ETIKA

DIE GANZE WAHRHEIT

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Nationalsozialismus und Christentum

20.4.2001 – 26.8.2012

Allgemein: "Die Kirchenpolitik des Nationalsozialismus war von 1933 bis 1945 nicht festgelegt und ist nicht nach einem einheitlichen Plan abgelaufen. Die aus jüngst erschlossenen Tagebüchern von Joseph Goebbels erkennbare Maxime des Nationalsozialismus, selbst Kirche zu werden, zeigt Weg und Ziel der Machthaber auf; der NS-Staat als Kirche konnte keine Kirche neben sich dulden. Goebbels erweist sich in seinen Tagebüchern als ebenso radikaler wie entschlossener Gegner der Kirche. Auf Weisung Hitlers blieb er formell Katholik... Je mehr sich das NS-Regime mit der Zeit stabilisierte, um so stärker galt die Kirche als der letzte noch nicht überwundene Feind im Innern. ,Erst Knoblauch, dann Weihrauch´ hieß die Parole. Die Ausführungen des Eichstätter Zeitgeschichtlers Heinz Hürten (bei einer Tagung in München) über die Zukunftspläne des NS-Regimes gegenüber der Kirche ließen erkennen, daß eine ,Endlösung´ angestrebt war, die das Kriegsende verhinderte. Es ging Hitler, wie er bei der Tafelrunde im Führerhauptquartier bekundete, nicht um die physische Vernichtung der Kirche und ihrer Bekenner, sondern um ihre vollständige Unterwerfung im Führerstaat." (Carl Schuster, Dolomiten 10.5.1985)

"Viele Christen in Deutschland, die sich um eine selbständige Religionsausübung bemühten, (waren) vor allem ab 1935 immer stärkeren Attacken und Anfeindungen der Machthaber ausgesetzt. Das Regime ließ Gottesdienste von der Polizei überwachen, führte Schauprozesse gegen Geistliche durch und ordnete allein 1941 die Auflösung von 123 Klöstern an. Viele Priester, die gegen die Machthaber aufbegehrten, wurden von NS-Gerichten verurteilt und landeten in den Konzentrationslagern: Allein nach Dachau wurden 2800 unbeugsame Geistliche deportiert." (Pressemeldung 24.6.1996 APA/AFP)

Alttestamentarische Szenen paßten nicht mehr in die neue Zeit, sagte ein NSDAP-Kreisleiter und veranlaßte die Entfernungen historischer Bildtafeln des Leonberger Künstlers Bernhard Schnaible aus den Jahren 1769/70. "So oft ich im kleinen Sitzungssaal des hiesigen Rathauses sitze, fühle ich mich in die giftigen Dünste des Mittelalters versetzt", hatte der Nationalsozialist geklagt. Die Wandervertäfelungen werden restauriert und im Veranstaltungsraum des Schorndorfer Stadtmuseums eingebaut. (NWZ 19.8.1999)

Apostel der erwählten Rasse. 1933 quando lo spiritato autodidatta di Braunau chiedeva ad Himmler di farsi Superiore Maggiore del nuovo Ordine mistico della Razza Eletta: le SS come moderni apostoli che sradicassero quella religione di eunuchi e di schiavi inventata dal giudeo Saulo di Tarso. (Vittorio Messori, Corriere della Sera 23.9.1998, p. 2)

Bormann, Martin: Nationalsozialistische und christliche Auffassungen sind unvereinbar...

Ebenso wie die schädlichen Einflüsse der Astrologen, Wahrsager und sonstiger Schwindler ausgeschaltet und durch den Staat unterdrückt werden, muß auch die Einflußmöglichkeit der Kirche restlos beseitigt werden. (Gauleiterbrief 1941; Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte München 1958, S. 42)

Christlicher Nationalsozialismus. Die Deutsche Wochen-Zeitung veröffentlichte am 10.9.1976 einen ganzseitigen Artikel: "Der Traum vom christlichen Nationalsozialismus - Die "Römischen Tagebücher" des Bischofs Dr. Alois Hudal / Der Vatikan im Lager der Alliierten". Siehe Alois Hudal.

