden Löwen. Gleichwie dieser sich vor gewissen Dingen fürchtet, nämlich vor Bären, Affen, Schlangen, Feuer und Hahnenschrei. so der Teufel vor obigen Mitteln mit Wachsamkeit und Nüchternheit verbunden.

Wie man den teuflischen Versuchungen entgehen kann.

Der Teufel kann uns zu nichts Bösem zwingen, er kann uns nur zum Bösen locken und gleichet in dieser Beziehung dem Reiher, von der Größe eines Storches. Er wohnt in Wäldern, baut sein Nest auf hohen Bäumen, nährt aber sich und seine Jungen von Insekten, Würmern, am liebsten von Fischen. Er kann aber nicht unter´s Wasser tauchen und den Fischen nachsetzen, wie die Fischotter. Die Fische müssen selbst so nahe heran kommen, daß er sie fangen kann. Zu diesem Zwecke besitzt er zwei Mittel: seine glänzenden langen Beine und seinen ätzenden Unrath. Er stellt sich also mit seinen langen glänzenden Beinen in einen Teich oder Fluß und läßt seinen Unrath fallen; der Glanz seiner Beine macht die Fische neugierig und locket sie zu ihm heran; ja sie reiben sich sogar daran; sein Unrath ist ihnen ein angenehmer Fraß. Da sie nun so sehr nahe zu ihm heran kommen, so wird es dem Vogel ein Leichtes, sie zu fangen.

Diesem Vogel gleicht der Teufel. Wenn  er irgend einen Menschen zur Sünde verführen will, so erregt er in seiner Einbildungskraft unreine Vorstellungen, böse Gedanken und Begierden. Mehr kann er nicht. Durch diese lockt er von uns das Wohlgefallen und die Einwilligung heraus. Hat er dieses bewirkt, dann hat er uns in seiner Gewalt. So wie also die Fische, wenn sie nicht vom Reiher gefangen werden wollen, vorerst das Wohlgefallen an seinen glänzenden Füßen und die Lust nach seinem Unrathe unterdrücken müssen, so müssen auch wir, um nicht vom Satan verführt zu werden, den bösen Gedanken das Wohlgefallen und den bösen Begierden die Einwilligung versagen. Und so wie man von den Fischen sagen kann: sie haben sich selbst gefangen, so kann man auch vom Menschen sagen: Er hat sich freiwillig vom Satan überwinden und gefangen nehmen lassen.