ETIKA

NATIONALSOZIALISMUS
DIE GANZE WAHRHEIT

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49NS43

Familienpolitik

22.12.1998
1.9.2012

"Das hat es unter Adolf nicht gegeben" ‒ Fassade und Wirklichkeit des "sauberen Reichs". Vorabdruck einiger Streiflichter aus dem Buch "Das saubere Reich" von Hans Peter Bleuel, Scherz Verlag Bern, 1972, in der Stuttgarter Zeitung vom 19.4.1971. Auszüge:

Zu den Schulmeistereien des Nationalsozialismus zählten Lehrsätze wie etwa: die deutsche Frau raucht nicht, trinkt nicht, schminkt sich nicht und verachtet modischen Schnickschnack. Einer dieser Moralapostel, Curt Rosten, buchstabierte 1933 das Abc des Nationalsozialismus und forderte darin artbewußt, deutsche Männer wollten deutsche Frauen haben und "nicht ein leichtfertiges Spielzeug, das oberflächlich nur auf Genuß sinnt, sich mit Tand und Flitter behängt und einer glitzernden Schale gleicht, deren Inneres hohl und öde ist". Er fand dafür sogar dichterische Worte:

… Die deutsche Frau ist …
Liebt sie, so blüht die Erde.
Die deutsche Frau ist Sonnenschein
Am heimatlichen Herde. …

In der frühen Kampfzeit der Partei war die Frage diskutiert worden, ob man Frauen mit den verpönten Bubiköpfen zu den Versammlungen zulassen sollte. Hitler entschied gegen die konservativen Opponenten: ja. Er hatte auch nichts gegen Lippenstift und Nagellack einzuwenden …

1942 belehrte Reichsleiter Rosenberg … seine Gesprächspartner im Führerhauptquartier über den Inbegriff weiblicher Kultur. Goebbels (… Wenn einer schon Rosenberg heißt! …) zog einen kulturkreisweiten Vergleich: "Die Europäerin, angemalt, aufgedonnert, gestikulierend, und die vornehme Inderin ohne falsche Farbe im Gesicht, schlicht, aber stilvoll gekleidet und in ihrer Haltung Inbegriff würdiger Selbstbeherrschung. Die Europäerin beim Tanzen hüpfend, bemüht, aufzufallen und Beifall zu haschen. Die Inderin, vor allem aber die Balinesin, beim Tanzen alle Bewegungen aus der Ruhe-Stand-Stellung ausführend, voller echter Inbrunst und daher Vollkommenheit."

… Mit vorrückenden Kriegsjahren und steigenden Menschenverlusten erreichte Himmlers germanisierender Familiensinn eine weitere Entwicklungsstufe: "Die heutige Form der Ehe ist ein satanisches Werk der katholischen Kirche, die Ehegesetze selbst sind unmoralisch."...

Im Mai 1943 vertraute Himmler seinem Masseur .. an, der Führer habe sich entschlossen, unmittelbar nach dem Krieg die Doppelehe einzuführen. Nicht allgemein, sondern als Auszeichnung für Kriegshelden: für Träger des Deutschen Kreuzes in Gold und des Ritterkreuzes, später dann auch des EK I und der Nahkampfspange....

Auch in der Reichsjugendführung wurde die Frage der "legalisierten Bigamie" … gelegentlich diskutiert. Männliche Amtsleiter, so berichtet die einstige BdM-Führerin Melitta Maschmann, machten sich zu Fürsprechern dieser SS-Vorstellungen zur Aufbesserung der rassischen Substanz. Die höheren BdM-Führerinnen lehnten sie entschieden ab. Sie betrachteten es auch nicht als ein Zeichen vorbildlicher Lebensführung, wenn eine BdM-Führerin ein uneheliches Kind erwartete, und meinten, sie müsse dann ihr Amt niederlegen. (Anmerkung: BdM = Bund deutscher Mädchen)

Im Verhältnis zum Homosexualitätsproblem erschien Himmler im Jahr 1937 die Dirnenfrage harmlos. ... ins KZ wanderten als Asoziale zwar die Zuhälter, nicht aber ihre Schützlinge... Zwei Erlässe des Reichsministeriums des Innern vom 9. September 1939 und 16. März 1940 verfügten im gesamten Reichsgebiet die Einrichtung von Bordellen unter ärztlicher Beaufsichtigung durch die Gesundheitsbehörden. …  Die Dirnen der Stuttgarter Klosterstraße... waren verpflichtet, nur mit Präservativen zu verkehren und die spermagefüllten Reagenzbeutel nach jedem Verkehr in einem besonderen Behälter aufzubewahren, der in bestimmten Abständen von einem Sonderbeauftragten des Forschungsinstitutes abgeholt wurde.

(Stuttgarter Zeitung, 19. April 1971, Seite 13, Buch im Gespräch)