ETIKA D1B

BIBEL Auslegungen

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15.12.1999

Lukas 15, 11-32

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn

Rainer Lechner im Konstanzer Großdruckkalender, 3.10.1997 (Manuskript)

Bei manchem empört sich der Gerechtigkeitssinn, wenn er dieses Gleichnis hört. Ein einfaches Gegenmittel: Nicht irgend jemand ist der verlorene Sohn, sondern ich bin es. Habe ich nicht unzählige Male Gottes Gebote übertreten, bin meinem Vergnügen nachgegangen anstatt in seinem Weinberg zu arbeiten, habe viel Gutes unterlassen? Erst wenn ich erkenne, daß ich selbst ein großer Sünder bin, weil ich Gottes Gaben mißbraucht oder nicht genutzt habe, geht mir ein Licht auf für die Gnade: daß Gott mich mißratenen Sohn trotz allem noch gern hat. Dann bricht die Freude durch. Immer will ich nun bei ihm bleiben - dem gütigen Vater.


April 1945. Ein russischer Soldat, völlig betrunken, brüllt: "Wo sind diese Frauen? Ich erschieße sie jetzt. Meine Mutter und zwei Schwestern sind von den Faschisten erschossen worden. Ich bin verpflichtet, sie zu rächen."

Ein anderer Soldat, Pawel Morosow aus Torshik, warnt ihn: "Warum lädst du dir eine solche Schuld auf - unschuldige Frauen zu ermorden? Willst du zu einem Mörder werden? Was haben dir gerade diese Frauen Schlechtes getan? Haben denn etwa diese Frauen den Krieg gewollt?"

Lange hat Pawel seinem Kameraden diese Wahrheit eingeflößt. Wenn auch mit Schwierigkeiten, so hat er dennoch einen Umschwung seiner Stimmung erreicht.

(Juri Igrinjow: Russen über den Krieg und die Deutschen, Verlag Symanek, Bingen)

Freude herrscht im Himmel über die Rückkehr jedes verlorenen Sohnes - und über jeden Sinneswandel zum Guten.

 

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