ETIKA

Apokryphen

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90A84

Apokalypse des Petrus

27.4.2007
Auszüge

Texte und Untersuchungen zur Geschichte der Altchristlichen Literatur
Herausgegeben von Oscar von Gebhardt und Adolf Harnack
IX. Band. Heft 2.

Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus
von Adolf Harnack
Zweite verbesserte und erweiterte Auflage.
J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig, 1893
(Anmerkung: Der evangelische Professor Adolf von Harnack lebte von 1851 – 1930.)

Einleitung

Seite 1 Die von U. Bouriant (Mém. Publ. par les membres de la Mission Archéol. Française au Caire, T. IX, fasc. 1, 1892) zusammen mit griechischen Fragmenten der Henoch-Apokalypse edirten griechischen Bruchstücke eines Evangeliums und einer Apokalypse des Petrus (Anm.: Pergamentkodex, gefunden in einem Grabe zu Akhmîm, saec. VIII-XII, 33. fol. … Fragment der Petrus-Apokalypse (der Text beginnt S. 19 und endet S. 13)…) sind von dem Herausgeber nicht näher bestimmt worden… Die beiden Fragmente sind Theile der alten, zur christlichen Urlitteratur gehörenden Schriften … Dass sie wirklich zu jenen alten Petrus-Schriften gehören, soll hier in Kürze bewiesen werden. …

S. 5 II. Die Vermutung Bouriant’s, die namenlose Apokalypse, die in der Handschrift dem Petrus-Evangelium folgt, sei eben desshalb vielleicht eine Petrus-Apokalypse, lässt sich nicht nur erweisen, sondern es kann auch gezeigt werden, dass sie die Petrus-Apokalypse ist, d. h. jene uralte Schrift, die am Schluss des 2. Jahrhunderts neben der Johannes-Apokalypse in Rom und Alexandrien gestanden hat, die Eusebius, h. e. III, 25 unter den … (griechisch) anführt (Acta Pauli, Pastor, Apoc. Petri, Barnab. Epist., Didachai, event. Apoc. Joh.), die der etwas ältere Catalog. Claromont. in ähnlicher Gesellschaft anführt (…), die noch um d. J. 440 nach dem Zeugnis des Sozo-

S. 6 menos in einigen Gemeinden Palästina’s jährlich einmal während der Vorfeier des Osterfestes vorgelesen worden ist und deren Geschichte in der Kirche wir mindestens bis zur Zeit um d. J. 500 verfolgen können.

Über diese Apokalypse, die zuerst Clemens Alex. und das Muratorische Fragment erwähnen und zwar als heilige Schrift (Jener hat sie in seinen Hypotyposen neben den katholischen Briefen ausgelegt; dieses rechnet sie zum Neuen Testament, vermerkt aber den Widerspruch Einiger), sind wir ziemlich gut unterrichtet.

Wir wissen auch, dass sie 270 (Catalog. Claromont.) bez. 300 (Nicephorus) Stichen umfasst hat; aber weder im Original, noch in einer Übersetzung ist sie bisher aufgetaucht. Nur ein paar kleine Fragmente waren uns erhalten… Die drei bei Clemens erhaltenen, unzweifelhaften Bruchstücke zeigen, dass die Apokalypse in einem noch phantastischeren Geiste geschrieben war als die Johannes-Apokalypse. … In der Apokalypse waren mithin ausgesuchte fürchterliche Strafen geschildert …

Unser Fragment, dem der Anfang und der Schluss fehlt, umfasst etwa 131 Stichen (nach meiner Berechnung: der Stichos zu 36 Buchstaben). … Er ist minder gut erhalten, als das Fragment aus dem Petrus-Evangelium. Mehrere Zeilen sind theilweise unleserlich; auch hat es ziemlich viele Schreibfehler.

