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Ehmig: Gleichnisse

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18b8wund

Wunder.

23.9.2010
ETIKA-Bibliothek.

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1869. Vierter Band. Stichwort: Wunder. Seiten 681-689.

Wunder.

Falsche Wunder der Ketzer, wahre der Heiligen.

Als der Ketzer Tanchelm in Antwerpen großen Anhang gewonnen hatte, ließ der Wüstling ein Bürgermädchen für seine Lüste durch zwei seiner Trabanten zu sich führen. Es war aber gerade der heilige Norbert in Antwerpen und dieser rettete die Jungfrau; die Trabanten wurden erschlagen. Bei einer großen Versammlung sprach Tanchelm: Gestern hat man mir ein junges Mädchen geraubt, welches ich mir auserkoren; man hat mir meine zwei liebsten Schüler getötet. Rächet mich oder zittert. Seine Anhänger stießen ein Wutgeheul aus. Doch eine mächtige Stimme, Norberts Stimme, erhob sich über den Lärm und rief:

Bist du von Gott gesandt, so beweise es und wir wollen an dich glauben. –

Wer hat gesprochen? rief ein Trabant, sein gewaltiges Schwert schwingend. –

Aber die, welche gekommen waren, den Verführer endlich zur Rechenschaft zu ziehen, zeigten, daß auch sie bewaffnet waren. Ein ernstes, düsteres Schweigen folgte alsbald dem Geheule. Eine Stimme wiederholte mit Festigkeit:

Wir verlangen ein Wunder.

Das Schweigen wurde tiefer in der gedrängten Masse. –

Ein Wunder? sprach Tanchelm unverschämt, habe ich deren nicht genug gewirkt?

Das Volk hat Recht, rief lebhaft ein Mensch, der fremd zu sein schien; wenn Ihr die Gewalt habt, die Ihr Euch zuschreibt, so gebe ich Euch Gelegenheit, sie zu erproben.

So sprechend stieg der Mann auf eine kleine Anhöhe und ließ sich sehen. Sein Rücken war mit einem ungeheuren Höcker bedeckt, würdig, den Rücken eines Kamels zu zieren. Die einen fingen an zu lachen, als sie ihn erblickten; Andere rissen die Augen auf in Erwartung dessen, was kommen würde. –

Was Ihr verlangt, bewillige ich, sagte Tancheln; und sich an seinen Schüler wendend, fügte er hinzu:

Berühre den Rücken dieses Menschen und er werde gerade. –

Der Gefährte des Ketzers streckte die Hand aus und schlug auf den Rücken des Bucklichten; alsbald verschwand der Auswuchs; der umgeschaffene Mensch richtete sich gerade und stolz in die Höhe. Der Fremde stieg eilends von der kleinen Anhöhe herab und suchte sich eiligst unter der verblüfften Menge zu verlieren; doch er sah sich von Bürger umgeben, die verlangten, er solle sich entkleiden, um besser das soeben an ihm getane Wunder würdigen zu können, Man war genötigt, ihm das Wams auszuziehen, und aus dieser Untersuchung erhellte, daß der von Tanchelm unsichtbar gemachte Höcker eine mit Luft gefüllte Blase war. Der anwesenden Menge schien plötzlich ein Licht aufzugehen. Der Ketzer erbleichte, als hätte er seinen Fall vorausgesehen.

Wenn du ein Freund Gottes bist, schrie man ihm von allen Seiten zu, so besänftige den Sturm, der uns bedroht.

In diesem Augenblick brachen die wütenden Winde über die Stadt los; die Wogen der Schelde schwollen heulend an, als wollten sie Antwerpen verschlingen; die schwachen Fahrzeuge, die auf dem Flusse waren, schienen jeden Augenblick an dem Ufer zerschellen zu wollen. Die Menge schleppte den Betrüger auf das Werft und da er nicht mehr sprach, sondern flehte, da er zitternd seine scheußlichen Taten eingestand, so war schon die wütende Menge im Begriff, ihn in die Fluten zu stürzen, als ihn ein Mann der drohenden Gefahr entriß; es war wieder der heilige Bischof Norbert.

