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HÖLLE

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95H3

Die Hölle nach der Apokalypse des Petrus

17.3.2015

Vorbemerkung: Die apokryphe Offenbarung des Petrus hat die christliche Vorstellung von der Hölle maßgeblich geprägt.

Die Hölle nach der Apokalypse des Petrus, übersetzt von Adolf Harnack 1893

Aus: Bruchstücke des Evangeliums und der Apokalypse des Petrus von Adolf Harnack. Zweite verbesserte und erweiterte Auflage. Leipzig. J. C. Hinrichs´sche Buchhandlung. 1893. S. 21-23. (Anm.: Harnack lebte von 1851-1930)

21 Ich sah aber auch einen anderen Ort gegenüber jenem, rauh (zerklüftet), und es war der Strafort, und die, die dort gestraft werden, und die strafenden Engel hatten ihre Gewänder dunkel, wie die Luftfarbe des Ortes.

22 Und Einige waren daselbst an den Zungen aufgehängt; das waren aber die, welche den Weg der Gerechtigkeit verlästern, und unter ihnen brannte ein lichtes und sie strafendes Feuer.

23 Und ein Pfuhl war da, gross und angefüllt mit brennendem Koth, in welchem einige Menschen steckten, die die Gerechtigkeit verkehren, und es bedrängten sie Engel als Peiniger.

24 Es waren aber auch Andere dort, Weiber an ihren Flechten über jenem aufsiedenden Koth aufgehängt; das waren die, welche sich zum Ehebruch geschmückt hatten; die aber, die sich mit dem Miasma des Ehebruchs jener Weiber befleckt hatten, waren an den Füssen aufgehängt und hatten die Köpfe in jenem Koth; und ich sprach: „Ich hätte nicht geglaubt, einzugehen an diesen Ort.“

25 Und ich sah die Mörder und ihre Mitwisser geworfen an einen engen und mit bösem Gewürm angefüllten Ort und (sah sie) gepeinigt von jenen Thieren und sich daselbst windend unter dieser Strafe; Würmer aber wie dunkle Wolken bedrängten sie; die Seelen der Gemordeten aber standen dabei und schauten die Strafe jener ihrer Mörder und sprachen: „O Gott, gerecht ist dein Gericht.“

26 Nahe aber von jenem Ort sah ich einen anderen Ort der Bedrängnisse, in dem das Blut und der Gestank der Gestraften herabfloss und wie ein Pfuhl dort wurde, und daselbst sassen Weiber, denen das Blut bis zum Halse ging, und ihnen gegenüber sassen viele Kinder, die als unzeitige Früchte von ihnen zur Welt gebracht waren, und weinten, und es sprangen Feuerstrahlen aus ihnen (den Kindern) hervor und schlugen die Augen der Weiber; diese aber waren die Verfluchten, welche empfangen und die Frucht sich abgetrieben hatten.

27 Und andere Männer und Frauen standen in Flammen bis zum halben Leib und waren an einen dunklen Ort geworfen und wurden von bösen Geistern gegeisselt und aufgezehrt an ihrem Eingeweide von Würmern, die nicht sterben; das waren die, welche die Gerechten verfolgt und sie ausgeliefert hatten.

28 Und nahe von jenen waren wiederum Weiber und Männer, die ihre Lippen zerbissen, und sie wurden gestraft und nahmen (träufelten) glühendes Eisen auf ihre Augen; das waren die, welche den Weg der Gerechtigkeit verlästert und verleumdet hatten.

29 Und ihnen gegenüber waren wiederum andere Männer und Weiber, die ihre Zungen zerbissen und ein brennendes Feuer in ihrem Munde hatten; das waren die falschen Zeugen.

30 Und an einem anderen Ort waren Kiesel, schärfer als Schwerter und alle Spiesse, glühend gemacht, und Weiber und Männer in schmutzigen Lumpen wälzten sich auf ihnen in Strafpein; das waren die Reichen und die, welche auf ihren Reichthum vertraut und sich der Waisen und Wittwen nicht erbarmt, sondern das Gebot Gottes missachtet hatten.

