ETIKA

Jos. Freiherr von Eichendorff

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28B7A15

Letzte Heimkehr

11.9.2013. Laut Inhaltsverzeichnis:
Letzte Einkehr

Letzte Heimkehr

Der Wintermorgen glänzt so klar,
Ein Wand´rer kommt von Ferne,
Ihn schüttelt Frost, es starrt sein Haar,
Ihm log die schöne Ferne,
Nun endlich will er rasten hier,
Er klopft an seines Vaters Thür.

Doch todt sind, die sonst aufgethan,
Verwandelt Hof und Habe,
Und fremde Leute seh´n ihn an,
Als käm´ er aus dem Grabe;
Ihn schauert tief im Herzensgrund,
Ins Feld eilt er zur selben Stund´.

Da sang kein Vöglein weit und breit,
Er lehnt´ an einem Baume,
Der schöne Garten lag verschneit,
Es war ihm wie im Träume,
Und wie die Morgenglocke klingt,
Im stillen Feld er niedersinkt.

Und als er aufsteht vom Gebet,
Nicht weiß, wohin sich wenden,
Ein schöner Jüngling bei ihm steht,
Faßt mild ihn bei den Händen:
„Komm mit, sollst ruh´n nach kurzem Gang.“ –
Er folgt, ihn rührt der Stimme Klang.

Nun durch die Bergeseinsamkeit
Sie wie zum Himmel steigen,
Kein Glockenklang mehr reicht so weit,
Sie seh´n im öden Schweigen
Die Länder hinter sich verblüh´n,
Schon Sterne durch die Wipfel glüh´n.

Der Führer jetzt die Fackel sacht
Erhebt und schweigend schreitet,
Bei ihrem Schein die stille Nacht
Gleich wie ein Dom sich weitet,
Wo unsichtbare Hände bau´n
Den Wand´rer faßt ein heimlich Grau´n.

Er sprach: Was bringt der Wind herauf
So fremden Laut getragen,
Als hört´ ich ferner Ströme Lauf,
Dazwischen Glocken schlagen?
„Das ist des Nachtgesanges Weh´n,
Sie loben Gott in stillen Höh´n.“

Der Wand´rer drauf: Ich kann nicht mehr ‒
Ist´s Morgen, der so blendet?
Was leuchten dort für Länder her? ‒
Sein Freund die Fackel wendet:
„Nun ruh´ zum letzten Male aus,
Wenn du erwach´st, sind wir zu Haus.“

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