Laßt ihm Zeit, Buße zu tun, sprach er. –

Gott wollte nun zeigen, daß er sich Antwerpens erbarmte. Der heilige Bischof, der den Sturm der Menschen besiegt, befahl auch den Wellen und Winden zu schweigen. Er warf seinen Bischofsring in die Schelde und alsbald legte sich der Sturm. Das ganze Volk stürzte auf die Kniee. Die Religion schloß die Wunden wieder, die der Ketzer geschlagen. Der in seinen Verbrechen verhärtete Tanchelm begab sich nach Deutschland, wo er 1125 getötet wurde.

Die Wundergabe ist nur in der katholischen Kirche; keine Sekte hat je ein Wunder gewirkt; damit zeigt Gott, daß nur die katholische Religion göttlich und wahr, alle andern aber falsch seien.

Papst Pius IX. wirkt Wunder.

Die Gemahlin des Fürsten von Sirmio, Don Livio Odiscalchis, war in Rom an einem Unterleibsübel zum Tode krank und empfing die heiligen Sterbsakramente. Ein polnischer Bischof ging zum Papst und bat um die Absolution in articulo mortis. Pius sandte ihr seinen Segen und ein geweihtes Brötchen. Kaum hatte sie Etwas davon genossen, so war sie gesund und konnte dem Papste selbst danken. Das ist schon das fünfte Wunder von Papst Pius IX. (Gemeindeztg.)

Wunder erzeugten die Verehrung der Heiligen.

Das Aus- und Eingehen derer, die beim heiligen Bernard Hilfe suchten, war ununterbrochen. Einer Menge von Personen gab er die Gesundheit wieder; den Einen, indem er ihnen geweihtes Wasser zu trinken gab; den Andern durch seine bloße Berührung; auch Blinden gab er das Gesicht wieder. In Mailand brachte ein Ritter seine kleine Tochter zu ihm, die das Licht so sehr scheute, daß sie, obschon ihre Augenlider beständig geschlossen waren, doch beständig die Hände über die Augen deckte, weil sie fürchtete, der geringste Lichtstrahl könnte ihr Qualen verursachen. Das Licht verwundete sie, gleich als ob man ihr das Gehirn öffnete, und entlockte ihr ein furchtbares Geschrei. Bernard segnete dieses kleine Mädchen und nachdem er das Zeichen des Kreuzes über dasselbe gemacht hatte, entließ er sie beruhigt. Aber während man sie nach Hause trug, öffnete sie von selbst die Augen und ging zu Fuß, ohne einer Stütze zu bedürfen. – Kaum in Paris angekommen, war sein Haus auch schon von aller Welt belagert. Der Ruf seiner Wunder hatte ganz Italien erfüllt und man kam von allen Seiten herbei, um seine Hilfe für die Kranken anzuflehen. Seine Berührung, sein Gebet, seine bloße Gegenwart wirkte Wunder; aber vor Allem erlangten die Besessenen den Gebrauch ihres Verstandes und ihrer Freiheit wieder.

Ein Wunder Mariä im Jahre 1866 gewirkt.

Ein Geistlicher schreibt der Bohemia im Jänner 1866 Folgendes: Magdalena Kade, ledig, geboren 1835 in Philippsdorf, im Hause ihres verheirateten Bruders lebend, war seit ihrem neunzehnten Jahre oft schwer krank und litt seit beinahe elf Monaten an einem schmerzlichen Übel, welches von dem sie behandelnden Arzte als eine bösartige nässende Bläschenflechte bezeichnet wurde. In Folge dieses Leidens entstanden an der ganzen linken Seite ihres Körpers von der linken Schulter bis tief an den Unterleib herab viele, beständig nässende, auch mit faulendem Fleische erfüllte und einen unerträglichen Geruch verbreitende Wunden, die noch in den letzten Tagen bis 12. Jänner 1866 von ihren Angehörigen gesehen wurden, wie diese eidlich bezeugen können. Magdalena Kade war so schwach, daß sie nie allein ihr Krankenlager verlassen konnte, sondern jedesmal herausgehoben werden mußte, wobei sie fast immer ohnmächtig ins Bett zurückgetragen wurde. So bedauerungswert war ihr Zustand noch Freitags den 12. Jänner, welcher für sie, wie sie versichert, und die Augenzeugen bestätigen, der schlimmste Tag ihrer Krankheit war.