31 In einem anderen grossen und von Eiter und Blut und aufsprudelndem Kalk angefüllten Pfuhl aber standen Männer und Weiber bis zu den Knieen; das waren die, welche Zins nehmen und Zinseszins fordern.

32 Andere Männer und Weiber wurden von einem hohen Abhang herabgestürzt und hatten keine Ruhe vor dieser Pein; das waren die, welche ihre Leiber befleckt hatten, wie Weiber Umgang pflegend; die Weiber aber, die mit ihnen waren, waren die, die bei einander geschlafen hatten, wie der Mann beim Weibe.

33 Und neben jenem Abhang war ein Ort, der mit vielem Feuer ganz angefüllt war, und dort standen die Männer, die sich mit eignen Händen Schnitzwerke gemacht hatten statt Gottes, und bei ihnen standen andere Männer und Weiber, die hatten Ruthen und schlugen einander und liessen nie ab von dieser Züchtigung.

34 Und wiederum andere Weiber und Männer standen nahe von jenen, brennend und sich windend und bratend, das waren die, welche den Weg Gottes verlassend

 

Zum Vergleich: Die Hölle nach der Apokalypse des Petrus, übersetzt von H. Dünsing 1913

Übersetzung: H. Dünsing 1913.
Lit.: Hennecke-Schneemelcher: Neutestamentliche Apokryphen, Band 2, Mohr Tübingen 1971.
Weidinger: Die Apokryphen, Pattloch 1989.
Apokryphen zum Alten und Neuen Testament. Herausgegeben, eingeleitet und erläutert von Alfred Schindler. Manesse Verlag Zürich, 1988.

 

6. Und alle werden sehen, wie ich auf ewig glänzender Wolke komme und die Engel Gottes, die mit mir sitzen werden auf dem Thron meiner Herrlichkeit zur Rechten meines himmlischen Vaters. Der wird eine Krone auf mein Haupt setzen. Sobald das die Völker sehen, werden sie weinen, jedes Volk für sich. Und er wird ihnen befehlen, daß sie in den Feuerbach gehen, während die Taten jedes einzelnen von ihnen vor ihnen stehen. Einem jeden nach seinem Tun.

Betreffs der Erwählten, die Gutes getan haben, sie werden zu mir kommen, indem sie den Tod verzehrenden Feuers nicht sehen werden. Die Bösewichter, Sünder und Heuchler aber werden in den Tiefen nicht verschwindender Finsternis stehen, und ihre Strafe ist das Feuer, und Engel bringen ihre Sünden herbei und bereiten ihnen einen Ort, wo sie für immer bestraft werden, je nach ihrer Versündigung.

Der Engel Gottes Urael bringt die Seelen derjenigen Sünder, die in der Sintflut umgekommen sind, und aller, die in den Götzen, jeglichem Gußbild, jeglicher Liebe und in Bildern, und derer, die auf allen Hügeln und in Steinen und am Wege wohnen, (die) man Götter nannte; man wird sie mit ihnen in ewigem Feuer verbrennen. Nachdem alle mit ihrer Wohnstätte zugrunde gegangen sind, wird man sie ewig strafen.

7. Dann werden Männer und Weiber an den ihnen bereiteten Ort kommen. An ihrer Zunge, mit der sie den Weg der Gerechtigkeit verlästert haben, wird man sie aufhängen. Man bereitet ihnen nie verlöschendes Feuer...

Und siehe wiederum ein Ort: Da ist eine große, volle Grube. Darin die, welche verleugnet haben die Gerechtigkeit. Und Strafengel suchen (sie) heim, und hier in ihr zünden sie das Feuer ihrer Strafe an.

Und wiederum zwei Weiber: Man hängt sie an ihren Nacken und Haaren auf, in die Grube wirft man sie. Das sind die, welche sich Haarflechten gemacht haben nicht zur Schaffung des Schönen, sondern um sich zur Hurerei zu wenden, damit sie fingen Männerseelen zum Verderben. Und die Männer, die sich mit ihnen in Hurerei niedergelegt haben, hängt man an ihren Schenkeln in diesen brennenden Ort, und sie sagen untereinander: "Wir haben nicht gewußt, daß wir in die ewige Pein kommen müßten."

