ETIKA

NS: DIE GANZE WAHRHEIT

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19.5.2001

49NS1D

Abschied vom (Thema) Nationalsozialismus:
War Hitler katholisch? 

Nach zehnjähriger Sperre wieder veröffentlicht am 3.12.2011

A Schleier und Selbstbelügung

B Das Böse lähmt uns - Nicht ablenken von heute und unserer eigenen Schuld

C Ideale statt Scheinwelt – Empor zu Gott

D
War Hitler katholisch?

Extrem dürftig ist das Material über Hitlers Verhältnis zu Gott. Es wird behauptet, Hitler sei bis zuletzt praktizierender Katholik gewesen, was wir bezweifeln. P. G. schrieb uns: „Man sollte nicht vergessen, dass Hitler selbst bis zum bitteren Ende der Kirche treu geblieben ist, dass er nie aus der Kirche ausgetreten ist, dass er die Kirchensteuer eingeführt hat, die heute noch erhoben wird. Aber überhaupt, dass er das christliche Abendland vor dem atheistischen Feind aus dem Osten gerettet hat.“ Zunächst suchen wir nach Hinweisen in dem Buch des früheren Kriegsberichterstatters und Schriftleiters der Deutschen Wochen-Zeitung, Erich Kern(mayr): Adolf Hitler und seine Bewegung, Verlag Schütz Göttingen, 1970.

Die Legende, Hitler habe beim Schulabgang in Linz nach dem Empfang der heiligen Kommunion die Hostie ausgespuckt und in die Tasche gesteckt, hält Kernmayr für falsch aufgrund eines Dementis von Hitlers Rechtsanwalt Lorenz vor dem Volksgericht München am 5. 12. 1923. Der Anwalt hatte dabei erklärt: „Herr Hitler ist heute noch überzeugter Katholik.“ (S. 18)

Wie verhielt er sich zum Glauben an die germanischen Götter, der noch heute herumspukt? Der Historiker Georg Franz schrieb: „Hitler war nicht nur ein entschlossener Gegner eichenumrauschter und wotansgläubiger Geheimbündelei...“ (S. 80)

Kernmayr bestätigt auf den Seiten 361 und folgende: Hitler „war auch dem im nationalen Lager grassierenden Hang zur Mystik nicht erlegen, der in seiner Umgebung wiederholt um sich gegriffen hatte. Er schätzte auch diese Mitarbeiter, ohne ihnen in die nebulösen Gefilde ihrer übersinnlichen Träume, sei es auf christlicher oder germanisch-heidnischer Basis, zu folgen. Hitler hatte sich nicht ins Mystische geflüchtet, er war mit beiden Füßen auf dem Boden seines christlichen Jahrhunderts geblieben. Daher wurde Alfred Rosenbergs „Mythos des 20. Jahrhunderts“ nicht das Prädikat eines parteiamtlichen Werkes verliehen.“

Trotzdem war er, so Kernmayr, kein Atheist geworden und hatte sich seinen Gottesglauben bewahrt. Dies unterstreicht er mit Zitaten aus der von Henry Picker herausgegebenen Sammlung „Hitlers Tischgespräche“ (Stuttgart 1965):

„In seinem Kopf, beherrscht von Gedanken, die so stark auf die Naturwissenschaft  ausgerichtet waren, scheint für religiöse Überzeugungen kein Platz zu sein, und da Hitler sich so deutlich von den Kirchen abwandte, ja sie offen bekämpfte, liegt der Schluß nahe, dass er geradezu irreligiös gewesen sei. Dies wäre jedoch ein Fehlschluß. Prof. Dr. v. Hasselbach bezeichnet ihn als einen ,religiösen oder wenigstens nach religiöser Klarheit ringenden Menschen´.

Im Gegensatz zu Männern wie etwa dem grobschlächtigen Martin Bormann sah er in den Veranstaltungen der Partei keinen Ersatz für die Kirche und lehnte es ab, wie Lenin nach seinem Tode vergöttert zu werden. ,In stundenlangen Gesprächen erörterte er die Möglichkeiten, den konfessionellen Zwiespalt im deutschen Volke zu überbrücken und ihm zu einer Religion zu verhelfen, die seiner Art und dem Weltbild des heutigen Menschen entsprechen könnte.´  Hitler wollte jedoch nicht selbst der Reformator sein, hielt vielmehr Ausschau nach geeigneten Vorschlägen. Solche, die in seinem Sinne brauchbar waren, gingen ihm jedoch nicht zu, und über die ,Gottgläubigen´, die zur Förderung auch auf ihn rechneten, äußerte er sich im engen Kreise kritisch.

