ETIKA

Hl. Franziska Romana

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95H29

Zweite Höllenvision

2.8.2014

Lebensgeschichte der heiligen Franziska Romana,
Stifterin der Oblaten von Tor di Specchi,
mit einer Einleitung über christliche Mystik
von Baron Maria Theodor von Bussière.
Aus dem Französischen übersetzt von P. Gf. P.
Mainz. Verlag von Florian Kupferberg. 1854.

S. 254 Die furchtbare Vision der Hölle entrollt sich wieder ihren Blicken. Sie wohnt zum zweiten Mal den Peinen der Verdammten bei; sie werden ihr noch einmal unter schrecklichen körperlichen Gestalten gezeigt, um ihr die Art und den Grad der ewigen Strafen begreiflich zu machen.

Franziska wird im Verlaufe dieser Ekstase und einigen späteren Visionen in neuer Ausführlichkeit hinsichtlich der Hölle eingeführt; sie theilt sie ihrem Beichtvater mit, nach ihrer Gewohnheit, feierlich versichernd, daß Alles, was sie sieht und erfährt, dem Urtheil unserer heiligen Mutter der Kirche, in deren Schooß sie leben und sterben will, unterwirft.

Es wird ihr gesagt, daß die Verdammten ihre gegenseitigen Sünden kennen. Sie ist Zeuge von gewissen furchtbaren und eigens zuerkannten Strafen, noch außer den allgemeinen Höllenpeinen, für Diejenigen, welche dem Geiste ihres Standes zuwider Verbrechen in dieser Welt verübt.

Die Priester und Geistlichen, schuldig der Ketzerei, Simonie, Unreinheit, der Nachgiebigkeit oder Lauheit im Beichtstuhl oder auf der Kanzel, sind die am strengsten Bestraften.

Die Heilige hört mit Entsetzen ihre schrecklichen und ewigen Verwünschungen gegen Gott und das Geheimniß der Menschwerdung des Wortes. Gleichwie die Glückseligen niemals den göttlichen Einklang ihres Lobgesanges unterbrechen, ebenso auch unterbrechen die Verdammten nie ihre Gotteslästerungen, und diese ewigen Gotteslästerungen sind ihnen selbst schrecklicher als die gesammten Peinen der Hölle. Die Wuth der Teufel und die ihrer Opfer brechen besonders gegen die heilige Jungfrau aus; indem sie einwilligte, Mutter Gottes zu werden, hat sie den Kopf der alten Schlange zertreten und ist die unschuldige Ursache der Qualen für die Feinde des Allmächtigen geworden. Sie ermüden nicht, den Haß gegen sie und die Verachtung ihrer Vorrechte anzufachen, und man erkennt den Erfolg ihrer perfiden Einflüsterungen in der Verwerfung des Cultus der Mutter der Barmherzigkeit thatsächlich bei den Ketzern aller Zeiten und Jahrhunderten.

Franziska lernt die Eintheilung der Dämonen kennen (Acta Sanct. etc., hierüber p. 154). Es wird ihr geoffenbart, daß der dritte Theil der himmlischen Geister sich unmittelbar nach der Schöpfung empört hat, als die künftige Menschwerdung des Wortes ihnen angekündigt wurde; sich Götter glaubend, verweigerten sie es, die Hoheit des menschgewordenen, dem Vater gleich ewigen Sohnes anzuerkennen, und wurden in den Abgrund der Hölle gestürzt; die andern Engel unterwarfen sich dem Willen ihres Schöpfers und wurden in ihrem heiligen Gnadenzustande befestiget.

Die Dämonen sind in drei große Massen vertheilt, von welchen jede in mehrere Unterabtheilungen zerfällt; die erste Masse umfaßt die schuldigsten; ihr Fall entspricht ihrer früheren hohen Stellung. Die beiden anderen bewohnen die Luft und die Erde; das sind die gefallenen Engel, welche neutral bleiben und sich weder für Gott noch für Luzifer entscheiden wollten. Dieser Letztere ist das Haupt der ganzen höllischen Miliz, unter ihm stehen drei Stellvertreter, welche die drei Grade des Abgrundes beherrschen; Franziska erblickt noch eine gewisse, göttlich zugelassene, unzerstörbare Ordnung trotz dem Wirrwarr, der da herrscht.

Der erste Stellvertreter des Luzifer, Asmodeus, nahm früher Theil an den Chören der Cherubinen: die Dämonen, beauftragt, in den Menschen unreine Gedanken und Begierden zu erwecken, sie zu sinnlichem Unfug und dem der Reinheit entgegengesetzten Verbrechen anzutreiben, diese sind ihm untergeben.

