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27SPF9

Fußballer müssen Vorbilder sein

2.7.2012

Unmoralische Typen gehören in keine Fußball-Elf

„Es gibt eine Gerechtigkeit im Sport und auch im Himmel.“ (Italiens Nationaltorhüter Gianluigi Buffon, ZDF heute, 25.6.2012, 19.18 h)

Wir wünschen, dass Spanien und das wunderschöne Tiki-taka-System Welt- und Europameister bleiben. Wir vertreten dieselbe Meinung wie der geniale Spielmacher und „Fußball-Romantiker“ Xavi: „Uns gefällt offensiver, attraktiver, schöner Fußball.“ (NWZ 28.6.2012 dpa) Wir wollen keine Gladiatorenspiele wie bei den alten Römern.

Danke, Gott, für die Erfüllung unseres Wunsches! Spanien siegte am 1.7.2012 in Kiew 4:0 gegen Italien. Damit hat Spanien als erste Fußballmannschaft der Welt drei Titel nacheinander geholt: EM 2008, WM 2010, EM 2012. Bei den Spaniern gefiel uns am besten das katalanische Trio vom CF Barcelona: Iniesta, Xavi und Fàbregas sowie Torhüter Casillas, bei den Italienern Pirlo, Buffòn und Di Natale. Trainer Prandelli hatte Pech mit seiner zu frühen letzten Auswechslung, denn Motta zog sich nach wenigen Minuten eine Muskelzerrung zu, worauf die Squadra azzurra eine halbe Stunde mit zehn Mann auskommen musste ‒ was die Caballeros edelmütig zunächst nicht ausnützen wollten. Zu berücksichtigen ist, dass die Italiener einen Tag weniger Erholungspause hatten nach dem furiosen Sieg über die DFB-Elf. Im Endspiel war vom neuen Stern Balotelli „nichts zu sehen“ (NWZ 2.7.2012 sid). Summa summarum: „Tiki-Taka“ begeisterte, so der Sport-Informationsdienst sid und auch ZDF-Reporter Béla Réthy. Endlich ist Schluss mit dem Geschwätz der Spanien-Kritiker.

¡Marqués Del Bosque, adelante!

„Ein Fritz Walter ist allen ein Vorbild“, schrieb Sepp Herberger im Wort zu Fritz Walters Buch „So habe ich´s gemacht. Meine Fußballschule. Copress-Verlag München, 1962. Die Experten nannten ihn „übereinstimmend Deutschlands größten Fußballer aller Zeiten“.

Alfredo Di Stéfano ist ein außergewöhnliches Vorbild für die junge Fußballgeneration“, heißt es in dem Buch von Fritz Hack: Alfredo Di Stéfano, 20 Jahre Weltklasse, 1000 Spiele – 800 Tore, Moewig-Verlag München, 1969, S. 149.

Die Zeiten haben sich gewandelt. Heute laufen die Jungen den schrillsten Typen hinterher und vergöttern sie, selbst wenn sie miserable Leistungen bieten wie der Italiener Balotelli im Spiel gegen England, wo er ein Dutzend Chancen nicht verwerten konnte und nur mit dem Elfmeter „Dusel“ hatte.

Unmoralische Typen wie z. B.

Balotelli (siehe Corriere della Sera, la Repubblica; NWZ 25.6.2012, S. 15, sid, Prostituiertenskandale); Corriere della Sera 7.6.2012, pp. 32,33: Attento a noi due. Balotelli & Cassano ... Amici fuori dal campo ... i gemelli terribili e speriamo temibili ... Bad Boy, come il ragazzo d´oro (Mario Balotelli) viene soprannominato a Manchester. … l´attacco mediatico è appena cominciato. La Federcalcio intende proteggerlo quanto e più possibile. – Nach seinen Siegtoren gegen Deutschland ist Balotelli in Italien auf einmal der geliebte „Super-Mario“, nachdem la Gazzetta dello Sport den Angreifer von Manchester City vor dem Viertelfinale gegen England noch als King Kong auf Londons Wahrzeichen Big Ben gezeichnet hatte; das italienische Sportblatt entschuldigte sich später für diese Karikatur des „Giganten“. (NWZ 28.6.2012) Die „Skandalnudel“ Balotelli „als umstritten zu charakterisieren, das ist noch höflich ausgedrückt“, charakterisierte ihn die Deutsche Presse-Agentur und fand die klassischen Worte: „Mario Balotelli gebärdete sich wie ein furchterregender Gladiator. Sein Blick stach aus funkelnden Augen, seine gestählten Musekln glänzten im Licht der vielen Scheinwerfer. Mario Balotelli – der Triumphator.“ (NWZ 30.6.2012)

·       Samir Nasri (NWZ 25.6.2012, S. 17, dpa, unflätige Beschimpfung eines Reporters)

·       oder Ribéry (Sex mit M.)

sind ein Unglück für den Fußball. Solche „Stars“ machen den Sport nur kaputt.

