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ETIKA |
Kneipp-Reile |
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27KR5LUNG |
Lungenentzündung |
8.3.2009 |
Das
große Kneippbuch. Ein Volksbuch für Gesunde und Kranke von Msgr. Sebastian Kneipp. Nach dem Tode des Verfassers in
dessen Auftrag bearbeitet und herausgegeben von Bonifaz
Reile, langjährigem Sekretär des Prälaten Kneipp. 57.
– 59. Tausend. Verlag Josef Kösel & Friedrich Pustet.
Kommandit-Gesellschaft München. Verlagsabteilung Kempten. 1923. Seite 893-898.
Mit Wunderheilungen. Kneipp selbst ist das Wunder, das
uns Gott geschenkt hat.
Siehe
auch: Ausschläge – Entzündung (allgemein) - Entzündung der Lunge und des
Brustfells
Lungenentzündung.
Wenn sich Jemand einen kleinen Nagel oder
einen Splitter in den Fuß tritt, so entsteht regelmäßig eine Entzündung, auch
dann, wenn der Nagel oder der Splitter entfernt wird. Es geht ähnlich wie mit
den Zündhölzchen, welche sich auf der Reibfläche entzünden; wenn auch das
Zündhölzchen von dieser Fläche entfernt wird, so brennt es doch.
Beginnt die Stelle, an welcher man sich auf irgend eine Weise verletzt hat, sich zu entzünden, dann
tritt natürlich eine große Hitze ein, welche sich fortwährend steigert. Dieser
Hitze strömt das Blut und strömen die Säfte der benachbarten Körpertheile zu;
es bildet sich eine kleinere oder größere Geschwulst, und wenn man die Entzündung
und die damit verbundene Hitze nicht beseitigt, so kann leicht der Brand
entstehen.
Anna hat sich einen kleinen Holzsplitter,
den sie mit dem freien Auge nicht zu sehen vermochte, in den Finger gestoßen;
sie beachtete den Splitter gar nicht, weil sie anfangs keinen Schmerz empfand.
Doch nach und nach entstand eine Entzündung, und der Arm schwoll immer mehr an,
so daß schließlich die Gefahr einer Blutvergiftung
nahe lag. Hieraus kann man ersehen, wie viel ein unbedeutender Splitter vermag.
Derartige Entzündungen können im und am
Körper sehr leicht und oft entstehen. Eine der häufigsten, welche alljährlich
viele Opfer fordert, ist die Lungenentzündung.
Du hast schon oft, lieber Leser, Leute
gesehen, welche im Gesichte einen Ausschlag haben; du hast vielleicht auch
selbst schon einen solchen gehabt, oder du hast auf den Rothlauf,
welcher im Gesicht, am Arm oder auch an einer anderen Stelle des Körpers
auftreten kann, Acht gegeben. Zuerst ist die Stelle schmerzlich, dann entsteht
eine Röthe, und es bilden sich Blasen. Gerade so geht
es bei der Lunge. In dieser können sich Krankheitsstoffe bilden wie in den
übrigen Körpertheilen. Diese Krankheitsstoffe
entzünden sich, und dadurch kann ein Ausschlag auf der Lunge entstehen,
ähnlich wie der Hautausschlag oder wie der Rothlauf.
So eine Lungenentzündung kann unten oder oben
an der Lunge, in der Mitte oder an einer andern Stelle derselben entstehen. Die
Hitze vermehrt sich, und da mit ihr auch die Anschwellung zunimmt, so tritt
eine Verengung in der Brust ein. In Folge der Verengung kann die Luft
nicht mehr so leicht eingeathmet und die verbrauchte
Luft auch nicht mehr so leicht ausgeathmet werden. In
Folge dessen bilden sich wieder Stockungen, so daß
schließlich die Verengung derart zunimmt, daß die
Luft nur noch mit Gewalt, d. h. durch Husten ausgestoßen werden kann.
Kürzlich brach in einem Hause, mitten im
Dorfe, Feuer aus. So rasch wie möglich strömten die Leute der Brandstätte zu,
die einen, um zu retten, die andern als Zuschauer. Warum strömte alles dieser
Stätte zu? Weil Feuer entstanden war.
· Ebenso strömt das Blut des Körpers dahin, wo irgend eine Entzündung entsteht; denn wo sich Wärme
entwickelt, dahin dringt das Blut.
