ETIKA

Hl. Franziska Romana

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95H28

Erste Höllenvision

25.7.2014

Lebensgeschichte der heiligen Franziska Romana,
Stifterin der Oblaten von Tor di Specchi,
mit einer Einleitung über christliche Mystik
von Baron Maria Theodor von Bussière.
Aus dem Französischen übersetzt von P. Gf. P.
Mainz. Verlag von Florian Kupferberg. 1854.

S. 195 Es war in den Tagen des Winters; Franziska, allein in ihrem Zimmer, betrachtete das Unglück Derer, die ihren Leidenschaften und der Sinnengewalt hingegeben, sich für alle Ewigkeit vernichten.

Ihre Betrachtung wurde immer tiefer und tiefer, bald verliert sie das Selbstbewußtsein und sie kommt in Ekstase. Da zeigt sich ihr ein Engel

Anmerkung: Es war der Erzengel Raphael, wie es ihr späterhin geoffenbart wurde. Diese Vision und alle übrigen, die wir noch erzählen werden, sind von der Heiligen ihrem Beichtvater mitgetheilt worden; er hatte ihr befohlen, ihm ausführlichen Bericht darüber zu geben.

und befiehlt ihr, ihm zu folgen. Sie durchschreitet schnell mit ihm den Raum und nachdem sie trostlose, unfruchtbare Gegenden durchzogen, bemerkt sie den gähnenden Abgrund einer furchtbaren Höhle.

Anmerkung: Archiv. loc. cit. apud Bolland. loc. cit. Amico, op. cit. ch. XII. p. 38 et seq. Ponzileoni, op. cit. p. 73 et seq.

Sie liest darüber die Worte: „Hier ist die Hölle, die Hoffnung und die Ruhe finden sich hier nie, Thränen und Schmerzen aber sind hier immer.“

Ihr Führer sagt ihr, daß er von dem Allerhöchsten den Befehl erhalten habe, ihr den Ort der Qualen zu zeigen, ohne daß ihr selbst etwas Uebles widerführe.

„Unter sinnbildlichen Formen und körperlichen Erscheinungen,“ sagte er zu ihr, „wirst du, o Franziska! Zeuge sein eines Theiles der Leiden, welche die verworfenen Seelen erdulden. Die Teufel haben keine Körper und die Verdammten werden sie erst am Tage des Gerichts zurücknehmen; doch wirst du die Seelen körperlich gestraft sehen; aber fürchte dich nicht, denn in dir findet sich kein Flecken, der solche furchtbare Strafe verdiene.“

Nachdem er diese Worte gesprochen, drang er mit der Gattin des Laurentius in den höllischen Abgrund. Die Ohren der Heiligen treffen düsteres, furchtbares Schreien, unterbrochen von Gotteslästerungen und Schimpfreden, in welche sich abwechselnd wuth- und schmerzerregte Stimmen hervorthun. (sic)

Ihre Blicke senken sich in einen furchtbaren Abgrund. Er theilt sich in drei weite Regionen, welche durch düstere Räume von einander getrennt sind, und von denen der letzte der Sammelplatz der allerschlechtesten und unreinsten Verbrecher ist. Aus diesem Raum erhebt sich ein unerhörtes Feuer, welches ewig brennt, ohne sich zu verzehren oder der Nahrung zu bedürfen; es dringt in alle Theile der Hölle; überall hin bringt es den Schmerz und das Grauen. Seine Flamme, immer verzehrend, ist alles Glanzes und Lichtes beraubt, sein fahler blasser Schein läßt nur einige Gegenstände des Schreckens wahrnehmen; aber ein dicker Qualm steigt unaufhörlich darauf und diese Finsterniß vermehrt noch die Qual der Verdammten.