·       Fußballspieler müssen Charakter haben und auch im Privatleben Vorbild sein. Selbstdisziplin ist unabdingbar. Wohin ist das angeborene Ehrgefühl entschwunden, das man bei Alfrédo Di Stefano so lobte (Hack aaO 150)? Bei Real Madrid bemühte sich Präsident Santiago Bernabeu, auch bei seinen Spielern für gesellschaftlichen Schliff zu sorgen. (Gerhard Hess: Real Madrid. Club der Millionen. Copress-Verlag München, 1962, S. 112) Leider ist Real nicht mehr Real. Sogar erfahrene Trainer wie Mourinho lassen sich vom Schein blenden, denn … sind nun wirklich keine Leuchten.

„Nur wenn Körper und Seele harmonieren, ist Erfolg möglich.“ Eine wertvolle Erkenntnis des Sport-Psychologen Hans-Dieter Hermann (im DFB-Team, NWZ 8.6.2012) Das hatte schon Fritz Hack in seinem Buch über Di Stéfano erfasst: „Es ist erstaunlich, wie mimosenhaft empfindlich gerade an Härte gewöhnte Fußballspieler zuweilen sind. Allein eine kleine Erschütterung im Familienleben kann einem Spieler über Nacht jede Form nehmen.“ (106) Familienleben? Wer von den Stars hat ein normales Familienleben? Allenthalben hört man von Seitensprüngen und Ausschweifungen, höchstens vom „Familienleben“ von Homosexuellen. Zuletzt tönte Claudio Marchisio in „Uomo Vogue“: „Sono favorevole ai matrimoni gay.“ (Corriere della Sera, 19.6.2012)

Fast täglich hört und liest man von Sex- und Doping-Skandalen sowie Wettbetrügereien, an denen auch Spieler und Schiedsrichter beteiligt sind. Der Leser staunt, dass zum Beispiel Italien doch so weit gekommen ist, wenn er lesen muss: „Auch als der Wettskandal, .. dubiose Überweisungen an einen Wettbürobesitzer und die Schwulen-Affäre die Azzurri zu zerreißen drohten, behielt Trainer Prandelli die Nerven.“ (NWZ 27.6.2012)

Wir wollen nicht nur auf den Italienern herumhacken, denn auch mindestens ein Drittel von Löws Lieblingen hätten wir nach Hause geschickt. Manche wegen mangelnder Moral, manche wegen mangelhafter Leistungen. Wir waren von Anfang an nicht mit seiner Auswahl einverstanden. Jetzt wagt auch die Presse zaghafte Kritik. Etwa Gerold Knehr in der Südwestpresse vom 30.6.2012: Bastian Schweinsteiger, „körperlich nicht fit“, sei zur „tragischen Figur dieses Turniers geworden“. An Lukas Podolski sei die EM gänzlich vorbei gegangen. „Weder Fisch noch Fleisch – so lautet die Einschätzung für Mesut Özil. Seine Berater sahen ihn schon als Weltfußballer des Jahres, doch auf die angekündigte Leistungsexplosion wartete man vergeblich.“ „Bei Miroslav Klose läuft die Uhr langsam ab“ usw. - Wie oft haben die vielgelobten Superstars weit übers Tor oder vorbei geschossen, auch Gomez! Wie herrlich war der Freistoß von Marco Reus gegen Italien unter die Latte, den Buffon gerade noch halten konnte!

Jedenfalls ist der ganze Sport ist verseucht, und bei jedem Sieger, auch in der Leichtathletik, beim Schwimmen usw., hat man den vagen Verdacht, etwas könne nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Weil ja nur der bestraft wird, der sich erwischen lässt. Ständig kommen neue Doping-Substanzen zum Einsatz, die mit Messgeräten noch nicht erfasst werden können.

