ETIKA 38B21
(= 31ER7)

ERZIEHUNG

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Theodor Weyler

Was sich schickt

24.11.2014

Theodor Weyler: Was sich schickt. Handbüchlein des guten Tons. Für die heranwachsende Jugend. Leipzig. Alfred Oehmigke´s Verlag. 1886

A Von dem anständigen Benehmen im allgemeinen
B Von der Haltung des Körpers und der Begrüßung
C Von der Pflege des Körpers
D Von der Kleidung und Toilette
E Von der Sprache
F Vom guten Ton bei Besuchen und in Gesellschaft
G Vom taktvollen Benehmen während der Mahlzeit und bei Tafel
H Auf der Straße und an öffentlichen Orten
I Vom richtigen Takt auf Reisen
J Vom schriftlichen Verkehr
K Bei Familienfesten und Familienereignissen
L In der Lehrzeit und beim Eintritt in das Berufsleben

Vorbemerkung: Wie schade, daß dieser international-amerikanische Monopolkonzern Microsoft die deutsche Frakturschrift nicht in sein Word-Schriftangebot aufgenommen hat; ideologische Gründe mögen die Medienmogule dazu bewogen haben. Denn Fraktur wäre für den folgenden Text die passendste Schrift.
Zueignung.
An unsere Jugend!

Lebe, um zu lernen, lerne, um zu leben. (Coutelle)

Die goldenen Kinderjahre voll Sonnenschein, mit ihren harmlosen Spielen und Freuden, wo nur selten ein bald vergessener Mißton Thränen entlockt, gehen schnell vorüber. Getreulich und liebevoll hat die Hand der Eltern Euch geführt und geleitet und Euere Pfleger und Erzieher, Euere Lehrer haben sich Euch mit aufopfernder Hingebung gewidmet.

Nun kommt die Zeit, wo die Kinderschuhe ausgezogen werden, wo der Knabe zum Jüngling, das Mädchen zur Jungfrau heranreift. Die lauten Kinderspiele tauchen nur ab und zu noch in der Erinnerung in Euch auf, die Bilderbücher, die Puppen, Bleisoldaten und alle anderen Spielsachen haben das Interesse verloren und eine gewisse Freudigkeit bemächtigt sich Euer bei dem Gedanken, daß Ihr nicht mehr gezwungen seid, zur Schule zu gehen. (Anmerkung: Vermutlich verließen die meisten damals mit 14 Jahren die Schule.)

Trotzdem wird das Andenken an die Tage der Kindheit, an die Schuljahre wach bleiben, und wer eine glückliche Jugend genossen, wer fleißig und brav gewesen, wird stets mit Freuden zurückdenken an die wolkenlos heitere Kinderzeit.

Ihr tretet jetzt in ein neues Stadium Eures Lebens ein, werdet nicht mehr als Kinder angesehen und als solche behandelt. Bald redet man Euch mit "Sie" an. Bald zählt Ihr zu den Erwachsenen und dürft nun an dem öffentlichen Leben, den Freuden der Welt und an der Gesellschaft teilnehmen.

Mit diesem Zeitpunkte beginnt aber auch das Leben und die Gesellschaft Anforderungen an Euch zu stellen, denen Ihr soviel als möglich genügen müßt, um im Leben vorwärts zu kommen und mit der Gesellschaft in Harmonie zu leben. - Dies ist nicht leicht; es will gelernt sein und wenn auch die Praxis die beste Lehrmeisterin ist, so ist es doch erforderlich, daß Ihr schon frühzeitig die Grundregeln der guten Lebensart Euch einprägt.

Die hier gegebenen Anstandsregeln und Ratschläge sollen in kurzen schlichten Worten die Verhaltungsmaßregeln für alle möglichen Vorkommnisse im Leben und in der Gesellschaft geben. Manches Selbstverständliche mußte hier mit Erwähnung finden, weil oft auch das Nächstliegende nicht gehörig beachtet wird.

Mit dem bekannten Worte Goethes "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen" beschließe ich meine Anrede und wünsch, daß mein Werkchen allen (Anm.: an die Internetbenutzer dachte Theodor Weyler damals freilich nicht) zu Nutz und Frommen dienen möge.

Der Verfasser.

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