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ETIKA |
Kneipp-Reile |
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27KR5AUSS |
Ausschläge |
8.3.2009 |
Das
große Kneippbuch. Ein Volksbuch für Gesunde und Kranke von Msgr. Sebastian Kneipp. Nach dem Tode des Verfassers in
dessen Auftrag bearbeitet und herausgegeben von Bonifaz
Reile, langjährigem Sekretär des Prälaten Kneipp. 57.
– 59. Tausend. Verlag Josef Kösel & Friedrich
Pustet. Kommandit-Gesellschaft München. Verlagsabteilung Kempten. 1923. Seite
535-540.
Mit Wunderheilungen. Kneipp selbst ist das Wunder, das
uns Gott geschenkt hat.
Ausschläge.
Darunter verstehen wir alle
Haut-Unreinigkeiten, die oft in einer Nacht, in einem Tage kommen und auch
wieder vergehen. Man schenkt denselben wenig oder gar keine Acht. Zuweilen
indessen können sie recht lästig werden und plagen die Brust, den Rücken, die
Arme, die Beine oder andere Stellen des Körpers. Jahre lang kann man die Last
tragen, ohne daß sie den Träger krank macht oder auch
nur in auffallender Weise in den Berufsarbeiten stört.
Doch kenne ich Personen, bei denen stets Geistesstörungen
eintraten, so oft der Ausschlag verschwand. Selbst zwei Fälle von Tobsucht sind
mir bekannt, welche ausbrach in Folge schnell zurückgetretenen Ausschlages. Anwendungen,
wie sie bei Flechten und Geschwüren angegeben sind, lockten den Ausschlag von
Neuem hervor, wodurch die Störungen gehoben (behoben) wurden.
Diese Kleinigkeiten sind also doch nicht so
kleinlich; sie können, vernachlässigt, insbesondere in der Reinlichkeitspflege,
große und schwere Folgen haben. Neben Geistesstörungen entwickeln sich
insbesondere gerne Abzehrung, Schwindsucht, Leber-, Nierenleiden und Anderes
mehr. Wo der fressende Gesell und seine Giftstoffe sich einnisten, da
verwüsten, zerfressen und zerstören sie.
Jedem derart Geplagten möchte ich rathen, er solle früh genug, solange er noch keine der
genannten Folgen spürt, wöchentlich (jeden dritten Tag z. B. eine) ein paar
leichte Anwendungen mit Wasser vornehmen. Solche sind der Reihe nach: die kalten
Ganzwaschungen, der spanische Mantel und der kurze Wickel.
Man erschrecke nicht, wenn nach der einen
oder nach der anderen Anwendung der Ausschlag stärker auftritt. Das ist ja ein
trefflicher Beweis ihrer Wirkung. Man stelle die Anwendungen nur nicht ein,
sondern fahre um so entschiedener damit fort! Wer den
Rath befolgt, wird an sich erfahren: Das Ende jeder Anwendung gut, aller
Ausschlag gut.
Jeder Unparteiische urtheile
selbst, ob es besser sei, zu derartigen Reinigungen die häßlichen
und abscheulichen Salben, heißen sie nun Schönheitsmilch, Wunderbalsam
u. s. f., zu gebrauchen oder das reine, krystallklare
Wasser. Was mögen derlei ausgeschrieene und jetzt
bald in jedem Zeitungsblatte ausgehängte Salbereien
für Zeug enthalten! Mancher und Manche würden roth
werden vor Scham, wenn seine Herren Collegen, wenn
seine Verwandten wüßten, daß
auch er oder sie unter die Quacksalber gegangen. Doch das hilft alles nichts,
ich weiß es wohl. Die Welt hat gesalbt, und die Welt salbt. Mundus vult decipi
(Anm. ETIKA: Die Welt will getäuscht,
betrogen sein), d. h. die Welt wird weiter schmieren und salben. Habeat sibi! (Sie, die Welt, soll ihren Willen haben.)
