ETIKA

Franz Ehmig: ELTERN-SERIE

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Kinder geistig und leiblich gesund erziehen

29.10.2007

Eltern sollen ihre Kinder geistig und leiblich gesund erziehen.

So manche sorglose Eltern werden von der Henne beschämt. Sie stellt sich gewissermaßen die doppelte Aufgabe, ihre Hühnchen gesund heran zu ziehen und sie vor allen Gefahren zu schützen. Das erstere leistet sie ihnen damit, daß sie dieselben führt, für sie Gewürm und Futter aufsucht, sie unter ihre Flügel nimmt und wärmt; das zweite damit, daß sie sie nicht von sich läßt, sie warnt, zu sich ruft und sie gegen böse Tiere schützt.

Dies Doppelte sollen auch Eltern durch eine christliche Erziehung ihren Kindern leisten. Zuvörderst haben sie die Kinder zu guten frommen katholischen Christen zu erziehen. (Anmerkung: Das gilt natürlich entsprechend auch für evangelische, orthodoxe Eltern usw.)

·        Dies geschieht durch Belehrung, durch Einflößung der Liebe und Furcht Gottes, durch Angewöhnung zum Gebet, zur Andacht, zur Frömmigkeit und zu allen christlichen Tugenden. Darin müssen sie mit eigenem Beispiel voranleuchten; denn das Beispiel ist für das kindliche Herz das, was die Wärme unter den Flügeln der Gluckhenne für die Küchlein ist.

Dann müssen sie die aufkeimenden bösen Neigungen der Kinder durch weise Leitung ersticken, alle bösen Beispiele und alle Verführung von Außen fern halten und ihren schädlichen Einfluß vernichten. Dies erfordert unausgesetzte Wachsamkeit, Beaufsichtigung, Zucht und Strafe.

Wirft man einen Blick in so manche christliche Familie, Gott, wie erschrickt man! Kinder von sieben bis acht Jahren können noch nicht das Vater unser beten! Keine Unterweisung und Anleitung zur Frömmigkeit, keine Angewöhnung zur christlichen Tugend, keine Aufsicht, keine Warnung und Zurechtweisung, keine Hinweisung auf die Gebote Gottes, keine Zucht und Strafe, ein reines Sichselbstüberlassen! Eine rein weltliche Erziehung! Mit der Sorge für Essen, Kleidung und einstige Broterwerbung ist Alles beschlossen! Wie oft werden die strafwürdigen Kinder in Schutz genommen und verteidigt! Wie viele Beleidigungen müssen Seelsorger und Lehrer hinnehmen, wenn sie die Ungezogenen zu strafen gezwungen sind!

Aber welche ungeheuere Verantwortung laden solche Eltern auf sich! Wie vieler fremden Sünden werden sie schuldig! Wie wollen sie sich und ihre Kinder in den Himmel bringen? Beschämt sie nicht die Bruthenne? Wenn sie junge Entchen ausgebrütet hat und ausführet, diese aber in’s Wasser gehen: o wie ängstlich jammert die Henne am Ufer um sie! Wie geht sie gluckend hin und her und lockt sich müde!

Und Christen gestatten ihren Kindern alle Arten von Sünden, Spiel und Trunk, Beleidigung und Händel, Unzucht und Vernachlässigung des Gebetes und Gottesdienstes! Darum wird Gott einst im Gericht auf die Henne hinweisen und sagen: Dieses Tier erzog seine Jungen in seiner Art besser und mit mehr Sorgfalt, als ihr euere Kinder! Weichet von mir, ihr Übeltäter!

Aus: Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. Erster Band 1867. S. 36f

Statt dieß schreiben wir dies, statt Aeltern Eltern, statt Uebelthäter Übeltäter.

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