Es strömt aus den Armen, aus den Füßen und
aus andern Körpertheilen der Lunge zu; Arme und Füße
werden blutleer und dadurch kalt, in der Lunge aber und ihrer Umgebung tritt
eine Blutfülle ein, welche eine erhöhte Hitze bewirkt. Was aus dieser
Entzündung und dem Zusammenströmen des Blutes entstehen kann, läßt sich recht gut denken.
Was ist nun hier zu thun,
um Hilfe zu bringen? Nicht wahr, bei der Brandstätte sucht man mit Wasser zu
löschen, und wenn das Feuer durch das Wasser eingedämmt wird, kann viel
gerettet werden? Wo aber das Feuer nicht gelöscht werden kann, da brennt Alles
zusammen.
Gehen wir noch einmal zur bezeichneten
Brandstätte, die, umgeben von Menschen, uns so recht ein Bild von der
Entzündung in der Lunge gibt! Als das Feuer in hohen Flammen das Haus nach und
nach verzehrte, beobachtete man, daß in einiger
Entfernung ein Haus in die höchste Gefahr kam, ebenfalls entzündet zu werden.
Sobald die Zuschauer dort Rauch bemerkten, strömte eine große Menge derselben
dorthin, um wieder zu sehen und zu löschen. Dieses Bild gibt uns die beste
Anleitung, wie man bei einer Lungenentzündung verfahren
soll.
Das
Erste ist, die Brandstätte zu behandeln. Das Blut, welches der Lunge zuströmt, muß so
schnell als möglich abgeleitet werden. Und wie kann dies geschehen? Wenn die
Füße mehr oder weniger kalt sind, so ist das Blut aus denselben mehr oder
weniger zur Lunge gedrungen. Ebenso ist es mit den Armen und den andern Körpertheilen. Daher hat sich zu viel Blut in der Brust und
in der Lunge gesammelt.
· Wenn man nun die Füße mit einem in heißes
Wasser und Essig getauchten Tuch so warm, als es der Kranke ertragen kann, einwickelt,
so bekommen sie eine künstliche Wärme und Hitze. Dieser strömt das Blut zu, wie
es vorher der Lunge zugeströmt ist.
· Auf die gleiche Weise, wie man das Blut in
die Füße leitet, kann man dasselbe auch den Armen zuführen, indem man
diese ebenso behandelt.
· Vor Allem aber kann man durch Auflage das
Blut von der Brust in den Unterleib leiten. Ist der Kranke am Körper
mehr kühl wie warm, so macht man die Anwendung auf den Unterleib mit einem warmen
Tuch; ist aber die Hitze groß, so taucht man das Tuch in kaltes Wasser
ein, damit die Hitze abgeleitet wird.
· Bei der eigentlichen Brandstätte aber, auf
der Brust, wo der Kranke die meisten Schmerzen empfindet, wo er Hitze,
Stechen und Brennen fühlt, kann ganz besonders günstig durch Auflage eines Pflasters
von Toppenkäs, welches mit Toppenwasser
zu einer weißen Salbe fein abgerieben wird, eingewirkt werden. Dieses Pflaster
wird in der Größe des schmerzenden Brusttheiles
aufgelegt. Es ist fast unglaublich, wie rasch das aufgelegte Pflaster die Hitze
erfaßt, den Schmerz nimmt und dem Kranken seine Lage
auffallend erleichtert. Wird der aufgelegte Toppenkäs
ganz steif, und ist die Hitze noch nicht hinreichend gedämpft, so soll eine
zweite oder, wenn nothwendig, auch eine dritte
Auflage gemacht werden.
· Hört aber der Schmerz auf, und hat die Hitze
nachgelassen, dann werden die Wickel weggenommen, und der Kranke kann alle zwei
bis drei Stunden, je nachdem es nothwendig ist, gewaschen
werden. Gewöhnlich tritt schon auf die erste oder zweite, sicher aber auf die
dritte Waschung Schweiß ein, und dann steht es mit dem Kranken ganz gut. Man
braucht nur mit den Waschungen fortzufahren, bis Hitze und Fieber vollständig
beseitigt sind, und immer wieder, wenn Schmerzen und Hitze sich einstellen, das
Pflaster aufzulegen.
· Ist bei der Lungenentzündung die Gefahr
vorüber, so hat man nur Sorge zu tragen, daß
die Hitze sich nicht wieder erneuert und die Oberhand gewinnt. Zwei bis
drei Waschungen des Oberkörpers oder auch des ganzen Körpers reichen gewöhnlich
aus.
Auch nach innen kann man wirken.
