ETIKA

EVANGELIUM

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26.10.1997

1BMT5-7

DIE BERGPREDIGT JESU

Matthäus 5 - 7; Die Bibel, Stuttgart 1897

5. Kapitel - Seligpreisungen. Die rechte Gesetzeserfüllung.

  1. Da er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm.
  2. Und er that seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
  3. Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr.
  4. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
  5. Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
  6. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
  7. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
  8. Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
  9. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
  10. Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolget werden; denn das Himmelreich ist ihr.
  11. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen, und reden allerlei Übels wider euch, so sie daran lügen.
  12. Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel wohl belohnet werden. Denn also haben sie verfolget die Propheten, die vor euch gewesen sind.
  13. Ihr seid das Salz der Erde. Wo nun das Salz dumm wird, womit soll manīs salzen? Es ist zu nichts hinfort nütze, denn daß man es hinausschütte, und lasse es die Leute zertreten.
  14. Ihr seid das Licht der Welt. Es mag die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.
  15. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es denn allen, die im Hause sind.
  16. Also laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
  17. Ihr sollt nicht wähnen, daß ich kommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht kommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen.
  18. Denn ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde zergehe, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Tüttel vom Gesetze, bis daß es alles geschehe.
  19. Wer nun Eins von diesen kleinsten Geboten auflöset und lehret die Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber thut und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich.
  20. Denn ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit besser denn der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.
  21. Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein.
  22. Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha! Der ist des Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr! Der ist des höllischen Feuers schuldig.
  23. Darum, wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst, und wirst allda eingedenk, daß dein Bruder etwas wider dich habe,
  24. So laß allda vor dem Altar deine Gabe, und gehe zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und alsdann komm und opfre deine Gabe.
  25. Sei willfertig deinem Widersacher bald, dieweil du noch bei ihm auf dem Wege bist, auf daß dich der Widersacher nicht dermaleins überantworte dem Richter, und der Richter überantworte dich dem Diener, und werdest in den Kerker geworfen.
  26. Ich sage dir wahrlich: Du wirst nicht von dannen herauskommen, bis du auch den letzten Heller bezahlest.
  27. Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen.
  28. Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansiehet, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.
  29. Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirfīs von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.
  30. Ärgert dich deine rechte Hand, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.
  31. Es ist auch gesagt: Wer sich von seinem Weibe scheidet, der soll ihr geben den Scheidebrief.
  32. Ich aber sage euch: Wer sich von seinem Weibe scheidet (es sei denn um Ehebruch), der macht, daß sie die Ehe bricht; und wer eine Abgeschiedene freiet, der bricht die Ehe.
  33. Ihr habt weiter gehört, daß zu den Alten gesagt ist: du sollst keinen falschen Eid thun, und sollst Gott deinen Eid halten.
  34. Ich aber sage euch, daß ihr allerdinge nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Stuhl;
  35. noch bei der Erde, denn sie ist seiner Füße Schemel; noch bei Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt.
  36. Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören; denn du vermagst nicht, ein einiges Haar weiß oder schwarz zu machen.
  37. Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein; was drüber ist, das ist vom Übel.
  38. Ihr habt gehört, daß da gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn.
  39. Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern so dir jemand einen Streich giebt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar.
  40. Und so jemand mit dir rechten will, und deinen Rock nehmen, dem laß auch den Mantel.
  41. Und so dich jemand nötiget eine Meile, so gehe mit ihm zwo.
  42. Gieb dem, der dich bittet, und wende dich nicht von dem, der dir abborgen will.
  43. Ihr habt gehört, daß gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.
  44. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; thut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen;
  45. auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel; denn er läßt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten, und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.
  46. Denn so ihr liebet, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Thun nicht dasselbe auch die Zöllner?
  47. Und so ihr euch nur zu euren Brüdern freundlich thut, was thut ihr Sonderliches? Thun nicht die Zöllner auch also?
  48. Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist.


Das 6. Kapitel - Fortsetzung der Bergpredigt:
Vom Almosen, Beten und Fasten. Warnung vor irdischem Sinn.