Deutsch werden, nicht Christen werden. Ein Kirchenrat sagte am 30. August 1933 beim Tag der "Deutschen Christen" in Saalfeld: "Das Wort deutsch ist Gottes Wort! Wer das begreift, dem lösen sich leicht alle theologischen Streitigkeiten. Dies ist deutsch: Kehrt heim aus eurem Egoismus, aus eurer Verlassenheit, heim zu Deutschland... Christus ist zu uns gekommen durch Adolf Hitler. Der ist der entscheidende Mensch gewesen, als ein ganzes Volk bereit war, unterzugehen. Hitler schlug für uns in sich, durch seine Kraft, seine Ehrlichkeit, seinen Glauben und seinen Idealismus fand der Heiland zu uns... Wir haben eigentlich nur eine Aufgabe: Werdet deutsch! Nicht: Werdet Christen!" Entsetzliche Worte, aber sie wurden gesprochen und von vielen bejaht. Götzendienst im Gewand des Nationalismus und Nationalsozialismus. Mitten in der evangelischen Kirche. (Konstanzer Großdruckkalender, 23.9.1998, HWi)

Getaufte Juden in Holland nach Protest der Bischöfe deportiert. Wir zitieren aus "das Neue Groschenblatt" 6/1998: Der naiven Träumerei des Dramatikers Rolf Hochhuth, ein Bannfluch des Papstes über Hitler hätte der Judenverfolgung Einhalt gebieten können, stellt der jüdische Historiker Poliakov das nüchterne Urteil gegenüber: "Öffentlichen Protesten wäre möglicherweise sofort mitleidlose Vergeltung gefolgt, wie örtliche Erfahrung bereits hier und da gezeigt hatte" ("Ernte des Hasses", 296). Wie zutreffend diese Einschätzung war, haben die Niederlande gezeigt. Als dort die Bischöfe beim damaligen Reichskommissar Seyß-Inquart gegen antijüdische Maßnahmen protestierten und mit der Veröffentlichung eines entsprechenden Hirtenbriefes drohten, hat sie Polizeiführer Harster sofort davor eindringlich gewarnt, weil in diesem Falle sofort auch die getauften Juden deportiert würden, die man bis dahin verschont hatte. Und so geschah es auch. Die Bischöfe hatten ihren Hirtenbrief verfaßt und am 26. Juli 1942 von allen Kanzeln verlesen lassen. Fünf Tage darauf wurden alle Katholiken jüdischer Abstammung verhaftet und in die Vernichtungslager deportiert, darunter auch die inzwischen seliggesprochene Karmelitin Edith Stein. Beim späteren Kriegsverbrecherprozeß hat Harster zugegeben, daß die Verhaftung der katholischen Ordensleute ein Racheakt für den Hirtenbrief der Bischöfe gewesen sei. Wie Papst Pius XII. auf die Schreckensnachricht reagierte, berichtet Schwester Pascalina ("Ich durfte ihm dienen", 117): Er kam nach den Audienzen mit zwei engbeschriebenen Blättern in die Küche, weil es nur dort ein offenes Feuer gab, und sagte: "Ich möchte diese Bogen verbrennen, es ist mein Protest gegen die grauenhafte Judenverfolgung. Heute abend sollte er im Osservatore Romano erscheinen. Aber wenn der Brief der holländischen Bischöfe 40.000 Menschenleben kostete, so würde mein Protest vielleicht 200.000 kosten. Das darf und kann ich nicht verantworten. So ist es besser, in der Öffentlichkeit zu schweigen und für diese armen Menschen, wie bisher, in der Stille alles zu tun, was menschenmöglich ist."

Heydrich, siehe dort 49ns22h

Hitler als Götze. Gedicht "Der Führer" von Erna Blaas: Der Erwählte bedarf nicht der Wahl. / Er ist es von Anfang. / Wie sonst hinge Gefolgschaft an ihm / Und die Wacht der Getreuen / Und das Opfer Tod, / Von den Herrlichsten festlich gelitten? (Nach der ersten die sechste und letzte Strophe:) Der Erwählte bedarf nicht der Wahl; / Er führt schon von Anfang. / Seht, schon ist er die Mitte der Welt! / Seine Schrift ist aus Sternen, / Und die Ewigen sehn / Wie aus Augen voll Glanz auf den Ihren. (Ewiges Deutschland - Ein deutsches Hausbuch, Braunschweig 1941, S 84)

Hitler: Am Ende siegt die Sucht der Selbsterhaltung (antichristliche Aussage, denn Gottes Allmacht siegt; auch gegen die Nächstenliebe und das Mitleid gerichtet). "Am Ende siegt ewig nur die Sucht der Selbsterhaltung. Unter ihr schmilzt die sogenannte Humanität als Ausdruck einer Mischung von Dummheit, Feigheit und eingebildetem Besserwissen wie Schnee in der Märzsonne." (zitiert aus "Mein Kampf", Seite 148, von Kurt Dieman in: Der 13., Mai 1996, S.9)

