ETIKA

Kneipp-Reile

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Von der Wohnung

6.3.2009

Das große Kneippbuch. Ein Volksbuch für Gesunde und Kranke von Msgr. Sebastian Kneipp. Nach dem Tode des Verfassers in dessen Auftrag bearbeitet und herausgegeben von Bonifaz Reile, langjährigem Sekretär des Prälaten Kneipp. 57. – 59. Tausend. Verlag Josef Kösel & Friedrich Pustet. Kommandit-Gesellschaft München. Verlagsabteilung Kempten. 1923. Seite 107-112.

Von der Wohnung.

Wer sich ein Haus bauen will, der schaut sich zuerst nach einem geeigneten Platz um. Er achtet darauf, daß dieser nicht sumpfig sei und er so ein ungesundes Haus bekomme; daß der Grund fest sei, damit das Haus nicht einfalle; daß er eine freie Aussicht erhalte und frische Luft habe.

Wie er bei der Auswahl des Bauplatzes vorsichtig ist, so wendet er auch die größte Sorgfalt an, daß das Haus gut und seinen Bedürfnissen entsprechend gebaut wird, damit er nicht nach Vollendung des Baues genöthigt sei, nochmals zu bauen, weil er vorher nicht wohl überlegt hatte.

Alles nun, was der Erbauer eines Hauses berücksichtigt, das soll man gleichfalls bei der Wahl einer Wohnung beachten. Man wohne nicht in einem Hause, das an einem feuchten Platze steht; denn in einem solchen findet man sicher keine gesunde Wohnung. Ist der Grund feucht, werden auch die Mauern feucht. Feuchte Wände sind aber schädlich, weil sie die Luft nicht durchlassen, also die eingeschlossene Luft ganz schlecht werden muß. (Anmerkung: Man denke an die vielfach idiotischen Vorschriften von heute zur Wärmedämmung, verbunden mit der Aufforderung, die Fenster fast immer geschlossen zu halten, damit keine Wärme entweichen kann.)

Wie häufig kommt in Wohnungen in folge der Feuchtigkeit der Mauerfraß vor! Von unten herauf löst sich der Mörtel oder Anwurf stückweise ab, und Salpeter bildet sich in den Mauern. Wenn dieses Mauerübel vorhanden, darf man sich gar nicht wundern, daß jeder Bewohner des Hauses über Etwas zu klagen hat; besonders nachtheilig aber wird dasselbe für die Kinder. Wie die Mauern öfters von unten herauf Mauerfraß haben, so bekommen sie auch sehr häufig feuchte, selbst ganz nasse Flecken, die gewöhnlich den Bewohnern ein sicherer Wetteranzeiger sind. Sieht man, daß die Mauer naß ist, so sagt man, es kommt bald Regen; stehen Tropfen auf der Mauer, so heißt es, ein recht starker Regen wird kommen. Wenn die Bewohner in einem solchen Hause nicht wissen,  wie schädlich die Ausdünstung von solchen Mauern ist, dann sind sie zu bedauern, weil sie auch keine Mittel anwenden, dieselbe, so weit es möglich ist, unschädlich zu machen.

Durch eine recht gute, geregelte Lüftung kann hier viel, sehr viel geschehen, um Uebeln vorzubeugen. Man muß recht sorgen, daß die schlechte Luft stets ausströmen und eine gesunde eindringen kann. Hat aber das Uebel weit um sich gegriffen an einer Mauer, dann soll man´s dieser machen wie einem alten Rock, der unbrauchbar geworden ist. Man schafft sich dann einen andern an. Wenn man feuchte Räume eines Hauses gar nicht lüftet, so werden nach und nach auch alle anderen Räume des Hauses mehr oder weniger schädlich für die Gesundheit.

Die alten Häuser von Holz waren viel gesünder als die jetzigen modernen, aus Stein gebauten, wie auch die alten, luftigen Ställe dem Vieh gesünder waren als die modernen Ställe. In letzten kommt z. B. die Lungenseuche viel häufiger vor als in den alten Ställen. Die Mauern athmen die schlechte Luft ein und wieder aus, und diese schlechten Stoffe verderben Blut und Säfte der Thiere, wenn nicht fleißig gelüftet wird.

