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ETIKA |
Franz
Ehmig: ELTERN-SERIE |
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Affenliebe macht
unglücklich |
24.10.2007 |
Man trifft Eltern ohne Liebe zu
ihren Kindern, das ist widernatürlich; man trifft Eltern, die sie übermäßig und
zwar rein natürlich, fleischlich, sinnlich lieben und das ist unvernünftig.
Eine solche Liebe heißt mit Recht
Affenliebe. Den die Affen lieben
ihre Jungen sehr und drücken sie so zärtlich, ja zuweilen so lange und heftig
an sich, bis sie dieselben tot geherzt und gedrückt haben.
Dieselbe Wirkung hat eine
ungezügelte, bloß natürliche Liebe der Eltern; sie drückt die Seele tot; sie
macht die Kinder für den Himmel, für die Kirche, für die menschliche
Gesellschaft unbrauchbar, moralisch tot.
Dergleichen Eltern können ihre
Kinder nicht betrüben; daher gewähren sie ihnen Alles, was sie wünschen,
gestatten ihnen Alles, strengen sie nicht zur Schule und zur Arbeit an und
strafen sie nicht, auch wo es dringend nötig ist.
In Folge dessen lernen sich solche Kinder nicht beherrschen, sie leiden an starrem Eigensinn, die Begierden werden
unbändig; sie lernen nichts, das Gute gewöhnen sie nicht, die böse Begierde und
Leidenschaft wächst mit ihnen groß.
Unwissend, ungeschickt, an Müssiggang und
Genäschigkeit gewöhnt, den Begierden untertan, werden sie nicht nur von mehreren Hauptsünden gefesselt sein,
von der Unkeuschheit, vom Trunke, von der Schwelgerei, vom Spiele; sie werden
auch unnütze, ja lästige Glieder der
menschlichen Gesellschaft, indem sie Niemanden folgen wollen, nirgends gut
tun, das ererbte Vermögen verschwenden, verarmen, sodann zum Betteln, Betrügen
und Stehlen ihre Zuflucht nehmen und der Gemeinde zur Last fallen.
Solche verzogene, unglückliche Kinder gibt
es leider sehr viele, in Städten und Dörfern; die Affenliebe der Eltern hat sie zeitlich und
ewig unglücklich gemacht.
Aus: Neue Gleichnisse,
Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für
Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für
christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern,
Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz.
Erster Band 1867. S. 31f
Rechtschreibung behutsam an die neuere Zeit angepaßt. Zum Beispiel
Eltern statt Aeltern, tot statt todt, nötig statt nöthig. Müssiggang belassen
wir, ebenso Alles.