ETIKA 28LP11

GEDICHTE

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Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein

2.7.2007

Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein.
Drum laß dich’s nicht betrüben,
wenn Gott versucht mit Kreuz und Pein
die Kinder, die ihn lieben.
Je lieber Kind,
je ernster sind
des frommen Vaters Schläge;
schau, das sind Gottes Wege!

Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein.
Gott will’s nicht anders haben;
auch dieses Lebens Not und Pein
sind Deines Vaters Gaben.
Soll’s denn so sein,
so geh es ein:
Es kommt von Liebeshänden,
Gott wird nichts Böses senden.

Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein.
Das Kreuz lehrt fleißig beten,
zieht ab vom eitlen Trug und Schein
und lehrt zu Jesu treten.
Drum wirf’s nicht hin
mit sprödem Sinn,
wann’s nun zu dir gekommen;
es soll der Seele frommen.

Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein.
Das muß uns immer wecken,
wir schliefen sonst in Sünden ein.
Wie müßten wir erschrecken,
wann unbereit
die Ewigkeit
und der Posaune Schallen
uns würde überfallen!

Ein Christ kann ohne Kreuz nicht sein.
Es lehrt die Sünde hassen
und unsern lieben Gott allein
mit rechter Lieb’ umfassen.
Die Welt vergeht
und Gott besteht;
bedenk’s und laß dich üben,
das ew’ge Gut zu lieben!

Auch ich will ohne Kreuz nicht sein.
Was Gott schickt, will ich tragen;
schickt’s doch der liebste Vater mein,
sind’s doch nur kurze Plagen,
und wohlgemeint!
Wer gläubig weint,
lebt dort in steten Freuden;
ich will mit Christo leiden!

D. Nerreter. In: Wer nur den lieben Gott läßt walten… Ein christliches Lebensbuch von Pfarrer Gustav Hofelich. Verlag für Volkswohl Karl Ehlers, St. Gallen, ohne Jahr (um ca. 1900), S. 158f.

 

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