Ich fasse die Sache folgendermaßen auf: Der
ganze Organismus ist gebildet aus Blut; er wird durch das Blut erhalten,
wie er auch nur durch das Blut genährt wird.
Ist das Blut gut, so ist auch der Zustand
einer Person ein guter;
· ist aber das Blut krank, d. h. mit Krankheitsstoffen
vermischt, so leidet darunter auch der ganze Körper.
Wenn nun ein Theil
des Körpers mit Ausschlag behaftet ist, so fließt in diesem kranken Theil kein anderes, sondern dasselbe Blut wie in den
übrigen Körpertheilen, und die mit Ausschlag
behaftete Stelle ist nur der Punkt, welchen sich die Natur als Ausgangsthor für die Krankheitsstoffe selbst
gesucht hat.
Um hier eine Heilung zu erzielen, darf nicht
bloß der Körpertheil, an welchem sich der Ausschlag
zeigt, in Behandlung genommen werden, sondern man muß
in erster Linie auf den ganzen Körper einwirken.
· Dies geschieht hauptsächlich auch dadurch, daß eine gute Nahrung besseres Blut bringt.
· Durch die Anwendungen mit Wasser tritt
ein rascherer Stoffwechsel ein, und so verbessert sich der ganze
Zustand, bis nach und nach alles Krankhafte abgestoßen, ausgeleitet und
die ganze Natur gekräftigt wird.
Es kommt oft vor, daß
Jemand am Arme einen Ausschlag bekommt. Ein Anderer bekommt ihn auf der Brust,
wieder ein Anderer am Rücken, am Schenkel, im Gesicht, am Kopf u. s. w. Kurz,
an allen größeren Körpertheilen können äußere
Ausschläge entstehen.
Und dieß geschieht
gerne bei den Wasseranwendungen und besagt nichts Anderes, als daß das Wasser die kranken Stoffe im Innern aufgelöst hat
und nun dieselben durch die Hautporen nach und nach an die Oberfläche treibt.
Der Krankheitsstoff ist aber ein entzündender
Stoff, und daher kommt auch die Röthe der Haut. Davor
erschrickt gewöhnlich Jedermann, und selbst auch die Leute, welche die
Wasserkur angewendet haben, fürchten sich, wenn ein Ausschlag folgt, und gleich
wollen sie die Anwendungen einstellen.
Mag der Ausschlag herauskommen, wo er will,
an den Armen, an den Füßen und an anderen Theilen des
Körpers, es ist immer ein Beweis, daß entweder die
Natur ihn herausjagt, oder – wenn man die Wasserkur
gebraucht – daß das Wasser die Krankheitsstoffe
aufgelöst hat und sie nun vertreibt. Also soll man ja nicht mit den Anwendungen
aufhören, sondern erst recht fortfahren, bis aller Krankheitsstoff entfernt
ist.
Beim Ausbrechen des Ausschlages stellt sich
regelmäßig auch ein kleines Fieber ein, das aber nachläßt,
sobald der Feind der Gesundheit ausgeleitet ist.
Wie ein Ausschlag an den einzelnen Körpertheilen an der Oberfläche entsteht, gerade so kann er
auch nach innen auftreten, und dann bildet sich eine Entzündung. Zeigt
sich dieselbe im Halse, so ist es eine Halsentzündung; entsteht im Rachen ein
derartiger Ausschlag, dann heißt es: Es ist eine Rachenentzündung; bildet er
sich im Kehlkopf, dann ist es Kehlkopfentzündung. Kommt er in der Brust vor, so
kann es Brustfellentzündung sein; im Unterleib gibt es Unterleibentzündung u.
s. w. Also ebenso wie nach außen, so kann auch nach innen ein Ausschlag
entstehen.
