ETIKA

Benedikt XVI.

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Rücktritt – Wovor hat Ratzinger Angst?

A – Z
23.2.2013

Rücktritt - Wovor hat Ratzinger Angst? Düstere Schatten über seinem Pontifikat

Am 11.2.2013 angekündigt für 28.2.2013, 20 h. Vom überraschenden Abschied gewusst haben anscheinend nur sein Bruder Georg und sein Sekretär Georg Gänswein. Sonst wäre die Sensation längst durchgesickert. Offiziell heißt es aus Gesundheitsgründen, was auch sein Bruder sowie alte Bekannte wie der Südtiroler Alexander von Egen vom Malteserorden bestätigen, der den Papst wieder am Samstag getroffen hat und der erschüttert war über den kranken Eindruck, den Ratzinger aus zwei Meter Entfernung auf ihn gemacht hat. Vincenzo Paglia, Chef der Gemeinschaft Sant´Egidio (wohl identisch mit dem Erzbischof von Terni und neuen Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Familie, einem vehementen Verteidiger der Rechte von Homosexuellen, gewiss von Ratzinger selbst ernannt), erzählte gar, dass der Papst bei einem Treffen mit ihm nicht bei sich gewesen sei und ihn nicht einmal erkannt habe („Ho avuto l´impressione che il Papa non fosse presente a se stesso, e a dire il vero nemmeno sapesse chi ero“ (Libero, 12.2.2013, Franco Bechis). Giulio Anselmi behauptet in der „Repubblica“: „… tutti sapevano che Benedetto XVI era malato.“ (Alle wussten, dass er krank war). (12.2.2013, S. 9)

 

Aber die italienischen Zeitungen wissen noch mehr über die wahren Hintergründe. Der „Libero“ titelt: „Gli intrighi vaticani fanno dimettere il Papa“. „Die vatikanischen Intrigen veranlassen den Papst zum Rücktritt.“
„la Repubblica bringt eine Übersicht: „Da Ratisbona alle pedofilia e Vatileaks, ecco tutte le spine di Benedetto XIV.
Scandali, polemiche e tradimenti hanno segnato il periodo del suo papato“. Hier Punkt für Punkt, wobei wir das Interessanteste an den Anfang setzen:

 

Der Journalist Gianlugi Nuzzi (von dem wir gerade sein Enthüllungsbuch „Vatikan AG, Goldmann Verlag München, 2011, verschlungen haben), berichtet in der Zeitung „Libero“, wie er vor ein paar Monaten dem Mailänder Bürgermeister Giuliano Pisapia begegnet war. Dieser erzählte ihm, wie er wenige Tage zuvor den Papst unter vier Augen getroffen hatte. „Mi sono rimasti impressi – mi disse – i suoi occhi. Occhi buoni e pieni di amore. Ma sono rimasto colpito dagli occhi sì perché Ratzinger è un uomo che ha paura.”  Pisapia: “Seine Augen haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Gute Augen und voll von Liebe. Aber der Anblick der Augen hat mir einen Stoß versetzt, denn Ratzinger ist ein Mensch, der Angst hat.“ Angst wovor, fragt Nuzzi, und ist der Ansicht, dass man dazu die Frage beantworten müsse, was Ratzinger mit seinem Staatssekretär Bertone verbinde. - Wir selbst verfolgen eine andere Fährte. Nachstehend locker aufgereiht ein paar der Ereignisse, die von den Journalisten angeführt werden.

 