Sie sind aufgehäuft in diesen brennenden Kerker und eine zahllose Menge Teufel üben in diesem trostlosen Orte das Amt der Vollstrecker der göttlichen Gerechtigkeit, sie quälen sie und bringen ihnen die sich immer erneuernden Qualen bei, nach dem Verhältniß der Sünden und Verbrechen eines Jeden; denn Jeder leidet hier nach dem Grade seiner Strafbarkeit. Man hört nur Weinen, Zähneknirschen, Geheul der Wuth und der Verwünschung; und das ist das Leiden der Verworfenen, mit großem Geschrei Gott zu lästern, so daß sie, wenn sie selbst keine anderen hätten, ihr Schmerz doch unendlich wäre.

Franziska versteht, daß die Leiden dadurch verdoppelt werden, weil sie nicht genugthuen können, und es reine Strafen sind. Der Verdammte leidet in gewisser Beziehung an seinen Sinnen, als ob er schon wieder seinen Körper angenommen hätte, er leidet noch mehr an allen Kräften der Seele.

Ein unaufhörlicher Rauch durchdringt die Augen, verkrustet und trocknet sie aus, ohne je die Quelle der brennenden Thränen zu löschen, welche die Wuth fortwährend auspreßt; er unterhält diese furchtbare äußere Finsterniß, deren zweifelhaftes Halblicht jedem Verdammten dabei gestattet, die ihn umgebenden Gegenstände zu sehen; das Ohr hört ewig Geschrei, Geheul und Gotteslästerungen; der furchtbarste Gestank verletzt ohne Unterlaß den Geruch(ssinn); ein brennender Durst und ein grausamer Hunger zerreißen die Organe des Geschmackes und bewirken die Leiden des furchtbarsten Todeskampfes; das Gefühl empfindet unaufhörlich die grausamen Schmerzen Desjenigen, der in geschmolzenes Metall stürzen würde, ohne sterben zu können.

Das Gedächtniß ist ewig gepeiniget durch die Gewissensbisse; das Urtheil des Verdammten steht immer vor ihm geschrieben; er weiß, daß er ohne Aufhören und ohne Milderung alles das erleiden muß, was er bereits wirklich erleidet. Der nagende Wurm wiederholt ihm ohne Unterlaß, daß er sich freiwillig verdammt hat, um sich niedrigen und gemeinen Freuden hinzugeben; er führt ihm jeden Augenblick in´s Gedächtniß, daß Gott ihm Zeit gegeben, das Uebel gut zu machen, und die nothwendigen Gelegenheiten zur Rettung; er erinnert ihn an die guten Gedanken und die guten Vorsätze, welche die Gnade ihm einflößte und denen er untreu gewesen; er ruft ihm fort und fort zu, daß es für ihn kein Heil mehr gebe, daß für ihn die Jahre, die Jahrhunderte, die Jahrtausende vorübergehen und immer auf derselben Stelle sein werden.

Die Teufel lachen über seine ohnmächtige Verzweiflung; sie lassen ihm keine Ruhe und freuen sich, indem sie ihn martern, mit der einzigen Freude, die die Hölle kennt, mit der Freude, Leiden zu schaffen und Gotteslästerungen hervorzurufen.

Der Wille ist durchaus in sich zerrissen; er ist beraubt aller der Freuden, nach denen er sich sehnt.

Die Erkenntniß kennt und beweint das höchste Gut, welches sie verloren und thöricht gegen unwürdige Vergnügungen umgetauscht; Gott und das Paradies, Gegenstände seines ewigen Verlustes, sind für ihn Gegenstand seines Hasses und ewigen Gotteslästerung, und in diesem Hasse des höchsten Gutes, für welches die Creatur bestimmt war, liegt zugleich ein Schmerz, dessen Unermeßlichkeit alle übrigen Leiden der Hölle in den Hintergrund treten läßt.

Es wurde der Franziska geoffenbart, daß die Qualen der Verdammten nach dem letzten Weltgerichtstage noch zunehmen werden. An diesem furchtbaren Tage wird keine der verdammten Seelen heraustreten wollen; der Ton der furchtbaren Posaune aber wird sie zwingen, und mit Schauder werden sie sich in der Versammlung finden, in welcher die Heiligen und Engel mit so großem Glanze und so großer Freude erscheinen werden.