Was ist die Lungenentzündung anders
als ein kleinerer oder größerer Rothlauf, den schon
Jeder gesehen hat! Was ein Rothlauf im Gesichte, an den
Armen ist, das ist die Lungenentzündung an der Lunge. Es entsteht dort ein
Ausschlag; der Krankheitsstoff, der in ihr war, ist herausgetreten.
Eine solche Entzündung kann wegen einer
Kleinigkeit entstehen. Es kommt z. B. ein richtig Verweichlichter an die
kalte Luft und athmet solche ein; wie leicht gibt es
da eine Lungen- oder Luftröhrenentzündung! Es ist nur ein Ausschlag auf der
Lunge entstanden, und da sind nun die Leute schrecklich ängstlich und
wissen nicht, was sie thun sollen. Die einen fangen an,
einzuheizen, als wenn sie einen Ochsen braten wollten; die andern packen den
Kranken im Bett fest zu. Mit drei oder vier Betten wird er zugedeckt und mit
Wolltüchern traktirt. Dieser Krankheitsstoff muß es als eine Ehre betrachten, daß
man ihn so schön behandelt.
Ich behandle solchen Ausschlag aber wie einen
rechten Lumpen. Werde ich ihn da kalt abwaschen oder ihm einheizen oder
warme Ueberschläge geben, daß
er noch mehr gedeiht?
Wenn ein solcher Ausschlag sich zeigt, hat
der damit Behaftete gewöhnlich ein kleineres oder größeres Fieber. Tritt dieser
Ausschlag wieder zurück, dann ist es dem Kranken nicht recht behaglich; wenn er
auch keine eigentliche Krankheit fühlt, so klagt er doch oft über Kopfleiden
und Beschwerden im Unterleibe, manchmal auch über Appetitlosigkeit, dann wieder
über Hitze oder Kälte an einzelnen Körpertheilen oder
auch am ganzen Körper.
In solchen Naturen steckt Krankheitsstoff im
Blut und in den Säften. Die Natur ist jedoch nicht im Stande, die
Krankheitsstoffe auszustoßen und auszuleiten, und wenn solche Personen keine
Hilfe bekommen, so wird ihr Blut immer mehr verderben; die Säfte werden
ebenfalls krankhafter, und es kann leicht eine schwere Krankheit entstehen wie
Wassersucht, Nierenleiden, Lungen- und Herzleiden. Je weniger die Medizin hier
vermag, um so wirksamer erweist sich das Wasser.
Ein
Landwirth erzählt: „Ich habe schon
mehr als zwei Jahre einen Ausschlag im Gesicht und am ganzen Körper.
Manchmal sieht man wenig, dann kommt er aber stellenweise recht stark heraus.
Ich bin sonst gesund, aber wenn sich dieser Ausschlag noch mehr verbreitet, wie
es den Anschein hat, dann weiß ich nicht, welches Schicksal mich noch treffen
wird. Ich habe schon Vieles und Verschiedenes dagegen gebraucht, doch alles
umsonst.“
Anwendungen: 1 ) In
der Woche zwei warme Haberstrohbäder, mit zwei Wechseln, jedesmal 15 Minuten in´s warme, eine Minute in´s
kalte Wasser, oder sich kräftig (natürlich
kalt) abwaschen.
2 ) Dreimal in der Woche in der Nacht vom Bett
aus oder beim Aufstehen den ganzen Körper mit kaltem Wasser waschen.
3 ) Täglich eine Messerspitze voll weißes Pulver, wie in der Apotheke (des Buches; leider nichts gefunden) beschrieben.
So drei bis vier Wochen fortmachen, dann jede
Woche ein- bis zweimal den ganzen Körper waschen oder, statt zu waschen, ein (kaltes) Halbbad nehmen.