Die heftigsten Schmerzen dauerten die ganze Nacht fort, bis in die vierte Morgenstunde, Samstags, den 13. Jänner, wo der bei vollkommener Besinnung – wie sie eidlich bezeugen will – auf ihrem Schmerzenslager Liegenden und inbrünstig zur heiligen Jungfrau Betenden, dieselbe in herrlich glänzender, lichtvoller Gestalt – die Wohnstube war erleuchtet, wie am hellsten Tage – erschien und zu der bebend und zitternd das Magnifikat anstimmenden Kranken nach den Worten: Und mein Geist frohlocket in Gott meinem Heiland, die Worte sprach: Mein Kind, von jetzt an heilt´s! –

Und von der Stunde an waren alle ihre Wunden heil, vernarbt, und wurden Tags darauf von dem sie untersuchenden Arzte mit frischer Haut bedeckt gefunden; ihre große Schwäche und andere peinigende Krankheitszustände, ein jeder Schmerz und ein jeder Geruch war beseitigt und die seit Anfang November 1865 ganz Bettlägerige geht seit jener Nacht, wie sich Hunderte überzeugten, ihren häuslichen Verrichtungen nach und fühlt sich so frisch, gesund und kräftig, wie nie zuvor.

Sie wollte Sonntags darauf, den 14. Jänner in die eine gute halbe Stunde entfernte Pfarrkirche nach Georgswalde (Anmerkung ETIKA: den heutigen tschechischen Namen kennen wir nicht, schreiben aber trotzdem den deutschen Namen, auch wenn dies gesetzlich verboten sein sollte) gehen, wovon ihr jedoch der rauhen und unfreundlichen Jahreszeit wegen abgeraten wurde, und erschien deshalb erst am Samstage den zwanzigsten Jänner, als am Oktavtage ihrer wunderbaren Heilung, in der ganz überfüllten Pfarrkirche bei dem aus dieser Veranlassung dargebrachten feierlichen Hochamte. Magdalena Kade ist übrigens, obgleich eine religiöse Person, dennoch zu keiner Schwärmerei oder oder Überspanntheit geneigt, hat von Allen, die sie näher kennen, das beste Zeugnis eines ruhigen, stets eingezogenen, tadellosen Lebenswandels und wurde ihres schlimmen Gesundheitszustandes wegen vielseitig bedauert.

Das Hais, in welchem dieses Wunder geschah, liegt an der äußersten Grenze Böhmens, an Sachsen. Es kommen nun täglich von den umliegenden Orten, selbst weit aus dem protestantischen Sachsen, viele Leute, um selbst mit dieser wunderbar geheilten Person zu sprechen. Das Wunder machte tiefen Eindruck. Als das Mädchen bei dem feierlichen Dankamte die heiligen Sakramente empfing, blieb kein Auge der Anwesenden trocken. In dem Hause des Mädchens wohnen mehrere protestantische Männer, welche täglich nach Sachsen in die Fabrik in die Arbeit gehen; diese sagen: Wir haben früher nicht viel geglaubt, doch nach diesem Wunder müssen wir glauben. Die protestantischen Frauen, deren es in dieser Gegend in vielen Familien gibt, wenn sie es erzählen hören, weinen meistens. Die ganze Gegend ist mit Jubel erfüllt; denn da kann man sagen: Wer nicht will glauben, der soll hieher kommen und hören und sehen. Das bischöfliche Leitmeritzer Konsistorium hat die Sache bereits erhoben und die –Zeugen verhört; nun wird es der medizinischen Fakultät die Frage zur Entscheidung vorlegen, ob diese Heilung auf natürlichem Wege geschehen konnte. (Gemeindeztg.)

Ein Wunder durch Papst Pius IX.