Mammona, der zweite, gehörte zu den Thronen: der Geiz, der Hochmuth, der Durst nach Reichthum und Macht und die daraus hervorgehenden Unterordnungen gehören zu seiner Befugniß.

Beelzebub, der letzte, stammt aus dem Range der Herrschaften, er steht vor den höllischen Finsternissen, den Acten der Abgötterei und Hexereien; die Legionen, welche er befehligt, flößen dem Menschengeschlecht die Irrthümer gegen den katholischen Glauben ein.

Luzifer mit seinen drei hauptsächlichen Ministern sind in der Hölle angefesselt und kommen nie aus ihr heraus. Die bösen Geister jedoch, selbst die der Luft und der Erde, handeln nur nach ihrem Befehl. Sie folgen ihnen, wie die Engel Gott gehorchen; aber bei den Versuchungen, die sie uns bereiten, können sie nicht die Grenzen überschreiten, welche der Allmächtige ihnen gesetzt und über die hinaus ihre Macht sich nicht erstrecken kann, und Gottes Güte gewährt uns immer die hinreichenden Gnaden, um siegreich aus dem Kampfe hervorzugehen.

Die Dämonen der Luft und Erde sind nicht den Peinen des Feuers ausgesetzt; aber sie leiden die allerschrecklichsten von allen, die Strafe des Verlustes der Anschauung Gottes, und die tugendhaften und christlichen Handlungen, welche sie hier auf Erden geübt sehen, verursachen ihnen unaussprechliche Schmerzen. Sie haben einen wüthenden Haß den Nachkommen Adams zugeschworen und sind besonders dazu, sie zu versuchen und in ihr eigenes Verderben herabzuziehen. Sie einigen sich unter einander, um zu diesem Ziel zu gelangen, und obgleich ein Jeder von ihnen ein bestimmtes Laster zu seiner besondern Aufgabe sich gemacht hat, so stimmen Alle doch darin überein, gleichsam eine giftige Mischung von verschiedenen Versuchungen zu bereiten, um die Seelen von mehreren Seiten auf einmal anzugreifen.

Wenn sie auf den Untergang eines kräftigen und entschlossenen Charakters versessen sind, so rufen sie andere mächtigere Dämonen, als sie selbst sind, zu Hülfe. So lange ein Dämon die Seele nicht zum Falle gebracht, die er verführen soll, so ist sie der einzige Gegenstand seiner Sorge; ist er aber zum Siege über sie gekommen, so benutzt er sie, andere Seelen nachzuziehen und zum Aergerniß zu bringen. (Anmerkung ETIKA: O wie viele solcher gefallenen Frauen und Männer weilen mitten unter uns, die für die Anderen eine tödliche Gefahr bedeuten!)

Sie wird darauf ein Instrument, ganz seiner Macht unterworfen; diese Herrschaft hört auf durch die Reue und die Beichte und der böse Geist erneuert seine List, um sie wieder zu gewinnen.

Der Dämon, welcher eine Seele wirklich in sein Verderben mit hineingezogen, bezeugt darüber eine wilde Freude ungeachtet der ewigen Peinen, zu welchen er selbst verdammt ist; er wird in der Hölle mit Acclamationen von der ganzen höllischen Schaar empfangen. Der Schutzengel dieser himmlischen Seele verläßt sie in dem Augenblicke, in welchem sie herabgestürzt ist, und nimmt seinen früheren Platz ein in den himmlischen Chören.

Ist hingegen eine Seele in´s Fegefeuer eingegangen oder ist sie durch ihren himmlischen Führer in´s Paradies eingeführt; da verhängt Luzifer über ihren Verführer schwere Strafen und überläßt ihn dem Hohngelächter der übrigen Dämonen, welche ihn peinigen und ihm vorwerfen, durch seine Nachläßigkeit diese Seele verloren zu haben. Dieser Versucher bleibt von da an ein herumirrender Geist ohne besondere Funktionen, nur von dem Streben erfüllt, möglichst oft Gelegenheit zum Bösen zu finden oder in die Leiber von Thieren und Menschen einzugehen, um sie besessen zu machen.

Franziska vernahm, daß nach einer besondern Bestimmung alle höllischen Geister sich untereinander sehen und kennen. Es wurde ihr geoffenbart, daß die Dämonen genöthigt sind, das Knie zu beugen, so oft sie den hochheiligen Namen Jesu aussprechen hören; und je reiner und tugendhafter die Person ist, welche diesen Namen ausspricht, desto mehr Wuth und Schmerz sie empfinden. Wird dieser erhabene Name in gotteslästerlicher Weise genannt, so müssen sie sich ebenfalls verbeugen; aber sie freuen sich zugleich über die Sünde, welche gegen den Gegenstand ihres scheußlichen Hasses begangen worden.

 

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