Und die Mörder und die mit ihnen gemeinschaftliche Sache gemacht haben, wirft man ins Feuer, an einen Ort, der angefüllt ist mit giftigen Tieren, und sie werden gequält ohne Ruhe, indem sie ihre Schmerzen fühlen, und ihr Gewürm ist so zahlreich wie eine finstere Wolke, und der Engel Ezrael bringt die Seelen der Getöteten herbei; und sie sehen die Qual (derer, die sie) getötet haben, und sie sagen untereinander:

"Gerechtigkeit und Recht ist das Gericht Gottes. Denn wir haben es zwar gehört, aber nicht geglaubt, daß wir an diesen ewigen Gerichtsort kommen würden."

8. Und bei dieser Flamme ist eine große und sehr tiefe Grube, und es fließt da hinein alles von überall her: Gericht und Schauderhaftes und Aussonderungen. Und die Weiber sind verschlungen bis an ihren Nacken und werden bestraft mit großem Schmerz. Das sind also die, welche ihre Kinder abtreiben und das Werk Gottes, das er geschaffen hat, verderben. Gegenüber von ihnen ist ein anderer Ort, wo ihre Kinder sitzen; aber beide lebendig, und sie schreien zu Gott. Und Blitze gehen aus von diesen Kindern, welche die Augen derer durchbohren, welche durch diese Hurerei ihren Untergang bewirkt haben.

Andere Männer und Frauen stehen nackt oberhalb davon. Und ihre Kinder stehen hier ihnen gegenüber an einem Ort des Entzückens. Und sie seufzen und schreien zu Gott wegen ihrer Eltern: "Das sind die, welche vernachlässigt und verflucht und deine Gebote übertreten haben. Und sie töteten uns und fluchten dem Engel, der uns geschaffen hatte, und hängten uns auf. Und sie enthielten das Licht, das du für alle bestimmt hast, uns vor." Und die Milch ihrer Mütter fließt von ihren Brüsten und gerinnt und stinkt, und daraus gehen fleischfressende Tiere hervor, und sie gehen heraus, wenden sich und quälen sie in Ewigkeit mit ihren Männern, weil sie verlassen haben das Gebot Gottes und ihre Kinder getötet haben. Und ihre Kinder wird man dem Engel Temlakos geben. (Anm.: Nach Clemens Alexandrinus und Methodius werden sie Schutzengeln übergeben, von welchen sie erzogen werden, und erlangen einen besseren Aufenthalt.) Und die sie getötet haben, wird man ewig quälen, weil Gott es so will.

9. Es bringt der Zornengel Ezrael Männer und Weiber und wirft sie an einen Ort der Finsternis, die Hölle der Männer. Sie stehen bis zur Mitte ihres Leibes in Flammen, und ein Geist des Zornes peitscht sie mit jeglicher Züchtigung, und nimmer schlafendes Gewürm zerfrißt ihre Eingeweide. Das sind die, welche die Gerechten verfolgt und sie ausgeliefert (verraten) hatten.

Und bei denen, die hier waren, andere Männer und Weiber, die zerbeißen ihre Zunge und Lippen, und man quält sie mit glühendem Eisen und verbrennt ihre Augen. Das sind die, welche den Weg der Gerechtigkeit gelästert und gezweifelt haben. Andern Männern und Weibern — ihre Taten: Betrug — schneidet man die Lippen ab, und Feuer geht in ihren Mund und in ihre Eingeweide. (Das sind die,) welche die Märtyrer getötet haben mit Verleumdungen.

Und an einem nahe bei ihnen gelegenen Ort waren glühende Kieselsteine, schärfer als Schwerter und als jeder Spieß — Männer und Weiber, gekleidet in schmutzige Lumpen, wälzen sich auf ihnen und erleiden das Gericht unvergänglicher Qual. Das sind die, welche reich gewesen sind und haben vertraut auf ihren Reichtum und sich nicht der Witwen und Waisen erbarmt, sondern haben verachtet Gott ins Angesicht.