Maria
erzählt: „Manchmal ist mein Gesicht
voll Ausschlag; verschwindet er, dann kommt er meistens an den Armen oder
an den Füßen oder an anderen Theilen des Körpers zum
Vorschein. Ich habe schon mehrere Aerzte gebraucht
und auch von diesen Salben zum Einreiben oder scharfes Wasser zum Abwaschen
bekommen. Oft verschwand der Ausschlag sehr schnell, zeigte sich aber bald
wieder an einer andern Stelle. Ich gebrauchte Jahre hindurch die
verschiedensten Mittel, der Ausschlag aber verbreitet sich immer weiter; meine
Kraft nahm bedeutend ab, und auch mein ganzes Aussehen war nicht mehr gesund.“
Maria mußte zweimal
in der Woche ein Hemd anziehen, welches in Heublumenwasser getaucht war,
und sich so eine ganze bis eineinhalb Stunden in eine Wolldecke wickeln. Ferner
mußte sie in der Woche zwei Halbbäder nehmen
in der Dauer von zwei Sekunden, und weil sie noch kräftig genug war, bekam sie
in der Woche zwei Vollgüsse. Das Hemd löste die Krankheitsstoffe auf und
leitete dieselben aus, und zwar am ganzen Körper. Die Halbbäder kräftigten die
Natur, so daß sie die Krankheitsstoffe auszustoßen im
Stande war. Die Vollgüsse brachten große Thätigkeit
im gesammten Organismus hervor, bewirkten eine
gleichmäßige Wärme und ebenso eine gleichmäßige, starke Transpiration.
Nach sechs Tagen zeigte sich der Ausschlag am
ganzen Körper nur mehr in Form einer schwachen Röthe.
Nach zwölf Tagen war auch der letzte Rest des Ausschlages am ganzen Körper
verschwunden, und Maria bekam jetzt folgende Anwendungen: ein nasses Hemd, zwei
Schenkelgüsse, zwei Halbbäder und einen Vollguß.
Diese Anwendungen gebrauchte sie noch vierzehn Tage lang und war dann
vollständig gesund; sie bekam den besten Appetit und ruhigen Schlaf; ihre
Kräfte vermehrten sich von Tag zu Tag. Nach innen mußte
sie täglich Morgens und Abends drei bis vier Löffel
voll Thee von Eichenrinde, Salbei und Wermuth nehmen.
Ein
Mädchen, acht Jahre alt, klagt, ihm
thue Alles am Körper recht wehe, es könne
nicht mehr gehen und stehen und habe am rechten Fuße zwei große, rothe Flecken, die stark brennen. – Es sind hier ungesunde
Stoffe vorhanden. Das Kind soll täglich eine Male ganz gewaschen werden, oder
es soll ihm einige Male in der Woche ein nasses, grobleinenes Hemd angezogen
werden, in welchem es, gut eingewickelt, eineinhalb Stunden lang im Bett
bleibt. Es soll der ganze Körper behandelt werden; je mehr Flecken sich zeigen,
um so rascher folgt die Heilung. Nur nicht Angst
haben, daß bei den Ausschlägen die Waschung schade.
Der Beweis hiefür ist ja gegeben dadurch, daß durch die Anwendungen der Ausschlag hervorgelockt wird.
Ein
Mädchen, 26 Jahre alt, erzählt: „Vor
zwei Jahren habe ich mich einmal stark vernäßt und
großes Fieber bekommen. Seit dieser Zeit bin ich nie mehr gesund. Es fehlt mir
der Appetit und Schlaf; ich bin so kraftlos, daß ich
nur kleine Hausarbeiten verrichten kann; besonders habe ich alle vier Wochen
viele Krämpfe und beständig Ausschlag, bald auf dem Rücken, dann an den
Schenkeln oder andern Theilen des Körpers. Wenn der
Ausschlag stark heraus ist, dann ist mir am wohlsten; wenn er bereits
verschwunden ist, am schlimmsten.“
Diese Person hat sich also verdorben, und die
ganze Natur hat eine große Störung erlitten. Sie hat ihre geregelte
Transpiration verloren, und es hat sich dann Ungesundes im Körper gebildet, das
bald da, bald dort einen Ausweg sucht. Dieser ungesunde Stoff muß ausgeleitet, die Unordnung im Blut beseitigt, die
ganze Natur mehr belebt und gestärkt werden. Dieß
kann geschehen durch folgende Anwendungen:
1) Jeden zweiten Tag eine Ganzwaschung mit
Wasser und Salz darin. Dadurch wird die Körperwärme erhöht und eine gleiche Ausdünstung
befördert.