Wie werden die Fußball-Shows enden, zumal ein Großteil der Spiele immer langweiliger wird, weil die meisten Mannschaften defensiv eingestellt sind und immer mehr Begegnungen 0:0 oder 1:1 enden, anders als im Handball? Es werden immer stärkere und schnellere Athleten gesucht, die dann wie in den Gladiatorenspielen im alten Rom um den Sieg kämpfen. Das Fußball als schönstes Spiel der Welt wird bald passé sein, nur noch Kraftmaschinen werden eine Rolle spielen, nicht mehr die Geschicklichkeit und der Ideenreichtum eines Xavi, Iniesta, Pirlo. Parallel dazu gibt es eine zweite Entwicklung bzw. eine Umkehr der Evolution bzw. ein Zurück zu den Anfängen:

Fans sind wie die Affen. Diese Überschrift stammt nicht von uns, sondern war am 19.6.2012 in der Südwestpresse zu lesen. Wenn man das Verhalten auf so mancher Fan-Meile beobachtet, gewinnt man in der Tat diesen Eindruck. Gesagt hat dies freilich Filaret, Oberhaupt der orthodoxen Gläubigen in der Ukraine und Patriarch von Kiew. Er meinte, die Fußball-Fans bei der EM gäben sich einer Sünde hin und verhielten sich wie Affen.

Thomas Kistner: Die Fifa-Mafia – Die schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball. Droemer-Verlag, 432 Seiten, 19.99 Euro. Die NWZ widmet dem Buch eine große Rezension unter dem Titel „Ein Weltverband voller Anti-Fußballer. Die Geschichte der Fifa unter Joseph Blatter“. (26.6.2012) Einem theoretischen Trugschluss ist der sonst ausgezeichnete ZDF-Reporter Béla Réthy unterlegen, als er vor dem Spiel Deutschland – Niederlande (13.6.2012) die Ansicht vertrat, der schwedische Schiedsrichter sei Multimillionär: „Also käuflich ist er nicht.“ Wir stellen Réthy unsere Erkenntnis gegenüber: Wer hat, der will immer noch mehr.

Die beste Leistung der EM 2012: Italiens Spielmacher Andrea Pirlo, nicht mehr der Jüngste, aber erfahren, lupfte den Ball beim Elfmeterschießen gegen England, obwohl es in dieser Sekunde auf alles ankam, mit ungeheurer Nervenstärke lässig ins linke obere Eck. Der neue englische „Supertorwart“ war auf alles gefasst, aber nicht auf so etwas. Das erinnert uns an einen Elfmeter, den Pelé genauso lässig – es sah aus, als stolperte er ‒ einst im Stuttgarter Neckarstadion ins linke untere Eck schob.

Die Engländer sind für die Deutschen nicht mehr die Erzfeinde, erfährt man aus der NWZ vom 26.6.2012 (sid), „sondern nur noch die kranken Männer Europas; nur dazu da, sie zu bemitleiden und auf eine seltsame Art zu belächeln“.

Gemein: Die Bild-Zeitung titelte am 22.6.2012: „Tschüs Griechen. Heute können wir euch nicht retten“. Als ob die Deutschen armen Griechen geholfen hätten! Im Gegenteil, Berlin und Brüssel haben sie nur noch tiefer ins Elend gestürzt, denn die mehrmals gewährten „Milliardenhilfen“ kamen über die griechische Regierung und die Banken in erster Linie den internationalen Finanzhaien zugute, welche die Zinsen für die von den Regierungen gemachten Schulden kassieren.

Wo bleibt das echte Nationalgefühl? Der NWZ vom 27.6.2012 entnehmen wir, dass Lukas Podolski, Mesut Özil, Sami Khedira sowie Jerome Boateng beim Abspielen der Nationalhymne die Lippen nicht bewegen. Wollen sie damit zum Ausdruck bringen, dass Deutschland nicht ihre Nation ist? Warum spielen sie dann in der Nationalelf? Hingegen schöpft Italiens Torhüterlegende Gianluigi Buffon aus dem Mitsingen der Mameli-Hymne große Kraft.