Das wird für sie ihre furchtbarste Strafe sein, ihre verpesteten und entstellten Körper wieder anzunehmen; aber sie werden gezwungen sein, in diese abscheulichen Cadaver einzugehen, welche für sie Feuergefängnisse werden. Die Flammen der Hölle, den Körper und die Seele zugleich brennend, werden dann ihr ewiges Unheil verdoppeln.

Sie werden sich gegenseitig hassen und verfluchen, und doch werden sie vereint bleiben müssen; in Gemeinschaft werden sie die Strafe der Sünde ertragen, welche sie gemeinschaftlich verübt haben. Genossen des Verbrechens, werden sie unzertrennbare Genossen in der Bestrafung sein.

Die Nothwendigkeit, vor dem Richter zu erscheinen, welchen sie während ihres irdischen Lebens beleidiget hatten, wird ihre Wuth und ihre Verzweiflung vermehren; sie werden nicht fliehen, nicht entgehen können; die Furcht, die Schande und die Beschämung werden für sie noch eine furchtbarere Strafe sein, als selbst die der Hölle. Sie werden dann die Stimme des Sohnes Gottes hören, der sie verfluchen, ihnen ihre Verachtung und ihre Beleidigungen vorhalten wird; er wird ihnen in´s Gedächtniß zurückrufen, daß er sich für sie aufgeopfert, daß er für ihre Sünden geschlachtet worden sei, daß er sie mit seinem Fleisch und seinem Blute genährt habe, daß er sich beraubt habe, um sie mit seiner Gnade und seinen Verdiensten zu bekleiden, und daß sie seiner Mildthätigkeit mit Verbrechen und Undankbarkeit geantwortet hätten. Dann werden sie schreiend ausrufen:

Berge stürzet über uns, verberget uns vor den Augen Desjenigen, der auf dem Throne sitzt, und vor dem Lamme, das gegen uns erzürnt ist.“ (Offenb. Joh. Cap. VI, 16.)

Aber die Felsen und Berge werden taub für ihren Ruf sein.

(Anmerkung ETIKA: Diese Schilderung ist genau das Gegenteil von dem, was manche Pfarrer Sonntag für Sonntag ihren Schäfchen einhämmern: Der Herr komme nicht, um zu richten und zu verurteilen, sondern er komme in Demut, um Allen zu verzeihen und sie in seine Herrlichkeit aufzunehmen. Als am … in … das Glaubensbekenntnis gesprochen wurde, sagten die Gläubigen wie seit 2000 Jahren: „Er wird kommen zu richten die Lebenden und die Toten“; der modernistische Pfarrer brachte die Worte „zu richten“ nicht über seine Lippen. Dazu planen wir ein Gedicht: Aus Liebe wird Hass.)

Die Seligkeit der Heiligen, deren Zeuge sie einen Augenblick sein werden, wird ihre Wuth vermehren und mit dem höchsten Haß und Neid erfüllen. Die Beschämung, in ihrem bejammernswerthen Zustande gesehen worden zu sein, und der Schmerz, die Andern in der Fülle einer Glückseligkeit zu schauen, welche für sie auf immer verloren und doch auch ihnen bestimmt war, wird für sie eine unaussprechliche Qual sein.

Mußten wir“, werden sie ausrufen, „sehen, was wir verloren haben, und daß das ganze Weltall Zeuge unserer Schmach und unseres Unglückes sein würde! Abgründe, öffnet euch! Finsternisse, verschlinget uns! Genügen nicht die Gewissensbisse und die Bilder unserer Verbrechen, welche uns ohne Unterlaß verfolgen! Alle Diejenigen, die wir verwünschen, sollen unser Elend schauen und unsere Strafe durch den Schauder vermehren, den wir ihnen einflößen!“

Franziska drang immer tiefer in den Aufenthalt der endlosen Schmerzen ein. Sie bemerkte einen furchtbaren Drachen, der die ganze Hölle auszufüllen schien; sein ungeheurer Kopf fand sich in der oberen Region, aus seinem Rachen ging ein Strom von Feuer und Schmutz, sein Körper breitete sich in der mittleren Region aus und sein Schweif zog sich in gewundenen Ringen in der untersten Schmutzregion hin.