·       Der Missbrauchsskandal überschattete das Pontifikat wie nichts anderes. Nie hat die römisch-katholische Kirche einen derartigen Vertrauensverlust in der ganzen Welt und besonders in den USA hinnehmen müssen. Hätte Benedikt XVI. gleich von Anfang an reinen Tisch gemacht und alle pädophilen Priester aus der Kirche ausgeschlossen, wäre der Schaden verhindert worden. Wir haben ihn oft dazu aufgefordert, zuletzt am Tag vor seinem Rücktritt mit dem Gedicht „Tolerieren oder isolieren“. Er hat nicht reagiert. Andrerseits halten wir ihm zugute, dass er offensichtlich die Entscheidung des neuen Erzbischofs von Los Angeles, José Gomez, seinen in den Pädophilie-Skandal verwickelten Vorgänger Roger Mahony (1985-2011) von allen öffentlichen Aufgaben fernzuhalten, gebilligt hat. Diese strenge Maßnahmen soll laut „Libero“ zu einem Aufstand der Kardinäle im Vatikan geführt haben „L´ultima goccia: la rivolta dei cardinali“, und Kardinal Sodano soll deswegen beim Kirchenoberhaupt vorstellig geworden sein. (Bericht von Franco Bechis im „Libero“ vom 12.2.2013) Laut New York Times hat Sodano 15 000 Dollar von Marcial Maciel Degollado erhalten, dem mexikanischen Gründer der Legionäre Christi, der des Missbrauchs beschuldigt wurde. (la Repubblica 19.2.2013, pag. 14, Marco Ansaldo) Massimo Franco schreibt in corriere.it, 12.2.2013, von einer ominösen „Geheimkultur“ in vatikanischen Kreisen: Rimane l'eco intermittente dello scandalo dei preti pedofili, che pure il pontefice ha affrontato a costo di scontrarsi con una cultura del segreto ancora diffusa negli ambienti vaticani.” Wir erinnern an die Bücher “El último Papa”, „Via col vento“ und dergleichen, die über skandalöse, ja satanistische Praktiken berichten. - Mons. Charles Scicluna, prelato maltese: „Benedetto XVI ci lascia un´eredità irremovibile che segna il futuro della chiesa.” (la Repubblica, 19.2.2013, pagina 14) Noch schärfer der rebellische Schweizer Theologe Hans Küng: Als Ratzinger Präfekt des ex-Sant´Ufficio war, so Küng, habe er die irischen Bischöfe nie getadelt. Und er habe nie zugestanden, dass er der Hauptverantwortliche für die Schweigetaktik gewesen sei. „Non si è mai pronunciato, né ha biasimato i vescovi irlandesi. E non si è mai presentato dicendo di essere il principale responsabile per quella riduzione al silenzio.” Er habe es vorgezogen, Bücher zu schreiben, statt die Kirche zu führen. (la Repubblica, 22.2.2013, pag. 16, Marco Ansaldo) Mit dem Amtsantritt von Benedikt XVI. habe sich wenig geändert, meinte der US-Opferanwalt Jeff Anderson im Gespräch mit Arturo Zampaglione von der “Repubblica”. Heimlichtuerei und Vernebelungen (“sotterfugi e insabbiamenti) gebe es nach wie vor. (22.2.2013)

 

·       Zwist mit der Kurie. Die Zeitungen stellen Meinungsverschiedenheiten mit Kardinalstaatssekretär Bertone, einem Salesianer, in den Vordergrund. Uns ist noch in guter Erinnerung, wie einträchtig beide das 3. Geheimnis von Fatima auf lächerliche Weise auslegten, nämlich bezüglich des Attentats auf Papst Wojtyla. Massimo Franco schreibt freilich im corriere.it, 12.2.2013, von einem verkrusteten Machtapparat, der nicht zu reformieren sei: “… un pontefice intellettuale sconfitto da un apparato ritenuto troppo incrostato di potere e autoreferenziale per essere riformato.” Auch der Fall Boffo spielt herein; der frühere Chefredakteur des “Avvenire” wird als Schützling von Kardinal Bagnasco bezeichnet, dem Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz  (“molto vicino al cardinal Bagnasco”, schreibt Nuzzi im “Libero”), während der unbekannte Informant Vittorio Feltris vom “Giornale” aus dem Bertone-Umkreis stammen könnte, meint der Bestsellerautor. Den Vatikan bezeichnet Nuzzi als “esercito diviso in fazioni l´una contro l´altra armata”, als ein Heer, in dem sich waffenklirrend verschiedene Parteien gegenüberstehen. Ähnlich Benedikt XVI. am 13.2.2013: “Bisogna riflettere su como il volto della Chiesa venga a volte deturpato (entstellt) da colpe contro l´unità della Chiesa e divisioni del corpo ecclesiale. Bisogna superare individualismi e rivalità.” (la Repubblica 14.2.2013)

 

·       Wikileaks. Kammerdiener (Maggiordomo) Paolo Gabriele gibt geheime Dokumente des Papstes an die Presse weiter und wird deswegen verurteilt.

 

·       Der schöne Georg, Prefetto della Casa Pontificia. Die „Repubblica“ erwähnt in ihrer Zusammenstellung auch, dass Papstsekretär Georg Gänswein, kürzlich zu Bischofsehren gekommen, auf der Titelseite von „Vanity Fair“ prangte mit der Erläuterung „Essere belli non è peccato.“ „Schön sein ist keine Sünde“. (12.2.2013, S. 7)

 

