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Wasseranwendungen
Waschungen, II. Die Teilwaschung

6.6.2009

Das große Kneippbuch. Ein Volksbuch für Gesunde und Kranke von Msgr. Sebastian Kneipp. Nach dem Tode des Verfassers in dessen Auftrag bearbeitet und herausgegeben von Bonifaz Reile, langjährigem Sekretär des Prälaten Kneipp. 57. – 59. Tausend. Verlag Josef Kösel & Friedrich Pustet. Kommandit-Gesellschaft München. Verlagsabteilung Kempten. 1923. Seite 461-463.

II.        Die Teilwaschung

betrifft nicht den ganzen Körper, sondern einen Teil desselben.

Dieselbe wird vorgenommen mit der Hand oder einem gröberen Handtuch und frischem Wasser. Im Weitern gelten ganz die gleichen Regeln wie oben.

Ob der Finger oder die Zehe, der Fuß oder die Hand oder was immer entzündet sei, überall und stets lösche man, wo es und wann es brennt.

Etwaige nähere Bestimmungen, wann solche Teilwaschungen notwendig erscheinen, stehen bei den einzelnen Krankheitsfällen selbst. Wie man bei der Ganzwaschung verfährt, gerade so macht man es bei den Teilwaschungen. Wenn auch die Waschungen in drei Hauptabteilungen eingeteilt werden, so gibt es dennoch verschiedene Unterabteilungen, wie z. B. das Waschen der Hände, des Kopfes und der Füße.

Nur bei einer einzigen Waschung, und dies ist die Kopfwaschung, muß ganz besonders hervorgehoben werden, daß der ganze Kopf und die Haare nach dem Waschen fest abgerieben werden müssen; denn würde der Kopf in Folge der nassen Haare, welche ein rasches Trockenwerden nicht zulassen, zu lange naß bleiben, so würde ihm das sehr nachteilig werden, und es würden sich schnell Kopfschmerzen, Kopfrheumatismus und andere krankhafte Zustände einstellen.

Die Ganzwaschungen auch die Teilwaschungen wirken in einer Weise, daß viele Krankheiten durch sie allein geheilt werden können. Um die Sache klar zu machen, sollen einige Beispiele angeführt werden.

Die jetzt so gefürchtete Influenza, die sich immer weiter verbreitet, der Menschheit so viel Schrecken einjagt und schon Tausende von Opfern gefordert hat, kann durch Waschen allein sehr leicht geheilt werden. Wenn man sich acht bis zwölf Stunden hindurch, stündlich vom Bette aus recht rasch wäscht, so tritt gewöhnlich nach der zweiten oder dritten Waschung großer Schweiß ein, und wenn man mit den Waschungen fortfährt, bis alles Fieber beseitigt ist, so wird der Kranke auch innerhalb dieser acht bis zwölf Stunden von der ganzen Krankheit befreit sein. Es ist keine andere Anwendung notwendig. Ganz auf dieselbe Weise kann auch ein Katarrh geheilt werden.

Eine Hausfrau hatte die sogenannte fahrende Gicht, allerdings in nicht sehr hohem Grade. Ich gab ihr den Rat, sie solle sich jede Nacht vom Bette aus ganz waschen und dann wieder ins Bett legen. Sie hatte die Waschungen bald lieb gewonnen und nahm sie über ein halbes Jahr lang jede Nacht vor. Sie wurde nicht bloß von der Gicht befreit, sondern es besserte sich auch ihr Allgemeinbefinden zusehends; sie war nicht mehr so empfindlich gegen Kälte, fühlte sich kräftiger und konnte die Waschungen vom Bette aus nicht genug rühmen.

Eine Hausmutter, Martha mit Namen, 48 Jahre alt, hatte jeden Abend angeschwollene Füße und einen etwas harten Atem, und es war ihr oft, wie sie sagte, recht unbehaglich. Weil sie aber Niemand hatte, der ihr den Liebesdienst mit den verschiedenen Wasseranwendungen erweisen konnte, riet ich ihr, alle Tage eine Ganzwaschung vorzunehmen. Nach drei Monaten teilte sie mir mit, daß ihre Füße jetzt in bestem Zustande seien; ihr Atem sei viel leichter, sie schlafe viel besser, habe besseren Appetit, und während sie früher von Gasen gar so sehr gequält worden sei, sei sie jetzt von denselben ganz befreit.

