ETIKA

KRIEG

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4.11.2001

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Krieg ist bestialisch. Besser: Die Bösen gegeneinander hetzen

Diverse Autoren, Morus, Abdullah...

 

Krieg: Mangel an Werten
„War with all its forms is a failure of values. In war the killer and killed are partners in failure.”

”Krieg mit all seinen Formen ist ein Mangel, ein Zusammenbruch an Werten. Im Krieg sind der Tötende und die Getöteten Partner bei einem Fehlschlag.”

Crown Prince Abdullah Ibn Abdul Aziz, Deputy Prime minister and Commander of the National Guard, Saudi-Arabia, in a written speech that was distributed following the opening of the Arab summit in Sharm Al-Sheikh, published in: Ain-Al-Yaqeen, March 7, 2003. Internet:

 

Krieg: etwas ganz Bestialisches – Amerikaner wie wilde Tiere
“Den Krieg verabscheuen die Utopier aufs höchste als etwas ganz Bestialisches, womit sich jedoch keine Art wilder Bestien so beständig beschäftigt wie der Mensch. (115)

 

... fangen sie nicht leichten Herzens einen Krieg an, es sei denn, um entweder ihre Grenzen zu schützen oder um die Gegner, die in das Gebiet der Freunde eingedrungen sind, zu vertreiben, oder aus Mitleid mit irgendeinem von Tyrannei bedrückten Volk, das sie mit ihrer Macht vom Joche der Tyrannen und der Sklaverei befreien wollen; das tun sie alles aus Menschenliebe. Ihren Freunden freilich gewähren sie ihre Hilfe nicht immer nur zur Verteidigung, sondern zuweilen auch, um früheres Unrecht zu vergelten und zu rächen. (115f.)

 

Ein blutiger Sieg ist ihnen nicht nur verdrießlich, sondern beschämt sie sogar, indem sie erwägen, dass es eine Torheit sei, selbst die kostbarste Ware zu teuer zu kaufen. Haben sie aber die Feinde durch Ränke und List besiegt und sich unterworfen, so frohlocken sie laut darüber, veranstalten deswegen ... einen Triumphzug und errichten ein Siegesdenkmal... (Anmerkung: Insofern hat das Siegesdenkmal, das die Faschisten in Bozen errichtet haben, eine gewisse Berechtigung, denn die Italiener haben Südtirol ja nicht durch Waffengewalt erobert, sondern durch Ränke auf diplomatischer Ebene erschlichen.) (117)

 

Sie rühmen sich, ... wenn sie so gesiegt haben, wie es kein beseeltes Geschöpf außer dem Menschen vermocht hätte: das heißt mit Kräften des Geistes. (Anmerkung: Das kann man bezüglich Südtirol beim besten Willen nicht sagen, da es doch um Verrat im Zuge des Untergangs Deutschlands und Österreichs im Ersten Weltkrieg ging.)

Denn mit körperlichen Kräften, sagen sie, kämpfen Bären, Löwen, Eber, Wölfe, Hunde und die anderen wilden Tiere, die uns größtenteils an Stärke und Wildheit dieser Kräfte überlegen sind, dafür aber alle zusammen von uns an Geist und Vernunft übertroffen werden. (Anmerkung: was den Irak-Krieg angeht, muss man also die Amerikaner und Briten mit wilden Tieren vergleichen - wenn man denkt wie der Heilige.)

Nur einen Zweck verfolgen sie im Kriege: das Ziel zu erreichen, das ihnen schon früher hätte zufallen müssen, um den Krieg überflüssig zu machen. (118)

 

... versprechen sie gewaltige Belohnungen dem, der denen gegnerischen Fürsten aus dem Wege räumt ... Was sie aber auch für den Mörder ausgesetzt haben, sie verdoppeln es für denjenigen, der einen von den Geächteten lebend zu ihnen bringt.; und ebenso hetzen sie auch die Geächteten selber gegen ihre Genossen auf, mit denselben Prämien und dazu noch mit der Zusicherung der Straflosigkeit. (Anmerkung: Das gleiche könnten eigentlich auch wir tun mit gewissen Schurken...) So kommt es schnell dahin, dass die Geächteten alle anderen Menschen im Verdacht haben, sich selber gegenseitig nicht mehr zu trauen und kein Vertrauen mehr genießen und daher in höchster Furcht und nicht geringerer Gefahr schweben. ... So leicht treiben Belohnungen zu jedem beliebigen Verbrechen an. (118 f.)

 

(Immer die Utopier) … versprechen deshalb nicht nur eine unermessliche Menge Gold, sondern auch sehr ertragreiche Landgüter an ganz sicheren Orten in befreundeten Ländern zu ewigem Besitz, und halten das mit größter Treue. ...

 

Ja, sie kommen sich sogar human und mitfühlend vor, weil sie mit dem Tode weniger Schuldiger das Leben zahlreicher Unschuldiger erkaufen, die sonst im Kampfe umgekommen wären (Anm.: Da stellt sich dem Politologen und Juristen natürlich die theoretische Frage, wer der größere Verbrecher ist: der Terrorist, der ein Attentat auf einen Politiker verübt, der dann stellvertretend für ein verhasstes System sterben muss, oder der Staatsmann, der Hunderttausende in einen Krieg schickt, in dem Tausende umkommen und Millionen unter den Folgen leiden.) (119)

 

So mieten sie denn überall in der Welt Söldner und schicken sie in den Krieg, besonders aus dem Volk der Zapoleten (Anm.: bitte nicht verwechseln mit den indianischen Zapoteken). Dieses Volk wohnt fünfhundert Meilen östlich von Utopia, ist ungesittet, derb und wild und zieht seine rauhen Berge und Wälder, in denen es aufwächst, allen Ländern der Erde vor. ... Nur zum Kriege geboren, suchen sie eifrig nach Gelegenheit dazu... Großenteils leben sie von Jagd und Raub.... Nur dieses eine Gewerbe verstehen sie: das Leben zu fristen, indem sie den Tod suchen... (120)

 

 

Thomas Morus (Thomas More): Utopia, übersetzt von Gerhard Ritter, Verlag Philipp Reclam jun. Stuttgart, Universal-Bibliothek Nr. 513 (2). 1983. Sehr empfehlenswert. Billig. In jeder Buchhandlung zu bestellen!

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