· Ich habe gefunden, daß
es, wie überhaupt bei allen Entzündungen, so namentlich bei der Lungenetzündung gut ist, während zwei bis vier Tagen jeden
Morgen und Abend einen Löffel voll Speiseöl zu nehmen. (Anm. ETIKA: kaltgepresstes Olivenöl? Aber
wärmt nicht Olivenöl laut P. Thomas Häberle?) Das Oel
kühlt und kräftigt den Magen und schützt vor Entzündung.
· Zur Auflösung der Schleimmasse, welche sich
bei der Entzündung bildet, ist Thee zu empfehlen.
Es können dazu verwendet werden: Hollunderblüthen,
Kamillen, Schafgarben, Fenchel und Wermuth. Man kann
damit wechseln, indem man bald von diesem, bald von jenem Thee
nimmt; auch können zwei oder drei Kräuter zusammen genommen und vermischt
werden.
· Neben diesem Verfahren muß
aber auch dafür gesorgt werden, daß der Kranke eine einfache,
leicht verdauliche und nahrhafte Kost bekommt, aber nie viel auf einmal,
sondern immer nur in kleinen Portionen.
· Wie bei allen Krankheiten, so ist es
namentlich bei der Lungen-Entzündung von großer Wichtigkeit, daß der Kranke stets nur eine gute und gesunde Luft einathmet. Dumpfe oder gar heiße Zimmerluft würde dem
kranken fast unerträglich sein und könnte seinen Zustand noch verschlimmern.
Da die Lungenentzündung so häufig vorkommt
und so viele Opfer dahinrafft, so muß man ihr im voraus und schon in gesunden Tagen entgegentreten, indem man
seinen Körper kräftigt und widerstandsfähig macht. Dieß
geschieht am besten, wenn man in der Woche zwei oder drei Halbbäder
nimmt. (Anm:
mit der unteren Körperhälfte kurz eintauchen in mit kaltem Wasser halb gefüllte
Badewanne). Dadurch bleibt die Natur immer in einem kräftigen und gesunden
Zustand erhalten, und dann können nicht leicht solche Krankheiten entstehen;
denn je gesunder der Körper ist, desto seltener werden krankhafte Zustände sich
einstellen können.
Zeigt sich bei Kindern
die Lungenentzündung, so ist das Einfachste, daß man
sofort, nachdem man die Entzündung gemerkt, zu löschen anfängt, aber nicht mit
Morphium und Antifebrin, sondern mit Wasser. Man taucht das Kind bloß in ein
kaltes Wasser, zählt bis drei, nimmt es heraus und legt es in´s
Bett.
Man kann es auch noch anders machen. Man
taucht das Kind sammt dem Hemdchen in´s Wasser, wickelt es in eine Wolldecke und deckt es im
Bett zu. Das nasse Hemd zieht wie beim spanischen Mantel alle trockenen
Stoffe heraus und leitet die Hitze ab. Wenn das Hemd zu warm würde, würde das
Kind in noch größere Hitze und schließlich zu Fieber kommen; dieß muß verhütet werden, und
daher muß man, sobald dem Kinde bange wird und die
Hitze sich steigert, das Kind sammt dem Hemdchen von
Neuem eintauchen, wieder in die Wolldecke wickeln und in´s
Bett bringen. Und so könnte man drei- bis viermal verfahren, dann wird gewiß nicht mehr viel Hitze vorhanden sein. Das ganze
Verfahren darf aber höchstens eine Minute dauern, und je weniger dabei das Kind
der Luft ausgesetzt wird, desto schneller wird die Krankheit beseitigt.
Nach innen gebe man täglich zweimal ein
Löffel Salat- oder Provenceöl; das mildert die
Schärfe im Blut.
(Beispiel
einer Heilung: )
Ich wurde einst zu einem Manne
gerufen. Man sagte, er habe die Lungenentzündung. Ich kam hin. Der Mann hatte
erstens einen fürchterlichen Husten, so daß er kein
Wort reden konnte; zweitens hatte er einen sehr schweren, geradezu pfeifenden Athem, und drittens hatte er solche Schmerzen, daß er sich nicht mehr zu helfen wußte.