Die Linzer katholischen Blätter (Anmerkung ETIKA: nicht die heutigen, über diese informieren häufig die katholischen Zeitschriften „Die Wahrheit“ und „Der 13.“, beide haben Internetseiten) bringen folgende Mitteilung aus Rom. Ein Soldat der Schweizergarde, der seinen Posten im Vatikan hatte, erkrankte am Typhus. Dieser verging, aber es trat eine Lähmung ein, daß sich Füße und Schenkel so zusammenzogen, daß er sie nicht bewegen konnte. Hier war keine Hilfe möglich; der Tod mußte erfolgen. Da begab sich der Kaplan der Schweizer zum Papste und bat für den kranken Soldaten um den päpstlichen Segen. Der Papst saß während der Audienz ganz ruhig; auf einmal sah ihn Pius starr an und sagte: Basta. Als der Kaplan nach Hause ging, sah er den Soldaten über den großen Platz St. Peter gehen; er war geheilt. Der Kaplan berichtete diesen Vorfall dem Kardinal Patrizzi. O, sagte der Kardinal, wundern Sie sich nicht darüber; ich könnte Ihnen mehr als hundert solche Heilungen aufzählen, die durch das Gebet Pius IX. bewirkt wurden.

Ein Wunder in Nordamerika am 7. Oktober 1853.

Am 7. Oktober 1853 Nachmittags drei Uhr, fand im Staate Iowa die Erscheinung eines Kreuzes am Himmel statt; worüber wir der katholischen Kirchenzeitung d. d. New=York den 10. November 1853 der Hauptsache nach Folgendes entnehmen: Pater Weninger, S. J. hielt Volksmissionen, unter andern auch zu Guttenberg am Mississippiflusse, von Dubuque dreißig Meilen nördlich gelegen. Man war daselbst mit der Aufrichtung eines großen Missionskreuzes beschäftigt, als in demselben Augenblicke ein großes, lichtes, weißes Kreuz am Himmel erschien. Der Längebalken maß circa einhundert Fuß, der Querbalken fünfundzwanzig Fuß. Das Kreuz verweilte am Himmel beinahe eine Viertelstunde gerade über dem Platze, wo das Missionskreuz aufgerichtet wurde; sein Stamm hatte die Richtung von Morgen gegen Abend, der Querbalken von Süden nach Norden; und es verweilte so lange am Himmel, bis das Missionskreuz aufgerichtet und in dem Boden befestigt war. Alsdann löste es sich glorreich in Strahlen auf und verschwand wie lichter Dunst in den Höhen des Himmels. Die Zeichnung des Kreuzes war vollkommen regulär, bei einer Dicke von einundeindrittel Fuß. Zu beiden Seiten des Kreuzes sah man in gleicher Entfernung, eben so klar, als hell und deutlich, zwei Palmzweige in der Art, wie man dieselben auf Bildnissen der Martyrer zu zeichen pflegt. Der Himmel war außerdem blau und wolkenlos. Man sagt, drei protestantische Frauen seien die ersten gewesen, welche auf diese himmlische Erscheinung aufmerksam gemacht hätten.

Wunder in China neuester Zeit.

In den Lettres edifiantes und in den Annales de la propagation de la foi sind viele Wunder aufgezeichnet, die in China geschehen sind. Unter andern wurde ein feuriges Kreuz am Himmel, von Tausenden von Heiden über ganz China gesehen und von demselben Zeichnungen veröffentlicht.

Wunder des heiligen Franz Xaver.