Hitler dankt Gott nach dem Sieg über Frankreich. Adolf Hitler an das Deutsche Volk. "Führerhauptquartier, 24. Juni 1940. Deutsches Volk! Deine Soldaten haben in knapp sechs Wochen nach einem heldenmütigen Kampf den Krieg im Westen gegen einen tapferen Gegner beendet. Ihre Taten werden in die Geschichte eingehen als der glorreichste Sieg aller Zeiten. In Demut danken wir dem Herrgott für seinen Segen. Ich befehle die Beflaggung des Reiches für zehn, das Läuten der Glocken für sieben Tage. Adolf Hitler." (Ewiges Deutschland - Ein deutsches Hausbuch, Verlag Westermann 1941, S. 154) Anschließend ertönte über alle deutschen Sender nicht ein nationalsozialistisches Lied oder die Nationalhymne, sondern "Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen." (Flugblatt "Der gottlose Hitler!" Von Josef Kofler) - Adolf Hitler am 6. Oktober 1939 vor dem Deutschen Reichstag: "Als Führer des deutschen Volkes und als Kanzler des Reiches kann ich in diesem Augenblick dem Herrgott nur danken, daß er uns in diesem ersten schweren Kampf um unser Recht so wunderbar gesegnet hat, und ihn bitten, daß er uns und alle anderen den richtigen Weg finden läßt, auf daß nicht nur dem deutschen Volk, sondern ganz Europa ein neues Glück des Friedens zuteil wird!" (Ewiges Deutschland 1941,´S. 279)

Hitler: "Der Stärkere hat zu herrschen und sich nicht mit dem Schwächeren zu verschmelzen, um so die eigene Größe zu opfern. Nur der geborene Schwächling kann dies als grausam empfinden, dafür aber ist er auch nur ein schwacher und beschränkter Mensch." (zitiert aus "Mein Kampf", Seite 312, von Kurt Dieman in: Der 13., Mai 1996, S.9) Antichristliche Aussage: Wir sollen Gott dienen, gut sein. Was Hitler schreibt, ist Schwachsinn, denn ihm ist damit gleichgültig, ob der Stärkste gut oder böse, gerecht oder ungerecht ist. Aus ethischer Sicht soll der Gute und Gerechte herrschen. Hitlers Verherrlichung des Stärkeren ist idiotisch, denn wie viele grausame, barbarische Tyrannen hat es in der Geschichte schon gegeben.

Hitler glaubt an das eigene Volk statt an Gott. "Mein ganzes Leben war nichts anderes als ein einziger Kampf für mein Volk, für seine Wiederauferstehung, für Deutschland. Über diesem Kampf stand immer nur ein Bekenntnis: des Glaubens an dieses Volk. Ein Wort habe ich nie kennengelernt, es heißt : Kapitulation. ... So wie ich selber bereit bin, jederzeit mein Leben einzusetzen - jeder kann es mir nehmen - für mein Volk und für Deutschland, so verlange ich dasselbe auch von jedem anderen. Wer aber glaubt, sich diesem nationalen Gebot, sei es direkt oder indirekt, widersetzen zu können, der fällt! Verräter haben nichts zu erwarten als den Tod! Wir alle bekennen uns damit nur zu unserem alten Grundsatz: Es ist gänzlich unwichtig, ob wir leben, aber notwendig ist, daß unser Volk lebt, daß Deutschland lebt!" (Der Führer am 1. September 1939 vor dem Deutschen Reichstag, Ewiges Deutschland - ein deutsches Hausbuch, 1941, S. 260)