S. 7 In dem Codex von Akhmîm ist uns also ein grosser Theil der uralten Petrus-Apokalypse wieder geschenkt. Ihre Anlage ist nun wesentlich deutlicher geworden. Sie enthielt u. A. Offenbarungen (bez. Schauungen) über den Zustand der Gerechten und der Sünder nach dem Tode, die der Herr selbst seinen zwölf Jüngern bez. dem Petrus „auf dem Berge“ angeblich gezeigt … und die Petrus angeblich niedergeschrieben hat.

Die Strafen, die der Seher in der Hölle schaut, sind raffinirt erdacht – eine merkwürdige Anticipation der „Hölle“ Dante’s , zwölf Jahrhunderte vor Dante (Anmerkung ETIKA: und neunzehn Jahrhunderte vor der detaillierten Beschreibung in den geplanten Büchern „Jedem nach seinen Taten“ und „Die kommende Gerechtigkeit“).

Aber schon in den älteren jüdischen Apokalypsen war Ähnliches erzählt. Hervorgehoben sei, wie kräftig der urchristliche Standpunkt in Bezug auf Unzuchtsünden, den Reichtum sowie auf

S. 8 das Zinsnehmen hervortritt. …

Direkte geschichtliche Aufschlüsse über die Verhältnisse der ältesten Christenheit gewährt die Schrift nicht; aber sie ist sehr lehrreich, denn sie lässt unzweideutig erkennen, von welcher Kost sich die ältesten Christen auch genährt und welch’ seltsame aber ernsthafte Phantasien sie für „Offenbarungen Christi“ ausgegeben und heilig gehalten haben. Im Folgenden gebe ich eine Recension der Texte. … Die Verseintheilung stammt von mir.


Das Bruchstück der Apokalypse des Petrus (Seiten 20 – 23)

1 Viele von ihnen werden Pseudopropheten sein und werden mancherlei Wege und Lehren des Verderbens lehren;

2 jene aber werden Söhne des Verderbens werden,

3 und dann wird Gott kommen zu meinen Gläubigen, den Hungernden und Dürstenden und Leidtragenden und zu denen, die in diesem Leben ihre Seele läutern, und wird die Söhne der Ungerechtigkeit richten.

4 Und der Herr fuhr fort und sprach: „Lasst uns auf den Berg gehen, lasst uns beten.“

5 Wir die zwölf Jünger aber gingen mit ihm und baten, dass er uns einen unserer Brüder, der Gerechten, zeige, die aus der Welt abgeschieden sind, damit wir sähen, wie beschaffen ihre Gestalt nun sei, und damit wir Muth schöpfend auch die Menschen, die uns hören, ermuthigen können.

6 Und als wir beteten, erscheinen plötzlich zwei Männer, vor dem Herrn stehend, und wir vermochten nicht, sie anzusehen;

7 denn es ging von ihrem Antlitz ein Strahl wie von der Sonne aus, und leuchtend war ihr Gewand, wie es niemals ein menschliches Auge geschaut hat; denn nicht kann ein Mund aussagen noch ein Herz sich vorstellen die Herrlichkeit, mit der sie bekleidet waren, und die Schönheit ihres Anblicks;

8 als wir sie sahen, entsetzten wir uns; denn ihre Leiber waren weisser als jeglicher Schnee und röther als jede Rose;

9 es war aber ihr Roth mit dem Weiss gemischt, und, überhaupt, ich vermag ihre Schönheit nicht auszusagen;

10 denn ihr Haar war lockig und duftig und fügte sich herrlich zu ihrem Antlitz und ihren Schultern, wie ein Kranz aus Nardenblüthen und mancherlei Blumen geflochten oder wie der Regenbogen im Äther: so war ihre Anmuth.

11 Als wir nun ihre Schönheit sahen, entsetzten wir uns vor ihnen, weil sie plötzlich erschienen waren.

12 Und ich trat zum Herrn hin und sprach: „Wer sind diese?“

13 Er spricht zu mir: „Das sind eure Brüder, die Gerechten, deren Gestalt ihr sehen wolltet.“

14 Und ich sprach zu ihm: „Und wo sind alle die Gerechten und welches ist der Äon, in dem sie sich, solche Herrlichkeit besitzend, befinden?“

15 Und der Herr zeigte mir einen weiten Raum ausserhalb dieser Welt, überfluthet von Licht, und die Luft dort von den Strahlen der Sonne durchleuchtet, und die Erde selbst blühend von unverwelklichen Blumen und angefüllt mit Wohlgerüchen und mit herrlich blühenden und unvergänglichen und gesegnete Frucht tragenden Gewächsen.