Als der heilige Franz Xaver in das Königreich Trabankor kam, fand er es ganz in Abgötterei versunken; als er es aber nach einigen Monaten verließ, war es ganz christlich. Der Küste entlang gründete er  nicht weniger als fünfundvierzig Kirchen. Und wie die Arbeiten der ersten Apostel durch nachfolgende Zeichen bestätigt wurden, so bezeugten unzählige Wunder die fortwährende Gegenwart des heiligen Geistes bei diesem Gottesmanne. Selbst Kinder, die mit Gegenständen, welche seine Person, sein Kreuz oder seinen Rosenkranz berührt hatten, bewaffnet waren, konnten Teufel austreiben und Kranke heilen und wurden oft von ihm zu solchen Zwecken verwendet, wenn er keine Zeit hatte, den ihn von allen Seiten drängenden Einladungen Folge zu leisten. In Malakka kam eine gläubige Mutter, deren Kind drei Tage im Grabe gelegen war, zu ihm und bat ihn, er möge ihr das Verlorne wieder zurückbringen; denn, sagte sie, Gott gewährt deinem Gebete Alles. Geh´, erwiederte (sic = so geschrieben) er, und eröffne das Grab, du wirst es am Leben finden. Und darauf wurde in Gegenwart eines großen Zusammenlaufes von Zuschauern, welche sich versammelt hatten, um das Wunder zu sehen, da seine Kraft bekannt war, der Stein entfernt, das Grab geöffnet, und das junge Mädchen wurde am Leben gefunden.

Göttliche und teuflische Wunder in Indien.

Pater Emanuel Leitan schreibt im Jahre 1610 aus Ostindien: Ich habe Ihnen so außerordentliche Dinge mitzuteilen, daß ich, schriebe ich an irgend Jemand Anderen, als an einen Professor der Theologie, es für notwendig halten würde, meinem Berichte, der Vorsicht wegen, eine Vorrede mit einer erklärenden Erörterung vorauszuschicken. Ich würde ihn warnen, über die Entfaltung so mancher geheimer Kräfte und Zauberkünste nicht erstaunt zu sein, da wir in einem Lande leben, wo der böse Dämon eine furchtbare und allgemeine Herrschaft ausübt und in welchem diese sichtbare Tätigkeit des Satans ein tägliche Tatsache ist, die vom ganzen indischen Volke erkannt wird und die Basis und das Motiv eines großen Teils ihres Gottesdienstes bildet. Ich würde ihn auch bitten, über die Wunder, welche Gott unter uns Christen wirkt, nicht bestürzt zu werden, da sie dem Christentum zur Vermehrung dienen. Ohne Zweifel mag es einige Fälle geben, in welchen die Einfalt natürliche Ereignisse übertreibt und sie übernatürlichen Ursachen zuschreibt; man müßte aber blind oder über alles Maß hinaus verstockt sein, wollte man nicht in diesem Lande das Vorkommen unzähliger Wundererscheinungen beider Arten anerkennen. In heidnischen Ländern übt der Satan noch immer eine Macht aus, wie sie ihm früher erlaubt war, deren er aber nun in christlichen Ländern fast gänzlich beraubt ist. (Anmerkung ETIKA: Das war 1610. Genau vier Jahrhunderte später herrscht der damalige Zustand auch in den so genannten christlichen Ländern.)

Wunder der Missionäre in Amerika.

Pater Anchieta wirkte viele Wunder an Kranken. Die Portugiesen sandten ganze Bände Zeugnisse nach Rom. Die wilden Tamuyas glaubten, es wäre eine Macht in ihm und diese Meinung rettete sein Leben. – 1701 wurden zwei Franziskaner von den Aruanen gemartert. Man fand sie vollkommen erhalten, obgleich sie sechs Monate lang auf der Erde gelegen, den wilden Tieren, den Insekten und allen Witterungslaunen ausgesetzt und obgleich ihre Gewänder verfault waren. – Pater Claver starb im Jahre 1654 zwischen dem Magdalenenstrom und den Cordilleren. Drei Jahre später wurde sein Grab wieder geöffnet und Dr. Torrez, ein erfahrener Arzt, sagt eidlich aus, daß, obgleich der Sarg und Alles darin vollständig verfault und zerfallen war, doch der Leib mit allen seinen Häuten, Nerven und übrigen Teilen frisch und unversehrt geblieben, ungeachtet der Menge Kalk, der ihn bedeckt hatte.

Wunder in der ersten christlichen Zeit.

