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Franz Ehmig: ELTERN-SERIE

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Für die Kinder beten

31.10.2007

Eltern sollen für ihre Kinder und mit ihnen beten.

Ein vornehmer Herr und überdies ein hochstehender Staatsbeamter kam einst zu dem in der Erziehungskunst berühmten Pfarrer Flattich und übergab ihm seinen Sohn zum Unterricht und zur Erziehung.

Er gestand unumwunden vor dem ehrwürdigen Pfarrer, daß er sich alle erdenkliche Mühe gegeben und alle möglichen Mittel angewendet habe, seinen Sohn zu erziehen, allein es sei ihm nicht gelungen; sein Sohn sei ein ausgelassener Bengel und unbändger Wildfang. Da fragte der ehrwürdige Pfarrer:

„Haben Sie denn auch fleißig für Ihren Sohn und mit Ihrem Sohn gebetet?“

„Das wohl nicht“, antwortete der Vater.

„Dann wundert’s mich auch gar nicht“, versetzte der weise Mann, „daß alle Mühe, die Sie auf Ihren Sohn verwendet haben, vergeblich war; es war eine bloße Hautdressur, die nicht zu Herzen ging.“

Der Vater hatte nämlich seinen Sohn, zur Strafe für seine Bosheiten, vorzüglich hungern, frieren und einsperren lassen und ihn hart geschlagen, weswegen der weise Pfarrer dem Vater entgegnete, er habe seine Mühe bloß auf die Haut seines Sohnes verwendet und nicht durch Gebet auch auf die Seele desselben einzuwirken gesucht.

Flattich übernahm nun den Knaben zur Erziehung und in kurzer Zeit wurde aus demselben ein trefflicher Jüngling und charakterfester Mann. Und dieses Mittel, das Flattich bei der Erziehung angewendet, hat seine Kraft noch nicht verloren.

Betet darum für eure Kinder und mit euren Kindern; denn der Segen kommt von oben.

Aus: Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. Erster Band 1867. S. 62

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