ETIKA

PROSTITUIERTE

www.etika.com
11.12.2001

92PR4

Prostituierte als das kleinere Übel

 

 

Wir sind im Gegensatz zum Vatikan der Auffassung, daß in scharf abgegrenzten Gebieten am Rande von Großstädten - falls die im ETIKA-Überlebensprogramm vorgesehenen Toleranzzonen nicht eingerichtet werden - Prostitution erlaubt werden sollte, und zwar unter strenger ärztlicher Kontrolle in sogenannten Bordellen oder Eros-Zentren.

 

Schärfstens wenden wir uns dagegen, daß Prostituierte ihrer Tätigkeit in Wohngebieten nachgehen dürfen, wo sie und ihre Kunden eine Gefahr und Belästigung für Kinder und Familien darstellen.

 

Warum der Vatikan gegen die von Lega-Chef Umberto Bossi vorgeschlagene Einrichtung von Bordellen ist, aber gleichzeitig die Straßenprostitution ohne größeren Widerspruch duldet, die sich über ganz Italien ausgedehnt hat und selbst vor kleinen Dörfern nicht Halt macht, begreifen wir nicht. Die derzeitige Führung der katholischen Kirche macht sich auf diese Weise mit schuldig an den Fällen von Aids und Syphilis, die von der so überaus schmutzigen Straßenprostitution ausgehen.

 

Beim Gericht Gottes wird auch die Rolle aller Behördenvertreter zur Sprache kommen, die bei Bürgerversammlungen behaupten, die Gesetzeslage erlaube kein Einschreiten gegen die Prostituierten am Straßenrand. Inzwischen haben wir gesehen, daß in nicht wenigen Städten und Ländern mit Erfolg verschiedenste Maßnahmen ergriffen worden sind, um diese Pest zu vertreiben - dorthin, wo sie nur unter denen Schaden anrichten kann, die extra dorthin fahren und sich des Risikos bewußt sind. Denn um eine Pest handelt es sich bei diesen so ungeheuer gefährlichen und zerstörenden Krankheiten Aids und Syphilis.

 

Wir halten die Prostitution für das kleinere Übel. Und wenn man sagt, daß Schweden und Frankreich immer schärfere Maßnahmen gegen die Prostitution ergreifen, so sagen wir deutlich: Diese beiden Ländern gehören zu den Vorreitern der sexuellen Revolution, die vom Satan inspiriert ist. Wir vermuten, daß die Prostitution nur deshalb so bekämpft wird, damit die Unzucht innerhalb der Bevölkerung gefördert wird. Eine gewagte These: Anscheinend bremsen die Prostituierten den Plan Satans, allen Menschen die Unzucht so leicht und bequem wie möglich zu machen und keine Gewissensbisse dabei zu empfinden. Der Teufel will alle vernichten, und zwar schnell, weil seine Zeit abläuft.

 

Daß wir auf dem richtigen Wege sind, bestätigen uns die Kirchenlehrer. In der Kleinschrift von Franz Xaver Arnold: Sexualität und Menschenwürde (Verlag Ludwig Auer, Cassianeum, Donauwörth, 4. Auflage, Imprimatur von 1959) fanden wir auf Seite 15 folgende Anmerkung:

 

Wenn der hl. Thomas von Aquin (Summa Theologica II II (Druckfehler?), q. 10 a. 11 c) unter Berufung auf Augustinus, aber gewiß auch in eigener Stellungnahme die staatliche Duldung des Dirnenwesens als das kleinere Übel und insofern als "richtig" bezeichnet, so gibt er dafür folgende Begründung:

 

"Ergo et in regimine humano illi, qui praesunt, recte (!) aliqua mala tolerant, ne aliqua bona impediantur, vel etiam ne aliqua mala pejora incurrantur: sicut Augustinus dicit in lib. 2 De Ordine, cap. 4: Aufer meretrices de rebus humanis, turbaveris omnia libidinibus." -

 

Man sieht: Es handelt sich nicht um eine moralische Rechtfertigung, sondern um die Hinnahme des kleineren Übels."

 

Wir wagen sogar zu sagen, daß es das kleinere Übel, wenn ein Pfarrer einmal zu einer Prostituierten geht, als daß er eine Liebschaft mit der Frau des Organisten anfängt und diesem, einem treuen Kirchenmitglied, die Frau stiehlt. Ein solcher Fall hat zu einem großen Ärgernis bei einem Teil einer süddeutschen evangelischen Kirchengemeinde geführt hat, während Pfarrer E. beim anderen Teil der Gemeindemitglieder wegen seiner Leutseligkeit und der lustigen Busfahrten weiterhin als "beliebt" galt. Alle Pfarrer, die eine Geliebte haben, sollten sich bewusst sein, daß sie damit irgendeinem männlichen Pfarrangehörigen eine Frau wegnehmen und deshalb mit schuldig sind, wenn dieser auf Abwege gerät.

 

Und wir wagen noch mehr: Wir halten es nämlich für durchaus möglich, daß Prostituierte, die schon in ihrer Jugend verkauft und vergewaltigt und ihr Leben lang sexuell ausgebeutet wurden, nicht ein einziges Mal sexuelle Erfüllung gefunden haben. Erniedrigt bis zum Äußersten haben sie ihren Körper verkauft, vielleicht weil sie sonst nicht überlebt hätten. Sie haben Schmerzen empfunden, wurden verachtet und hatten nur eine trostlose Zukunft vor sich.

 

Wie werden nun sie dastehen beim Jüngsten Gericht? So viel niedriger als jene Frauen aus vornehmster Gesellschaftsschicht, die sich nach Lust und Laune hier und dort fesche Männer anlachen - mit Grausen denken wir an eine diesbezügliche TV-Aussage der von uns einst hochverehrten, jetzt alten Sängerin Rosita Serrano, der "chilenischen Nachtigall, über junge Männer - und von einem Bett ins andere und von einem sexuellen Vergnügen ins nächste rasen? Wir glauben, daß auch am Jüngsten Tag diesbezüglich ein gerechtes Gericht ergehen wird.

 

Dieselbe Gegenüberstellung werden wir bei den Männern erleben: Jene, die sich in Missachtung der Gebote Gottes sexuell ausgelebt haben, werden völlig anders beurteilt werden als jene, die von der nie dagewesenen Sexualisierung des öffentlichen Lebens in dieser Endzeit irgendwann einmal zu einem Fall getrieben wurden, den sie danach Jahre oder ihr Leben lang bereuen, usw.

 

"Und wir wissen, daß er kommt, daß er kommen wird zu richten in Gerechtigkeit." (Franziskus von Assisi, Offizium vom Leiden des Herrn, Vesper, Psalm VII, bei Sonnenuntergang)

Index 92