Darum müssen wir recht dafür sorgen, daß Wohn- und Schlafzimmer viel Luft und Licht haben. Eine moderne Unsitte ist es, die Fenster durch farbige Vorhänge zu verdunkeln. Diese Mode ist besonders den Augen schädlich. Das Licht schärft die Augen, die Dunkelheit schwächt sie.

Besonders haben Leute, welche auf Anhöhen wohnen, wo sie eine weite Fernsicht genießen, meist gute Augen. In großen Städten, wo die Leute nicht selten in dumpfen, finsteren, ja sogar kellerartigen Räumen wohnen, tragen die Kinder oft mit neun Jahren schon Augengläser. Solche Leute sind krank, wenn sie es auch nicht fühlen.

Woher kommt die Schwäche der Beamten und Bureau-Menschen, die sie oft schon vor der Zeit berufsunfähig macht? In Geschäftsräumen, Kanzleien u s. w. herrscht meistens dumpfe Luft. Diejenigen, welche immer darin weilen, merken es nicht mehr; kommt aber ein Anderer aus der frischen Luft in einen solchen Raum, so fühlt er sofort den Athem beklemmt. (Anmerkung: Mustergültig mein früherer Arbeitsplatz, wo immer die Fenster offen und die dort Arbeitenden gesund sind; kommen Kollegen herein, jammern sie: „Hier ist es ja wie im Kühlschrank.“ Aber diese mögen stets daran denken:)

·       Dumpfe, dunkle Räume, in welchen viele Menschen oft den ganzen Tag zubringen müssen, sind meistens die Hauptursache, daß diese oft im schönsten Lebensalter sterben.

Lüftung

Ich habe schon oben kurz von der Lüftung gesprochen. Dieselbe ist aber so nothwendig, daß ich auch ausführlicher darüber mich verbreiten muß. Wie bei schädlicher Ausdünstung, so ist auch beim Fehlen einer guten Lüftung unbedingte Abhilfe nothwendig.

Auch in unbewohnte Zimmer soll stets der freien Luft Zugang gestattet werden. (Propagandisten der Wärmedämmung und Klimahäuser: aufgepaßt!) Besonders aber soll man darauf achten, daß zur allgemeinen Wohnstube ein Zimmer gewählt werde, in das eine frische, gute Luft stets Zugang haben kann.

Eine feuchte, dunkle Wohnstube, in welche wenig oder selten oder vielleicht gar kein ordentliches Licht und keine gute Luft dringen kann, ist mehr ein Kerker als ein Wohnraum, und die Bewohner eines solchen sind bedauernswerthe Leute. Der Aufenthalt darin ist den Erwachsenen sehr schädlich, noch mehr aber den Kindern, die bereits halb krank auf die Welt kommen und in dieser elenden Luft schon in der Wiege verkümmern müssen.

Noch schädlicher aber als eine Wohnstube, die des hinreichenden Lichtes und gesunder Luft entbehrt, ist eine Schlafstube, der es hieran mangelt. Aus dem Wohnzimmer geht man doch mehrmals im Tage hinaus und athmet dann wieder frische Luft; im Schlafzimmer aber verbleibt man unausgesetzt die ganze Nacht hindurch. Müde und erschöpft vom Tagwerk legt sich der Mensch darin am Abend auf sein Ruhebett nieder, und in langen Zügen athmet er die für eine Erhaltung erforderlichen Stoffe ein, besonders Sauerstoff. So wird eine Natur erquickt und gestärkt für das kommende Tagewerk.

Wenn nun aber im Schlafzimmer feuchte Wände die Luft verderben, und wenn dasselbe nicht fleißig zum Lüften geöffnet wird, dann bekommt ja der Mensch, statt Stoffe zur Beförderung der Gesundheit, nur solche, die dieselbe verderben. Nichts ist so nachtheilig als eine eingesperrte Luft im Schlafzimmer. Dieser ergeht es wie dem Wasser,  das keine Bewegung hat und faul wird.

Ich habe die Erfahrung gemacht: Wenn ich irgendwo übernachtete, und der Zimmergeruch zeigte mir an, es wird nicht fleißig gelüftet, so hatte ich jedesmal am Morgen einen kleinen Katarrh und dazu noch einen eingenommenen, schweren Kopf.