Zum Abte Apollonius kamen in einer Hungersnot alle Einwohner der Umgegend mit Weibern und Kindern; er hatte drei Körbe Brote; davon teilte er Jedem mit, soviel er zur Sättigung brauchte und viele Monate lang nahmen die Körbe nicht ab. Mutius besuchte einen kranken Einsiedler in der Wüste. Er hatte noch drei Stunden zu gehen und die Sonne war schon halb hinter den Horizont hinunter gegangen; er hieß sie stehen und sie stand, bis er angekommen war. Alle Einwohner des Landes bemerkten diesen Sonnenstillstand. – Ein Lahmer wollte zum heiligen Apolles gehen. Er setzte sich auf einen Esel. Die Sattelgurt war vom heiligen Apolles gemacht; als er beim Aufsitzen mit den Füßen diesen Gurt berührte, konnte er gehen.

Teil II

Wunder Mariä.

Im Jahre 1760 fuhr eine Person zu Schiff nach Wien. An der steinernen Brücke scheiterte das Schiff und die Wellen rissen sie fort. Schon war sie im Wasser versunken; da rief sie die schmerzhafte Mutter Gottes zu Mariataferl an und plötzlich wurde sie von einer unsichtbaren Gewalt in die Höhe gehoben und wohlbehalten ans Gestade geleitet. Eine Weibsperson, die sie unter dem Wasser ergriff, wurde mit gerettet.

Im Jahre 1857 am 21. Mai erlangte der Schmiedlehrling Simon Ludwig Eppensteiner, welcher zwei Jahre, zwei Monate, fünfundzwanzig Tage taubstumm gewesen, unter dem für ihn gelesenen Hochamte nach der heiligen Kommunion auf die Fürbitte Mariä Sprache und Gehör. – Im Jahre 1858 lag Maria Walter tot krank. Dreimal erschien ihr eine Person im Träume und sagte: Gelobe eine Wallfahrt zu Maria nach Aufhausen und du wirst gesund werden. Sie gelobte und ward gesund. – Im Jahre 1750 wurde in Hochkirch ein blindes Kind sehend und 1758 ein lahmes Mädchen, dem die Füße nach hinten standen, gerade. – Als der Pfarrer Johann Tausch an der Kirche baute, hatte er Samstags kein Geld, um die Arbeiter zu bezahlen. Er schloß sein Zimmer ab und ging in die Kirche beten. Als er zurück kam, fand er das nötige Geld auf den Tisch aufgezählt.

Wunder der alten Mönche.

Nach dem Tode des Kaisers Julian entstand ein Erdbeben, welches die Wässer des Meeres über die Ufer trieb. Die Einwohner führten den heiligen Hilarion mit Gewalt zum Meere. Er machte drei Kreuze in den Sand und das Meer, lange brausend und gleichsam voll Unwillen sich widersetzend, floß allmählig in sich selbst zurück. – Einst fuhr Hilarion auf einem Getreideschiffe und Seeräuber wollten es berauben. Der heilige Hilarion streckte ihnen seine Hand entgegen und sprach: Bis hieher und nicht weiter! Sogleich wichen die Seeräuber zurück und so angestrengt sie auch ruderten, so kamen sie doch nicht näher, sondern mehr zurück. – Abt Besarion hieß einen durstenden Schüler aus dem Meere trinken, und das Wasser war süß. – Ein Altvater schickte einen Schüler zum Brunnen um Wasser und der Brunnen war weit, auch hatte er das Seil vergessen. Als er ankam, sprach er: O Brunnen, mein Abt hat mir befohlen, Wasser zu bringen. Und sogleich stieg das Wasser empor, bis er´s erreichen konnte. – Der heilige Dominikus stand gerade am Ufer der Garonne, als ein beladenes Schiff untersank. Dominikus fiel auf sein Angesicht und betete; dann stand er auf und rief: Im Namen Jesu Christi befehle ich euch Allen, an diesem Gestade zu landen. Die Versunkenen erschienen über dem Wasser und man half ihnen heraus. Das Volk sah es und dieses Wunder verschaffte ihm in den Augen der Ketzer eine besondere Ehrfurcht.

Wunder Pius IX.