Für Jesus als Erlöser war in Hitlers Vorstellungswelt natürlich kein Raum, aber seine menschliche Größe erkannte er an. ,In Christus sah Hitler einen einzigartigen Menschen, dessen Wirken in den folgenden Jahrhunderten im Interesse der Kirche in wesentlichen Punkten dogmatisch umgedeutet und so entstellt überliefert worden sei. Als Galiläer sei Christus arischer Abstammung gewesen, und abgesehen von seinen ethischen Werten sei er als genialer Volksführer im Kampf gegen die Macht und die Übergriffe der demoralisierten Pharisäer zu bewundern

(Anmerkungen von etika.com: 1. Wenn wir uns nicht irren, zitierte hier Picker den Prof. v. Hasselbach. 2. Der Behauptung bezüglich der Galiläer widerspricht Paulus in seinem Brief an die Römer 9,5: „... von ihnen (den Israeliten) stammt dem Fleisch nach der Christus...  In diesem Zusammenhang stellte Paulus auch klar:  6 ... nicht alle, die von Israel abstammen, sind Israel. 8. Nicht die Kinder des Fleisches sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden als Same gerechnet. Kommentar von etika.com: Also bestätigt der Apostel, dass wir Christen allein das Volk Israel sind, zu denen dann die bekehrten Juden stoßen werden.) 

Von Hitler selbst stammen folgende Sätze, die er am 27. Juni 1937 in Würzburg sprach:

„Wir deutsche Nationalsozialisten glauben auf dieser Erde außer an unseren Herrgott im Himmel zunächst an unser deutsches Volk. Wir handeln gehorsam dem Willen des Allmächtigen. So schwach der einzelne Mensch in seinem ganzen Wesen und Handeln am Ende doch ist gegenüber der allmächtigen Vorsehung und ihrem willen, so unermesslich stark wird er in dem Augenblick, in dem er im Sinne der Vorsehung handelt! Dann strömt auf ihn jene Kraft hernieder, die alle großen Erscheinungen der Welt ausgezeichnet hat. Und wenn ich auf die fünf Jahre, die hinter uns liegen, zurückblicke, dann darf ich doch sagen, das ist nicht Menschenwerk allein gewesen. Wenn uns nicht die Vorsehung geleitet hätte, würde ich diese schwindelnden Wege oft nicht gefunden haben... So sind wir Nationalsozialisten auch im tiefsten Herzen gläubig.“ (zit. von Friedrich Heer: Der Glaube des Adolf Hitler, Esslingen 1968, S. 245)

Große Vorbehalte hatte Hitler gegenüber den Kirchen, obwohl er mit dem Vatikan das historische Konkordat abschloß, das den Katholiken bedeutende Vorteile brachte. Seitdem leben die katholische wie auch die evangelische Kirche in Deutschland von den Steuergeldern der Staatsbürger, eine historische Maßnahme, welche weder die Kirchen noch die demokratischen Politiker rückgängig machen wollen.   Kernmayr bringt zwei Details (S. 363): Die christlichen Würdenträger, die sich mit ihm verbündeten, wie etwa Abt Albanus Schachleitner, der später ein Staatsbegräbnis bekam, wurden von ihm hoch geehrt. Trotzdem hielt er sich vom Einfluß der Kirchen frei und sorgte auch dafür, dass die NSDAP dies so hielt. Denn „die Freundschaft der Kirche kommt einem teuer zu stehen. Denn habe ich Erfolg, so muß ich mir nachher sagen lassen: Durch den Segen der Kirche hast du es erreicht! Da mache ich die Sache schon lieber ohne Segen, und es wird mir keine Rechnung vorgelegt.“   (Henry Picker, Hitlers Tischgespräche, S. 150)

Hitler selbst soll sich in seinem Buch „Mein Kampf“ als Erlöser bezeichnet haben, behauptete der Direktor des Jüdischen Museums in Wien, Julis H. Schoeps. Es gebe unter Forschern den Ansatz, dass es sich beim Nationalsozialismus um eine politische Religion gehandelt haben könnte. Hitlers ganzes Herrschen soll von der Idee durchsetzt gewesen sein, „als Messias das deutsche Volk zu befreien“. (Dolomiten 18.5.1995 APA). Leider können wir dies nicht nachprüfen, da das Buch verboten ist.

