ETIKA

Luis von Granada

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18B9A25

Gebet um einen guten Tod

10.2.2013
ETIKA-Bibliothek

 

Andächtige Betrachtungen über das Leben unseres göttlichen Herrn und Heilandes Jesu Christi.
Übersetzt aus den Werken des ehrwürdigen Vaters Ludwig von Granada, aus dem Prediger-Orden
Wien, 1825. Auf Kosten des Herausgebers.

Drittes Buch.

Von dem Leiden und dem Tode Jesu.

Dreyzehntes Capitel. (S. 390f)

Gebeth zu Jesu im Oelgarten, um einen seligen Tod.

O Jesu, du Sohn des lebendigen Gottes, ich bitte Dich durch jene bitterste Todesangst, die Deine Seele in jenem Oelgarten so sehr bedrängte, durch jene schauerliche Beklommenheit und Betrübniß, die dein heiliges Fleisch durchdrang, als Du vor tiefem Schmerz ausriefest:“Meine Seele ist betrübt bis in den Tod!“ sieh barmherzig auf das demüthige Gebeth, das ich mit zerknirschtem Geiste und Herzen zu Dir verrichte, und steh mir bey in jener letzten Stunde, wo ich von diesem Leben scheiden muß; kräftige mich, wenn die äußerste Todesnoth mein Herz und meinen Verstand bedrängt, und verleihe in diesem traurigen Kampfe zwischen Leben und Tod mir Kraft und Vertrauen auf Deine Barmherzigkeit!

O mein liebreicher Herr und Meister! verlaß mich nicht in jener Stunde der höchsten Gefahr; sondern gleichwie Dein himmlischer Vater Dir einen Engel vom Himmel sandte, der Dich tröstete; also sende auch mir Deinen heiligen Engel, der in jener Stunde mir beystehe und mich stärke, und gegen alle Anfechtungen des Feindes kräftige!

Laß nicht zu, o Herr! daß die Anschläge und Versuchungen des Feindes uns überwältigen, noch seine Anfechtungen uns überwinden, noch auch seine falschen Einflisterungen (sic, so geschrieben) uns bethören und verführen.

Waffne und kräftige unser Herz mit der Tugend deiner Geduld: auf daß weder die Widerwärtigkeit noch was immer für ein großer und heftiger Schmerz uns zur Ungeduld verleite; sondern daß unsere Seele sowohl in der Krankheit als in der Gesundheit, sowohl in der Trübsal als in der Wohlfahrt (heute: bei Wohlergehen), sowohl im Tode als im Leben, Deinem göttlichen Willen unterworfen und gleichförmig sey; so wie auch Du, o Herr! Deinen natürlichen Willen dem Willen Deines Vaters nachsetztest, als du sprachst: „Nicht mein Wille, sondern der Deine geschehe!“

Ich bitte Dich, o Herr! nicht um einen sanften Tod, nicht um leichte Schmerzen, nicht um eine gelinde Krankheit; alles dieses überlasse ich Deiner Milde, auf daß Du schaltest und anordnest: nicht was das Fleisch verlangt, sondern was der Nutzen und die Noth meiner Seele erfordert.

Die Gnade, um die wir, o Herr! zu Dir flehen, ist, daß unter allem was sich ereignen mag, uns Kraft und Stärke verliehen werde, daß unsere Seele nicht erliege; sondern bis an den letzten Hauch des Lebens unbesiegt und unüberwindlich bleibe: auf daß wir von der Vereinigung, die wir in diesem Leben durch die Gnade mit Dir erlangten, zu jener geführt werden, welche Deine Heiligen in der ewigen Glorie mit Dir besitzen. Amen.

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