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ETIKA |
Hans Saler |
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28B28 |
Gratwanderungen
meines Lebens |
9.3.2010 |
Hans Saler lebt in
Südchile, wo sich am Freitag eines der stärksten
Erdbeben der vergangenen Jahrhunderte ereignet hat. Wer spanisch versteht,
bekommt viele Informationen über das Beben auf www.clarin.com
und www.abc.es. Nachstehend Auszüge aus der
E-Mail, die er uns zuletzt gesandt hat und in der er kurz die Rezension „Film „Nanga Parbat“ wird zum Bumerang
für Reinhold Messner“
kommentiert:
18. Feb. 2010
Dein Bericht ist wieder sehr analytisch und gut auf den Punkt gebracht. Ich kam
gestern Abend erst mit einer Treckinggruppe
aus den Bergen zurück, morgen sehr früh geht es bereits wieder weiter und Truus wird mich bis einschließlich 25. begleiten. Heute
also nur dieses kurze Lebenszeichen. Hans und Truus.
Am 9.3.2010 meldete sich Hans Saler per E-Mail. Er hat das Erdbeben heil überstanden.
Bergsteiger
haben viel Zeit: Sie denken tiefer. Wer viel erlebt, wird weise. Hans Saler hat dazu noch die Gaben, prägnant zu formulieren,
scharf zu analysieren, spannend zu erzählen. „Gratwanderungen meines Lebens“
heißt sein neuestes Buch. Es öffnet dem Leser neue Horizonte – nach außen und
nach innen. Wer Abenteuer fiebernd miterleben will, greife zu diesem Buch.
Kämpfe auf Leben und Tod!
Hans Saler lebt ein einzigartiges Leben. Er glaubt, es ist
vorgezeichnet. In einer indischen Palmblattbibliothek hat er entdeckt, dass wesentliche Ereignisse seines Leben
schon vor 500 Jahren aufgezeichnet worden sind. Es gibt freilich solche
unerklärlichen Dinge, doch als Christen glauben wir, dass
sein Leben wie das eines jeden Menschen von der göttlichen Vorhersehung
bestimmt ist, und das seit undenklicher Zeit.
Nicht das Abenteuer
am Nanga Parbat mit dem
Verschwinden von Günther Messner war das Wichtigste
in seinem Leben. Nein, mit 16 Jahren, wenn andere erst beginnen, selbständig zu
werden, hat er schon drei gewaltige Schicksalsschläge einstecken müssen. Diese
Rezension würde ellenlang ausfallen, wenn wir all die Seiten im DIN A4-Format,
die wir mit Notizen gefüllt haben, hier verarbeiten würden. So möge der Leser
Verständnis dafür haben, dass wir ihm als Auswahl aus
dem umfassenden Werk nur Stichwörter, Satzteile oder auch Sätze präsentieren,
jeweils mit den Seitenangaben, manchmal von uns zusammengefasst:
21 Bin ziemlich frei
von Lebens- und Todesängsten. Vor drei Jahrzehnten saßen wir ein paar Monate in
Trinidad im Gefängnis. Wir durchlebten eine neuzeitliche Folter …
27 Rebellentum am Predigtstuhl. Karl Philip, Tscheche,
gefoltert von den Kommunisten, geflohen.
30 Wilder Kaiser,
Steinerne Rinne. Unser Ziel ist die erste Winterbegehung der
Predigtstuhl-Westwand.
32 Ein
immerwährender Ruf nach Freiheit und Liebe.
42 „Bergvagabunden“
von Hans Ertl – eine geradezu jugendgefährdende Lektüre. Darin schildert der
Alpinist und Kameramann die Durchsteigung der Fleischbank-Ostwand mit seinem
Bergkameraden Anderl Heckmair,
dem späteren Erstdurchsteiger der Eigernordwand.
54 An der Kampenwand in den Chiemgauer
Bergen. Der 16jährige Hans Saler seilt als
erfahrenster Alpinist einen Verunglückten ab.
66 „Hans … Hans … Seil
… hilf mir!“ (Total dramatisch, hat der
Rezensent dazugeschrieben.)
72 Welche
Überlebenschance habe ich noch mit meinen Verletzungen? Keine! Spätestens in
der nächsten Nacht werde ich erfroren in den Seilen hängen, Futter für die Bergdohlen
sein. … „Kämpfe!“, wiederholt diese Stimme. „Nur durch den Willen entkommt man
dem inneren Tod, also beschwöre deinen Willen über die Grenzen des Möglichen
hinaus. Vergiss nie, solange das Leben währt, gibt es
Hoffnung.“
74 Selbstmord wäre die offensichtlichste Form der
Selbsterkenntnis, im Leben versagt zu haben.
75 Es war, als
wollte das Leben mir eine Lehre erteilen! Daraus resultierte für mein weiteres
Sein eine tiefe emotionale Bindung an alles Lebendige: das von Menschen,
Tieren, Pflanzen. Ich entwickelte eine Haltung der Ehrfurcht vor aller
Schöpfung.
79 Die dunkelsten
Stunden sind immer die vor dem ersten Licht.
80 Angst lähmt den
Willen, macht ohnmächtig.
81 All ihr
Schutzengel, zieht, ich helfe mit einer Hand nach (Anmerkung: der rechte Oberarm war gebrochen, Saler
hing bei starkem Frost ohne Aussicht auf Rettung in der Fleischbank-Ostwand).
82 Riss und Haken müssen zueinander passen wie der Schlüssel
in das Schloss.
98 Selbstvorwürfe,
Teil eines tödlichen Unfallserie zu sein. Weshalb ziehe
ich den Tod an? Weshalb müssen andere umkommen? Und weshalb überlebe ich stets?