Franziska ist in Gefahr, vor Schrecken und Erstickung todt nieder zu fallen; der Engel hält sie aufrecht, ermuthiget sie und bringt sie weiter.

Sie geht vorwärts und sieht einen ungeheuren brennenden Balken, der die Mitte der Hölle stützt und zum Throne des Satans dient. Dort sitzt er mit einer Art scheußlicher und furchtbarer Majestät. Seine Arme sind ausgebreitet, aber nicht in Form des Kreuzes, denn das Zeichen der Erlösung findet sich nicht in diesem Abgrunde; die Hörner seines Kopfes verschlingen sich und bilden ihm eine Art von Krone, Flammen gehen aus jeder ihrer Spitzen und ein stinkendes Feuer geht aus allen Theilen seines Körpers, Ketten umschlingen eng den Satan und den Drachen, scheußliche Dämonen erfüllen von allen Seiten den Raum unter der Gestalt chimärischer Thiere und Ungeheuer, ihr schrillendes Pfeifen beherrscht selbst das Geheul der Verdammten.

In diesem Augenblicke erschütterte ein ungeheures und lang anhaltendes Geschrei, hervorgerufen durch Wuth und Schrecken und verzweiflungsvollen Seufzern (sic), den ganzen Höllenraum bis in seine untersten Tiefen und schien die Schauer der Hölle zu verdoppeln. Franziska, erschreckt, sah vor sich eine zahllose Anzahl von Verdammten vorüberziehen, welche die bösen Geister nach der Tiefe des Abgrundes hinzogen.

·        Zwei Dämonen sind an jede dieser unglücklichen Seelen gekettet; der eine, um sie zu geißeln und zu quälen, der andere, um ihnen ihre Sünden vorzuwerfen und alles Das vorzuhalten, was sie durch ihre Schuld verloren.

Satan verkündet darauf über sie in thörichter Anmaßung einen Richterspruch, ehe er sie in den für ihre Verbrechen bestimmten Ort zur Bestrafung hinabstürzt.

Die Missethaten eines jeden Verdammten sind auf seiner Stirne mit unauslöschlichen Charakteren eingegraben. Die Peinen, mit welchen die göttliche Gerechtigkeit die verschiedenen Sünden straft, sind unserer Heiligen in sinnbildlicher Weise gezeigt worden.

Wir können nicht in allen Einzelheiten den Bericht der Franziska an ihren Beichtvater mittheilen, es würde uns das zu weit führen. (Anmerkung ETIKA: Sehr schade!) Wir wollen uns darauf beschränken, nur die hervorstechendsten Thatsachen dieser furchtbaren
Vision zu erzählen und uns dabei so viel wie möglich an die eigenen Worte der Heiligen zu halten.

Das Bild der gesammten Höllenstrafen entrollte sich nach und nach den Blicken der Franziska.

·        Die Liebhaber der Welt und ihrer sinnlichen Freuden, die Trägen und die Wollüstlinge sind verdammt, sich mit kochendem Pech, mit Gewürm und Unrath speisen zu lassen, welches nie ihren verzehrenden Hunger stillt und sie sind Schlangen übergeben, die sie unaufhörlich zerreißen.

·        Die Weichlinge, welche nichts Gutes gethan und das ihnen anvertraute Talent vergraben haben, um sich nicht Mühe zu machen und Gewalt anzuthun, sind an brennende Felsen angekettet und Dämonen, bewaffnet mit eisernen Krallen, zerfleischen sie und zerreißen ihnen die Glieder, welche, um ohne Unterlaß zerrissen zu werden, ohne Unterlaß wieder wachsen.

