ETIKA

KRIEG

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3.11.2003

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Ein Christ im Krieg

P. Werenfried van Straaten: Wo Gott weint, Georg Bitter Verlag, Recklinghausen, 1969

 

Eine beispielhafte Haltung legte der Holländer P. Werenfried van Straaten im 2. Weltkrieg an den Tag. Nicht immer kann sich der Christ so verhalten, besonders wenn die Möglichkeit besteht, den Feind fernzuhalten oder aus dem Land zu treiben, was auch eine vaterländische Pflicht sein kann. Siehe Andreas Hofer.

 

Wir zitieren aus dem Buch „Wo Gott weint“, das wir allen Lesern ans Herz legen. Es ist erschienen im Georg Bitter Verlag, Recklinghausen, 1969, und hat 208 Seiten.

 

Werenfried van Straaten o. praem.
Wo Gott weint
Georg Bitter Verlag

 

„Dann kam der Zweite Weltkrieg mit allem Leid... Ich stand zwischen zwei Feuern, weil ich das scheußliche Morden nicht anders als einen Kampf zwischen den Heiden und den Heiden um die Dinge dieser Welt interpretieren konnte. Ich wollte keine Stellung nahmen, es sei denn für die Liebe gegen den Haß.

 

In einem Land, das unter einer feindlichen Besatzung seufzte, betonte ich, dass Christen dazu verpflichtet sind, ihre Feinde zu lieben, und daß es eine schwere Sünde ist, ihnen die normalen Zeichen und Äußerungen der brüderlichen Liebe systematisch zu verweigern.

 

Ich hatte Freunde unter den Kommunisten und in der deutschen Wehrmacht, in der Widerstandsbewegung und unter den Freiwilligen, die an der Ostfront gegen die Russen kämpften. Das brachte mich oft in Schwierigkeiten. Denn fast alle, die sich persönlich engagierten, waren davon überzeugt, dass das Vaterland, Europa, Gott, eine „neue Ordnung“ oder alle anderen Ideale nur in der Weise erreicht werden konnten, die jeder selbst für richtig hielt. Viele habe ich enttäuscht, weil ich es verweigerte, mich von einer Gruppe annektieren zu lassen. ...

 

Ich bemühte mich, Verständnis zu haben für alle, die es ehrlich meinten. Ich versuchte, die Liebe über alle Meinungsverschiedenheiten zu stellen und zu retten, was zu retten war. Nach dem Kriege lagen viele meiner Freunde, in Zwietracht gestorben, in den Massengräbern...

 

Dann gründete ich eine kleine Zeitschrift, in der ich ... in einer zerrissenen Welt für die Wiederherstellung der Liebe kämpfte. Ich kämpfte darin gegen den Haß und für die Versöhnung. Ich stellte darin die Barmherzigkeit über das Recht. Ich bettelte darin um Liebe für den besiegten Feind. Ich verteidigte darin die Wehrlosen, die Gefangenen, die von Haus und Hof Vertriebenen, die Verfolgten, die Armen und Unterdrückten. ...

 

Das Wesentliche dieser Aufgabe ist nicht das Sammeln von Speck für heimatvertriebene Deutsche, nicht ... der Versand von Liebesgaben an Zwangsarbeiter in Sibirien. Das Wesentliche meiner Aufgabe besteht darin, dass ich überall, wo Gott weint, seine Tränen trocknen muß.“ (S. 11 und 12)

 

Ein großer Christ. Freuen wir uns darauf, ihm im Himmel zu begegnen. Lest sein Buch!

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