ETIKA

Leo Tolstoi

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3.11.2004

28B6T

Der Teufel

Rezension

Für manche ein Trost, daß es anderen Männern ähnlich oder schlimmer geht.
Für die Jungen eine Warnung, das zu tun, was jener allzufrüh tat.

Empfehlenswert:
Leo Tolstoi: Meistererzählungen.
Diogenes Verlag Zürich 1989
Der Teufel (S. 156 – 221)

Zusammenfassung: Das Leben des Menschen ist ein ständiger Kampf zwischen Gut und Böse. Unterliege nicht! Erkenne dich selbst in der Erzählung! (Dasselbe Experiment versuchten wir übrigens in unserem Buch ETIKA 1991, doch wurde es von manchem mißverstanden.)

 

Matthäus 5,28 – 30 Wer ein Wein ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Ärgert dich aber dein rechtes Auge..., deine rechte Hand, so haue sie ab und wirf sie von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.

 

Nachstehend Jewgenij Irtenjews Leben und Schicksal in Kurzform. Ausführliche Zitate sind notwendig, da es um ein Anliegen geht, das die Zukunft des Menschengeschlechtes betrifft.

 

Seite 202 Ach, und wie herrlich malte ihm seine Phantasie ihre Reize aus. Er fühlte, daß er die Herrschaft über sich selbst verlor, und er wurde darüber geradezu gemütskrank. Dabei verurteilte er sein Benehmen nach wie vor aufs allerstrengste und war sich der Verruchtheit seiner Wünsche, oder viel mehr Handlungen - ... dieses Auflauern ... – in vollem Maße bewußt.

 

Tag für Tag nahm er sich vor, ... sich nicht mehr nach ihr umzusehen, sie ganz (203) zu vergessen. Tag für Tag sann er auf neue Mittel, sich vor dieser schrecklichen Versuchung zu retten, und wandte diese Mittel an. Doch alles war vergebens... sich in einem fort zu beschäftigen ...angestrengte körperliche Arbeit ... wenig aß ... welche Schande über ihn kommen würde.

 

In einem solchen an Wahnsinn grenzenden Zustand befand sich Jewgenij...

 

210 Krim ... zwei köstliche Monate. So viel neue Eindrücke...

 

211 An die Qualen, die ihm früher die Versuchung und der innere Kampf bereitet hatten, dachte er kaum noch zurück... Er fühlte sich jetzt völlig frei von allen jenen peinlichen Dingen...

 

213 das rote Kopftuch Stepanidas... fühlte, daß wieder etwas in ihm aufstieg. Erst am folgenden Tag, als er ... die hübsche Erscheinung des jungen Weibes mit den Augen verschlang – erst da fühlte er, daß er verloren, unrettbar verloren war. Wieder begannen die furchtbaren Qualen, wieder senkte sich der furchtbare Schrecken, vor dem es keine Rettung gab, auf ihn herab.

 

214 Er suchte die Plätze auf, die für ihn mit jenen unreinen Erinnerungen verknüpft waren...

 

Jewgenijs Selbsterkenntnis, der Kern der Botschaft Tolstois:

·        215 „Ich wollte, einzig meiner Gesundheit wegen, mit einem frischen, sauberen Weibe in Verkehr treten. Er erweist sich nun, daß man mit dem Weibe nicht so spielen darf. Ich glaubte, sie zu nehmen – und nun hat sie mich genommen und läßt mich nicht mehr los. Ich meinte frei zu sein, und ich war es längst nicht mehr. Ich betrog mich selbst, als ich heiratete. Alles, was ich seither trieb, war töricht, war Betrug.

 

Als ich mit ihr in Verkehr trat, empfand ich ein neues Gefühl, als sei ich ihr Gatte geworden. Ich durfte mich nicht mehr von ihr trennen...

 

Zwei Lehren sind für mich möglich: das eine ist jenes ... mit Lisa ... die öffentliche Stellung, die Wirtschaft, das Kind, die Achtung der Leute... Das andere ... aller Scham und Schande nicht achten und mit ihr (Stepanida) zusammenleben... Oh, was für ein Schurke bin ich doch! ... Nein, wenn schon eine sterben soll, dann mag es die andere sein (Stepanida).

