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Ehmig: Gleichnisse

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Wünsche. Zauberei.

20.9.2010
ETIKA-Bibliothek.

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1869. Vierter Band. Stichwörter: Wünsche. Zauberei. Zaubermittel. Zehent. Seiten 690-692.

Wünsche.

Unsere Wünsche sind nicht immer gut.

Wollte Gott alle unsere Wünsche nach Reichtum, Ehre und Gesundheit befriedigen, so würden wir manche Tugend und dazu den Sinn für höhere Güter einbüßen. Es würde uns gehen wie dem Veilchen; so lange es im Schatten und in magerer Gartenerde steht, hat es seinen lieblichen Wohlgeruch; wird es aber in die Sonne und in fetten Gartenboden versetzt, dann verliert es seinen Wohlgeruch.

Wünsche, böse, gerechte, gehen gerne in Erfüllung.

Im Großherzogtum Luxemburg wurde ein Haus gerichtlich versteigert. Einer der Beteiligten suchte das Haus, in dem er lange gewohnt, an sich zu bringen und setzte den höchsten Anbot. Schon wollte der Gerichtsaktuar zuschlagen, da erschien noch ein Lizitant, bot und wetteiferte mit Jenem. Da dieser merkte, daß der Letztere nur ihm zum Verdrusse, um ihn zu steigern, Anbote machte, rief er: Ich wollte schon, daß Der, welcher noch ein Gebot setzt, des jähen Todes sterbe! Sofort bot sein Gegner noch vier Taler; aber einen Augenblick nachher stürzte er tot zu Boden.

Zauberei.

Die Zauberei wurde stets von der Kirche bekämpft.

Die Kirche hat sich zu fortgesetztem Kampf gegen die Zauberei genötigt gefunden, der schon mit Paulus zu Ephesus und in seinem Briefe an die Kolosser und mit Petrus in seiner Abweisung Simons angehoben und sich durch die ersten drei Jahrhunderte gegen die Sektenhäupter: Menander, Saturninus, Basilides, Karpokrates, Markus fortführte; bis im Manichäismus, nach dem Ausdrucke des großen Leo, Alles, was bei den Heiden Gemeines, bei den fleischlichen Juden Blindes, in den Geheimnissen der Zauberkünste Unerlaubtes, endlich in allen Ketzereien Gotteslästerisches und das Heilige Schändendes gewesen, wie in einem Pfuhle alles Schmutzes zusammengelaufen. Der Kirche ist die Zauberei Ketzerei, ja als Abfall von Gott der äußerste Gipfelpunkt und der Abgrund aller Ketzereien. Denn nach dem Ausdruck der Bulle Adrians VI. übt die Zauberei, uneingedenk des eigenen Heiles, vom Glauben abfallend, das Kreuz mit Füßen tretend, die Sakramente mißbrauchend, den Teufel als Herrn und Gebieter anerkennend, in seinem Dienste und auf sein Antreiben Alles, was schändlich ist und jeglichen Greuel, auf Gefahr der Seele, der göttlichen Majestät zum Trotze und zum verderblichen Beispiele und Ärgernis für Viele.

Verblendung der Sinne durch Zauberei.

In einer Stadt schien die Tochter eines Bürgers durch Zauberei in ein Pferd umgewandelt, so daß man glaubte, sie sei nicht mehr ein Mädchen, sondern eine Stute. Man führte das Mädchen zum heiligen Makarius und bat ihn um Hilfe. Dieser sagte: Das Mädchen hat nichts Tierisches an sich, die Täuschung liegt in eueren Augen durch Verblendung des Teufels. Er betete über sie, salbte sie mit dem Öl und das Mädchen erschien von nun an wieder Jedem in weiblicher Gestalt.

Liebe durch Zauberei erzeugt.

Bevor Karl der Große die christliche Vollkommenheit erlangt hatte, verliebte er sich so sehr in ein gemeines Weib, daß er alle Regierungsgeschäfte vernachlässigte. Gott ließ dieses Weib sterben. Karl ließ die Leiche balsamieren und behielt sie in seinem Zimmer, umarmte und küßte sie fortwährend. Da offenbarte Gott dem Bischof von Köln, und befahl ihm, zum Kaiser zu gehen und den Ring, den die Leiche im Munde habe, zu entfernen. Der Bischof tat´s; augenblicklich war die Liebe verschwunden und verwandelte sich in solchen Abscheu, daß er nicht einmal den Namen dieses Weibes mehr hören konnte. (Petrarcha lib. I. Epist. 3.)

Zauberer haben keine Macht über heilige Menschen.

Lucian und Marcian waren zwei heidnische Zauberer, welche durch ihre Schwarzkunst viel Unheil anrichteten, zu denen Alle liefen, welche Jemandem schaden wollten. Einst sahen sie eine schöne christliche Jungfrau, an der sie ihre teuflischen Künste anwendeten, um sie zu mißbrauchen. Die bösen Geister aber antworteten: Wenn ihr Seelen verderben wollet, die Gott nicht kennen, so wollen wir euch helfen; über diese heilige Jungfrau aber haben wir keine Gewalt. Da die Geister solches offen bekannten, stürzten sie wie tot vor Angst und Schrecken zu Boden. Als sie wieder zu sich kamen, sprachen sie zu einander: Dieser Jesus, den die Christen verehren, muß mehr Macht haben, als die Teufel. Sie ließen sich taufen, predigten selbst Christum und starben als Martyrer.

Zaubermittel.

In Krankheiten soll man keine Zaubermittel gebrauchen.

Der heilige Bernard wurde als Kind von einem Kopfübel geplagt, dessen Heftigkeit aller Heilmittel spottete. Es bot sich eine Frau an, ihn zu heilen. Kaum aber bemerkte das heilige Kind gewisse abergläubische Gegenstände in den Händen dieser Frau, als es sich mit Heftigkeit von seinem Bette erhob und sie aus dem Zimmer jagte, indem es einen Schrei des Unwillens gegen Jene ausstieß, die ihm durch die verhaßten Mittel der Zauberei seine Gesundheit wieder verschaffen wollte. Der Herr belohnte es augenblicklich; das Übel verschwand plötzlich und das Kind verließ ganz gesund und mit herzlicher Freude sein Krankenlager.

Zehent.

Neubekehrte geben den Geistlichen willig den Zehent.

Auf Ceylon ist die Armut groß, weil es dort wenig Gewerbe gibt. Dennoch sind die Bekehrten der katholischen Kirche am willigsten, aus eigenen Mitteln zum Unterhalt ihrer Geistlichkeit und Kirchen beizutragen und ihre Gaben zeugen von einer außerordentlichen Freigebigkeit. Alle Fischer sind Katholiken, und der Zehent, den sie entrichten, beträgt im Jahre zehntausend Pfund. Viele der römischen Kirchen in Colombo sind aus den Ersparnissen frommer Fischer erbaut. Die Katholiken der Fischerküste bauen in Negambo ganz auf ihre eigenen Kosten eine neue Kirche. Sie weigern sich, das Geld zu nehmen, das Leute anderer Kasten, wenn auch römische Katholiken, beizutragen bereit sind. Sie opfern den Erwerb ihrer Fischerei einen Tag in der Woche für diesen Zweck.

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Anmerkung: Statt Reichthum schreiben wir Reichtum, statt Thaler Taler, statt todt tot, statt Aergerniß Ärgernis und dergleichen, um die Übersetzung in andere Sprachen zu erleichtern.

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