ETIKA

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29.11.2003 – 1.9.2012

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Shraga Elam: „Man hätte noch viel mehr Juden retten können“

Interview, ursprüngliche Fassung, aus Platzgründen in den „Dolomiten“ gekürzt

 

Veröffentlicht in den „Dolomiten“, Bozen, Südtirol, Dienstag, 11. November 2003, Seite 3
Diese Fassung wurde im Internet erstmals publiziert von www.kalaschnikow.de , Berlin, 17.11.2003.
Nachstehende Version ist die ursprüngliche, ungekürzte:

 

5 Fragen an Shraga Elam
„Dolomiten“: Als Journalist und historischer Forscher rütteln Sie an Tabus und Klischees. Als Friedensaktivist setzen Sie sich für die Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern ein. Welches Echo haben Sie?

 

Shraga Elam: Das Echo ist sehr unterschiedlich. Für die einen bin ich ein rotes Tuch. Aber für mich sind Wahrheit und Gerechtigkeit und Frieden eine untrennbare Einheit; alle drei Begriffe sind im hebräischen Wort „Shalom“ enthalten. Es sind leider noch zu wenig Menschen, die einsehen, dass dieser Weg notwendig ist. Es braucht viel Mut und Kraft dazu.

 

Sie lehnen die vorherrschende Schwarz-Weiß-Malerei ab: „alle Deutschen bös“, „alle Juden gut“. Sie halten sogar die Einteilung in Täter, Opfer und Zuschauer für falsch. Was hat Sie zu dieser Einstellung gebracht?

 

Shraga Elam: Als ehemaliger israelischer Soldat fällt es mir aufgrund meiner eigenen Erfahrungen viel leichter, einen deutschen Soldaten zu verstehen als meine eigenen Großeltern, die von den Nazis umgebracht worden sind. Ich habe diese Gedanken 1987 mit den Begleitbildern zu meinem Artikel über israelische Identität zum Ausdruck gebracht: Da war links eine Straßensperre im Westjordanland abgebildet und rechts ein Foto vom Eingang (CHECK POINT) zum Warschauer Ghetto. Opfer und Täter sind Elemente, die in jeder Person vorhanden sind. Es ist nicht so, dass Opfer nur Opfer und Täter nur Täter sind. Seit 1987 befasse ich mich mit der Zusammenarbeit der zionistischen Bewegung mit den Nazis. Wenn ich die Geschichte studiere, sehe ich, dass auch die Opfer eine Verantwortung haben.

 

Welche Motive hatten die Juden, die mit den Nationalsozialisten zusammenarbeiteten?

 

Shraga Elam: Eine komplexe Frage. Man muss unterscheiden: Juden als Privatpersonen, die mit den Nazis kollaborierten als reine Überlebensstrategie. In diesen Fällen habe ich Mühe, das zu verurteilen, auch wenn es moralisch nicht edel war. Anders liegt es bei der zionistischen Führung, die politische Ziele verfolgte. Bei ihr lag die Rettung von Juden nicht an oberster Stelle. Wenn Rettungsversuche im Widerspruch zum Projekt der Errichtung eines Staates in Palästina standen, hatte sie keine Mühe damit, solche realistischen Aussichten in bestimmten Fällen zu sabotieren, und wenn finanzielle Vorteile da waren, auch mit den Nazis zu kooperieren. Dies zeigt z.B. die van-Harten-Geschichte. Freilich: Die Mitschuld entlastet die Nazis nicht. Die Kollaboration spiegelte die Machtverhältnisse wider: stark und schwach.

 

Was ist im Film neu gegenüber Ihrem Buch?

 

Shraga Elam: Mein Buch „Hitlers Fälscher“, das leider nur noch antiquarisch im Internet zu bekommen ist, beruht auf Archivmaterial. Zeugenaussagen bringen nun ganz wichtige neue Aspekte in die Geschichte hinein. Neu sind auch verschiedene Dokumente wie der Brief der israelischen Ministerpräsidenten Golda Meir, die es van Harten ermöglichte, sich in Israel eine Existenz aufzubauen.

 

Sie weisen nach, dass einflussreiche jüdische Kreise wie die „Jewish Agency“ die Massenvernichtung von Juden durch die SS in Kauf nahmen, um daraus Vorteile für den Aufbau des Staates Israel herauszuschlagen. Gibt es noch andere jüdische Historiker, die auf ähnliche Weise wie Sie die Geschichte aufarbeiten und auch eine gewisse jüdische Mitschuld aufzeigen?

 

Shraga Elam: Es gibt zahlreiche Forscher, die zum Teil noch weiter gehen. Ich nenne nur die Namen Lenni Brenner (ZIONISM AT THE AGE OF THE DICTATORS), S.B.  Beit Zvi (POST-UGANDAN ZIONISM IN THE CRISIS OF THE HOLOCAUST), Ben Hecht (PERFIDY) und den Rabbiner Michael Weissmandel („Min Hemetzar“). Als Schlussfolgerung aus dieser Literatur kann festgehalten werden: Wäre die zionistische Bewegung nicht gewesen, hätte man noch viel mehr Juden retten können.

Fragen: Rainer Lechner

 

 

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Fotos: Archiv Shraga Elam

 

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