Hitler gegen eigene Parteireligion. Aus einem Flugblatt "Der gottlose Hitler", 1998 erhalten von Josef Kofler: Hitler war zwar nicht christlich gesinnt, aber er glaubte an Gott. Bei vielen seiner Reden berief er sich vor aller Weltöffentlichkeit auf den Allmächtigen, auf die Vorsehung, auf Gott. In seiner großen Rede und Friedensmahnung an die Welt am 21. Mai 1935 sagte Adolf Hitler, er möchte sein Handeln "in Übereinstimmung bringen mit meinem Gewissen gegenüber meinem Gott und dem Volke, dem er mich dienen läßt." Im ... Hinblick auf die Sowjetunion äußerte er: "Allein, wir wollen niemals Religions- und Glaubenslosigkeit und wünschen nicht, daß unsere Kirchen Klubhäuser und Kinotops werden." Albert Speer berichtet in seinem Buch "Erinnerungen" S. 109: "Selbst nach 1942 noch betonte Hitler in einem Obersalzberger Teegespräch, daß er die Kirche im Staatsleben für unbedingt nötig halte... Dabei verurteilte er den Kampf gegen die Kirche in scharfer Weise als ein Verbrechen an der Zukunft des Volkes, denn es sei unmöglich, durch eine Partei-Ideologie die Kirche zu ersetzen ... Eine neue Parteireligion würde nur einen Rückfall in den Mystizismus des Mittelalters bringen. Das zeige der SS-Mythos und Rosenbergs unlesbarer "Mythos des Zwanzigsten Jahrhunderts". Als Hitler erfuhr, daß auf Betreiben der Partei und SS, die sich seinen Absichten widersetzten, viele aus der Kirche ausgetreten sind, befahl er, daß seine wichtigsten Mitarbeiter weiter der Kirche anzugehören hätten. ... fest steht jedenfalls, daß es nicht Franzosen oder Polen, sondern Hitler, sein Nationalsozialismus und die Deutschen waren, die vor über vierzig Jahren die Bolschewisierung Europas und damit die vollkommene Ausrottung und Vernichtung des Christentums in Europa verhinderten. Zehntausenden Priestern und Bischöfen wurde so das Leben gerettet! ... Auch die Bolschewisierung Spaniens verhinderte Hitler durch sein Eingreifen in den Bürgerkrieg, bei dem Tausende Priester und Bischöfe von Kommunisten schrecklich gemordet und teilweise sogar gekreuzigt wurden. Diese Tatsachen werden vollkommen ignoriert. 1971 hat der bayerische evangelische Landesbischof Dietzfelbinger geäußert: ,Wenn nicht alles täuscht, so stehen wir heute in einem Glaubenskampf, dem gegenüber der Kirchenkampf des Dritten Reiches ein Vorhutsgefecht war.'" Soweit die polemische Flugschrift Josef Koflers. Wir rufen alle Leser auf, falsche Behauptungen zu widerlegen. Das wollen auch wir tun und verarbeiten fortlaufend das uns verfügbare Material. In einer wissenschaftlichen Diskussion haben Pauschalvorwürfe und -behauptungen keine Berechtigungen. Lügen müssen Punkt für Punkt widerlegt werden, damit auch der Lügner die Wahrheit erkennt und umkehrt und seine Seele rettet. Ein Professor der Universität München sagte vor Jahrzehnten, es sei falsch, Extremisten auszugrenzen; dadurch triebe man sie nur in den Untergrund, und ihr Gedankengut würde erst recht virulent. Deshalb versuchen wir eine "Extremisten-Mission" neuer Art. Für die ganze, die totale Wahrheit!

Hitler nie aus der Kirche ausgetreten. Aus der rechten Ecke hört man, "daß Hitler selbst bis zum bitteren Ende treu zur Kirche geblieben ist, daß er nie aus der Kirche ausgetreten ist und die Kirchensteuer eingeführt hat, die heute noch gilt. Aber überhaupt, daß er das christliche Abendland vor dem atheistischen Feind im Osten gerettet hat". Stimmt daß, daß Hitler bis zuletzt Katholik war? Praktizierender Katholik? Wir bitten um Nachricht.

Katholische Jugend: Abzeichenverbot: Münchner Polizeidirektion verbietet am 23.4.1934 das Tragen von Abzeichen an der Kleidung der katholischen Jugend.

Katholische Kirche. Kardinal Faulhaber läßt für Hitler beten

Katholische Kirche Quelle für jede Form von Antisemitismus, sagen Juden. Der Abgeordnete Josef Lapid von der säkularen Schinui-Partei und Holocaust-Überlebender sagte: "Die Quelle für jede Form von Antisemitismus in der Geschichte war die katholische Kirche, beginnend in der Frühzeit über die Kreuzzüge, die Inquisition und bis hin zum Schweigen von Papst Pius XII. während des Holocaust." Ebenso der jüdische Vatikan-Experte Izchak Minervi: "Man weigert sich, einfach anzuerkennen, daß die 2000 Jahre herrschende offizielle Doktrin der Kirche auch eine der Wurzeln des nationalsozialistischen Antisemitismus bildete." Die Zeitung "Maariv" schrieb: "Die historische offene Rechnung zwischen den Juden und der katholischen Kirche wurde mit der päpstlichen Entschuldigung nicht beglichen." (D 15.3.2000, S. 9)