Als ich aber den Vorsatz gemacht, wo immer ich übernachten möge, stets ein Fenster zu öffnen, sei es Sommer oder Winter, blieb ich jedesmal von beiden Uebeln frei. (Anmerkung: Pfarrer Kneipp hat gut reden: Er weiß nicht, daß es zum Beispiel in spanischen Häusern Schlafzimmer gibt, die gar keine Fenster haben, und daß die Fenster in vielen Hotels, von Moskau über Donostia und Madrid bis Neu Delhi - eigene Erfahrung – gar nicht zu öffnen sind.)

In dem Angeführten liegt auch der Grund, weßhalb man allgemein behaupten hört, wenn man in einer fremden Wohnung schlafe, könne man nicht so gut schlafen wie zu Hause. Ich gebe zu, daß das Ungewohnte etwas störend wirkt; aber vielfach wird die Hauptursache in der ungünstigen Zimmerluft zu suchen sein.

Wenn die Mauern einmal durch Vernachlässigung des Lüftens verdorben sind und in ihrem feuchten Zustande alles Mögliche aufgenommen haben (Anmerkung: arme Besitzer gewisser energiesparender Häuser, wir sehen die … am Horizont aufscheinen), so läßt sich das nicht in kurzer Zeit oder gar in wenigen Minuten verdrängen, wie Einige glauben. Das beweist der eigenthümliche Geruch, den ein wenig oder gar nicht gelüftetes Zimmer lange Zeit behält.

Es brauchen übrigens die Mauern nicht einmal feucht zu sein; um die Luft im Zimmer schlecht zu machen, genügt es schon, daß dasselbe nicht ordentlich gelüftet wird.

Noch nachtheiliger wirkt es auf die menschliche Natur, wenn Mehrere in einem nicht gehörig gelüfteten Zimmer schlafen. Schon das Ausathmen von mehreren Personen und das Ausdünsten von mehreren Betten wirkt nachtheilig auf die Luft.

Durch das Einathmen solch´ verdorbener, mit Kohlensäure angefüllter Luft wird man aber matt und müde, statt am Morgen mit frischen Kräften zur Arbeit gehen zu können.  

Es kann deßhalb nicht genug empfohlen werden, daß man ein Schlafzimmer wähle, in das die Sonnenstrahlen recht eindringen können, und in welchem der freien Luft der Zugang nicht abgesperrt ist.

Heizung

Die Wohn- und Arbeitszimmer müssen im Winter natürlich geheizt werden, aber gar oft wird hierin das rechte Maß nicht eingehalten. Die Natur ist wie Wachs; man kann sie an fast Unglaubliches gewöhnen in der einen wie in der anderen Richtung.

Es gibt Leute, die einheizen bis 16, ja 20 Grad Wärme, und dabei fühlen sich solche Leute oft ganz behaglich; man kann aber auch viele antreffen, die mit 12 bis 14 Grad (Réaumur) sich begnügen.

Welche Klasse ist nun besser daran? Wenn die Heizung in den Wohn- und Arbeitszimmern zu stark ist, so verweichlicht sie die menschliche Natur, und deßhalb vermögen solche Leute die Kälte nicht mehr zu ertragen. Aber ein noch größeres Übel besteht darin, daß die Feuerung Sauerstoff verzehrt. Die eingeathmete Wärme macht auch die Athmungsorgane recht empfindlich gegen die Kälte. Wie wohl thut´s, wenn man aus einem heißen Zimmer in die frische, wenn auch kalte Luft hinauskommt! Wie erfrischt das, und wie behaglich fühlt man sich dabei!

Gerade das Gegentheil tritt aber ein, wenn man aus der frischen Luft in ein zu sehr geheiztes Zimmer kommt. Wer viel in Gottes freier Natur auch zur Winterszeit sich aufhält und in keinem zu sehr geheizten Zimmer wohnt und sich auch vernünftig kleidet, der wird nicht leicht einen Katarrh bekommen.