·        Die Spieler sitzen an brennenden Tafeln, die Teufel schlagen sie mit glühenden Stangen;

·        die Meineidigen, die Verräther und Verführer sind in besondere Orte eingeschlossen; ihre geschwollenen Zungen hängen aus ihrem Munde heraus, Teufel schneiden sie mit vergifteten Instrumenten, gießen kochendes Oel darüber und glühende Kohlen und stürzen dann diese Unglücklichen in Schwefelgruben, um sie daraus hervorzuziehen und ihre Strafen zu erneuern.

·        Eine ausgehungerte Hyäne zerreißt die Leiber der Verläumder und nährt sich davon.

·        Die Gotteslästerer und die Apostaten sind in Stücke geschnitten und in geschmolzenes Zinn eingetaucht.

·        Diejenigen, welche mit Gedanken gesündiget haben und zu spät bereut haben;

·        Diejenigen, welche ungültige Beichten abgelegt, ohne Schmerz und ohne Reue und ohne den festen Vorsatz, der Sünde und den freiwilligen nahen Gelegenheiten zu entsagen;

·        Diejenigen endlich, welche Andern nicht Ersatz leisten wollten, sind verdammt, offene Seiten zu haben; Teufel gießen kochendes Oel in ihre faulenden Wunden, welche eine Menge von scheußlichen Würmern erzeugen.

 

·        Die furchtbarsten Strafen sind den Wollüstigen aller Art vorbehalten;

·        den Vätern und Müttern, welche durch ihren Vorsatz oder durch ihr Beispiel zum Falle ihrer Kinder beigetragen;

·        den Verführern der Jugend,

·        den Ehebrechern,

·        Denjenigen, welche dem Gelübde der Keuschheit untreu gewesen

·        oder geheime und schmachvolle Sünden begangen,

·        oder sich in bösen Gedanken gefallen und denen nur die Gelegenheiten gefehlt haben.

Ihre Strafen sind den Verbrechen angemessen. Oeffentlich entlarvt, an brennende Balken gefesselt, auf glühende Roste ausgestreckt, getaucht in Kessel voll Schwefel und kochendem Pech, entzwei geschnitten, gekleidet mit einem Gewande von glühender Bronze sind sie ebenfalls Dämonen übergeben, welche unter der Gestalt von wüthenden Hunden sie zerfleischen, ihnen das Herz ausreißen und es mit Unflath bedecken.

·        Diejenigen, die ihren Standespflichten untreu gewesen;

·        die Diebe;

·        Diejenigen, welche den Nächsten um sein Gut oder um seine Ehre gebracht haben;

·        die Geizigen,

·        die Wucherer, welche mit dem Schweiße der Armen betrügerischen Handel treiben,

werden in geschmolzenes Gold oder Silber getaucht; Teufel lassen sie flüßiges Metall trinken, Schlangen benagen ihnen die Eingeweide und pressen sie mit ihren brennenden Schweifen zusammen.

·        Ungerechte Richter sitzen auf feurigen Stühlen, haben auf ihrem Haupte Mützen von glühendem Metall, und sind von eisernen Krallen zerrissen und wüthenden Löwen übergeben.

·        Teufel, ähnlich den Wasserschlangen, zerfleischen alle Organe des Kopfes den Verläumdern und Denjenigen, die gegen die Gerechtigkeit und Liebe gehandelt haben.

·        Die Ruhm- und Ehrsüchtigen sind in Löwen von glühender Bronze eingeschlossen.

·        Die Neidischen, die Gehässigen und die Verläumder der Unschuld sind in Flammen geworfen und gegeisselt; Teufel durchwühlen sie mit eisernen Zähnen und pressen ihnen die Gurgel zusammen, um den Ausgang der Schlange zu verhindern, welche ihr Herz benagt.