Katholische Kirche rettete Hunderttausende Juden. "Die katholische Kirche ermöglichte unter dem Pontifikat von Pius XII. die Rettung von mindestens 700.000, wahrscheinlich sogar von 860.000 Juden vor dem gewissen Tod von den Händen des Nationalsozialismus... Diese Zahlen übersteigen bei weitem die der von allen anderen Kirchen, religiösen Einrichtungen und Hilfsorganisationen angenommenen. Überdies stehen sie in auffallendem Kontrast zu dem unverzeihlichen Zögern und heuchlerischen Lippendienst von Organisationen außerhalb von Hitlers Einfluß, die zweifellos über weit größere Möglichkeiten verfügten, Juden zu retten, solange dazu noch Zeit war: das Internationale Rote Kreuz und die westlichen Demokratien." (Pinchas E. Lapide: "Rom und die Juden", 1967, zit. in "Die Welt, 17.6.1966 und "das Neue Groschenblatt" 6/1998)

Katholische Kirche verzichtete auf offene Konfrontation. "Zwar wandten sich während des NS-Regimes viele Geistliche in Predigten, Ansprachen oder Hirtenbriefen gegen die Nazi-Barbarei, doch die Amtskirche verzichtete lange Zeit auf eine offene Konfrontation mit Hitler." (Pressemeldung 24.6.1996 APA/AFP)

Kirchenkampf im Reichsgau Wartheland. Dort wirkte sich die NS-Kirchenpolitik während des Krieges am schärfsten aus. Der zuständige Reichsstatthalter Arthur Greiser bezeichnete dieses "jungfräuliche Aufbaugebiet" des deutschen Ostens als "rechtsfreien Raum", der zum ersten Mal die Möglichkeit biete, die Prinzipien der NS-Idee zu verwirklichen. Das Vorgehen im Warthegau war um so bemerkenswerter, weil es sich in gleicher Weise gegen die evangelische Kirche richtete, obwohl sie im Unterschied zur katholischen in diesem Raum die traditionelle Stütze des deutschen Volkstums geworden war, das nun gewaltsam ausgebreitet wurde." (Carl Schuster, Dolomiten 10.5.1985)

Kirchenkampf in Württemberg zwischen dem evangelischen Landesbischof Theophil Wurm und der NSDAP. Wurm war seit 1929 Kirchenpräsident. War bereit, mit dem neuen Staat loyal zusammenzuarbeiten. Als es 1933 darum ging, eine einheitliche Deutsche Evangelische Kirche zu bilden, an deren Spitze ein Reichsbischof stehen sollte, stimmte Wurm für den Vertrauensmann Hitlers, für Ludwig Müller. Die NSDAP versuchte 1934 vergeblich, die von ihm geleitete Landeskirche in die Reichskirche einzugliedern. Im Herbst wurde Wurm unter Hausarrest gestellt, ein Kommissar wurde eingesetzt, Oberkirchenräte, Prälate, Dekane und Pfarrer wurden suspendiert. Der allergrößte Teil der Kirchenglieder und der Pfarrer hielt jedoch zu Landesbischof Wurm und zeigte dies demonstrativ. Die Reichsregierung mußte deshalb die gegen Wurm verfügten Maßnahmen aufheben; er blieb Bischof seiner Kirche. Trotz den Versprechungen, die kirchliche Betreuung der Jugend auch nach der Eingliederung der evangelischen Jugendorganisationen in die Hitlerjugend zu ermöglichen, wurde die Jugend der Kirche planmäßig entfremdet; trotz den Versprechungen, in der Schule den Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach zu erhalten, wurde dieser zunehmend zugunsten eines nationalsozialistischen Weltanschauungsunterrichts zurückgedrängt; Schikanen und kleinliche Beanstandungen waren an der Tagesordnung. Da Wurm nicht gegen die Außenpolitik des Reiches (Anschluß Österreichs, friedliche Lösung der Sudetenkrise) protestierte und sich bei den übrigen Vorkommnisen (Kristallnacht im November 1938) zurückhielt, kam es innerhalb der Landeskirche zu schweren Auseinandersetzungen. Einem Teil der Pfarrer schien die Haltung Wurms als Verrat an der Kirche; sie forderten eine klare, dem Barmer Bekenntnis (Ende Mai 1934 war diese in Münster von der Bekennenden Kirche proklamiert worden) entsprechende Ablehnung des Dritten Reiches und seiner Politik. 2. Weltkrieg: neue Schikanen, Seminare wurden der Landeskirche genommen, Staatsleistungen gekürzt, Verkündigungsmöglichkeiten beschnitten, kirchliche Presse eingestellt. Dann begann das Morden an Alten, Kranken und Juden. Nach einer Krankheit im Jahre 1941 entschloß sich Wurm, gegen dieses mannigfache Unrecht in Schreiben an Staats-und Parteistellen ohne Rücksicht auf irgendwelche Folgen zu protestieren. Als es ihm verboten wurde, sich weiter für die Unterdrückten und Entrechteten einzusetzen, blieb ihm nur der Weg, in Hirtenbriefen Trost und Wegweisung für die letzte Kriegszeit zu geben. Abschluß des Kirchenkampfes 1945: das sogenannte Stuttgarter Schuldbekenntnis. (Gerhard Schäfer in der Stuttgarter Zeitung 19.7.1972)