Er sagte: „Wollen Sie mich versehen, ich muß ja
doch bald sterben!“ Ich erwiderte ihm: „Ein Mittel wollen wir noch probiren; wenn das nicht hilft, will ich Sie auf den Tod
vorbereiten. Haben Sie Toppenkäse?“ „O ja!“ Man
brachte mir den Toppenkäs, den ich mittels eines
Löffels unter Beimengung von Toppenwasser zu einer
feinen Salbe verrührte, auf einen Linnenfleck halb
fingerdick auftrug und wie ein Pflaster auf die schmerzlich entzündete Stelle
legte. Diese war ganz fürchterlich heiß. Kaum hatte ich das Toppenkäspflaster
aufgelegt, da sagte der Kranke: „Das thut einmal
wohl.“ Überdieß habe ich ihm die Füße bis über die
Knöchel in ein Handtuch eingewickelt, das in Wasser und Essig eingetaucht war.
Und als er eingewickelt war, sagte er: „O wie wird mir leicht! Der Schmerz
beginnt zu weichen; ich merke bereits nichts mehr, und der Husten läßt auch nach.“ Und es war wirklich wahr. Er hustete nur
mehr leicht, und der Schmerz war gelindert. Dazu brauchte es nicht länger als
etwa zehn Minuten. „Gut,“ sagte ich, „jetzt wollen wir
an das Versehen gehen und im Uebrigen zuwarten, bis
das Pflaster an der entzündeten Stelle ganz trocken ist.“ Sobald es trocken
war, überstrich ich das Tuch wiederum mit frischem Toppenkäs
und legte es nochmals auf. Dann habe ich ihm noch einen Löffel voll Salatöl zum
Einnehmen gereicht, bevor ich ihn verließ. Am folgenden Morgen sah ich gleich
nach dem Befinden des Kranken. Als ich zu ihm kam, war es ihm ganz gut, und er
konnte die vortreffliche Wirkung des Toppenkäses
nicht genug rühmen. Fast augenblicklich fühlte er die Kühlung bis in sein
Inneres hinein, und der Schmerz verschwand in kurzer Zeit. Gerade so leitet das
Tuch um die Füße nach unten ab. Und so war er am Morgen annähernd normal. Wenn
er auch noch geringe Hitze hatte, so stand sie in keinem Vergleiche mit der vom
vorigen Abend. Nun bekam er noch den Auftrag, er solle, wenn die Hitze stärker
werde, bloß den Oberkörper waschen, und wenn sie sehr
groß werde, auch die Füße einbinden. In wenigen Tagen war er soweit
hergestellt, daß er wieder aufstand und zu arbeiten
anfing.
Wie in diesem Falle, so habe ich wohl in zehn
andern Fällen, in denen ich gerufen wurde, zuerst dasselbe Verfahren
angeordnet, bevor ich zum Providiren schritt. Denn die
Lungenentzündung ist sehr gefährlich und fordert viele Opfer, wenn man
nicht rasch entgegenwirkt. Ist der Brustschmerz in Folge der Toppenkäs-Auflagen verschwunden, so darf man die Auflagen
einstellen. Das nasse Tuch um die Füße wird, so oft es heiß wird, neu
eingetaucht und übergelegt.
Eine der ersten Folgen der Lungenentzündung
ist große Blutarmuth, und darum sterben solche Leute regelmäßig an der Herzlähmung.
Und das kommt daher, weil mit der Entzündung die Blutbildung aufhört. Sobald
man keine Speise zu sich nehmen kann, vermehrt sich auch das Blut nicht mehr,
und nach fünf bis acht Tagen wird die Blutbildung aufgehört haben; wenn nun
Jemand an sich schon recht blutarm ist, kann man ganz gut sagen: Einem Solchen muß das Blut ausgehen, und der Pulsschlag nimmt nach und
nach ab. Er wird schwächer, und das Herz vermag das Blut nicht mehr
hinauszutreiben nach allen Richtungen, und es tritt eine Lähmung ein. So haben
mich Aerzte versichert, und ich glaube es auch.
Denn wenn ein Theil
der Lunge einen Ausschlag bekommt, wie er auch an einem andern Körpertheil auftreten kann, so wird sie ihren Dienst nicht
mehr vollständig versehen können. Während der Entzündung wird das Blut immer
weniger, und der Mensch ist schließlich nicht mehr fähig zu leben, weil das
Herz nicht mehr schlagen kann. Wenn auf ein Mühlrad kein Wasser mehr kommt, so
steht die mühle still; und wenn man solchen Kranken
Blut geben könnte, so würden sie nicht sterben.
Ferner wird das Blut auch durch die große
Hitze verdorben. Denn wie die Kälte zu stark sein kann und das Blut sich deßhalb nicht erwärmt, gerade so kann eine zu große Hitze
auch nachtheilig einwirken auf das Blut.
