ETIKA

Franz Ehmig: Gleichnisse
ELTERN-SERIE

www.etika.com

38K104

Eltern sollen ihre Kinder strafen

13.11.2010

Die heilige Johanna vom Kreuze war oft verzückt und hatte in diesem Zustande viele Erscheinungen. Einmal erschien ihr die Seele eines Kindes, das erst verschieden war, und bat sie, seiner Mutter zu sagen, daß diese ihre Kinder mehr strafen solle, als bisher, weil sie sonst wegen schlechter Erziehung strenge Rechenschaft geben müsse.

„Ich aber“, fuhr die Seele fort, „sage Gott großen Dank, daß er mich in zartem Alter zu sich in den Himmel berufen hat; denn wäre ich im reiferen Alter gestorben, so wäre ich verdammt worden. Die Mutter soll wohl auf meine Brüder Acht geben und sie strenge strafen, ehe sie älter und verführt werden.“

Da der heiligen Johanna der Name und Wohnort der Mutter genannt wurde, so ließ sie dieselbe zu sich rufen und erzählte ihr die Erscheinung. Die Mutter merkte an allen Umständen, daß hier keine Täuschung obwalte, sie sah ihre zu große Nachsicht ein, handhabte eine strenge Zucht unter ihren Kindern und besuchte von nun an die heilige Johanna öfter, um sich mit ihr in Betreff ihrer Kinder zu beraten und von ihr leiten zu lassen.

O wie viele Eltern würden auf dieselbe Weise von ihren verstorbenen Kindern wegen Mangel an Zucht  zurechtgewiesen werden, wenn es ihnen Gott gestatten möchte, aus dem Himmel und Fegefeuer, oder aus der Hölle zu erscheinen.

Die Ursache, warum in mancher Familie beinahe alle Kinder im zarten Alter sterben, wird wohl nur die sein, weil Gott voraussieht, daß sie bei längerem Leben unter der schlechten Zucht ihrer Eltern verdammt werden würden. O preiswürdige Weisheit und Güte Gottes! (bis hierher S. 25)

Eltern, strafet eure Lieblinge!

Lasset es nicht an vernünftiger Zucht und Strafe fehlen, wenn ihr aus eueren Kindern gottgefällige und brauchbare Menschen erziehen wollt. Besonders müssen jene Eltern die Notwendigkeit der Strafe einsehen lernen, welche entweder zu allen, oder zu einem und dem anderen ihre Kinder eine besondere Vorliebe hegen. Gerade die Liebe sollte ihnen ein Beweggrund sein, dem Kinde nichts nachzusehen, weil Strafe den größten Nutzen, allzu nachsichtige Liebe aber den größten Nachteil bringt.

… So kann man auch Kinder lieben, ohne ihnen etwas nachzusehen; ja gerade die Lieblinge sollte man aus Liebe strenge behandeln.

Aus: Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. Erster Band 1867. S. 33f.

Eltern-Serie - Index 38 - Index 3