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ETIKA |
Franz
Ehmig: ELTERN-SERIE |
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Fromme Gesinnung in die Gemüter bringen |
28.10.2007 |
Wie
die Eltern fromme Gesinnungen in die Gemüter der Kinder bringen sollen.
Als der heilige Franz von Sales seine Studien anfing, schlug seine Mutter vor,
Hauslehrer aufzunehmen, um ihn vor den Ausschweifungen und gegen das Verderbnis
der öffentlichen Lehranstalten zu schützen; später brachte sie es dahin, daß er
zu den Jesuiten in’s Kollegium kam. Als Franz im Begriff stand, längere Zeit
sich von der Mutter zu entfernen, war sie um so
beflissener, ihren Sohn zu bilden. Oft sagte sie ihm:
„Gott ist mein Zeuge, mein Sohn, wie sehr
ich dich liebe; indessen möchte ich dich lieber tot vor meinen Augen, als erfahren, du
habest eine Todsünde begangen!“
Ganz besonders war sie beflissen, eine zarte und vertrauensvolle Liebe zu
Gott ihm einzuflößen, und sie gewöhnte ihn daran, Gott als seinen wahren
Vater zu betrachten.
„Was immer man sagen mag“, sprach sie zu
ihm, „nicht ich habe das Leben dir gegeben. Ich bin deine Mutter nur, weil es
Gott gefällig war, sich meiner zu bedienen, dich in diese Welt zu setzen. Freilich
bist du in meinem Schoße gebildet worden; allein nicht ich habe diese Glieder,
noch auch das Blut, das in deinen Adern fließt, noch die Lebensgeister dir
gegeben, kraft welcher du dich bewegest; noch weit weniger aber diese geistige
und unsterbliche Seele, wodurch du einer ewigen Glückseligkeit fähig bist; Gott
hat dich zu dem gemacht, was du bist; Er ist es, der dich erhält; und von Ihm mußt du
Alles erwarten.“
Alles, was ihr unter die Augen kam, gab ihr Veranlassung, seinem Gemüte heilige Wahrheiten
einzuprägen. Begegnete sie irgend einem
Armen, so sagte sie ihm, derselbe sei, so wie er ihn da sehe, sein Bruder,
und ebenso gut berechtigt als er selbst, Gott seinen Vater zu nennen. Glück und
Vermögen hätten zwar einen gewissen Unterschied zwischen sie gesetzt; die Natur
jedoch und die Gnade wüßten nichts von diesem Unterschiede; in dieser Beziehung
seien alle Menschen gleich; dessen müsse er beständig eingedenk sein und sich
ja hüten, armen Menschen, die niedriger gestellt seien als er, mit Verachtung
und Härte zu begegnen. –
Erging sie sich zuweilen auf Fluren und
Feldern, so richtete sie seine Aufmerksamkeit auf die Leute, die das Getreide
aussäeten und das Ackerland bestellten.
„Man glaubt“, sprach sie zu ihm, „es seien
diese Bauersleute, die uns ernähren.
Indessen mögen sie tun, was immer sie wollen, so reicht etwas zu viel Regen,
etwas zu viel trockenes Wetter hin, Alles zu verderben. Mehr bedarf es nicht,
allenthalben Hungersnot zu verbreiten, und uns dahin zu bringen, daß wir
Hungers sterben. Aber dieser Regen, diese gemäßigte Hitze, diese Zeit, die
geeignet ist, die Saat zur Reife zu bringen, hängen von Gott allein ab; und die
Menschen vermögen es nicht, das Geringste dabei zu tun.“
Durch solche und ähnliche, oft wiederholte Grundsätze bildete sie
das junge Herz ihres Sohnes zu einer zarten Gottesliebe, zur Nächstenliebe, zu
tätigem Wohlwollen, zum Eifer für die Werke der Barmherzigkeit und zur Demut. Eben
auf diese Art müsset auch ihr Eltern eueren Kindern gute Gesinnungen in’s Herz
flößen.
Aus: Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über
die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und
Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien.
Gesammelt und alphabetisch geordnet von P.
Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck
und Verlag von Georg Joseph Manz. Erster Band 1867. S. 20f
Statt Schooße
schreiben wir Schoße, statt Aeltern Eltern.