2) Jeden dritten Tag einen kurzen Wickel, der
die kranken Stoffe auflöst und aussaugt, das Tuch in Heublumenwasser getaucht.
3) Jeden dritten Tag einen Oberguß und Schenkelguß zur
Kräftigung und zu größerer Thätigkeit in allen Theilen.
4) Jeden zweiten Tag ein Halbbad; dies wirkt
stärkend und ausscheidend auf die ganze Natur.
Nach innen: 1) Täglich eine Messerspitze voll
weißen Pulvers zur Kräftigung der Natur, 2) täglich eine Tasse Thee von Johanniskraut, Salbei und Wermuth.
Dies wirkt auf guten Magen, gute Säfte und Regelung des Blutes.
In vier Wochen war der ganze Körper in Ordnung.
Zur weiteren Befestigung und Erhaltung der Gesundheit in der Woche zwei bis
drei Halbbäder. So armselig diese Person beim Beginn der Kur sich gefühlt, so
glücklich war sie nachher.
Eine
arme Frau zeigte mir ihre Hand, die
ganz scharlachroth war. Ein beständiger Ausfluß aus der Hand hatte die Haut gleichsam
zerfressen. Sie bat um Hilfe; sie habe das Leiden seit sechs Wochen, und was
sie gethan habe, sei ohne günstige Wirkung geblieben.
Der Schaden greife immer weiter um sich. Der Anfang sei ein kleiner Rothlauf gewesen, und sie habe geglaubt, das habe nicht
viel Bedeutung. Ich rieth, täglich zweimal Folgendes
anzuwenden: Angeschwellte Heublumen werden um die Hand gebunden, daß der ganze Schaden überall mit Heublumen bedeckt ist.
Die Heublumen sollen nicht heiß, sondern angenehm warm sein; zwei Stunden
müssen dieselben liegen bleiben. Anfangs wurde der Schaden noch ärger; nach
sechs Tagen besserte sich die Hand, und in zwölf Tagen war sie wieder geheilt.
Dieses Weib war früher gesund und hatte nie solchen Ausschlag gehabt, und deßhalb war es nur ein recht vergifteter Rothlauf. Daher hat auch eine rasche Ausleitung eine
baldige Heilung zur Folge gehabt.
Ein
Herr erzählt: „Ich habe einen Ausschlag
auf dem Kopf unter den Haaren, besonders aber unter meinem starken Bart,
deßgleichen auf der Schulter. Im Gaumen und Rachen
empfinde ich oft brennende Schmerzen. Vier Aerzte
habe ich gebraucht; es wurden viele Salben eingerieben, mit verschiedenen Wassern
wurde mein Kopf gewaschen, auch Minderalwasser habe
ich gebraucht, aber Alles vergebens. Der ganze Zustand wird eher schlimmer als
besser. Wie kann ich von diesem Uebel frei werden?“
Antwort: 1) Jede Woche zwei Kopfdämpfe,
zwanzig Minuten lang, darauf kräftig abwaschen. 2) In der Nacht den ganzen
Körper waschen. 3) Täglich eine Tasse Thee von
Zinnkraut und zehn bis zwölf Wachholderbeeren, zehn Minuten lang gesotten, in
drei Portionen trinken. So drei Wochen lang. Dieser Ausschlag kommt von Ungesundheit im ganzen Körper. Durch Dampf werden die Poren
geöffnet, das Ungesunde wird aufgelöst und ausgeleitet. Die Waschungen stärken
den Körper zur Ausscheidung. Der Thee wirkt reinigend
und auflösend.