Einem Flugblatt ohne Impressum (abgestempelt mit „Josef Kofler“, vermutlich Zitate aus dem Buch Kofler, Josef A.: Die falsche Rolle mit Deutschland, 10. verbesserte Auflage 1997, 104 Seiten), entnehmen wir folgende Passagen:

Hitler war zwar nicht christlich gesinnt, aber er glaubte an Gott. Bei vielen seiner Reden berief er sich vor aller Weltöffentlichkeit auf den Allmächtigen, auf die Vorsehung, auf Gott. In seiner großen Rede und Friedensmahnung an die Welt am 21. Mai 1935 sagte Adolf Hitler, er möchte sein Handeln „in Übereinstimmung bringen mit seinem Gewissen gegenüber meinem Gott und dem Volke, dem er mich dienen lässt“. Im Hinblick auf die Sowjetunion äußerte er: „Allein, wir wollen niemals Religions- und Glaubenslosigkeit und wünschen nicht, dass unsere Kirchen Klubhäuser und Kinotops werden.“

Albert Speer berichtet in seinem Buch „Erinnerungen“ (S. 109): „Selbst nach 1942 noch betonte Hitler in einem Obersalzberger Teegespräch, dass er die Kirche im Staatsleben für unbedingt notwendig halte... Dabei verurteilte er den Kampf gegen die Kirche in scharfer Weise als ein Verbrechen an der Zukunft des Volkes, denn es sei unmöglich, durch eine Partei-Ideologie die Kirche zu ersetzen... Eine neue Parteireligion würde nur einen Rückfall in den Mystizismus des Mittelalters bringen. Das zeige der SS-Mythos und Rosenbergs unlesbarer ,Mythos des Zwanzigsten Jahrhunderts´.“

Als Hitler erfuhr, dass auf Betreiben der Partei und SS, die sich seinen Absichten widersetzten, viele aus der Kirche ausgetreten sind, befahl er, dass seine wichtigsten Mitarbeiter weiter der Kirche anzugehören hätten. ...

Wie dem auch sei, fest steht jedenfalls, dass es nicht Franzosen oder Polen, sondern Hitler ... und die Deutschen waren, die vor über vierzig Jahren die Bolschewisierung Europas und damit die vollkommende Ausrottung und Vernichtung des Christentums in Europa verhinderten. Zehntausenden Priestern und Bischöfen wurde so das Leben gerettet! ... Auch die Bolschewisierung Spaniens verhinderte Hitler durch sein Eingreifen in den Bürgerkrieg, bei dem Tausende Priester und Bischöfe von Kommunisten schrecklich ermordet und teilweise sogar gekreuzigt wurden. Diese Tatsachen werden vollkommen ignoriert. Dafür gibt es keine Gedenktage, jedoch endlose Verurteilung und Verachtung!“

1971 hat der bayerische, evangelische Landesbischof Dietzfelbinger geäußert: „Wenn nicht alles täuscht, so stehen wir heute in einem Glaubenskampf, dem gegenüber der Kirchenkampf des Dritten Reiches ein Vorhutsgefecht war.“ (DAZ, Datum unleserlich, vermutlich: 31.12.76) (Soweit Kofler)

In der Brust des streitbaren Bischofs Dr. Alois Hudal, einem Steiermärker Grenzlanddeutschen, kämpften offensichtlich der Kleriker mit dem nationalbewussten Deutschen, schreibt Erich Kern zu dem Buch von Alois C. Hudal: Römische Tagebücher, Leopold Stocker Verlag Graz (DWZ 10.9.1976).  Hudal suchte in den dreißiger Jahren geistigen Kontakt mit dem Nationalsozialismus, in der Hoffnung, diese Volksbewegung christlich umformen zu können. Er „griff nach den Grundsäulen des Nationalsozialismus. Er forderte den Verzicht auf die Rassentheorie und die Überantwortung der Jugenderziehung an die Konfessionen.“ In seinen Memoiren bekennt Hudal seinen Irrtum, der übrigens wie der Wiener Kardinal Innitzer (dieser hatte 1938 die österreichischen Katholiken aufgerufen, für den Anschluß an das Dritte Reich zu stimmen) bei Papst Pius XI. auf schroffe Ablehnung und den im Vatikan einflussreichen Patres Leiber und Muckermann auf Feindschaft stieß. Hudal:

„Wenn ich mich in dieser Hoffnung geirrt und zuviel vom NS erwartet hatte, dann geschah es aus dem Glauben nach der Tatsache des Reichskonkordats, mit dieser Bewegung wenigstens auf eine allgemeine christliche Linie über das streng Konfessionelle hinauszugelangen. Ich übersah, dass nicht bloß Rosenberg das an sich elastische Parteiprogramm vergiftete, sondern dass Hitler selbst nichts anderes war als der Fortsetzer der österreichischen Schönerer-Bewegung, die etwas vom Dümmsten war, was die neunziger Jahre der alten Habsburgermonarchie hervorgebracht haben. (Seite 112f.)“

Wir sind im Moment überfragt, wer Schönerer war, erinnern uns aber dunkel an irgendetwas Rassistisches. Jedenfalls verschweigt Erich Kern(mayr) nicht, daß es einen „Kirchenkampf im Dritten Reich“ gegeben hat.