·       IOR-Bank: Milliarden-Betrügereien. Ausführlich in dem erwähnten Buch von Gianluigi Nuzzi. 2012 musste auch IOR-Präsident Ettore Gotti Tedeschi die Segel streichen. Nuzzi im „Libero“: „Un uomo di finanza pio e devoto a Ratzinger licenziato como una colf“ .Ein frommer Finanzmann, Ratzinger ergeben, entlassen wie ein Dienstmädchen.” Über das 1946 gegründete Institut für Religiöse Werke schreibt die „Repubblica“, dass sie bald eine „grande lavanderia di denaro sporco, di provenienza dubbia o addirittura criminale“ geworden sei. Besonders wundert sich Giulio Anselmi in dem römischen Blatt, dass Papst Ratzinger trotz seines Amtsverzichts und seines angekündigten Rückzugs in die Einsamkeit noch eine weitreichende Personalentscheidung getroffen hat: Er hat den aus schwäbischem Adel stammenden Anwalt Ernst von Freyberg (54), Mitglied des Malteserordens, Besitzer eines Schlosses in Allmendingen, in der Führung des Hamburger Konzerns Blohm & Voss, der auch Kriegsschiffe baut, sowie Organisator von Pilgerreisen nach Lourdes zum Nachfolger von Gotti Tedeschi ernannt. Bertones italienischer Kandidat sei durchgefallen, wie auch Bertones Schützling Marco Simeon (Näheres in „Fatto Quotidiano“) an der Spitze von RAI Vaticano wohl bald vom absteigenden Ast herunterfallen werde. (Repubblica 16.2.2013 Marco Ansaldo, Paolo Griseri)

 

·       Ökumene. Totale Flaute. Ratzinger verschleppt alles. Kein Fortschritt in den Beziehungen zu den Protestanten und Orthodoxen, dafür aber herzliche Kontakte zu Juden und Moslems. Die Kritiken aus den anderen christlichen Konfessionen mögen zum Unbehagen des Papstes beigetragen haben. (Eigene Einschätzung von etika.com)

 

Vor Ratzinger sind mehrere Päpste vorzeitig zurückgetreten, unter anderen Pontianus (235), Benedikt IX. (1045), Cölestin V (1294) und Gregor XII. (1415). Auch Felix V. (1449) wird genannt.

 

Düstere Zeichen und Prophezeiungen

 

Der Blitz. Die meisten Presseorgane zeigen auf einem Ansa-Farbfoto von Alessandro Di Meo einen Blitz, der um 17.56 Uhr, wenige Stunden nach der Rücktrittsankündigung, direkt in die Spitze der Kuppel des Petersdoms fährt. Auch AFP und BBC haben das Ereignis dokumentiert. Uns erscheint dies als ein Zeichen des Himmels.

 

Die Taube und der Raubvogel. Beim Angelus-Gebet vor mehr als zwei Wochen ließ Ratzinger eine Taube frei. Sofort stürzte sich eine am nahen Tiber siedelnde riesige Möwe auf das arme Tier, das gerade noch in sein Ställchen zurückfliegen konnte. Kein gutes Omen. (la Repubblica, 12.2.2013, S. 7)

 

Der verlorene Ring. Filippo Ceccarelli erinnert in „La Repubblica“, 12.2.2013, auch an den Ring, den Ratzinger als Nachfolger des Petrus trug, der ihm aber im Januar 2008 bei einer lateinischen Messe in der Sixtinischen Kapelle vom Finger auf den Boden fiel („si sfilò il annello piscatorio che lo rende il successore di Pietro“). Ein böses Omen.

 

„Zwei Prophezeiungen, von Pius X. und Leo XIII., sprachen von einem Kirchenoberhaupt auf der Flucht aus dem Vatikan, der von Dämonen belagert wird.“
So lautet ein Untertitel des Artikels von Antonio Socci im „Libero“ vom 12.2.2013. Der heiliggesprochene Pius X. soll 1909 bei einer Audienz eine Vision gehabt haben: „Ich sah den Papst aus dem Vatikan fliehen zwischen den Leichen seiner Priester. Er wird sich irgendwohin flüchten, inkognito, und nach kurzer Zeit eines gewaltsamen Todes sterben.“ Die gleiche Vision hatte er 1914 vor seinem Tode. Dabei gab er an, jener Papst trage den gleichen Namen wie er (Giuseppe Sarto).

Papst Leo XIII. hatte am 13.10.1884 (Fatima-Datum, Sonnenwunder) bei einer Eucharistiefeier folgende Vision: Satan würde binnen hundert Jahren den Gipfel seiner Macht erklimmen und alles tun, um die Kirche zu zerstören. Es scheint, daß der Pontifex sah, wie die Basilika von St. Peter von Dämonen belagert wird, die sie erbeben lassen. Und es war eben dieser Papst Leo, der das „wunderbare Gebet zum hl. Erzengel Michael, dem Besieger des Satans,“ verfasst hat (unter ETIKA 11), das in allen Kirchen weltweit am Ende jeder Messe gebetet wurde. Erst die liturgische Reform nach dem II. Vatikanischen Konzil hat das Gebet abgeschafft. Soweit Antonio Socci im „Libero“, der um den Schlusssatz nicht umhin kann: „Mai come oggi la Chiesa avrebbe bisogno di quella preghiera di protezione a San Michele Archangelo.“ Die Kirche braucht dieses Gebet heute nötiger denn je.

 

Savonarolas Warnungen an die Kirchenspitze

 

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