Konkordat. Der Vatikan schloß "am 20. Juli 1933 mit den Nazis das umstrittene Reichskonkordat ab, worauf die Kirche von offener Kritik am NS-Regime abließ. In dem Reichskonkordat von 1933 sicherte Hitler den Katholiken formal so weitreichende Rechte zu, wie sie kaum eine andere Regierung zuvor zugelassen hatte. So billigte die Vereinbarung den Katholiken nicht nur die Freiheit zur Ausübung ihrer Religion und Veröffentlichung innerkirchlicher Belange zu, sondern räumte auch den kulturellen und karitativen Einrichtungen den ausdrücklichen Schutz des Staates ein." (Pressemeldung 24.6.996 APA/AFP)

Protest gegen Klosteraufhebung endet in Hinrichtung.
Der Märtyrer-Priester Msgr. Dr. Karl Lampert
aus Göfis bei Feldkirch (Vorarlberg) wurde am 13. November 1944 in Halle an der Saale, wie es auf einer Gedenktafel heißt, als „schuldloses Opfer einer schuldbeladenen Zeit“ hingerichtet. Er war seinerzeit als Nachfolger von Ämilian Schöpfer „zum Leiter der bekannten katholischen Verlagsanstalt Tyrolia in Innsbruck bestellt worden“, die er bis zum Anschluß Österreichs im Jahre 1938 führte. In diesem Jahre setzte er sich dann in den Augen der neuen Machthaber gewaltig in die Nesseln, indem er vehement gegen die Aufhebung des Klosters „Zur ewigen Anbetung“ in Innsbruck Stellung bezog und die Schwestern aufforderte, das Kloster niemals freiwillig, sondern nur unter Gewalt“, „welche dann von den Gestapo-Beamten auch angewendet wurde“, zu verlassen. In diesem Zusammenhang wurde Lampert verhaftet, womit für ihn ein ungemein dorniger Leidensweg begann, der über Stettin und Dachau zur Hinrichtung in Halle führte. (Dolomiten 14.12.1998 eljoka)

Literatur: Priester unter Hitlers Terror, 3. Auflage 1998. - Bernhard Höpfl: Katholische Laien im nationalsozialistischen Bayern. Verweigerung und Widerstand zwischen 1933 und 1945, Dissertation, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn, 1979, 359 Seiten, 48 DM

Nationalsozialismus als politische Religion. SS-Offiziere mit Heiligenschein oder als Engel mit Flugzeugflügel zierten die Wände des sogenannten Führerbunkers in Berlin, dem letzten Unterschlupf Adolf Hitlers. ... der Direktor des Jüdischen Museums in Wien, Julius H. Schoeps (erklärte), ... daß es sich beim Nationalsozialismus um eine "politische Religion" gehandelt haben könnte. Hitler habe sich selbst etwa in seinem Werk "Mein Kampf" als der "Erlöser" bezeichnet. In einem Theaterstück aus seiner Jugendzeit, das den Namen "Michael" trägt, habe er sich die Figur des Christus zugeschrieben. In einigen Aussagen vermuten Wissenschafter auch, daß er die Ermordung der Juden als sakrale und notwendige Tat zur Rettung der Welt vor der "jüdischen Weltherrschaft" sah, so Schoeps. Untersuchungen hätten auch gezeigt, daß die nationalsozialistische Architektur große strukturelle Ähnlichkeiten mit Tempeln aufweise. Der Münchner Verleger Ernst Piper wird (bei dem Symposium in Wien) über den NSDAP-Chefideologen Alfred Rosenberg und den von ihm propagierten "Seelenkrieg" referieren. ("Dolomiten" 18.5.1995 APA Wien) Einen Grund für den Erfolg der "Bewegung" sieht die Historikerin Sabine Behrenbeck in der Befriedigung religiöser Bedürfnisse ("Der Kult um die toten Helden", SH-Verlag Vierow, 688 Seiten, 98 DM).