 

216 „Ja... – dann brauch ich sie nicht zu töten.“

 

Variante des Schlusses 220 „Kann ich denn meiner selbst gar nicht mehr Herr werden?“ sprach er zu sich selbst. „Soll ich wirklich an dieser Geschichte zugrunde gehen? ... Es gibt nur einen Teufel, und dieser Teufel – ist sie. Er hat mich unterjocht...“

 

221 Als unverbesserlicher Alkoholiker kehrte er nach Hause zurück.

 

Schlußsatz beider Varianten (wir haben Wichtiges weggelassen, um nicht alles zu verraten):

 

Und in der Tat, wenn Jewgenij Irtenjew damals, als er die unselige Tat beging, geisteskrank war, dann sind es alle Menschen; am schwersten geisteskrank aber sind jene, die bei anderen Anzeichen von Geisteskrankheiten sehen wollen, die sie an sich selbst nicht bemerken.

 

Kommentar:

So etwas kann nur jemand schreiben, der selbst solche Kämpfe durchgemacht hat.

 

Eine Geschichte, die auch den Frauen enthüllt, was der Mann ist, welche Wirkung sie auf ihn haben.

Und dabei kleidete sich jene Frau normal, nicht so wie heute schon viele Schulmädchen herumlaufen, nicht als verführerischer Vamp oder halbnackte Venus. Die Frau trug nur ein rotes Kopftuch und lächelte ihm zu, doch besaß sie das gewisse Etwas, das ihn magisch anzog bis zum Untergang, wie der Mahlstrom, der Wirbel, welcher Schiffe schluckt.

 

Eine unheimliche Macht steckte hinter ihr und umgarnte ihn, zog ihn in ihr Netz. Der Leser erfährt nicht, was die Frau fühlte. Sie: nur Mittel zum Zweck: zum Verderben seiner Seele, seines Körpers, seiner Familie, seines Gutshofes. Nicht sie war der Teufel, nicht er war der Teufel, nein, der Teufel ist und bleibt die unsichtbare Kraft hinter dem Irdischen, der Versucher. Wer sich seinen Lockungen, seinen Trugbildern nähert und sich ihnen ergibt, entrinnt ihm nicht.

 

Doch wo Tolstoi stehen blieben, wollen wir weitermachen.

 

·        Die Gnade Gottes anflehen.

·        An sie glauben.

·        Vor dem letzten Schritt zurückschrecken.

·        Die Engel anrufen.

·        Auf den kurzen Genuß, das falsche Glück verzichten, und wenn nur unter irgendeinem Vorwand.

·        Um ein Hindernis in letzter Sekunde beten.

·        Plötzlich Abscheu empfinden vor den Folgen für Körper, Seele und Geist.

·        Furcht haben vor den Lügen, der Aufdeckung, der Schande.

·        Den anderen Menschen nicht unglücklich machen.

·        An die Lieben denken, an die Hoffnung, welche Mutter, Vater, Frau, Kinder in einen setzen.

·        An die ewigen Schrecken der Hölle denken.

·        Im Objekt der Begierde das rasch Vergängliche, schon Verdorbene erkennen, die beißende Schlange, die Fäulnis, den eigenen Tod und Untergang.

·        Nicht Selbstmord begehen, sondern den Willen zum Leben haben, zum Leben nach Gottes Willen und zum ewigen Leben in Herrlichkeit.

·        Warten auf die Erfüllung aller Wünsche im Paradies, hat uns Gott doch die Fülle verheißen.

·        Die wahre, echte, vollkommene Freude suchen statt jener, die uns lockt, um uns nach Minuten des Sinnentaumels entgegen dem göttlichen Verbot in Fieberschauer, Gewissensnöte, entsetzliche Krankheiten, Verzweiflung, in den Abgrund des Verderbens zu stürzen.

 

Jesus Christus, hilf uns, rett uns ! - Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner! Bete dies ohne Unterlaß!

 

Tolstois Werk ist deprimierend für alle Männer ihn ähnlicher verzweifelter Lage - wir sind überzeugt, es sind zumindest Dutzende, wenn nicht Hunderte Millionen. Die Geschichte ist realistisch und spielt sich oft so ab, aber wir sind Gottes Kinder und sollten mit noch totaleren Mitteln versuchen, das Böse mit dem Guten zu überwinden. Mit dem unablässigen Gebet. Mit der männlichen Tat der „Nachfolge Christi“, 3. Buch, Kapitel 48 über den Menschen, der Sklave seiner Leidenschaften ist.

 

„Möge ein Strahl deiner Helligkeit aufleuchten und diese dunklen Nebel zerstören...

