ETIKA

Das Böse

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Verbrecher

Diverse Autoren
26.4.2003.

 

Verbrecher soll man ohne Schonung der Obrigkeit anzeigen.

Der Bluthund wittert ganz vorzüglich das Blut, welches das angeschossene Wild vergossen hat. Dieser Hund entdeckt in England die Wildiebe, wenn sie auch nur Einen Tropfen Blutes von dem getragenen Wilde an sich haben; ja im Mittelalter bediente man sich dieser Hunde oft, um Mörder ausfindig zu machen.

Was dieses Thier instinktmäßig thut, das sollen wir mit Vernunft thun, die Verbrecher nämlich anzeigen. Man ist nach Gottes Willen verbunden, der Kirche die Ketzer und der Obrigkeit die Verbrecher anzuzeigen. Hievon soll uns kein falsches Mitleid abhalten; weil das allgemeine Wohl darunter leiden würde, und dieses ist dem Wohle des Einzelnen vorzuziehen.

Quelle: Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. Vierter Band 1869, Einziger Eintrag unter Verbrecher, S. 540

 

Anmerkungen: Obiges wurde 1869 veröffentlicht. Wir meinen dazu:

·        Die Bemerkung über die Ketzer sollten alle vergessen.

·        Besonders bei Vergehen kleinerer Art sollte man im Einzelfall Nachsicht walten lassen.

·        Sagt nicht Verbrecher zu jenen, die ihrem Gewissen folgen und dabei die irdischen Gesetze übertreten; das gilt besonders für politische Täter. Zum Beispiel sprach die chinesische Regierung bei den Demonstrationen tibetischer Mönche gegen die Besatzungsmacht von Kriminellen (3/2008), um vom selbst ausgeübten Staatsterrorismus abzulenken.

·        Sagt nicht Terroristen zu jenen, die keinen Unschuldigen töten.

·        Das Wort Extremist ist wertneutral, denn man kann sich sowohl in extremer Weise für das Gute einsetzen als auch in extremer Weise Böses tun. Bedenklich ist eher das Wort Mitte, denn es erinnert an die Lauen.

 

Mörder ohne Hemmungen – Kein Gefühl für Unrecht
Trefflich hat diesen Typ Agatha Christie in ihrem Kriminalroman „Das krumme Haus“ (The Crooked House, Scherz Verlag Bern, 1975) beschrieben. Wir eröffnen diese Zusammenstellung mit Zitaten der Klassikerin; da sie so wichtig für die Bekämpfung des Bösen sind, etwas ausführlicher:

 

S. 71 Kommissar Hayward von Scotland Yard:

"Der Mörder ist als Verbrecher ein Amateur. Ich spreche ... nicht (von Gangstern). Sehr oft hat man das Gefühl, daß diese gewöhnlichen netten Menschen  überrumpelt worden wären, als ob sie zufällig zu Mördern geworden sind.

 

·        Sie waren in der Klemme, oder sie wünschten sich glühend etwas – eine Frau oder Geld – und sie brachten einen Menschen um, um das Gewünschte zu erlangen.

 

Die Hemmungen, die die meisten von uns haben, fehlen bei ihnen. Ein Kind zum Beispiel handelt auch ohne Hemmungen. … Einige Menschen .. bleiben moralisch unreif. Sie wissen zwar, daß Mord ein Unrecht ist; aber sie haben kein Gefühl dafür. Bei den Fällen, die mir vorgekommen sind, haben die Mörder keine wirkliche Reue empfunden. Und das ist vielleicht das Kainszeichen. Mörder sind Außenseiter der menschlichen Gesellschaft, sie sind ,anders´."

 

"... sie wollte die Aufmerksamkeit und Liebe, die man ihm entgegengebracht hatte, für sich haben. Ich glaube, die Menschen töten öfter jemand, den sie lieben, als jemand, den sie hassen. Vielleicht weil nur ein Mensch, den man liebt, einem das Leben wirklich zur Hölle machen kann."

 

S. 72 "... ich habe noch nie einen Mörder getroffen, der nicht eitel war. Bei neunzig Prozent führt die Eitelkeit zur Übeltat, und meist sind die Verbrecher überzeugt, daß sie infolge ihrer Geschicklichkeit nicht überführt werden. ... Der Mörder hat den Drang zu reden. ..."

(Aus: Agatha Christie: Das krumme Haus (The Crooked House), Scherz Verlag Bern, 1975)

Veranlagung
Der Inspektor schlenderte hinunter ins Dorf. In Gedanken erwog er die Möglichkeiten, ein eventuelles Verbrechen zu verhindern. ... (S. 10)
“Richtig gesehen, hatte sie ein ziemlich gutes Motiv, um den unangenehmen ... abzuknallen.“ „Motiv und Gelegenheit genügen nicht“, entgegnete Poirot. „Es muß auch die verbrecherische Anlage vorhanden sein.“
(Agatha Christie: Der Unfall, in: „Der Unfall und andere Fälle“, Scherz Verlag Bern 1969, S. 41)

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