Orden müssen vernichtet werden. "Die Orden sind der militante Arm der katholischen Kirche. Sie müssen ... vernichtet werden." (Geheimanweisung des SD 1938)

Papst Pius XII. In der katholischen Tageszeitung "Avvenire" (7.9.1999) wandte sich der Kirchenhistoriker Pierre Blet scharf gegen das Buch von John Cornwell "Hitlers Pope" (Hitlers Papst). Cornwells Kritik am Papst sei einseitig und lasse weg, was für diesen spreche. So habe sich das Kirchenoberhaupt mehrfach für verfolgte Juden eingesetzt. Cornwell behauptet, daß Pacelli Hitler geholfen habe, die Macht zu ergreifen. Er habe sich als Vatikandiplomat antisemitisch und antikommunistisch verhalten. "Die Katholische Kirche hatte der Politik des Nationalsozialismus den Segen erteilt", behauptet Cornwell. (Corriere della Sera, 7.9.1999, Alessandra Farkas)

Papstprotest. Der Papst protestierte 1936: "Aus dieser Quelle - Rosenbergs "Mythos des 20. Jahrhunderts" - träufelt Tag für Tag das Gift der Verhetzung und Verächtlichmachung der Kirche." (Pressemeldung) - Papst Pius XI. beauftragte den amerikanischen Jesuiten John la Frage im Juni 1938, einen Entwurf für eine Enzyklika gegen den Antisemitismus der Nationalsozialisten zu verfassen. Die katholische Zeitschrift "National Catholic Reporter" berichtete, das im Jesuitenseminar von Woodstock (N.Y.) entdeckte Manuskript sei wahrscheinlich nie in die Hände des Papstes gelangt, weil es der damalige Jesuitengeneral Ledochowski aus politischen Gründen (Antikommunismus) zurückgehalten habe. (Südwestpresse 14.12.1972)

Parteiprogramm der NSDAP: Punkt 24. "Wir fordern die Freiheit aller religiösen Bekenntnisse im Staat, soweit sie nicht dessen Bestand gefährden oder gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen. Die Partei als solche vertritt den Standpunkt eines positiven Christentums, ohne sich konfessionell an ein bestimmtes Bekenntnis zu binden. Sie bekämpft den jüdisch-materialistischen Geist in und außer uns und ist überzeugt, daß eine dauernde Genesung unseres Volkes nur erfolgen kann von innen heraus auf der Grundlage: Gemeinnutz vor Eigennutz."(1943) Ideologe Alfred Rosenberg erläutert diesen Punkt, wobei er seine antichristliche Grundeinstellung verrät: "Wir wissen heute, daß weder Sitten noch Religionen der Rassen und Völker sich auf einen Nenner bringen lassen, daß das "Menschentum" nur ein vielleicht lockendes, schönes Phantasiegebilde ist, wie wir es uns denken; daß aber das, was wir gut nennen, den anderen als böse gilt, was wir mit Gott bezeichnen, dem andern als der Teufel erscheint. ... Sittlichkeit ist durchaus rassisch bedingt und nicht abstrakt katholisch, protestantisch, moslemisch. Deutsche Sitte ist germanisches Lebensgefühl, dem sich das Christentum angeglichen hat." (Das Parteiprogramm - Wesen, Grundsätze und Ziele der NSDAP. Herausgegeben und erläutert von Alfred Rosenberg. Zentralverlag der NSDAP., Franz Eher Nachf. München, 27. Auflage 1171. - 1270. Tausend 1943, S. 57ff.)

