ETIKA

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30.11.1998

28B27

BOLKO FREIHERR VON RICHTHOFEN: Gedichte

ETIKA vom Verfasser zum Abdruck überlassen

Trost

Alles Leiden, das Gottabgewandtsein schafft,
braucht in keinem einz´gen Fall zu siegen.
Jeder hat es stets in seinen eignen Händen,
gottgestützt zurück den Weg zum Licht zu finden.
Schlimme Geister, die dem Unheil dienen,
weil sie alte Bindungen zerstören,
sind vertreibbar. Und nur dreierlei
braucht, wer stürzte, für die gute Wende:
neues Gottvertrauen und denkendes Erkennen,
dem ein klares Wollen fest zur Seite tritt!

Unter Schicksalsschlägen

Mancher junge Mensch in unserer Zeit
meint, den Rat von Eltern solle man verachten
Und allein den eignen Trieben leben.
Wenn dann später einst statt Glück Verderbennacht
ihn auf seinem falsch gewählten Weg umgibt,
der Gestrauchelte zu spät erwacht
und sein sturer Torheitswahn zerstiebt.

Warnungen an Jugendliche

Vom Schwert ins Herz der Mutter sprach ein Warnermahnen.
Treulose Kinder wahngeführt nicht ahnen,
daß solch ein Schwert dereinst die Mutter rächt
und niemand dann des Schicksals Strafe schwächt!

Statt Mitleid mit sich selbst zu haben,
um einem Sturz ins Elend zu entgehn,
verführte Jugend will den Weg nicht sehn
zu gutem Tun bei besten Schicksalsgaben!

Manch eine, die sich selbst die Saat des Unheils sät,
spürt doch dereinst mit Grauen ihr "z u s p ä t" ,
weil sie gewarnt den Umkehrweg versäumte
und trotzbedingt ein wahres Glück erträumte,
wo klare Sicht schon hinwies auf Verderben.
S c h e i n glück zerbricht und hinterläßt nur Scherben!

Weh dem, der lügt!

Des Bösen Sumpf entstammt das Lügen
vergiftend seiner Freunde Sinn.
Die Wirkung durch Sichselbstbetrügen
schafft auch nur bittren Leids Beginn.

Bloß wer verblendet will nicht hören,
was allen mahnend sagt die Pflicht:
Laßt nie zum Lügen euch betören,
der Selbstbetrug einst jäh zerbricht!

Dem sogenannten Zeitgeist gewidmet

Zeitgeist, schandbar schlimmes Widerwesen,
das vernichtende Zersetzung bringt,
weh uns allen, wenn dein Plan gelingt.
Nie würd dann der Menschen Los genesen!

Mögen Tief-Gesunkene dich preisen
als den Fortschritt, der uns vorwärts trägt,
wer des wahren Wissens Kunde wägt,
wird empört die falsche Losung von sich weisen!

Enthaltsamkeit gegen arges Zuviel
verspotten die Zeitgeistler gern -
jeder guten Verantwortung fern,
aber Aufrechten bleibt sie ein Ziel.

Doch die feige übersatte Herde
jammervoll dem faden Zeitgeist frönt
und Naturgewolltes drum verhöhnt,
daß die Zukunft immer dunkler werde.

Aber, Zeitgeist, die Durchschauer wachen,
und ihr Kampf kennt keine Müdigkeit.
Klarem Wollen immer ganz geweiht
suchen sie zu stärken alle Schwachen.

Recht und Freiheit sind noch nicht verloren,
wenn der Mut, für sie zu streiten, weiter lebt
und im Geist der alten Ziele ständig strebt,
daß die Kommenden nicht einst umsonst geboren!

(Die Anregung zu obigem Gedicht gab seinem Verfasser der hervorragende Beitrag von Prof. Dr. Gustav Sichelschmidt, Berlin, "Ist Askese noch zeitgemäß?" in Heft 11 des 40. Jahrganges der in Bad Homburg v.d.H. erscheinenden Zeitschrift "Reform Rundschau".

Osterstimmung

Kirchenglocken hallen weit durch´s Tal.
Weiße, schneebekrönte Berge
über dunklen Wäldern und den grünen Almen.
Frühlingsblumen schmücken schon die Matten.
Wärmend strahlt die Kraft der Ostersonne.
Offne Herzen fühlen ihre Botschaft!

Vorahnung

Im Geiste seh ich weiß-blau-rote Fahnen wehn
in einem f r e i e n Rußland nach der Knechtschaft Ende,
im Geiste Massen vor dem Kreml stehn,
die dankbar segnen Gottes Zeitenwende.
Die alten schönen Chöre klingen auf.
Bewegten Herzens singt der Metropolit
in würdigem Gewand die Liturgie.
Er küßt das Kreuz und teilt den Segen aus.
Zutiefst ergriffen sind die Gläubigen.
Vorbei die Not, des Terrors Macht zu Ende,
und Rußland findet einen guten Weg
zu neuem Aufbau durch Gerechtigkeit.
Gottlosen Lästerns finstres Reich versank.
Auf goldenen Kirchenkuppeln strahlt die Freiheitssonne!

Den Kosaken

Golden glänzt die alte Kirche,
grün ihr Dach am runden Turm.
Durch die Birken in der Nähe
fährt ein wilder Steppensturm.

Als er schwieg, erklangen Lieder,
edler Kirchenchorgesang.
Stumme Beter knieten nieder.
Glockenruf die Luft durchdrang.

Die Kosaken ernst getragen
sangen nach der Väter Art,
haben auch in schwersten Tagen
ihren Glauben sich bewahrt.

Hohn und Hassen der Tyrannen
nie der starken Herz zerbrach.
Was die Bösen auch ersannen,
einmal endet es in Schmach.

Wolken sich zusammenbrauen
oft zu finster arger Nacht.
Endet auch der Knechtschaft Grauen,
den Erlösten Sonne lacht.
(Die beiden Gedichte "Vorahnung" und "Den Kosaken" wurden zum ersten Mal 1973 in dem Bändchen "Vergangenheit und Zukunft im Dichterwort" von Bolko Freiherr von Richthofen, erschienen im Volkstum-Verlag Wilhelm Landig, Wien, Favoritenstraße 56, veröffentlicht.)

Erinnerung

Du hörtest Töne unbekannten Ursprungs,
doch nur im Geist. - Aus einer andern Welt
schien dir der Klänge Wesen herzurühren.
Es führte dich und deiner Worte Folge
geheimnisvoll zu einem neuen Ziel.

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