  1. Habt acht auf eure Almosen, daß ihr die nicht gebt vor den Leuten, daß ihr von ihnen gesehen werdet; ihr habt anders keinen Lohn bei eurem Vater im Himmel.
  2. Wenn du nun Almosen giebst, sollst du nicht lassen vor dir posaunen, wie die Heuchler thun in den Schulen und auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin.
  3. Wenn du aber Almosen giebst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte thut,
  4. auf daß dein Almosen verborgen sei; und dein Vater, der in das Verborgne siehet, wird dirīs vergelten öffentlich.
  5. Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin.
  6. Wenn du aber betest, so gehe in dein Kämmerlein, und schleuß die Thür zu, und bete zu deinem Vater im Verborgnen; und dein Vater, der in das Verborgne siehet, wird dirīs vergelten öffentlich.
  7. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhöret, wenn sie viel Worte machen.
  8. Darum sollt ihr euch ihnen nicht gleichen. Euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe denn ihr ihn bittet.
  9. Darum sollt ihr also beten: Unser Vater in dem Himmel. Dein Name werde geheiliget.
  10. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.
  11. Unser täglich Brot gieb uns heute.
  12. Und vergieb uns unsere Schulden, wie wir unsern Schuldigern vergeben.
  13. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
  14. Denn so ihr den Menschen ihre Fehle vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.
  15. Wo ihr aber den Menschen ihre Fehle nicht vergebet, so wird euch euer Vater eure Fehle auch nicht vergeben.
  16. Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer sehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Angesichter, auf daß sie vor den Leuten scheinen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin.
  17. Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht,
  18. auf daß du nicht scheinest vor den Leuten mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, welcher verborgen ist; und dein Vater, der in das Verborgne siehet, wird dirīs vergelten öffentlich.
  19. Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen, und da die Diebe nachgraben und stehlen.
  20. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, da sie weder Motten, noch Rost fressen, und da die Diebe nicht nachgraben, noch stehlen.
  21. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
  22. Das Auge ist des Leibes Licht. Wenn dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein;
  23. ist aber dein Auge ein Schalk, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!
  24. Niemand kann zweien Herren dienen. Entweder er wird den einen hassen, und den andern lieben; oder er wird dem einen anhangen, und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
  25. Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn die Speise? und der Leib mehr denn die Kleidung?
  26. Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?
  27. Wer ist aber unter euch, der seiner Länge Eine Elle zusetzen möge, ob er gleich darum sorget?
  28. Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.
  29. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselbigen Eins.
  30. So denn Gott das Gras auf dem Felde also kleidet, das doch heute stehet und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr euch thun, o ihr Kleingläubigen?
  31. Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?
  32. Nach solchem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr des alles bedürft.
  33. Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen.
  34. Darum sorget nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigne Plage habe.


Das 7. Kapitel - Schluß der Bergpredigt: Vom lieblosen Richten,
von der Kraft des Gebets und vom Thun des göttlichen Willens.

  1. Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet.
  2. Denn mit welcherlei Gerichte ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden.
  3. Was siehest du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?
  4. Oder wie darfst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen? Und siehe, ein Balken ist in deinem Auge.
  5. Du Heuchler, zeuch am ersten den Balken aus deinem Auge; darnach besiehe, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest.
  6. Ihr sollt das Heiligtum nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auf daß sie dieselbigen nicht zertreten mit ihren Füßen, und sich wenden und euch zerreißen.
  7. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgethan.
  8. Denn wer da bittet, der empfähet; und wer da suchet, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgethan.
  9. Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet ums Brot, der ihm einen Stein biete?
  10. Oder so er ihn bittet um einen Fisch, der ihm eine Schlange biete?
  11. So denn ihr, die ihr doch arg seid, könnt dennoch euren Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten.
  12. Alles nun, das ihr wollet, daß euch die Leute thun sollen, das thut ihr ihnen auch; das ist das Gesetz und die Propheten.
  13. Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der zur Verdammnis abführet; und ihrer sind viele, die drauf wandeln.
  14. Und die Pforte ist enge, und der Weg ist schmal, der zum Leben führet; und wenig ist ihrer, die ihn finden.
  15. Sehet euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.
  16. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man auch Trauben lesen von den Dornen, oder Feigen von den Disteln?
  17. Also ein jeglicher guter Baum bringet gute Früchte; aber ein fauler Baum bringet arge Früchte.
  18. Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen.
  19. Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte bringet, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
  20. Darum an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
  21. Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! In das Himmelreich kommen, sondern die den Willen thun meines Vaters im Himmel.
  22. Es werden viele zu mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr! Haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viel Thaten gethan?
  23. Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkannt; weichet alle von mir, ihr Übelthäter!
  24. Darum, wer diese meine Rede höret und thut sie, den vergleiche ich einem klugen Mann, der sein Haus auf einen Felsen baute.
  25. Da nun ein Platzregen fiel, und ein Gewässer kam, und weheten die Winde, und stießen an das Haus, fiel es doch nicht; denn es war auf einen Felsen gegründet.
  26. Und wer diese meine Rede höret und thut sie nicht, der ist einem thörichten Manne gleich, der sein Haus auf den Sand baute.
  27. Da nun ein Platzregen fiel, und kam ein Gewässer, und weheten die Winde, und stießen an das Haus, da fiel es, und that einen großen Fall.
  28. Und es begab sich, da Jesus diese Rede vollendet hatte, entsetzte sich das Volk über seiner Lehre;
  29. denn er predigte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten.

 

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