16 So gross aber war die Blumenfülle, dass der Wohlgeruch von dort sogar bis zu uns drang.

17 Die Bewohner jenes Raums aber waren angethan mit dem Gewand lichtglänzender Engel, und ähnlich war ihr Gewand ihrem Gefilde.

18 Engel aber umschwebten sie dort.

19 Gleich war die Herrlichkeit aller, die dort wohnen, und mit einer Stimme sangen sie in Freude wechselseitig Loblieder auf den Herrn Gott an jenem Ort.

20 Es spricht der Herr zu uns: „Das ist der Ort eurer Hohenpriester, der gerechten Menschen.“


21 Ich sah aber auch einen anderen Ort gegenüber jenem, rauh (zerklüftet), und es war der Strafort, und die, die dort gestraft werden, und die strafenden Engel hatten ihre Gewänder dunkel, wie die Luftfarbe des Orts.

22 Und Einige waren daselbst an den Zungen aufgehängt; das aber waren die, welche den Weg der Gerechtigkeit verlästern, und unter ihnen brannte ein lichtes und sie strafendes Feuer.

23 Und ein Pfuhl war da, gross und angefüllt mit brennendem Koth, in welchem einige Menschen steckten, die die Gerechtigkeit verkehren, und es bedrängten sie Engel als Peiniger.

24 Es waren aber auch Andere dort, …

(Anmerkung ETIKA: Der folgende Teil erst, wann Gott will.)

33 Und neben jenem Abhang war ein Ort, der mit vielem Feuer ganz angefüllt war, und dort standen die Männer, die sich mit eigenen Händen Schnitzwerke gemacht hatten statt Gottes, und bei ihnen standen andere Männer und Weiber, die hatten Ruthen und schlugen einander und liessen nie ab von dieser Züchtigung.

34 Und wiederum andere Weiber und Männer standen nahe von jenen, brennend und sich windend und bratend, das waren die, welche den Weg Gottes verlassend…


Bemerkungen zum Fragment des Petrus-Evangeliums.

Excurse. Seite 76 Angesichts nicht weniger dieser Parallelen kann die Frage auftauchen, ob das Petrusev. überhaupt auch nur von einem einzigen unserer Ev. direct abhängig ist, und ob die Verwandtschaft nicht durch Zurückgehen auf ältere Evv. resp. auf hebräische, erklärt werden muss.

Bemerkungen zum Fragment der Petrus-Apokalypse.

S. 81 Zu vergl., weil verwandt, vielleicht abhängig von der Petrus-Apokalypse, sind die jungen Apocall. christ. Esdrae (Tischendorf, Apocal. apocr. p. 24 sq.) und Pauli (c. 31 – 40 l. c. p. 56 – 61).

Blutsverwandt mit unserer Apokalypse sind einige Abschnitte im 2. Buch der Sibyll. Orakel und im „Hirten des Hermas“ (s. die Schilderung verschiedener Classen von Sündern dort, vgl. Sibyll. v. 255 sq. (Anmerkung u. a.: Die Zeit des II. Buchs der Sibyll. Orakel ist bekanntlich sehr unsicher – und ist die Abhängigkeit eine directe?) und Prolegg. zu meiner Ausgabe des Hermas p. LXXIX). Beachtenswerte Parallelen bieten auch die Apo-

S. 82 calypse Baruchs, die Ascensio Iesaiae, die Acta Perpetuae, das Schreiben der Gemeinde zu Lyon bei Euseb., h. e. V, 1, s. u. und die Hist. Barlaam et Josaphat (s. Robinson, Passion of S. Pepet. p. 37). Ob aber hier unser Buch direct benutzt ist, muss fraglich bleiben; nur bei letzterer ist es sehr wahrscheinlich.