Gewähre mir, daß sich sogar die Schatten der Laster von mir scheiden...

Selig jener, der die fleischlichen Begierden mit der Glut des Geistes kreuzigt, damit er dir ein reines Gebet darbringt und würdig ist, unter den Chören der Engel zu weilen...“

 

Tolstois Erzählung „Der Teufel“ sei als Lektüre auch Reinhold Messner („Soll ich als ein unbefriedigter Mann herumlaufen?“)  empfohlen; dann weiß er, wie hoch er wirklich steht – gewiß auf keinem ethischen Achttausender.

 

Der fieseste Typ in der Erzählung ist der Waldhüter, der Stepanida beim verbotenen Holzsammeln überrascht hatte und daraus Profit schlug (was ihm die Hölle einbrachte). Solche fiesen Typen laufen zuhauf in der heutigen Gesellschaft herum: Firmenchefs, vorgesetzte Beamte, Lehrer, Professoren, Gastwirte und andere sogenannte Arbeitgeber, die Untergebene ausbeuten bis auf Fleisch und Blut. Sie mögen sich vorsehen. Das Netz des Jägers fällt schneller über sie als sie sich denken. Gott wird sie streng richten.

 

Du aber, lieber Leser, merke: Die Saat des Bösen war bei dem unglücklichen Jewgenij schon in der Jugend aufgegangen. Das Argument der Gesundheit war eine Falle des Teufels. Der Ehebruch bestand von Anfang an, deshalb war der ganze irdische Werdegang des Gutsbesitzers ab 16 eine Strafe beziehungsweise Selbstbestrafung, das durch den ersten Ehebruch bzw. Unzucht selbst heraufbeschworene Verhängnis. Ziehe einen Vergleich mit deinem eigenen Leben!

 

Die Schüsse sollten befreien, doch die Folgen bleiben im Dunkeln. Gott wird gerecht richten.

 

Fazit:

WER DIE LIEBE MISSBRAUCHT, GEHT ZUGRUNDE

 

Der Mensch hat die Wahl zwischen Verzweiflung und Hoffnung, zwischen dem Sinnenrausch und dem Verzicht auf das Verbotene in der Hoffnung auf das künftige vollkommene Glück.

 

Die halbe Liebe verhindert die volle Liebe, macht sie unmöglich.

 

Nur die wahre, die geordnete Liebe, die alles umfaßt: Geist, Seele und Leib - macht glücklich.

 

Die halbe, körperliche Liebe (Sex) zerstört – dich, sie, ihn, alles. So kurz ist diese falsche Liebe, und es bleiben nur Wunden, Scherben, Müll. Ihr selbst werdet Ruinen, mit denen sich kein neues Glück bauen läßt. Die nur körperliche Liebe ruft mit der Zeit Überdruß, wachsende Abneigung und zum Schluß Ekel hervor. Ein Partner kann den anderen buchstäblich nicht mehr riechen (dies vermeldete die Presse beispielsweise von der enttäuschten Ehefrau eines untreuen britischen Fußballstars. 10/2004).

 

Schau sie an auf den Straßen: Gefäße, die innen hohl sind und von Mal zu Mal ihre Leuchtkraft verlieren, bis sie verblassen zu Schatten. Im Schattenreich trauern sie dann ihren versäumten Gelegenheiten nach: Schmückt auch mit Scham und Zucht! Diesen Rat hatte ihnen der Apostel als Hinweis auf den einzigen Weg zum Glück gegeben.

 

So trist und elend das Dahinsiechen in der Unterwelt, unterbrochen nur durch die Peitschen der Dämonen und die anderen Strafen entsprechend den jeweiligen Vergehen, so heiter und fröhlich das Leben im Himmel. Unermeßlich vielfältig fällt der Lohn für diejenigen aus, die sich selbst überwinden und ihre weißen Gewänder rein erhalten.

 

Deshalb: Reue, Buße, Neuanfang! Sei Gott treu! Liebe Ihn über alles! Verschmähe die verbotenen Genüsse, töte die ungeordneten Neigungen ab, bring dich selbst mit Christus als Opfer dar auf dem Altar des Guten!

 

Denn das Gute siegt. Sei fröhlich im Verzicht, in der Hingabe, in der Gottesfurcht, in der Liebe!

AIHS

 

P. S.

Ein zynischerer Zeitgenosse würde nicht darauf verzichten, einen Absatz hinzuzufügen: Der Schuß auf den Bildschirm.

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