„Ein vierjähriges Mädchen erkrankte an
einer schweren Lungenentzündung, verbunden mit sehr hohem Fieber, welches der
Arzt vergeblich bekämpfte. Alle von ihm angewendeten Mittel waren nicht im
Stande, dasselbe zu beseitigen. Da dieser Zustand schon fast acht Tage gedauert
hatte, lag die Befürchtung nahe, daß die Körperkräfte
des Kindes nicht mehr lange ausreichen würden. Nachdem alle ärztlichen Mittel
erfolglos geblieben waren, wurde das Kind nach der Methode des hochwürdigen
Herrn Pfarrers Kneipp behandelt. Man tauchte es rasch und kurz in kaltes Wasser
oder legte es in einen kurzen, kalten Wickel und erneuerte das Verfahren, so
oft große Hitze, verbunden mit Angst und Bangigkeit, sich wieder einstellte.
Auf die Lunge (die schmerzende, entzündete Stelle) legte man eine mit „Toppen“
bestrichene Leinwand, welche auch öfter erneuert wurde. Ueberraschend
war der Erfolg dieser Auflagen; nach denselben verschwand langsam das Fieber,
welches nach den Wasseranwendungen wohl nachließ, aber sich immer wieder
steigerte. Der Toppen beseitigte die Entzündung der Lunge, und damit verschwand
auch die Ursache des Fiebers.“ Nach einigen Tagen dankten die Eltern mit Thränen in den Augen für die Rettung ihres Kindes.
Ein anderes Mädchen bekam auch die
Lungenentzündung und erhielt vom Arzte Antifebrin und noch ein anderes Gift
dazu. Der Vater erkannte dieses Gift und gab es ihm nicht, wusch aber das Kind
mit kaltem Wasser, das stets eine auffallende Erleichterung brachte und das
Fieber schwächte. Es wurde dem Vater der Rath gegeben, er solle das Kind in´s Wasser tauchen, drei Sekunden lang, dann
wieder in´s Bett legen und sobald die Hitze sich
steigere und das Fieber einen höheren Grad erreiche, die Waschung wiederholen.
Dieses Eintauchen hat ganz auffallend die Hitze genommen und das Fieber
geschwächt, und nach drei Tagen war das Fieber beseitigt. Eingenommen hatte das
Kind nichts als öfters einen Löffel voll Wasser.
Der Vorsteher einer Studienanstalt
hatte einen an Lungenentzündung erkrankten Studenten, der einige tage vom Arzt behandelt wurd, bis
letzterer endlich erklärte, der Kranke sei verloren; deßhalb
glaubte der Rektor, er könne ganz gut noch einen Versuch mit Wasser riskieren. Er
wusch den Knaben rasch mit kaltem Wasser ab und legte ihn in´s
Bett. Rasch entwickelte sich eine große Wärme nach außen; dem Knaben wurde
leichter, sobald die Hitze geschwächt wurde. Die Waschungen wurden, sobald die
Hitze sich wiederum steigerte, erneuert, und so kam der Junge bald wieder auf
die Beine und wurde vollkommen gesund.
Aus
dem (vermutlich später, nach der Rechtschreibreform
von 1900 hinzugefügten) Anhang, S. 1358, fügen wir hinzu (wobei wir
nicht wissen, ob dies nur für die dort abgehandelte kruppöse Lungenentzündung
gilt):
Die Behandlung
der Lungenentzündung ist
folgende:
· Stündlich oder zweistündlich Ganzwaschung,
· täglich Schenkel- oder Wadenwickel, zwei
Stunden lang;
· Topfenkäse, fein verrührt wie eine Salbe
fingerdick auf Leinwand gestrichen, lege man auf die Stelle der entzündeten
Lungenseite und erneuere die Auflage so oft, als sie warm wird.
In
Ermangelung des Topfenkäses nehme man Brustwickel mehrere Stunden hindurch und erneuere sie oft.
Täglich nehme man ein Halbbad, 18 Grad
R, von 15 Sekunden Dauer.
Anstatt der Schenkelwickel kann man Auflagen
auf den Leib machen.
Innerlich gebe man eine Tasse Tee von
Spitzwegerich, Veilchenwurzeln, Zinnkraut.
Die Kost besteht in Milch, Suppen,
gestockter Milch, Getränke, Wasser mit Fruchtsäfte und Zitronenlimonade.
Nach Ablauf der Lungenentzündung lasse man
den Kranken öfters während des Tages tief atmen, damit Luft in die Lungenblöschen gedrückt wird.