ETIKA

FEGEFEUER

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11.11.2000

95F59

Qualm und Schattensäulen auf Friedhöfen

Anna Katharina Emmerich: Visionen, Paul Pattloch Verlag Aschaffenburg, 1980, S. 48 - 50

Zitiert aus: Anna Katharina Emmerich: Visionen, Aus den Tagebüchern Clemens Brentanos herausgegeben von P. Karl Erhard Schmöger, Paul Pattloch Verlag Aschaffenburg, 1980, S. 48 - 50

"Alles, was der Mensch denkt, spricht und tut, hat in sich etwas Lebendiges, das fortwirkt zum Guten oder zum Bösen.

Wer Böses getan hat, muß eilen, seine Schuld durch Reue und Bekenntnis im Sakrament der Buße zu tilgen, sonst kann er die Folgen des bösen in ihrer ganzen Entwicklung nur schwer oder gar nicht mehr verhindern.

Ich habe dies bei Krankheiten und Leiden mancher Menschen und bei dem Unsegen mancher Orte oft körperlich gespürt, und es ist mir immer gezeigt worden, daß ungebüßte und unversöhnte Schuld eine unberechenbare Nachwirkung hat. Ich sah die Strafen mancher Sünden bis an den späten Nachkommen wie als etwas Natürlich-Notwendiges, ebenso wie die Wirkung des Fluches, der auf ungerechtem Gute liegt, oder den unwillkürlichen Abscheu vor Orten, wo große Verbrechen geschehen sind.

...

... ich fühlte und sah ja ganz deutlich die verschiedensten Zustände und Wirkungen bei Gebeinen auf Gräbern und Kirchhöfen. Ich hatte bei einzelnen Gebeinen das Gefühl von Licht, überfließendem Segen und Heil; bei andern empfand ich verschiedene Grade von Armut und Bedürftigkeit, und ich fühlte mich um Hilfe durch Gebet, Fasten und Almosen angefleht.

Es erfüllte mich aber an manchen Gräbern auch Schrecken und Entsetzen. Wenn ich in der Nacht auf dem Kirchhof zu beten hatte, empfand ich auf solchen Gräbern eine noch tiefere Finsternis als die Nacht selbst...

Manchmal sah ich wie einen schwarzen Qualm aus den Gräbern steigen, der mich schaudern machte. Es ist mir auch geschehen, daß ich, wenn mich die Begierde zu helfen hinriß, in diese Finsternis einzudringen, das Zurückstoßen der dargebotenen Hilfe mir entgegendringen fühlte.

Die lebendige Überzeugung von der allerheiligsten Gerechtigkeit war mir dann wie ein Engel, der mich aus den Schrecknissen eines solchen Grabes wieder zurückführte.

An andern Gräbern sah ich eine hellere oder trübere graue Schattensäule, auf manchen eine Lichtsäule, einen stärkeren oder schwächeren Strahl; auf vielen aber sah ich gar nichts erscheinen, was mich immer am tiefsten betrübte.

Ich erhielt die innere Überzeugung, daß die helleren oder trüberen Strahlen aus den Gräbern Äußerungen der armen Seelen über den Grad ihres Bedürfnisses seien, und daß jene, die gar kein Zeichen zu geben vermöchten, am weitesten zurück und ohne alle Hilfe im Fegefeuer seien, daß niemand ihrer gedenke, daß sie ohne alle Fähigkeit zu wirken und am weitesten im Verkehr mit dem Kirchenleib zurückgesetzt seien.

Wenn ich betend auf solchen Gräbern lag, hörte ich oft eine mühsame, dumpfe Stimme aus der Tiefe zu mir herauf seufzen: ,Hilf mir heraus! und ich fühlte die Angst eines ganz hilflosen Menschen deutlich in mir selbst.

Zitiert aus: Anna Katharina Emmerich: Visionen, Aus den Tagebüchern Clemens Brentanos herausgegeben von P. Karl Erhard Schmöger, Paul Pattloch Verlag Aschaffenburg, 1980, S. 48 - 50

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