Die französische Zeitschrift „Monde“ bringt unter dem Titel: „Plötzliche, am 8. Oktober 1856 im Namen der unbefleckten Jungfrau und Pius IX. bewirkte Heilung“, die Erzählung eines an der Person der Juliette D., Stubenmädchen der Madame P., wohnhaft Rue Vidello Nro. 11, vollbrachten Wunrders. Juliette D. soll durch die Berührung mit einem Stücke von dem Habit des Papstes Pius IX. von einem Choleraanfall geheilt worden sein. Priester der Kirche Notre-Dame des Viktoirs (Anmerkung: unglückliche Eindeutschung, man fühlt sich an gewisse südländische Nationen im Umgang mit deutschen Namen erinnert, um nur „Northuster“ zu erwähnen, das die bolivianischen Zeitungen vor wenigen Jahrzehnten für Comandante Miguel Nothdurfter aus Bozen verwendeten; der Berichterstatter hat noch die Zungenbrecher seiner Gesprächspartner in La Paz im Ohr; und mit Vergnügen erinnert er sich an die Passkontrolle in Achacachi auf der Fahrt zurück von Charazani: die Indios hatten solche Mühe mit der Entzifferung des Dokuments und ihrer eigenen Liste, dass die Mitreisenden wegen der langen Dauer wütend wurden; geschah ihnen recht, denn kein einziger stand auf, um einer vollbepackten Schwangeren mit Kindern Platz zu machen; die Gringos zeigten ihnen dann, was Höflichkeit und Menschlichkeit bedeuten – besonders in einem alten, überfüllten Bus, der viele Stunden über holprige, nicht asphaltierte, kurvenreiche Bergstraßen rattert) bestätigen die Sache und geben einen ausführlichen Bericht darüber.

Wunderbarer Gesang beim Sterben zweier Personen.

Im Jahre 1866 lebte in Seedorf in Baiern eine Witwe mit einem Knaben von neun Jahren. Dieser war kränklich und als es mit ihm zum Sterben kam, hörte man am Schutzengelfeste beim Aveläuten einen himmlischen Gesang durch drei Tage, bis der Knabe starb, jedesmal zum Aveläuten. Auch der Pfarrer erschien und hörte ihn, eben so der Bruder der Witwe, ein berühmter Arzt. Als die Mutter den Knaben fragte, ob er den Gesang auch höre, sprach er: Ja Mutter, die Engelein holen mich ab; aber nach drei Tagen hole ich dich nach. Als der Knabe gestorben war, siechte die Witwe und starb bald darauf. Auch bei ihrem Tode hörte man zur Zeit des Aveläutens diesen himmlischen Gesang; was der Arzt in einem Briefe an seinen Freund bezeugte.

Wunder können nur Katholiken wirken.

Der heilige Johannes Kapistranus hat viele Wunder gewirkt, deswegen wurde er von den Ketzern, besonders von den Hussiten, stark angefeindet. Einst haben sie Einen aus ihrer Sekte durch Geld dahin vermocht, sich tot zu stellen. Sie veranstalteten ein feierliches Begräbnis, schickten aber früher zum heiligen Kapistranus mit der Bitte, den Jüngling wieder zu erwecken. Der Heilige erkannte durch Offenbarung des heiligen Geistes den Betrug (Anm.: wie die AIHS in etika.com) und brach in die schrecklichen Worte aus: Dieser hat seinen Teil mit den Toten ewig, ewig! Worüber die Hussiten lachten und sich verlauten ließen, daß sie in ihrer Sekte größere Heilige haben. Einer der Ihrigen erhielt den Befehl, zum Sarge hinzutreten und den Verstorbenen wieder zu erwecken. Dieser schrie: Peter, stehe auf! Aber der Peter rührte sich nicht. Er schrie dann, daß ihm die Kehle hätte platzen mögen; doch der Peter hört nicht. Er zog ihn bei der Nase; der Peter ist tot. Dies öffnete Vielen die Augen; sie gingen zum heiligen Kapistran und schwuren ihren Irrtum ab.

Wunder katholischer Missionäre.