Nicht bestätigt haben sich durch die Entdeckung unseres Fragmentes ältere und neuere Hypothesen über den Inhalt des Buchs bez. Über die Zugehörigkeit einiger herrenloser christlicher Prophetensprüche zu ihm. Doch darf man nicht vergessen, dass wir z. Z. immer noch nicht mehr als die kleinere Hälfte der Apokalypse besitzen.

Zu untersuchen aber ist noch, ob nicht die von Lagarde (Reliq. iur. antiq. 1856 p. 80sq.) aus dem Syrischen ins Griechische zurückübersetzte Apokalypse (Petri und Johannis) (nach dem Cod. Syr. Sangerm. 38) von der Petrusapokal. abhängig ist. Ich verweise besonders auf p. 81, 24sq. (Nur das Mass der Benutzung ist mir zweifelhaft.) Sehr zuversichtlich und in grossem Umfang hat diese Frage James bejaht (The Gospel accord. to Peter and the Revel. of Peter p. 53sq.); ich vermag ihm nur sehr zögernd zu folgen.

Bunsen hat einst die Hypothese aufgestellt und Robinson wieder an sie erinnert, dass in dem Fragment der Schrift Hippolyt’s …….. (griechisch) die Apokalypse Petri benutzt sei. Dies scheint sich nun zu bestätigen; aber noch mehr – die Art, wie Hippolyt diese Offenbarung benutzt hat, scheint zu beweisen, dass er ihr wie jene „quidam ex nostris“ des Muratorischen Fragments gegenüberstand, d. h. sie nicht unbedingt anerkannte, vielmehr bei der Benutzung theilweise umgebildet hat. Doch gestehe ich, dass mir die Abhängigkeit Hippolyt’s von der Apok. nur wahrscheinlich, keineswegs aber sicher ist. Das Stück (Lagarde p. 68sq.) ist zu lang, um hier abgedruckt zu werden. Die Berührungen mit der Apok. bestehen in einzelnen Sätzen und Wendungen; das Gesammtbild, das Hippolyt gezeichnet hat, ist ein anderes.

S. 83 Ich schliesse hier einige Bemerkungen über den Inhalt und den Charakter des Fragments, sowie über die Zeit der Apokalypse an. Charakteristisch ist für sie die Verschmelzung des jüdisch-urchristlichen Geistes mit antiken Vorstellungen, Empfindungen und Bildern. Jüdische sibyllinische Orakel sind ihre litterarischen Vorstufen.

Das Fragment beginnt mitten in einer apokalyptischen Rede Jesu an seine Jünger. … Nach der apokalyptischen Rede folgen die beiden Visionen. Die erste zeigt Jesus seinen zwölf Jüngern auf ihre Bitte: sie schauen den seligen Zustand der Gerechten und das Paradies, um sich an diesem Anblick zu trösten und ihre Zuhörer später durch die Erzählung des Geschauten zu stärken ( v. 5-20).

Sodann schaut Petrus allein – so scheint es wenigstens – die Strafen der Sünder in der Hölle (v. 21-34).

Mit der Johannes-Apokalypse hat diese Apokalypse schlechterdings keine Verwandtschaft (auch die Benutzung anderer NTlicher Schriften lässt sich nicht nachweisen; nur in v. 1-4 sind Reminiscenzen an Herrenreden, bez. an die evangelische Geschichte; über das Verhältniss zu dem II. Pet.- und dem Judas-Brief s. u.); sie stimmt vielmehr in ihrer Eigenart mit einigen Abschnitten der Henoch- und Baruch-Apokalypse überein.