(Anmerkung: schon drei tote Gefährten mit
16 Lebensjahren!)
103 Die Berge und
die Seele, die zwei gehören bei mir zusammen.
104 Die See muss bezwungen werden, am
Berg muss man sich selbst bezwingen.
110 Der Tod … verlor
seine Schreckensmaske, und seither sollte er mein Verbündeter, mein Lehrer
bleiben. … Als Bergsteiger wurde mir der Rucksack zum Symbol: Jeder
überflüssige Besitz wird in diesem zur Last, und damit ist nicht mehr das
Eigentum, sondern das Entbehrliche von Wert.
111 Das Dasein ist
für alle nur ein kurzer Besuch und erlaubt keine ständigen Umwege.
116 Wenn ein Mensch
stirbt, zu dem wir in enger Beziehung stehen, lebt dieser in uns fort.
119 Dante: Die Liebe
bewegt die Sonne.
120 Die Welt wurde
für mich … zu einem heiligen Ort, verbunden mit einer Reise immerzu nach vorne.
121 Eine quälende
Wahrheit ist stets besser als eine Lüge.
123 Auf dem Weg zur
Schule trug ich Steine oder Schneebälle in der Faust, um die Fingerkraft zu
stärken und die Hände gegen Kälte abzuhärten. In jeder freien Minute kletterte
ich an Mauern und Hausfassaden. Nachts schlief ich oft stehend auf Baumwipfeln.
133 … musste ich .. erst viele
Steilwände überwinden, um über den äußeren Horizont den inneren ausweiten zu
können.
143 Militärdienst …
Hochgebirgszug
149 Was ein Mensch tut und was ihm geschieht,
ist eng miteinander verbunden.
158 Eigernordwand.
Eis- und Steinschlag aus der „Weißen Spinne“.
Ab Seite 180 bis 223
sowie von 281 bis 295: das Nanga-Parbat-Drama. Saler schildert die
wesentlichen Momente genauso spannend wie die vorhergehenden Bergabenteuer und
analysiert sie mit Logik. Doch sei hier nicht näher darauf eingegangen, denn
etliches dazu haben wir auf der Seite Film „Nanga
Parbat“ wird zum Bumerang für Reinhold Messner verwendet.
224 Expedition in die Seele
230 Religion, Gottesfurcht, der Glaube an einen Schöpfer
– all dies umfasst eine höhergestellte Ordnung mit
unzähligen Ausdrucksformen, die größer ist als jede Vernunft eines Einzelnen.
231 Indien … Verbindung mit einer von Göttern und Dämonen
magisch gelenkten Welt.
232 Der Weise von Tiruchirapalli
244 Banerjee Shastry …
Palmblattschriften … Im letzten Abschnitt meiner Vergangenheit war von drei
Menschen die Rede, die innerhalb eines Jahres den Tod gefunden hatten. Alle
drei hatten meinen Lebensweg gekreuzt. … Der erste Tote konnte nur der
Revolutionsführer Inti Peredo sein,
der Nachfolger Che
Guevaras, der in Bolivien unmittelbar neben mir
erschossen wurde … Ich hatte Fotos von ihm und dem Tatort gemacht. Von dem
Erlös konnte ich mir eine Schiffspassage nach Europa kaufen, um der Einladung
zur Nanga-Parbat-Expedition
folgen zu können. … Günther Messner …
251 Erkenntnissuche im
Elefantencamp
254 Dort oben am Berg (Anamudi
Peak, Kerala) schrieb ich auch einen längeren Brief
an Reinhold Messner.
255 Umso widersinniger ist es
deshalb, dass er heute gerade jenen Punkt, in dem ich
ihn in meinem Buch Zwischen Licht und
Schatten, in meiner dritten Hypothese, am meisten von einer Schuld
entlaste, in eine Anklage des Brudermordes ummünzt.
272 Die jüdisch-christliche Tradition entheiligte Tiere,
indem ihnen Göttliches abgesprochen wurde, und die kartesianische Revolution
hatte „die Tore des Himmels verschlossen“, für alle Zeit. Der „aufgeklärte“
Mensch in seinem wurzellosen Intellektualismus hat noch ein zweites Schloss hinzugehängt.
280 Indien … bedroht vom Zugriff der westlichen
Gleichmacherei.
295 Macht Bergsteigen
nicht erst dann Sinn, wenn Geist und Seele mitsteigen
und ganz frei werden?
300 Nachwort:
Ich hoffe hier nicht zuletzt im Sinne der nicht
mehr lebenden Berggefährten Peter Scholz, Felix Kuen,
Gert Mändl, Hermann Kühn, Karl Herrligkoffer
und Michl Anderl gesprochen zu haben, die sich
der schweren Vorwürfe gegen sie nicht mehr erwehren können.
Soweit der Mann, der jetzt in Chile lebt. Wer die
Wahrheit über die Nanga-Parbat-Tragödie
erfahren will, kommt an Hans Saler nicht vorbei.
Rainer Lechner
Hans Saler, 1947 in München geboren,
ist Extrembergsteiger, Weltumsegler und Lebenskünstler. Als
Zweiundzwanzigjähriger war er einer der jüngsten Teilnehmer der deutschen Nanga-Parbat-Expedition. Fast
drei Jahrzehnte bereiste er danach als „Nomade“ die Welt, lebte dabei u. a. bei
Bergstämmen, bei Indianern, auf selbst gebauten Segelbooten und in einsamen
Blockhütten. Heute wohnt er mit seiner Frau Truus am
Fuße eines Vulkans in Chile und leitet als Bergführer ein Tourenunternehmen. (Umschlagklappe) Siehe auch: Personen
Hans Saler: Gratwanderungen meines Lebens. Nymphenburger in der F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung,
München, 2010. 302 Seiten. www.nymphenburger-verlag.de