Als der heilige Franz Xaver in einem Dorfe am Vorgebirge Comorin in Indien angekommen war, fand seine Predigt durch einen Dolmetscher kein Gehör. In diesem Dorfe lag eine Frau schon seit drei Tagen in Kindsnöten unter furchtbaren Schmerzen, die weder die Brahmanen, noch natürliche Mittel zu lindern vermochten. Xaver begab sich mit seinem Dolmetscher zu ihr, betete über sie, erklärte ihr die wesentlichen Grundsätze des Glaubens (Anmerkung: vermutlich auch, dass die Guten in den Himmel und die Bösen an den Ort der Pein, die Hölle kommen); das Weib glaubte, wurde getauft, war glücklich entbunden und genas vollkommen. Die ganze Familie der Frau warf sich dem Heiligen zu Füßen, baten um Unterricht und die Taufe und erhielten sie.

Das Gerücht von diesem Wunder verbreitete sich bald nach allen Seiten hin; Alle, selbst die Angesehensten, eilten herbei, und verlangten die Taufe. In kurzer Zeit bekehrte er dreißig Dörfer. Zur Zeit des heiligen Franz Xaver gab es viele Krankheiten auf der Fischerküste; mit der Taufe und dem Aussprechens des Namens Jesu wurden sie gesund. Sobald Einer erkrankte, schickte er zu Franz; da dieser nicht überall hingehen konnte, schickte er kleine Kinder mit einem Kreuze von ihm, einem Rosenkranze oder einem Reliquienkästchen, welches die Kinder den Kranken auflegten – und Jeder ward gesund.

Diese Knaben befreiten einmal einen Besessenen vom Teufel, indem sie ihm das Kreuz des heiligen Franz zu küssen gaben. Der heilige Franz begegnete einst einem Menschen, der vom Kopfe bis zu den Füßen mit Geschwüren bedeckt war; er wusch ihn, betete für ihn und der Mann wurde gesund.

Er erweckte vier Tote: einen Katechumenen, Miranda genannt, welcher von einer giftigen Schlange gebissen worden; ein Kind, das in einen Brunnen gefallen war; einen Jüngling und ein Mädchen, welche an einem gastrischen Fieber gestorben waren.

Ein Wunder eigener Art.

Der heilige Franz Xaver wurde in Japan in der Stadt Amanguchi zu jeder Stunde bis tief in die Nacht mit unzähligen schwierigen Fragen bestürmt. (Anmerkung: Wir denken an unseren Mitbruder F., dem all dies offenbar zu viel geworden ist und der hoffentlich bald aus dieser Krise heraus kommt. Wobei wir auch für jene beten, die nach den Worten unserer lieben … das u. G. g. h. u. v. g. s.) Hier ereignete sich ein Wunder, einzig in seiner Art. Durch dasselbe vermochte der heilige Franz mehrere Menschen zugleich zu befriedigen, die ihn über sehr verschiedenartige, oft einander entgegengesetzte Dinge befragt hatten, als da sind: die Unsterblichkeit der Seele, die Bewegung der Himmelskörper, die Sonnen- und Mondfinsternisse, die Farben des Regenbogens, die Sünde und die Gnade, das Paradies und die Hölle. (Anm.: danke für die unverzügliche Bestätigung!) Er hörte Alle, die sich an ihn wandten, ruhig an, sprach dann einige Worte, welche durch besondere göttliche Kraft und Einwirkung für das Gehör eines Jeden, nach seinem Bedürfnis verändert, geordnet, zuweilen vervielfältigt wurden, so daß Jeder auf seine besondere Frage eine befriedigende Antwort vernahm, als wäre der Heilige nur mit ihm allein beschäftigt gewesen. Den Fragenden konnte dieses Wunder nicht entgehen; sie bemerkten es mehrmals und gerieten in das höchste Erstaunen, indem sie bald den Heiligen, bald sich einander ansahen (sic) und sich in ein so unerhörtes wundervolles Ereignis nicht zu finden wußten.

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Anmerkung: Statt Wuthgeheul schreiben wir Wutgeheul, statt Brödchen Brötchen, statt Mittheilung Mitteilung, statt Wittwe Witwe, statt deßwegen deswegen, statt todt tot, statt Begräbniß Begräbnis, statt Dollmetscher Dolmetscher und dergleichen, um die Übersetzung in andere Sprachen zu erleichtern.

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