Isidor erzählt: „Ich bekomme jeden Herbst,
wenn es kälter wird, einen Ausschlag, anfangs nur an einzelnen Theilen des Körpers, nach und nach verbreitet sich derselbe
über den ganzen Körper. Im Frühjahr verschwindet der Ausschlag wieder, ich
fühle mich dann aber nicht mehr so wohl. Wenn der Ausschlag stark heraus ist,
fühle ich mich im Innern recht wohl; ist er aber ganz zurückgegangen, dann
ist´s mir nicht mehr behaglich; es fehlt meist der Appetit, ich habe häufig
Kopfweh und wenig Schlaf. Ist der Ausschlag heraus, dann möchte ich mit den
Nägeln die ganze Haut wegkratzen. Ich habe viel gebraucht, und ein Arzt hat mir
Quecksilbersalbe zum Einreiben gegeben; es wurde mir aber so elend, daß ich sie nicht mehr nahm.“
Dieser noch junge Mann mußte
täglich zweimal im Wasser gehen, auch barfuß im Gras, täglich bekam er Ober-
und Rückenguß, und jeden zweiten Tag hatte er ein
Hemd, in Heublumenwasser getaucht, anzuziehen; so acht Tage lang. Dann bekam er
Halbbad und Oberguß mit Wassergehen sechs Tage,
darauf jeden dritten Tag ein Heublumenhemd, jeden Tag ein Halbbad und Rückenguß. Die Wirkung war, daß
sich rasch an verschiedenen Stellen des Körpers ein Ausschlag zeigte,
hervorgelockt durch Gießungen und Halbbäder; die
Hemden lösten auf und leiteten aus. Das Aussehen verbesserte sich von Tag zu
Tag, ebenso nahmen die Kräfte zu, und nach drei Wochen fühlte sich der Kranke
ganz gesund und kräftig; er hatte mit dem besten Schlaf auch den besten
Appetit.
Anna erzählt: „Wenn der Herbst kommt und
schon ziemlich kalte Witterung eingetreten ist, bekomme ich immer wehe Hände.
Die Finger sind, sobald sie kühl sind, ganz blau, die Haut springt an vielen
Stellen auf, es kommen kleine und größere Geschwüre, und immer läuft braunes
Wasser heraus. Ich habe schon alles Mögliche eingeschmiert und eingerieben;
manchmal hat´s auf kurze Zeit geholfen, aber bald war das alte Leiden wieder
da. Kann ich von diesem Uebel noch frei werden? Wenn
nicht, dann werde ich meinem Berufe kaum mehr recht nachkommen können.“ –
„Wickeln Sie, Anna, vier Tage lang ihre Hand
bis an die Ellbogen in angeschwellte Heublumen warm ein, binden Sie darüber ein
Wolltuch, daß der Zugang frischer Luft ausgeschlossen
ist, eineinhalb bis zwei Stunden lang! Diese Heublumen werden alle
schädlichen, krankhaften Stoffe auflösen und ausziehen; dann muß aber die Hand und der ganze Arm täglich zweimal in´s Wasser getaucht werden vier bis fünf Minuten lang, und
weil doch das Blut nicht ganz rein ist, so soll der Körper jede Nacht vom Bett
aus gewaschen werden. Nach diesen vier Tagen reicht es aus, in der Woche
zweimal einen solchen Handwickel und die Ganzwaschung wie bisher vorzunehmen.“
Nach vierzehn Tagen kam Anna wieder und dankte,
daß ihr diese einfache Anwendung, wie sie recht gut
fühle, die krankhaften, schlechten Stoffe ausgezogen habe.
Das nächste Kapitel: „Der Ausschlag bei der Wasserkur“, S. 540 bis 542, auf
Wunsch gegen Erstattung der Fotokopier- und Portokosten bei:
Rainer Lechner, Ulfas 6, I-39013 Moos i. P. (BZ). Antwort
kann Monate auf sich warten lassen. Geduld!