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ETIKA |
Kneipp-Reile |
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27KR5ENTZ |
Entzündung. (Allgemeines.) |
7.3.2009 |
Das
große Kneippbuch. Ein Volksbuch für Gesunde und Kranke von Msgr. Sebastian Kneipp. Nach dem Tode des Verfassers in
dessen Auftrag bearbeitet und herausgegeben von Bonifaz
Reile, langjährigem Sekretär des Prälaten Kneipp. 57.
– 59. Tausend. Verlag Josef Kösel & Friedrich
Pustet. Kommandit-Gesellschaft München. Verlagsabteilung Kempten. 1923. Seite
638f.
Entzündung. (Allgemeines.)
Ein
Knabe, der kaum recht gehen konnte,
sieht, wie die Mutter Licht gemacht hat. Er gibt sich alle Mühe, so ein
Hölzchen zu erwischen; er will auch Feuer machen. Es gelingt ihm, und der
kleine Uebelthäter zündet mit dem Streichhölzchen ein
mächtiges Feuer an. Das ganze Haus brennt ab und Alles, was darinnen ist.
Wie viele tausend Menschen liegen auf den
Gottesäckern, bei denen sich gleichsam so ein kleiner Funken krankhaften
Stoffes im Körper entzündet hat; der Funke wurde zur Flamme. Von allen Seiten
drang das Blut zur entzündeten Stelle und gab neuen Zündstoff. Es goß Oel in die Flamme, und die
Flamme wurde zum großen Feuer. Es waren vielleicht nicht die richtigen
Anstalten zum Löschen getroffen worden, und die armselige Hütte der
menschlichen Seele brannte elendiglich zusammen.
Tausende von Thieren
(Anm. ETIKA: vermutlich eher Milliarden
oder Billiarden) gehen jährlich so zu Grunde. Abertausende von Menschen
ereilt ein gleiches Schicksal. Wie schnell geht das oft!
Dein Hals hat an einer Stelle Feuer gefangen,
er ist entzündet. Es kommt zufällig ein rauhes
Lüftchen und thut Blasbalgdienste; es bläst das
Feuerchen an, die Adern liefern neuen Brandstoff, und in wenigen Stunden steht
der Hals in Brand. Ist´s nicht so? Was thun? Was thun die Leute, wenn´s brennt? Sie schreien Feurio
und suchen zuerst zu retten, was zu retten ist. Dann entfernen sie, wenn es
Zeit ist, von der Brandstelle in aller Eile Alles, was dem Feuer nur Futter
sein kann, und spritzen dann darauf los, bis der Feuersnoth
oft die Wassernoth folgt. Diesen Wink wollen wir
verstehen und ausnützen.
· Wenn irgend eine
Entzündung eintritt, so suche man möglichst bald das auf diese Stelle
zuströmende Blut zurückzuleiten.
· Man rette das noch nicht entzündete Blut.
· Ebenso wirke man auf die entzündete Stelle
ein, damit das zusammengeströmte Blut möglichst vertheilt
und abgeleitet werde.
Unlängst ging Nachts,
als ich eben einschlafen wollte, das Holz im Ofen an. „Fatale Geschichte!“
dachte ich; „bis dieser Scheiterhaufen abgebrannt ist und ausgeknittert und
ausgeprasselt hat, geht die halbe Nachtruhe hin.“ Mein Nachbar war gescheidter. „Nicht das Knistern, meine Ruhe will ich haben,“ murmelte er. Und was that er?
Er nahm Scheit für Scheit, ob´s flammte, ob´s schon knisterte, heraus. Und aus
war alles Feuer. Das ist doch klar.
Doch nun zurück zur Halsentzündung!
Greif einmal die Füße an und fühle, ob sie nicht vielleicht eiskalt sind.
Manchmal trifft dieses zu. Wo mehr Wärme ist, entstehe sie, wo sie
wolle, strömt mehr Blut zu. Das Blut in den Füßen ist gleichsam davon-
und dem Brande im Halse zugeeilt. Wickle die Füße ein in linnene Lappen, die in mit etwas Essig vermischtes Wasser
eingetaucht sind! Bald schon wirst du große Wärme verspüren. Der Fußwickel
zieht das Blut nach unten, und etwas Brennstoff ist dem Feuer schon genommen.
Suche sodann das Blut weiter abzuleiten in
den Unterleib! Dieses geschieht durch Auflegen eines größeren, in
derselben Weise durchnetzten Tuches auf den
Unterleib. Sollte es recht heiß werden, so tauche es von Neuem ein in kaltes
Wasser, und zwar so oft, als die Hitze groß und das Tuch warm wird! Mehr
Brennstoff als durch die erste Anwendung wird durch diese zweite dem
gefährdeten Halse entzogen. Und nun kannst du den Hals selbst angreifen, den
eigentlichen Feuerherd. Tauche ein Tuch in´s kälteste
Wasser und binde es um; laß das Tuch aber nicht zu
heiß werden; erneuere vielmehr dessen Eintauchen, so oft es recht warm wird!
(Meine 35jährige Erfahrung und Praxis
berechtigt mich zu dieser Behauptung. Jeder, der die Prießnitz´schen
Umschläge die
ganze Nacht über liegen läßt, wird schon die unliebe Probe gemacht haben, daß am Morgen statt Besserung eine Verschlimmerung
eingetreten ist. „Es war eben nicht recht zugebunden,“
lautet die fade Entschuldigung, die man gleich bei der Hand hat. Nein, der
Grund ist meistens ein anderer und liegt tiefer. Das Nähere lese man beim
Halswickel.)
· Lässest du es heiß werden, so entwickelt sich auch
am und im Halse wieder mehr Wärme, und das Blut, das zum Theil
abgeleitet ist oder noch vollends abgeleitet werden soll, strömt von Neuem dem
Halse zu und droht die Entzündung frisch anzufachen.
Wer diesen letzten Punkt, über den schon so
viel gestritten wurde, mit mir also auffaßt, wird
nach kurzer Praxis bald sein eigenes bester Wärter. Er fühlt am besten, wo
Hitze weggetrieben, wann der Aufschlag oder Wickel erneuert werden soll. Darnach applizirt und wiederholt
er die Wasseranwendungen. Der Hitzegrad wird ihm der Zeiger an der Uhr; zeigt
jener auf Null, d. h. ist das Feuer gedämpft, so läßt
er den Körper in Ruhe; zeigt er auf geringere oder höhere Zahlen, d. h. nimmt
das Feuer zu, so eilt er ohne Säumen neuerdings zur Feuerspritze.
Fortsetzung:
Entzündung der Lunge und des
Brustfelles