Der religiöse Standpunkt charakterisiert sich als alltestamentlich-jüdisch gefärbt d. h. als der urchristliche durch die term. techn. … (griechisch). Nur einmal, und zwar im Munde Christi, heissen die Christen: … (griechisch). …

S. 84 Die urchristliche Haltung tritt dann noch besonders deutlich in v. 30 und 31 hervor, wo „den Reichen und denen, die auf ihren Reichthum vertraut und sich der Waisen und Wittwen nicht erbarmt, sondern das Gebot Gottes vernachlässigt haben“ (vergl. den „Hirten“, bes. Sim I, 8), sowie denen, die Zinsen nehmen, die Verdammnis angekündigt wird…

Mit dem „Hirten“ (Vis. II, 2, 2; Sim. VIII, 6, 4; IX, 19, 1, 3) stimmt unsere Apokalypse auch überein, wenn sie v. 27 unter den Sündern bereits eine Classe von solchen unterscheidet, „die die Gerechten verfolgt und ausgeliefert haben“. (Anm.: Mit Hermas … stimmt auch die Classe blasphemi in unserer Apokalypse überein…)

Man wird daher die Abfassungszeit schwerlich vor die trajanische Zeit verlegen dürfen. (Anm.: Später als um die Mitte des 2. Jahrhunderts kann die Apokalypse nicht wohl geschrieben sein. Das folgt aus ihrem Gebrauch in Rom und Alexandrien. Also stammt sie aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts. Genaueres weiss ich nicht zu sagen. Über den Ort der Abfassung lassen sich nur Vermuthungen anstellen.)

Zu v. 5 … s. Nestle i. d. Stud. u. Krit. 1893 H. 1. - … nicht Moses und Elias, sondern zwei unbestimmte vollendete Gerechte (s. v. 13.). Die Schilderung ihrer Gestalt, Farbe und strahlenden Schönheit (v. 6 – 11) scheint mir kunst-

S. 85 geschichtlich von Wichtigkeit zu sein: man hat hier den Typus der Seligen, wie ihn sich die ältesten Christen dachten und wohl auch darstellten. Dasselbe gilt von der Schilderung des Paradieses (v. 15ff.), zu der Act. Perpet. 11 zu vergleichen ist. …

16) Die Vorstellung begegnet häufig, dass der Wohlgeruch des Paradieses (der Unsterblichkeit), das man nicht sehen kann, bis auf diese Erde dringt (so bei den Märtyrern). Acta Perpet. 13: …. Cypr. ep. 77,3: …

20) … weil sie für euch beten, s. Didache 13,3: … Aber im N.T. und im I. Clemensbrief wird nur Christus selbst als Hoherpriester bezeichnet. Für die Kenntnisse der Vorstellung der ältesten Gemeinden von der „oberen“ und der „kosmischen“ Kirche ist es wichtig zu wissen, dass die Propheten und die vollendeten Gerechten zu demselben Stande der „Hohenpriester“ gehörten. Ihre Gebetskraft giebt ihnen den gleichen Rang. Übrigens liegt in diesem Ausdruck „Hohepriester“ nicht die einzige Berührung zwischen unserer Apokalypse und

S. 86 der Didache. Jene erscheint vielmehr wie eine Glosse zu dem Lasterkatalog dieser (Didach. c. 2 u. bes. c. 5).

21ff) Es folgt nun die „Hölle“ (der Ursprung dieser Phantasien ist nicht jüdisch, sondern griechisch-orphisch, s. auch Plato, Polit. 614 B sqq., Gorgias 523sq., Aristophanes, Frösche v. 145 etc….; jüdisch, bez. christlich ist der strenge sittliche Sinn, der in sie hineingetragen wird); aber abzubilden haben die ältesten Christen diese Strafen nicht gewagt, während sie das Paradies und die Seligen schon früh abgebildet haben. In unserem Fragment sind 13 Classen von groben Sündern unterschieden; aber die Zahl war damit noch nicht erschöpft, wie die Fragmente bei Clemens Alex. beweisen. –

22) … die frivolen Verächter oder wahrscheinlicher die, welche vor der Obrigkeit verleugnet hatten (daher sind sie an der Zunge aufgehängt);

23( … (s. Tit. 1, 14: …) d. h. die, welche die Gerechtigkeit (die Religion) verkehren.

