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Gefährliche Schönheit |
24.3.2008; in Originalschreibeweise |
Den Seelen gewisser Internet-Schönheiten gewidmet. Millionenfach
steuern sie dem höllischen Abgrund zu. Vergleiche www.gloriapolo.net
Aus: Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen
Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten,
zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und
alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig,
em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von
Georg Joseph Manz. Vierter Band 1869. Stichwort Schönheit. Seiten 188 – 191.
Schönheit des Leibes setzt den Versuchungen gegen die Keuschheit
aus.
Der heilige Bernard hatte in seiner Jugend gegen die Begierlichkeit des
Fleisches zu kämpfen. Schon früher hatte er die unreine Begierde zu einer
Weibsperson dadurch ausgelöscht, daß er im
Winter in das eiskalte Wasser eines Teiches trat und bis an den Hals
versenkt darin stehen blieb, bis man kam und den Erstarrten herauszog.
Aber die alte listige Schlange
erwartete den gefährlichsten Augenblick, um die Jugend Bernards zu überraschen
und einen entscheidenden Sturm auf ihn zu machen. Bernard besaß eine
außerordentliche Schönheit; sein Leib war vollkommen richtig gebaut, er besaß
seine vornehme Manieren; sein Auge, voll Feuer, beleuchtete ein zärtliches und anmuthiges Gesicht; sein Gang, seine Haltung, seine
Bewegung, das Lächeln seiner Lippen war immer bescheiden, einfach und edel; sein
von Natur aus beredtes Wort war lebhaft und überzeugend.
Seine ganze Person hatte so
etwas Liebenswürdiges, Anziehendes, daß er noch viel gefährlicher für die Welt, als diese
für ihn war. Es umgaben daher den jungen Menschen zahlreiche Gefahren für
die Keuschheit, besonders da sein Herz offen, weich und zur Liebe geneigt war.
Er machte hierin furchtbare Erfahrungen
und hatte harte Kämpfe zu bestehen,
um seine Keuschheit zu bewahren.
Schönheit entzündet die Fleischeslust.
Von Jugend auf hatte Gerald,
wie der heilige Odo, Abt von Klugni, erzählt, Herz
und Gedanken rein bewahrt, bis plötzlich auch in seinem Gemüthe
eine böse Leidenschaft entbrannte, seit er die Tochter eines seiner Bauern und
Leibeigenen mit gar zu fürwitzigen
Blicken angesehen.
Nach langem inneren Widerstande sich endlich gefangen gebend, ritt er an
einem Winterabende zur Hütte dieses Landmannes hin, doch nicht ohne Angst und
Kummer seines bisherigen keuschen Wandels gedenkend und seiner Vorsätze und
seines gewohnten Umganges mit Gott; weßhalb er auch,
wiewohl nur unbestimmt, die
allerseligste Jungfrau bat, sie möchte ihn nicht ganz in dieses Elend
versinken lassen.
Als er in die niedere Stube
trat, stand das Mädchen eben am Kamine, um sich zu wärmen und die rothe Flamme beleuchtete
ihr Gesicht grell (Anmerkung ETIKA: des
Franziskus Bruder Feuer); sie erschien ihm in diesem Augenblicke so
häßlich, daß er seinen Augen nicht traute, denn er sah sich und das Mädchen in
Gedanken bereits mit den Flammen des höllischen Feuers beleuchtet.
Da kam er zur Besinnung; ohne
zu zögern, ging er hinaus, schwang sich auf sein Pferd und ritt langsam Schritt
für Schritt seinem Schlosse zu, um durch die Kälte die Gluth
der Fleischeslust abzubüßen, die er in sich hatte aufkommen lassen.
Körperliche Schönheit wird durch Frömmigkeit noch erhöht.
Die heilige Martyrin und
Jungfrau Regina wurde von einer
Christin auf dem Lande erzogen, wo sie die Schafe ihres Pflegevaters weidete.
Hier sah sie der Gerichtsdiener des kaiserlichen
Landpflegers und wußte ihm die blühende Schönheit des Mädchens nicht genug
zu schildern.
Der Landpfleger schickte seine
Diener mit dem Befehle ab, die Jungfrau zu ergreifen und zu ihm zu führen. Der
Heide erstaunte bei ihrem Anblick über die himmlische
Anmuth, womit die Liebe zu Jesus und die heilige
Unschuld ihre natürliche Schönheit verklärt hatte; er erklärte ihr sogleich
seine Liebe und seinen Entschluß, sie zur Gemahlin wählen und zur angesehensten und glücklichsten Frau in ganz Gallien machen
zu wollen.
