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ETIKA |
Franz
Ehmig: ELTERN-SERIE |
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Gott bestraft die Härte der Eltern gegen ihre
Kinder |
31.10.2007 |
Der letzte Markt 1866 in
Poltuschend in der Bukowina machte
viel von sich reden. Ein czernowitzer Ochsenhändler hatte sein Vieh hieher
gebracht, um es da an Mann zu bringen. Einen Teil desselben hatte er bereits
verkauft, und den in etwa zweihundertundfünfzig Dukaten bestehenden Erlös nebst
zwei goldenen Ringen in seinem Leibgürtel aufbewahrt.
Da geschah es nun, daß ein Büffel, die hier sehr zahlrich zu
Markte gebracht werden, scheu wurde, wütend über den Markt rannte und auch den
Genannten so arg zurichtete, daß er besinnungslos liegen blieb. In dem
Menschengewühle wurde der Unglückliche nicht sogleich beachtet, so daß es einem
Diebe gelang, ihm den Geldgürtel
abzuschnallen.
Später, nachdem das Tier wieder
eingefangen war, wurde der Arme in ein Spital gebracht, wo er endlich nach vier
Tagen wieder zur Besinnung kam. Da erzählte er nun seinen Bekannten den Vorfall
und bemerkte nebenbei, daß auch die beiden Ringe, welche jene wohl kannten, mit
dem Gelde gestohlen wurden.
Der Zufall wollte es nun, daß
einige Tage darauf einem dieser Bekannten von einem jungen Manne ein Ring zum
Kauf angeboten wurde, den er sogleich als Eigentum seines bettlägrerigen
Freundes erkannte. Polizei wurde herbeigerufen und der Feilbieter festgenommen.
Von diesem Ereignisse sprach der Kranke, als ihn seine
Freunde bemitleideten:
Ja, ja, ich habe gewußt, daß
mir noch etwas passieren müsse. Das ist die Strafe Gottes! Ihr wißt alle, was
mich seit zehn Jahren bedrückt und unruhig macht! Ich habe immer Gewissensbisse
gehabt und immer etwas Schlimmes erwartet, jetzt ist’s gekommen!
Der Sachverhalt war
folgender: Er hatte einen Sohn aus erster Ehe, der nicht gut tun wollte und
liederlich war. Wegen eines Jugendstreiches jagte er nun diesen in seinem
zwölften Lebensjahr und zwar größtenteils auf Veranlassung und fortwährendes
Anreizen seiner zweiten Frau, ohne einen Kreuzer vor zehn Jahren aus dem Hause und
hatte seit jener Zeit nichts mehr von ihm gehört. Seitdem hatte er ihn aller
Orten gesucht, wollte ihn wieder zu sich nehmen, wollte sich sogar von seiner
Frau scheiden, der er die ganze Schuld beilegte; doch vergebens! Das Söhnchen
ließ sich nicht mehr blicken. Da erhielt er nun die schriftliche polizeiliche
Anzeige, daß der Dieb bereits zu Stande gebracht sei; in dem betreffenden
aktenstücke hieß es:
„Joseph Bylosiewicz, Sohn des
Herrn Bylosiewicz aus Watra-Dorna in der Bukowina, hat bereits eingestanden,
daß er der Entwender besagter zweihundertundfünfzig Dukaten und zweier Ringe
war.“
Der Kranke richtete sich nun in
seinem Bette auf, wurde leichenblaß, glotzte die Anwesenden starr an, tat einen
schaudererregenden Schrei und fiel mit den Worten: „Mein Sohn!“ auf den Polster
zurück.
Er sprach nun kein Wort mehr,
lag beinahe regungslos da, bis sich des nächsten Tages ein heftiges Fieber
seiner bemächtigte. In der Hitze des Fiebers behauptete er immer, Gott habe
seinen Sohn in einen Büffel verwandelt, um durch diesen ihn zu strafen. Er
überstand nun zwar beide Krankheiten, blieb aber irrsinnig. Zur Besinnung kam
er nicht mehr und mußte in das Irrenhaus
nach Bukarest gebracht werden.
Bylosiewicz erfuhr so aus dem
polizeilichen Aktenstück, daß er von seinem eigenen Sohn bestohlen wurde, daß
dieser sich im Gefängnisse befinde und durch des Vaters
Schuld das wurde, was er ist. Eine gerechte Fügung und Strafe Gottes für seine
Härte gegen den zwölfjährigen Sohn!
Aus: Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über
die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und
Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien.
Gesammelt und alphabetisch geordnet von P.
Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck
und Verlag von Georg Joseph Manz. Erster Band 1867. S. 66f