ETIKA-Kommentar: Jedem Menschen sagt sein Gewissen, was gut und böse ist. Es ist ihm von Gottes Heiligem Geist eingegeben. Weiße und Schwarze, Rote und Gelbe und Braune wissen, daß es gut ist, barmherzig und gerecht zu sein, daß es gut ist, wenn eine Mutter ihr Kind liebt und wenn der Vater für seine Familie sorgt und sie schützt, daß es aber böse ist, die Gebote Gottes zu übertreten, zu morden, Ehebruch zu begehen usw. Das geht zum Beispiel schon aus den Märchen hervor, die in jedem Volk überliefert werden. Wer dies bestreitet, stiftet bewußt Verwirrung, erklärt andere Völker zu "Untervölkern". Was Rosenberg schreibt, ist eine Verzerrung, eine Anmaßung sondergleichen. Wie kann es da noch jemanden geben, der behauptet, Nationalsozialismus und Christentum seien vereinbar? Von Gott ist im Parteiprogramm und bei Rosenbergs Erläuterungen ansonsten überhaupt nicht die Rede. Unser Schöpfer und allmächtiger Herr wird sich bei dem Chefideologen noch eigens dafür bedanken, daß er ihn dermaßen relativiert und ins Lächerliche gezogen hat, weil er angeblich den einen als Gott, den andern als Teufel erscheine. Einen solchen Unsinn kann nur ein Mensch schreiben, der den Glauben, den er als Kind einst besessen hat, restlos verloren hat und selbst zum "Untermenschen" geworden ist, einem gottlosen Werkzeug der Mächte der Unterwelt.

Umkehr in Brixen. In der Herz-Jesu-Kapelle des Brixner Krankenhauses sind allein im Jahr 1946 vier ehemalige bedeutende Nazis wieder in die katholische Kirche eingetreten und haben "der Irrlehre des Nationalsozialismus widersagt", wie es in der Hauschronik der Kreuzschwestern heißt. Zwei weitere Nazigrößen, die an einem anderen Ort sich wieder zur katholischen Kirche bekannt hatten, sind in der Kapelle des Krankenhauses am 24. Juni 1946 von Fürstbischof Geisler gefirmt worden. J. W. brachte es später zum Bürgermeister in Nordtirol. Fritz Jüptner wurde von Hauskaplan Pater Viktor am 14. Dezember 1946 wieder zum Katholiken gemacht, in der Folge in einer Hütte am Ploseberg versteckt und dann nach Argentinien verschickt. An einem Bahnübergang, den er mit dem Fahrrad überqueren wollte, wurde er von einem Zug überfahren. G.A. widersagte gemeinsam mit dem Bahnhofsvorstand L. R. am 29.3.1946 der Irrlehre des Nationalsozialismus. (Dolomiten, 14.5.1994)

Verstorbene meldet sich aus dem Jenseits. Der von Anton Ruhland, Altötting, gedruckten und verlegten Kleinschrift "Der Himmel schweigt nicht mehr" entnehmen wir nachstehende angebliche Mitteilung der verstorbenen Anneliese Michel, weil sie gut paßt: Hitler. Sein wahnsinniger Stolz und Hochmut wollte ein tausendjähriges Reich errichten. Wohin hat dieser Wahn geführt? In die Vernichtung. Millionen verloren Hab und Gut. Millionen starben durch Gewalt und Terror. Zum Schluß machte er seinem Leben selbst ein Ende. Das war der Erfolg eures Führers, von dem ihr euer Heil erwartetet. Wieviele rufen heute noch nach ihm! Was er vernichten wollte, ist zum Leben erwacht: der Kommunismus, der Bolschewismus. O deutsches Volk, begreife doch, daß euch nur Rettung und Heil kommen kann durch die Rückkehr zu Gott und seinen Geboten...

Weihestunde. Ferdinand von Marsoner aus Ulten mußte als Südtiroler in der bayerischen Ostmark an einer nationalsozialistischen Weihestunde mit einem Referenten namens Dr. Hagen aus Berlin teilnehmen. Dort fiel der Satz: "Wir haben das Christentum überwunden." von Marsoner erklärte, daß er als katholischer Christ mit dieser Auffassung nicht einverstanden sei. Er verwies auf "Mein Kampf" und das NSDAP-Parteiprogramm, wo von einem "positiven Christentum" die Rede sei. Seine Meinung wurde ihm aber nicht nachgetragen, und er erhielt deswegen keinen Vermerk im Zeugnis."Alles ist nicht so, wie sie heute sagen", sagte von Marsoner in der Sendung "Erlebte Geschichte" von Heinz Degle (RAI-Sender Bozen, 22.6.1998, 9.47 h).

Zeitungsverbote. Das Innenministerium Oldenburg verbot im Juni 1934 religiöse Zeitungsbeilagen. - 1941 "mußten rund 190 katholische Zeitschriften ihr Erscheinen einstellen, wobei Kriegsnotwendigkeit vorgetäuscht wurde." (Carl Schuster, Dolomiten 10.5.1985). -