Wer aber das Gegentheil thut, wird selten ohne Katarrh sein. Hat er ein Katarrhfieber durchgemacht, so wird bald wieder ein anderes seiner warten.

Denken wir uns nur den schroffen Wechsel, wenn man aus einer Wärme von 16 bis 20 Grad plötzlich hinaustritt in die freie Luft, wo eine Kälte von 6-12 oder noch mehr Gnaden herrscht! Einen solchen Wechsel vermag eine verweichlichte Natur am allerwenigsten auszuhalten. Sie unterliegt, und das Fieber bekommt die Herrschaft. Ist aber der Mensch abgehärtet, die Kleidung entsprechend, so wird der Wechsel von der nicht übermäßigen Zimmerwärme in die freie Natur ihm nichts anhaben und leicht ertragen werden.

Du fragst mich, lieber Leser: Welche Wärme soll man denn im Wohnzimmer haben? und ich antworte dir: 12 bis 15 Grad, ausnahmsweise auch 16 Grad (Réaumur, nicht Celsius); was aber über 16 Grad ist, gereicht zum Nachtheile deiner Gesundheit.

Es werden nun vielleicht manche Landleute sagen: Wir haben große Wärme am liebsten, und wenn´s 16 bis 22 Grad hat, ist´s uns am wohlsten beim Ofen.

Landleute, die den Tag hindurch in der kalten, freien Natur arbeiten, gegen den Wechsel von Wärme und Kälte durch das Arbeiten abgehärtet sind und den ganzen Tag über die beste, reinste Luft eingeathmet haben, denen wird die warme Zimmerluft am Abend auf ein paar Stunden kaum schaden, zumal sie die schwerere Arbeitskleidung ablegen und bei ihrer gewöhnlichen Hauskleidung im warmen Zimmer verweilen.

Was aber einem abgehärteten Bauer nichts schaden kann, das kann einen Schwächling halb umbringen.

Wer also die goldene Mittelstraße gehen will, der heize sein Wohn- und Arbeitszimmer bis 12, höchstens 16 Grad R, und er wird sich wohl dabei fühlen.

Vor 50 bis 60 Jahren konnte man in manchem Dorfe vielleicht nicht in einem einzigen Schlafzimmer einen Ofen finden; heut´zu Tage aber kann man häufig einen solchen dort treffen. Es gibt viele Leute, die am Abend ihr Schlafzimmer heizen; sie glauben dadurch etwas Besonderes für die Erhaltung ihrer Gesundheit zu thun. Ich versichere Allen, daß sie sich dadurch mehr schaden als nützen.

Den erstens gewöhnen sich Solche viel zu sehr an die Wärme, die empfindlich und schlaff macht; zweitens werden alle Krankheitsstoffe durch diese Wärme gleichsam aufgeweckt; das Schlimmste aber ist, daß der Sauerstoff von der Feuerung aufgezehrt wird und oft sehr schädliche Verbrennungsgase sich bilden. Gerade dann, wenn wir so recht in langen Zügen athmen, wie es im Schlafe der Fall ist, wirken jene um so verderblicher.

Besonders nachtheilig ist auch der Wechsel der Temperatur in einem solchen Schlafzimmer. Wenn der Mensch von der Kälte in die Wärme hinausgeht, so steigert sich durch das Gehen die Körperwärme, und der Wechsel vermag dann nicht so viel zu schaden. Wenn aber das Schlafzimmer am Abend eine Wärme von 16 0 R. hat und diese, während man ruhig daliegt, in vier bis fünf Stunden auf 7-8 0 sinkt, so hat ein solcher Wechsel gewiß nicht die besten Folgen. Auch ist Dieses sehr nachtheilig, daß man zu immer größerer Verweichlichung kommt.

Frage man recht hochbetagte Leute, ob man in ihrer Jugendzeit eine solche Schwäche und Armseligkeit und so viele Krankheiten wie heutzutage gekannt habe; damals aber schlief Jeder im ungeheizten Zimmer.

Ich bin der Überzeugung, daß gerade die kalte, frische Luft am günstigsten auf´s Blut einwirkt, und daß hingegen die erwärmte Luft das Blut verschlechtert.