10. Und in einem anderen großen See, voll von Eiter und Blut und aufwallendem Schlamm, stehen Männer und Weiber bis die Knie. Das sind die, welche ausgeliehen und Zinseszins gefordert haben (Anmerkung: die Wucherer).Und andere Männer und Weiber werden von einer Höhe herabgeworfen und werden von Dämonen angetrieben, wieder hinaufzusteigen. Das sind die Götzendiener, und man stellt sie an das Ende..., und sie stürzen sich hinab. Und also tun sie fortwährend, in Ewigkeit werden sie gequält. Das sind die, welche ihre Leiber befleckt haben..., darin die Männer, die wie Weiber sich untereinander befleckt haben. (Der Akhmimtext ergänzt:) Aber die Frauen bei ihnen, das waren die, welche untereinander verkehrt hatten wie Männer mit der Frau.

Und bei diesen... (unübersetzbares Wort) und unter ihnen macht der Engel Ezrael einen Ort von vielem Feuer, und alle goldenen und silbernen Götzen, alle Götzen, das Werk von Menschenhand, und was glich den Bildern von Katzen und Löwen, von Reptilien und wilden Tieren, und welche Bilder davon angefertigt hatten, Männer und Weiber, in feurigen Ketten, die gezüchtigt werden wegen ihrer Verirrung vor ihnen, und so ist ihr Gericht in Ewigkeit.

Und bei ihnen andere Männer und Weiber, die brennen in der Flamme des Gerichtes und werden im Feuer gewendet und gebacken, und haben keine Ruhe von dieser Qual. Das sind die, welche verlassen haben das Gebot Gottes und sind gefolgt ...(unbekanntes Wort) der Dämonen.

11. Und ein anderer sehr hoher Ort..., die Männer und Weiber, welche einen Fehltritt begehen, gehen rollend hinunter dahin, wo der Schrecken ist. Und wiederum, indem das bereitete (Feuer) fließt, steigen sie herauf und wieder herab und wiederholen so das Rollen. So werden sie gestraft in Ewigkeit. Das sind also die, welche Vater und Mutter nicht geehrt haben und freiwillig sich ihrer enthalten haben. Deshalb werden sie gestraft ewiglich.

Weiter bringt der Engel Ezrael Kinder und Jungfrauen, um ihnen die Bestraften zu zeigen. Sie werden bestraft mit Schmerz, mit Aufhängen und vielen Wunden, die ihnen fleischfressende Vögel beibringen. Das sind die, welche trauen auf ihre Sünde, ihren Eltern nicht gehorsam sind, die Lehre ihrer Väter nicht befolgen und, die älter sind als sie, nicht ehren.

Bei ihnen Jungfrauen und die bekleiden sich mit Finsternis als Kleidern, und sie werden ernst bestraft, ihr Fleisch wird auseinandergerissen. Das sind die, welche ihre Jungfrauschaft nicht bewahren bis dahin, wo sie in die Ehe gegeben werden, sie werden mit dieser Strafe bestraft, indem sie fühlen.

Und wiederum andere Männer und Frauen, welche ruhelos ihre Zunge zerkauen, indem sie gequält werden mit ewigem Feuer. Das sind die Sklaven, welche ihren Herren nicht gehorsam gewesen sind. Dies ist also ihr Gericht für ewig.

12. Und bei dieser Qual sind blinde und stumme Männer und Weiber, deren Gewand weiß ist. Dann pferchen sie sich gegenseitig zusammen und fallen auf Kohlen nicht verlöschenden Feuers. Das sind die, welche Almosen geben und sagen: "Wir sind gerecht vor Gott", während sie doch der Gerechtigkeit nicht nachgetrachtet haben.

Der Engel Gottes Ezrael läßt herausgehen aus dieser Flamme und stellt hin Gericht der Entscheidung. Dies ist also ihr Gericht. Ein Feuerbach fließt, und es zieht sich herunter alles Gericht (= alle Gerichteten?) mitten in den Bach. Und es stellt sie hin Urael. Und Feuerräder gibt er, und Männer und Weiber daran aufgehängt durch die Kraft seines Rollens. Die in der Grube sind, brennen. Das sind nämlich die Zauberer und Zauberinnen. Diese Räder (sind) bei aller Entscheidung durch Feuer ohne Zahl.

13. ...Qual ist einem jeden in Ewigkeit nach seinem Tun...

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