Aber mit holder Schamhaftigkeit
antwortete ihm Regina:
Mein Bräutigam ist Jesus
Christus, den du verläugnest und von ihm lasse ich
nicht.
Sie wurde im Jahre 251
enthauptet.
Schönheit von Heiligen nicht gewünscht, sondern verwünscht.
Die heiligen Wittwen Brigita und Wilgo waren außerordentlich schön und deßhalb fortwährend Heirathsanträgen ausgesetzt.
Da sie aber um Christi willen
beschlossen hatten, Wittwen zu bleiben, so baten sie
Gott, ihnen ein Gut zu nehmen, das sonst das weibliche Geschlecht so hoch
schätzt und sie wurden von Dem erhört, der nur die Schönheit der Seele liebt:
ihre äußerliche Gestalt wurde ganz häßlich.
Nicht körperliche, sondern Schönheit der Seele hat vor Gott Werth.
Die selige Johanna, Tochter Ludwig’s XI., heirathete Den, der unter dem Namen Ludwig XII. den
französischen Thron bestieg. Wegen ihrer Häßlichkeit wurde sie förmlich von ihm
geschieden. Johanna stiftete einen weiblichen Orden zu Ehren Mariä, worin sie
ihr Leben heilig beschloß. In ihrer Leichenrede sagte der Prediger: Sie war so
häßlich, daß sie ihrem Gemahl mißfiel und von ihm verstoßen wurde; sie war so
schön, daß der himmlische König sie seiner Huld würdigte. Beides war wahr,
körperlich häßlich, in der Seele schön; diese Schönheit verdient auf jeden Fall
den Vorzug.
Schöne Mädchen sollen die Mutter Gottes verehren.
Königin Isabella nahm unter
mehreren Damen und Fräulein auch die selige Beatrix, Schwester des gottseligen Grafen Amadeus, auf. Beatrix war
eine Jungfrau, die außer ihrer hohen Geburt so seltene Gaben der Schönheit und Anmuth des Leibes und des Geistes besaß, daß sie Niemand ohne die größte Theilnahme ansehen konnte. In kurzer Zeit machte sie
einen solchen Einruck auf alle Höflinge, daß der ganze Hof darüber in Unruhe und Sorge kam.
Die Königin Isabella war
darüber so ungehalten, daß sie die Beatrix in ein enges Gemach einschließen
ließ. Da sich nun Beatrix in dieser traurigen Lage sah, nahm sie ihre Zuflucht
zu Maria und gelobte ihr, wenn sie ihre Unschuld beschütze und sie aus diesem
Unglücke befreie, ihrem göttlichen Sohne ewige Jungfräulichkeit weihen zu
wollen.
In der folgenden Nacht erschien
ihr Maria und versprach ihr ihren Beistand. In der That,
nach drei Tagen befahl die Königin, sie in Freiheit zu setzen, worauf Beatrix
um ihren Abschied bat, indem sie erklärte, in ein Kloster treten zu wollen.
Die Königin, welche einsah, wie
gefährlich ihre Schönheit für sie in der Welt werden könnte, war über diesen
Entschluß sehr erfreut und erfüllte gern ihren Wunsch. Beatrix trat in ein
Kloster der Dominikanerinnen, wo sie vierzig volle Jahre zubrachte, ohne irgend eine weltliche Person außer die Königin und die
Prinzessin gesehen zu haben.
Körperliche Schönheit ist kein Glück für die Mädchen.
Eine Fabel erzählt: Eine junge
Tochter von häßlicher Gestalt ging hinaus in den Wald, das Unglück ihrer
Häßlichkeit zu beweinen und sich zu hängen. Indem sie eine Weile weinte, redete
der nächste Baum sie also an:
Mein Mädchen! Warum so kleinmüthig? Du mußt dir dieses Unglück nicht so zu Herzen
nehmen! Schau, neben mir sind die schönsten Bäume gestanden, hoch, stark, gerad, gesund; sie wurden umgehauen und verbraucht; die
schönsten sind zu Brücken verwendet worden und seufzen unter der Last, da man
auf ihnen geht, reitet und mit Lastwagen fährt. Ich aber, weil ich krumm,
knorpelig und wurmstichig bin, bin unverletzt geblieben.
So, mein Mädchen, wenn du eine
schöne Gestalt hättest, wärest du längst
eine Hure und ein Kind der Hölle.
Aus: Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen
Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten,
zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und
alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig,
em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von
Georg Joseph Manz. Vierter Band 1869. Stichwort Schönheit. Seiten 188 – 191.