24) … die Ehebrecherin wird vor dem Ehebrecher als die Schuldigere genannt; wichtig ist das …: christliche Frauen sollen sich überhaupt nicht putzen (Anmerkung ETIKA: gemeint ist schmücken); denn Putz verführt zur Sünde; zu … II. Pet. 2, 20 … Diese Stelle ist von Clemens Alex. Eclog. 38sq. benutzt …

25) Ehebruch und Mord wird in der ältesten christlichen Litteratur oft zusammengestellt. … ein seltsames Bild. Dass die Seelen der Gemordeten die Mörder um-

S. 87 schweben, passt eigentlich nicht in die Hölle.

26) Nahe von den Mördern stehen die Weiber, die sich der Abtreibung schuldig gemacht haben; … treffen die Augen der unnatürlichen Mütter (Anm. ETIKA: Genaueres in unserer geplanten Buchserie über die göttliche Gerechtigkeit). Die kühne Conjectur v. Gebhardt’s zu 26 c … möchte ich mir nicht aneignen, obgleich sie an dem Fragment bei Clemens Alex. (Eclog. 49) eine gewisse Stütze hat; denn der Verfasser steht nicht mehr bei der Schilderung der Strafen, sondern macht in diesem Satz die Personen kenntlich.

29) … auch in unserer Apokalypse folgen nun die Reichen.

30) … vgl. den Jakobusbrief

31) … es ist die älteste Stelle gegen das Zinsnehmen in der christlichen Kirche (aber s. die ältere jüdische Litteratur).

32) Die widernatürlichen Lastern Ergebenen, s. Röm. 1, 26ff. … s Jud. 8 …

33) Die Verfertiger von Götzenbildern. –

34) Wer hier gemeint ist, lässt sich nicht mehr sagen, da der Text abbricht.

Die fünf alten Schriften, die den Namen des Petrus tragen (1. Brief, II. Brief, Evangelium, Apokalypse, Kerygma)

S. 88 sind auf Grund des neuen Fundes einer zusammenhängenden Untersuchung zu unterziehen. …

S. 89 3) Der erste Brief hat mit dem Evangelium die Erwähnung der Höllenfahrt … gemeinsam.

4) Zwischen dem Evangelium und der Apokalypse lässt sich auf Grund der uns erhaltenen Fragmente keine Verwandtschaft nachweisen… Dagegen sind, wie gezeigt worden, der 2. Brief und die Apokalypse blutsverwandt… Schon bevor das Apokalypsefragment aufgefunden worden ist, habe ich darauf hingedeutet, dass in Alexandrien Clemens die Apokalypse benutzt, aber nicht den 2. Brief, Origenes dagegen diesen benutzt, aber jene nicht.

5) Das Evangelium Petri wirft, wie es scheint, ein Licht auf den verlorenen Schluss des Marcusevangeliums; aber auch das Kerygma Petri führt auf eine Untersuchung jenes Schlusses.

S. 90 6) Stammt der 2. Petrusbrief aus Aegypten, wofür sich Manches anführen lässt, so ist wohl auch die Apokalypse dorthin zu setzen; ihre Haltung (Verwandtschaft mit den Sibyllen) bestärkt diese Annahme. Aber auch das Kerygma weist auf Aegypten.

Dem Petrusev. ist nach unseren Ausführungen zu vindiciren (Anmerkung ETIKA: Ludwig Reiners hat mit seiner Warnung vor Fremdwörtern recht: Nach hundert Jahren versteht man nur noch einen Bruchteil von ihnen; wie schön deutsch schreibt doch der Schweizer Max Picard!):

1)    Das Akhmimer Fragment.

2)    Die Angabe des Origenes über die Brüder Jesu.

3)    Die Perikope von der Ehebrecherin.

4)    Die Erzählung von der Taufe Jesu, wie sie die Didascalia und Justin cum parall. bieten.

5)    Mehrere Herrnsprüche in der Didascalia, der Didache, bei Justin und vielleicht auch bei Clemens Alex.

6)    Vielleicht das Stück in Cod. D von dem am Sabbath arbeitenden Mann.

Index 90A30ET