Journalisten werden bei solchen Spielen oft kaum erträglichen Belastungen ausgesetzt. Im Stress kommt es zu eklatanten Fehlern, die den Reportern selbst schlaflose Nächte bereiten. So berichtete die Südwestpresse am 21.6.2012 auf Seite 1: „Kanzlerin Merkel wird heute Abend beim deutschen Viertelfinalspiel gegen Griechenland in Danzig auf der Tribüne sitzen.“ Der Leser reibt sich die Augen. Zur Beruhigung findet er im Sportteil die richtige Zeitangabe: „Morgen (20.45 Uhr) im Viertelfinale gegen Außenseiter Griechenland“. Die Entschuldigung am nächsten Tag („Entgegen unsrer gestrigen Falschmeldung, die wir sehr bedauern, findet das Spiel heute um 20.45 Uhr statt.“) wird angenommen. Aber was lesen wir da schon wieder im Sportteil? „Der Slowene Skomina wird morgen Schiedsrichter des EM-Viertelfinals der DFB-Elf gegen Griechenland sein.“ Wann denn nun? Offenbar war die Sportredaktion zuhause in Ulm gewaltig am Schwimmen. Sollte auch Reporter gek in Polen und in der Ukraine eine Schuld treffen, so sprechen wir ihn hiermit frei, denn er musste fast eine Zeitungsseite vollschreiben. Wehe, der Chefredakteur gab ihm einen Rüffel. Soll er sich an die eigene Nase fassen und mehr Personal einsetzen! - Natürlich gibt es auch Journalisten, die vom Fußball wenig oder nichts verstehen. Wie sollen wir die angebliche Ironie begreifen, die ein Mitarbeiter der Südwestpresse verbrochen hat, indem er die Meldung verfasste: „Armseliges Elfer-Training. England: Jetzt bitte nicht lachen. Teammanager Roy Hodgson lässt vor dem EM-Viertelfinale gegen Italien in Kiew am Sonntag Elfmeterschießen trainieren …“ (22.6.2012) Elfmeterschießen wird doch in jener Mannschaft geübt. Der Schreiber dieser Zeilen erinnert sich, wie er in dienstfreien Stunden als HZ-Redakteur in Hechingen auf dem Sportplatz stundenlang auf den Pfosten zielte, um treffsicherer zu werden. Außerdem ist Hodgson nicht Teammanager, sondern Trainer.

Die meisten Spiele um 20.45 Uhr. Viel zu spät. UEFA-Funktionäre, denkt doch auch an die Kinder, unsre Zukunft, und an alte Leute, die den erholsamen Schlaf vor Mitternacht brauchen! Aber die Organisatoren denken wohl daran, dass sie viel mehr Werbeeinschaltungen unterbringen, wenn die Spiele um 20.45 statt um 20.30 Uhr beginnen.

Von ARD-Kommentator Mehmet Scholl hatten wir aus seiner Spielzeit nicht mehr viel in Erinnerung. Jetzt machte „Sonntag aktuell“ auf seine Schlagfertigkeit aufmerksam. Unter anderem hatte er als Lebensmotto im Jahrbuch des FC Bayern kalt lächelnd angegeben: „Hängt die Grünen auf, solange es noch Bäume gibt.“ (17.6.2012, S. 1, Kommentar von Günter Barner) Damit dürfte der „kleine Reichsparteitag“ der ZDF-Moderatorin hinreichend egalisiert sein.

Fußball: Bei jedem Foul 10 Minuten vom Platz! Dies ist der ETIKA-Vorschlag, um den Fußball zu retten! Seit Nationaltrainer Sepp Herberger seinen Abwehrspielern, vor allem Juskowiak, Szymaniak und Erhardt, das bis dahin nur in England übliche „sliding tackling“ erlaubt hat (Fritz Walter: So habe ich´s gemacht. Meine Fußballschule. Copress-Verlag München, 1962, S. 149, 154) geht es mit dem Fußball weltweit abwärts. Das „Tackling“ ist das „Hineinschleifen“ mit der Absicht, den Ball zu treffen, und wird leider nicht bestraft, egal ob der gegnerische Spieler fällt oder nicht. Wir freuen uns, dass der HSV-Spieler Paolo Guerrero nach einem üblen Foul an Stuttgarts Torhüter Sven Ulreich acht Spiele zuschauen muss (NWZ 7.3.2012 sid), machen aber darauf aufmerksam, dass allgemein viel zuviel gefoult wird. Waren das noch Zeiten, als Alfredo Di Stefano, Pelé (für uns der weltbeste Fußballspieler) und Garrincha ungehindert ihre Dribbelkünste entfalten konnten! Nachstehend listen wir die Fouls auf, die „Sonntag aktuell“ für die vergangenen Samstagsspiele im März und April 2012 ermittelt hat. Damit kann jeder selbst herausfinden, wer die anständigsten Mannschaften und wer die übelsten „Holzer“ sind.

Borussia Dortmund: 11,16,11,9

Bayern München: 15,11,9,15

FC Schalke 04: 20

Borussia Mönchengladbach: 8,16,15

VfB Stuttgart: 29,11,19,7

Werder Bremen: 19,17,19

Hannover 96: 14

Bayer Leverkusen: 17,16,16

VfL Wolfsburg: 22,25,16,17

1899 Hoffenheim: 16,19,24

FSV Mainz 05: 15,18,21,17

1 . FC Nürnberg: 19,16,24

SC Freiburg: 16,9,25,22

FC Augsburg: 11,16,12,14

Hamburger SV: 16,16

1 . FC Köln: 13,19

Hertha BSC: 13,22,15,21

1 . FC Kaiserslautern: 11,22,21.

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