Und sollte wirklich bei schwächlichen, alten Leuten eine Heizung nothwendig sein, so würde doch eine Wärme von 10 0, höchstens aber 12 0 R. gewiß ausreichen.

Endlich kommt beim Heizen der Schlafzimmer noch der Übelstand hinzu, daß man die Wärmegrade immer mehr erhöht, wenn man einmal angefangen hat zu heizen, weil die Verweichlichung durch die Heizung zunimmt.

Besonderes über die Krankenstube

Ist bisher von der Wohnung im Allgemeinen die Rede gewesen, so soll nun noch ein Wort über Kranken-Häuser und -Zimmer gesprochen werden. Kommt man in ein Spital, das von guten Vorstehern geleitet ist, und überblickt dessen innere Einrichtung, dann thut es einem wahrhaft wohl, wenn man Alles so den Bedürfnissen und dem Zustande der Kranken angemessen findet.

Kommt man aber in die Krankenzimmer bei manchen Familien, so möchte man mit den Kranken ein doppeltes Mitleid haben, einmal weil sie leidend sind, und dann, weil sie nicht die entsprechende Pflege haben.

Allererst wird regelmäßig zu viel eingeheizt, wodurch die kranke Natur noch mehr verweichlicht wird. Dabei wird die frische Luft auf´s Sorgfältigste abgesperrt, und was ist dem Kranken nothwendiger als eine gesunde Luft?

Wenn schon jedes Athmen die Luft mehr verdirbt als verbessert, so thut das der Athem des Kranken in weit höherem Maße. Was für eine Luft wird also ein Kranker in sich aufnehmen, in dessen Zimmer keine gesunde, frische Luft eindringen kann? Es soll daher gesorgt werden,  daß keine Verweichlichung durch zu große Wärme stattfindet, und daß durch Zugang gesunder, reiner Luft der Kranke die erforderlichen Stoffe aus der Luft recht reichlich einathmen kann.

Wie jeder Ofen einen Kamin haben muß, so soll jedes Krankenzimmer eine Öffnung haben, durch welche die schlechte Luft aus- und die frische Luft einzieht, ohne daß dem Kranken dieser Wechsel schaden kann.

Es soll also das Krankenzimmer wohl kühl, aber nicht zu kühl sein; 11 bis 14 0 R. werden im Allgemeinen die beste Temperatur für die Kranken bilden; wenn dasselbe aber auf eine Höhe von 16 bis 24 Grad steigt, wie ich´s häufig angetroffen habe, dann hat man sicher dem Kranken durch die zu große Hitze noch ein neues Leiden dazu geschaffen.

Besondere Nachtheile hat zu große Zimmerwärme bei Fieberkranken und namentlich bei Lungenleidenden, die bei entsprechender Wärme fast ohne Husten sind, aber, wenn tüchtig geheizt wird, den stärksten Krampfhusten bekommen können, hauptsächlich dann, wenn ein rascher Wechsel von Hitze und Kälte eintritt. Wenn man Mitleiden mit den Kranken haben und ihr Loos möglichst erleichtern will, so vermeide man große Hitze und Kälte im Krankenzimmer.

Wenn ferner jedes Schlafzimmer trocken sein soll und frische Luft und Licht gehörigen Zugang zu denselben haben sollen, so ist dieß um so mehr geboten für die Krankenzimmer. Wird hiegegen gefehlt, so kann das Krankenzimmer selbst die Ursache sein, daß der Kranke noch kränker wird.

In Bezug auf das Bett des Kranken gelte als erster Grundsatz: Sorgfältigste Reinlichkeit, und dann sei es recht bequem und gut eingerichtet, weil eine unpassende Lage im Bette hier doppelt nachtheilig wirkt.

Anmerkung ETIKA: Pfarrer Kneipp hat in den Wind gesprochen, denn in jedem Krankenhaus, das wir kennen, herrscht eine viel zu warme, oft viel zu trockene Luft, welche die Kranken noch kränker macht. Hat denn niemand gesunden Menschenverstand? Arme Kranke, armes Personal – nur weil die Verantwortlichen nicht bereit sind, die Ratschläge Kneipps in die Tat umzusetzen.

Die meisten Menschen werden durch Idiotie zugrundegerichtet.

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