Eine Dienstmagd hatte mehrere Monate hindurch einen offenen Fuß, der ihr bei ihrem Beruf große Schmerzen bereitete. Ich riet ihr, sie solle sich alle Nacht vom Bette aus ganz waschen und die schmerzende Stelle am Fuße mit einem in Zinnkrautabsud getauchten Tuche zubinden. Nach ungefähr zehn Wochen war der Fuß dieser Dienstmagd geheilt und dieselbe, wie sie selbst sagte, jetzt viel gesünder und kräftiger als früher.

Wer recht verweichlicht ist, nichts mehr vertragen kann und bei jedem Witterungswechsel Katarrh oder Rheumatismus bekommt, der soll in der Frühe beim Aufstehen den ganzen Körper flüchtig waschen, und seine ganze Natur wird widerstandsfähiger werden.

Wie viele Tausende leiden an Blutstauungen. Das Blut fließt nicht geregelt in den Adern. Wer sich in der Woche drei- bis viermal mit kaltem Wasser wäscht, wird viel dazu beitragen, daß die Blutzirkulation in Ordnung bleibt oder, wenn sie bereits gestört sein sollte, wiederum in Ordnung kommt.

Eine Dienstmagd klagt, daß sie so viel Schnupfen und Katarrh habe; kaum sei sie mit einem fertig, so sei schon wieder ein anderer da. Ich gab ihr den Rat, sie solle jeden Morgen den Oberkörper waschen und während des Tages einmal drei bis vier Minuten lang im Wasser gehen. Das Wassergehen härtet ab und kräftigt den ganzen Körper, während die Waschungen das gleiche Resultat am Oberkörper erzielen.

Christina teilte mir mit, daß sie öfters Ausschläge an einzelnen Stellen des Körpers bekomme; sie habe schon verschiedene Medikamente dagegen eingenommen, jedoch vergebens. Ich gab ihr den Rat, sie solle in der Woche dreimal eine Ganzwaschung vornehmen, entweder wenn sie in der Nacht aufwache oder beim Aufstehen. Sie tat es und teilte mir nach mehreren Wochen mit, daß sie jetzt gänzlich geheilt sei.

Johanna hatte viel Kopfleiden; da kein Mittel etwas dagegen half, hielt sie es für unheilbar. Ich gab ihr den Rat, jeden Tag ein- oder zweimal drei bis vier Minuten lang im Wasser zu gehen und in der Woche drei bis vier Ganzwaschungen vom Bette aus vorzunehmen. Es gingen nicht vier Wochen vorüber, da teilte sie mir mit, daß ihr Kopfweh nur noch zweimal und da nicht mehr so stark gekommen sei. Das ist mir sehr begreiflich. Das Wassergehen leitet das Blut von oben abwärts, und die Waschung härtet den Körper ab.

Wie oft kommt es vor, daß Kinder oder Erwachsene – sie wissen nicht warum – auf einmal ein größeres oder kleineres Fieber bekommen! Vielleicht haben sie sich erkältet oder durchnäßt oder etwas gegessen oder getrunken, was ihnen nicht zusagte; kurz, sie wissen selber nicht, woher es kommt. In einem solchen Falle wasche man sich sechs bis acht Stunden hindurch stündlich vom Bett aus, und die Hilfe wird nicht ausbleiben; vielleicht genügen sogar schon ein bis zwei Ganzwaschungen.

Ein Dienstknecht hat sich beim Fuhrwerk recht erkältet und bekommt noch am Abend desselben Tages bedeutendes Fieber. Was soll er tun? Wenn er sich vier bis sechs Stunden hindurch stündlich wäscht, wird er bald von seinem Fieber befreit sein.

So können in hundert Fällen die Ganzwaschungen ausreichen, man kann aber auch mit der Halbwaschung und mit Wassergehen recht viel erreichen. Die Waschung des Oberkörpers allein taugt nicht für den oftmaligen Gebrauch. Will man diese Waschung öfters vornehmen, so muß auch auf den Unterleib, namentlich auf die Füße eingewirkt werden, und dazu taugt am besten das Wassergehen oder auch der Knieguß.

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