ETIKA

HÖLLE

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20.8.2004

95H25

Die auferstandenen Körper der Verdammten

Luis von Granada: Gebets- und Meditationsbuch, Übersetzung R. L.

Obgleich alle Toten auferstehen, um nie mehr zu sterben, wird der Unterschied, den es zwischen Körper und Körper geben wird, groß sein. Denn die Leiber der Gerechten werden schön und strahlend wie die Sonne sein, während jene der Bösen finster und häßlich wie der Tod sein werden.

Welche Traurigkeit wird dann die Seele des Verurteilten empfinden, wenn sie ihren Körper dort so sieht, wie man ihn ihr vorstellt: dunkel, schmutzig, stinkend und abscheulich? Oh unglücklicher Körper!, wird sie sagen. Oh Anfang und Ende meiner Schmerzen! Oh Ursache meiner Verdammnis! Oh, nicht mehr mein Gefährte, sondern Feind; nicht Helfer, sondern Verfolger; nicht Wohnung, sondern Kette und Schlinge meines Verderbens!

Oh unglückseliges Vergnügen, und wie teuer kommen mir jetzt deine Geschenke! Oh stinkendes Fleisch, das du mich mit deinen Lüsten zu solchen Qualen hingezogen hast! Ist dies der Körper, durch welchen ich gesündigt habe? Von diesem waren die Wonnen, wegen denen ich verloren gegangen bin? Wegen dieses fauligen Misthaufens, wegen dieser verkommenen Brutstätte des Lasters habe ich den Himmel verloren? Wegen dieses elenden und schmutzigen Rumpfes habe ich die Frucht des ewigen Lebens verloren? Oh höllische Furien!, erhebt euch gegen mich und reißt mich in Stücke, der ich diese Strafe verdiene. Welch vermaledeiter Tag war jener meiner unglückseligen Geburt, daß mein Schicksal so ausfallen mußte, daß ich so kurze und schon nach Augenblicken vorübergehende Vergnügungen nun mit ewigen Peinen bezahle!

Diese und weitere verzweifelte Worte wird die unglückliche Seele zu jenem Körper sagen, den sie in dieser Welt so liebte. Sage mir nun, elende Seele: Warum verabscheust du so das, was du so liebtest? War dieses Fleisch nicht deine Geliebte? War dieser Bauch nicht dein Gott? War nicht dies dein Gesicht, das du pflegtest und schütztest vor Sonne und Wind und mit so kunstvollen Farben anmaltest? Waren nicht dies die Arme und Finger, an denen Gold und Diamanten glänzten? War nicht dies der Körper, für den Meer und Erde abgesucht wurden, um den Tisch mit erlesenen Speisen gedeckt zu haben und das Bett weich und die Kleidung kostbar?

Nun, wer hat deine Liebhaberei ausgetauscht? Wer hat das, was vorher so lieblich war, so verabscheuenswert gemacht?

Spanischer Text - Lob des Papstes Gregor XIII für Luis von Granada (nur auf spanisch)

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