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GESCHICHTEN |
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Gertrudis Gomez de Avellaneda |
Dolores |
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Gertrudis Gomez de Avellaneda (* 1810 in Puerto
Principe als Tochter des Flottenkommandanten von Cuba, ab 1840 in Madrid):
Dolores
I. Die Taufe
eines Erbprinzen
II. Don Juan
II. und sein Hof
III. Dolores und Rodrigo
Bis zu dem
Augenblick, wo der junge Luna das fromme Edelfräulein sah, hatte er ohne innere
Anteilnahme manchen Schönheiten den Hof gemacht, die damals die Kavaliere und
Edelleute bezauberten, und auch in weniger erhabene Regionen war er ...
hinuntergestiegen, wodurch er sich den etwas frühzeitigen Ruhm eines Lebemannes
erworben hatte. Aber Dolores kennen zu lernen und sie mit jener Liebe zu
lieben, die nur einmal im Leben vorkommt, und die mit einem Schlage alle
Unbeständigkeiten und Wirrnisse des Herzens tilgt, war für Rodrigo das Werk nur
einer Minute gewesen.
Sie für ihre
Person, die keine anderen Empfindungen kannte als die, die die Religion und die
Frömmigkeit in ihr auslöste und ihre Familie ihr einflößte, empfand ganz neue
und ungewöhnliche Neigungen, wenn ihr scheuer Blick den feurigen Blicken des
verliebten Jünglings begegnete, und aller instinktive Widerstand jungfräulicher
Ehrbarkeit vermochte sie nicht davor zu bewahren, ihn schwärmerisch zu lieben,
wie gewöhnlich die Seelen lieben, die noch nicht verbraucht sind und die in der
bitteren Schule der Erfahrung noch nicht jenes entzaubernde Mißtrauen erworben
haben, das seine Herrschaft bis auf das eigene Herz erstreckt und uns nicht nur
an den Gefühlen, die wir einflößen, sondern auch an denen, die wir selbst
empfinden, zweifeln läßt.
Dolores nährte
in ihrem Innern all die süßen Illusionen einer ersten Leidenschaft, die
nichts fürchtet, weil sie sich stark fühlt, die an alles glaubt, weil sie zu
sich selbst Glauben hat, und die nie an die Möglichkeit ihres Endes denkt...
Aber trotz alledem
begriff Dolores wohl, daß ihre Verbindung mit dem, den sie liebte, in dem
Hochmut ihrer Familie ein Hindernis finden würde, besonders in dem ihrer
Mutter, deren stolze Seele ...
IV. Vaterliebe
"Es
handelt sich um das Leben meiner Tochter", erwiderte Don Diego Gomez de
Sandoval immer wieder auf alle Einwendungen und Vorwürfe, mit denen die Gräfin
ihn überschüttete. "Ich bin entschlossen, meine Tochter glücklich zu
machen, koste es, was es wolle!"
Es kam nur
selten vor, daß der Statthalter von Kastilien sich dem Willen seiner Frau
widersetzte, auf deren herrischen Charakter er gewöhnlich die größte Rücksicht
nahm;
aber fügte es sich einmal, daß er offen eine Meinung vertrat, die der ihren
entgegengesetzt war, so wußte er mit so kühler Beharrlichkeit an ihr
festzuhalten, daß alles Ungestüm der Gräfin zu guter Letzt doch an seiner
ruhigen Festigkeit zerschellte. Das wußte die Dame und begriff im vorliegenden
Fall das Nutzlose ihrer Bemühungen. Der Graf hatte seinen Entschluß gefaßt, und
nun konnte ihn nichts davon abbringen.
V. Mutter und
Arzt
VI. Der
Heiratsvertrag
Faßt einmal
jemand, der sich nur selten imstande fühlt, seinen Willen auszuführen, einen
Entschluß, so hält er fast immer mit besonderer Zähigkeit an ihm fest. Es gibt
starke, aber träge Charaktere, die aus Liebe, aus Klugheit, aus
Gleichgültigkeit die Gewohnheit angenommen haben, tatkräftigen und
leidenschaftlichen Naturen nachzugeben, mit denen sie in Berührung stehen, und
die geduldig die Tyrannei ertragen, der sie sich unterworfen haben. Plötzlich
aber, wenn es besonders feierliche Umstände verlangen, befreien sie sich von
ihrer Willenlosigkeit und werden in demselben Maße tätig und energisch, wie sie
bisher untätig und träge gewesen sind.
VII. Sechs
Jahre später
VIII.
Enthüllungen
IX.
X.
...auf dem
weißen Marmor eines Grabes, auf dem ... einer unserer Ahnen folgende lange
Inschrift in großen gotischen Buchstaben las:
Hier liegt Maria de los Dolores Gomez de Sandoval y Avellaneda,
erstgeborene Tochter von don Diego Gomez de Sandoval, Grafen von Castro-Xeriz,
Statthalter von Kastilien, Oberkanzler des Siegels der Reinheit, Herr von
Lerma, Denia, Osorno, Cea, Ayora, Villafrecho y Gomiel usw.,. usw. und seiner
rechtmäßigen Gattin, der sehr edlen Dame Doña Beatriz de Avellaneda. Sie ging
am 14. Tage des Februars 1425 in ein besseres Leben ein im alter von sechzehn
Jahren, drei Monaten und elf Tagen.
Das seltsame
Zusammentreffen ... wollte es aber, daß zu ebenderselben Stunde, die der
gewählte Erzbischof von Santiago im Gebete auf dem leeren Grabe verbrachte, das
jenes pomphafte Epitaph schmückte, in einem Kloster Navarras die schlichte
Leichenfeier für eine arme Nonne stattfand, deren Grab nur ein Holzkreuz ohne
jede Inschrift zierte.