Hitler selbst behauptete am 30. 1. 1939, der nationalsozialistische Staat habe keine Kirche geschlossen und nie versucht, Einfluß auf die Liturgie und den Glauben zu nehmen. Er habe der katholischen und evangelischen Kirche, den größten Grundbesitzern Deutschlands, große Summen zur Verfügung gestellt: 1933 130 Millionen Reichsmark, 1934 170 Millionen Reichsmark, 1935 250 Millionen Reichsmark, 1936 320 Millionen Reichsmark, 1937 400 Millionen, 1938 500 Millionen Mark. Außerdem hätten die Kirchen, die selbst an den Staat keine Steuern errichten müssten, jährlich 85 Millionen Mark von den einzelnen Ländern und sieben Millionen Reichsmark von den Gemeinden erhalten. Hitler erklärte, er sehe sich jedoch verpflichtet, gegen jene Maßnahmen zu ergreifen, die glaubten, den nationalsozialistischen Staat angreifen zu können. (J. A. y J. M. A.: Hitler y la Iglesia, La mentira del ateismo de Hitler, Barcelona, 1976, S. 23ff).

Man erfährt weiter, daß Hitler pünktlich die Steuer für die katholische Kirche bis zu seinem Tode zahlte und dass er während des Weltkrieges in seinem Tornister eine Volksausgabe des Buches von Schopenhauer „Die Welt als Wille und Darstellung (richtig aus dem Spanischen übersetzt?)“ sowie die Evangelien mit sich führte. (S. 11)

Der Beschreibung des Schicksals des frommen katholischen Hitlerjungen Bernhard Lehner (S. 37) werden wir, wenn Gott uns die Zeit gibt, eine ganz andere Darstellung gegenüberstellen, die kürzlich der Münchner Freundeskreis Maria Goretti veröffentlicht hat.

Die Autoren des spanischen Büchleins machen übrigens auf die Tatsache aufmerksam, dass fast alle nationalsozialistischen, faschistischen und falangistischen Führer Katholiken waren: Pavelic (Kroatien), Codreanu (Rumänien), Hitler (Deutschland), Mussolini (Italien), Degrelle (Belgien), Tiso (Slowakei), Pétain (Frankreich), Szalasy (Ungarn), Salazar (Portugal) sowie José Antonio Primo de Rivera, Franco, Onésimo Redondo und Ramiro Ledesma (Spanien). (S. 5)

Der Wahrheit recht nahe kommen dürften die von A. und A. auf S. 83 zitierten Aussagen des jüdischen Autors Guenter Lewy in seinem Buch „The Catholic Church and Nazi Germany (New York-Toronto 1964), in eigener Übersetzung:

„Die Bischöfe, viele Angehörige des niedrigen Klerus und ihre Pfarrkinder stimmten in vielen Zielen mit den Nazis überein. Sie begrüßten den Antikommunismus der Nationalsozialisten als ein Gegengewicht zu den liberalen, antiklerikalen und atheistischen Strömungen der Weimarer Republik.“

Lewy schreibt weiter, die Leute hätten auf einen starken Staat gehofft, der die drückenden sozialen und wirtschaftlichen Probleme lösen würde. Die Idee eines neuen Reiches, das eine Weltmacht sein würde, habe sie angezogen. Die Einführung des Führerprinzips würde auch zu einer Stärkung der Autorität der Kirche führen, glaubten sie.

Und damit sind wir bei den heutigen Zuständen angelangt. Schon jetzt wird den Leuten eingeredet: All die vielen Probleme auf allen Gebieten sind nur international, weltweit lösbar, es braucht – nachzulesen unter Newman, Solowjew und Benson - eine kompetente Weltregierung unter der weisen, gerechten Führung des – Antichrist!

Dankbar nehmen wir konkrete Hinweise aus dem Leserkreis zur Frage, ob Hitler katholisch war oder nicht, zur Kenntnis. 40@etika.com (temporäre E-Mail-Adresse, wird später gelöscht)

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