·        Die bösen Söhne sind in große Gefäße eingetaucht, welche mit schneidenden Instrumenten versehen, mit siedendem Pech und mit Schlangen angefüllt sind, bewegen sich dort in alle Ewigkeit, so daß sie ohne Unterlaß zerrissen werden. Franziska sollte dieses Schauspiel einen Augenblick für alle undankbaren Kinder der Erde sehen, in der Hoffnung, sie zu bekehren.

·        Tyrannische Fürsten, die Meuchelmörder und alle Diejenigen, welche ihres Gleichen gewaltsam unterdrückt haben, sind in Pfützen kochenden Blutes geworfen; Teufel zerreißen ihnen die Körper mit spitzigen Räsern, dann werfen sie dieselben in eine eherne Schlange, wo der Schmerz ihnen schreckliches Geheul auspreßt; sind sie da herausgezogen, so machen Geister, bewaffnet mit Degen und Pfeilen, eine furchtbare Schlächterei aus ihnen, zerreißen ihnen das Herz und die Eingeweide, welche in siedendes Pech geworfen werden.

·        Dieselbe Strafe trifft die Frauen, welche ihre Leibesfrucht abtreiben.

·        Die Ketzer, die Gönner falscher Lehren, die Excommunicirten, die pflichtvergessenen Priester, die Gottesverächter und Pfründenkäufer werden von dem höllischen Drachen verschlungen und, an seinem Schweif herabgleitend, stürzen sie in siedendes Metall, Pech, Oel und Schwefel, welche die Tiefe der Hölle ausfüllen. Ihre Strafe erneuert sich ohne Unterlaß, wie bei allen Höllenstrafen.

Mit einem Worte, Franziska sah, daß jede Sünde durch unaussprechliche Peinen gezüchtiget ist, welche mit ihren Strafen in alle Ewigkeit verbunden sind. Der Engel, welche sie führte, sagte ihr, daß in dem Reiche des Lucifer die Teufel in verschiedene Ordnungen getheilt sind, von denen die einen die Lebenden versuchen und verfolgen, die andern die Verdammten quälen.

Mit Schauer hörte Franziska das verworrene Geschrei, welches durch Verzweiflung und unsichtbaren Schmerz ausgepreßt wurde; die Lästerungen, welche eine wüthende, heulende Rotte gegen Gott ausstieß, gegen die heilige Menschheit unseres Erlösers, gegen die heilige Jungfrau Maria, gegen alle Heiligen und Engel! Dieses Zähneknirschen, dieses Schluchzen, dieses Geschrei der Teufel, welche ihre Opfer verhöhnten und ihnen vorhielten, daß es ihnen für alle Ewigkeit unmöglich wäre, ihren Strafen zu entgehen.

Sie erfuhr, daß die Bewohner der Hölle in ihr Nichts zurückkehren wollten, nicht um sich ihrer Verbrechen zu entäußern, sondern um sich ihren Schmerzen und Peinen zu entziehen; sie sah, daß die Sünde fortwährend in dem Willen des Verdammten herrscht und daher auch die Pein nothwendig ohne Ende fortdauert.

Franziska fand mit Schrecken in der Hölle mehrere Personen, welche sie während ihres Lebens gekannt hatte; ihr Anblick verdoppelte ihren Schrecken und sie sagte in dieser Beziehung ihrem Beichtvater, daß sie Gott nicht genug für eine Vision danken könne, deren schauderhafte Erinnerung, selbst in Ermangelung jedes andern Antriebes, sie für immer von der Sünde fern halten müßte.

 

 

Anmerkung ETIKA: Alle diese Visionen sind nach unserer Meinung ebenso Wirklichkeit wie jene Strafen zur Ausführung kommen, die Dante, Bruder Luis von Granada, P. Martin von Cochem und etliche Heilige und Selige beschreiben, sowie jene, die in unserem Roman „Jedem nach seinen Taten“ aufgelistet sind. Denn die Ewigkeit ist unendlich und die Phantasie der Dämonen kennt keine Grenzen. Jeder bekehre sich rechtzeitig!

2. Höllenvision - Index 95 - Index 9