Für die Elite unter unseren Lesern,
ob Zivilisten oder Politiker oder Militärs oder Agenten oder Journalisten

ETIKA

KRIEG

www.etika.com
24.9.2002

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Krieg = Verwüstung
Völker wollen keinen Krieg

Materialien für den Kampf gegen Kriegsverbrecher. Zitate von Litt, Clausewitz, Feldkeller, Delmer, Machiavelli, Scronn, Lenin, Sorel, Gehlen, Wörner, Hegel, Igrinjow

„Ich will keinen Krieg, weil ich weiß, wie viel Unglück er den Menschen bringt. ... Ich weiß aus Erzählungen meines Großvaters und aus Büchern, dass auch die Deutschen keinen Krieg brauchten und brauchen. Die Kriege werden nicht von den Völkern, sondern von den schlechten Politikern entfesselt. Und einfache Menschen müssen dafür bezahlen. (Ljudmila Filenko, 15 Jahre, Dorf Schirokoje, Gebiet Odessa, zitiert von Igrinjow, s. u., S. 104)

 

„Das Gewissen wird einem kulturellen Tötungsgebot immer entgegenstehen...“(Irenäus Eibl-Eibesfeldt, zitiert von unserem Gönner Georg Kleemann †: Krieg und Frieden, Stuttgarter Zeitung, 15.3.1975)

 

Wachsender Anteil der Zivilisten an den Millionen Kriegstoten

Seit Ende des zweiten Weltkrieges hat es 127 militärische Konflikte mit 32 Millionen Toten und Verwundeten gegeben. Anteil der Toten unter der Zivilbevölkerung gegenüber den Opfern der Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71: 2 % bei 129.000 Gesamtopfern. Im 1. Weltkrieg: 5 % von fast zehn Millionen Toten. 2. Weltkrieg: 48 % von 55 Millionen Toten. Kriegshandlungen seit 1945: bis zu 90 Prozent! Die Kriege nehmen an Ausmaß und Brutalität ständig zu.
(Die Schrecken der Kriege, eine Besinnung zu Allerseelen, Dolomiten, Bozen, 1.11.1981, unter Bezugnahme auf eine Computerstudie von Professor Kende, „Journal for Peace Research“, Washington)

 

Triumph der rohen Gewalt

"Die rohe Gewalt beherrscht das Feld, und der Geist fristet ein bloßes Scheindasein." (S.112)
"Gerade deshalb ist Geschichte auf weite Strecken hin eine erschütternde Tragödie, weil sie der Gewalt, die von Menschen gegen Menschen geübt wird, nicht nur so viel Raum und Anreiz gewährt, sondern auch wieder und wieder die Entscheidung in die Hände spielt, während sie die gewaltlos wirkenden Kräfte nur allzuoft zur Ohnmacht verurteilt.

Geschichte ist ... in den großen Umrissen ihrer sichtbaren Erscheinung betrachtet, Geschichte organisierter Gewaltausübung, ist Geschichte von Krieg und Aufruhr, Beraubung und Verwüstung, Zinsen und Fronen, Leiden und Tod.

.. Überall da, wo die Geschichte die Gewalt zur schwindelnden Höhe der Allmacht emporsteigen läßt, enthüllt sie zugleich die unheimlichen Verheerungen, die sie nicht nur in dem Umkreis ihrer äußeren Wirkungen, sondern auch in dem Inneren ihrer Besitzer und Nutznießer anrichten kann. Was sie über die Handlungen und Haltungen derer zu berichten hat, denen das "Recht des Stärkeren" ihr Evangelium war, das ist nicht darnach angetan, dem Respekt vor diesem Recht Nahrung zu geben." (S. 114f.)

(Theodor Litt: Staatsgewalt und Sittlichkeit, Erasmus Verlag München 1948; Anmerkungen auf der Rückseite des Titelblatts: "... 1920 bis heute ordentlicher Professor der Philosophie und Pädagogik an der Universität Leipzig. Published under Military Government Information Control License N. US-E-180, Office of Military Government for Bavaria, Information Control Division U. S. Army. Vorwort auf Seite 3: ... niedergeschrieben im Jahre 1942. Weshalb sie so lange im Schreibtisch verschlossen geblieben ist, bedarf keiner Begründung.)
Anmerkung etika.com: Vielleicht müßte Philosophieprofessor Litt sie in der jetzigen Zeit globaler Machtgelüste wieder in den Schreibtisch einschließen.

 

Kriege Instrument der Politik

"... die Kriege ... sind .. nichts als Äußerungen der Politik selbst... Das Unterordnen des politischen Gesichtspunktes unter den militärischen wäre widersinnig, denn die Politik hat den Krieg erzeugt; sie ist die Intelligenz, der Krieg aber bloß das Instrument, und nicht umgekehrt. Es bleibt also nur das Unterordnen des militärischen Gesichtspunktes unter den politischen möglich." (S. 583)
"... die Zahl der Kämpfenden ... wird .. den Sieg bestimmen." (S. 175)
(General Carl von Clausewitz: Vom Kriege, Hinterlassenes Werk, Vier Falken Verlag Berlin, ohne Jahr)

 

Globale Klassenkriege

„Große Völker führen nur noch Interventionskriege: Amerikas Kriege in Nordkorea, Vietnam, beinahe in Cuba. Die Kriege der USA, der Sowjetunion und Chinas sind globale Klassenkriege, Weltbürgerkriege. Trotz Freundschaft der Völker untereinander will jeder von beiden Machtblöcken die Bevölkerungen der andern „befreien“. ... Jeder glaubt die Freiheit des andern bedroht, weswegen er intervenieren müsse. Diese Beeinträchtigung des andern, so glaubt man, kann nur durch einen globalen Krieg bereinigt werden.“
(Paul Feldkeller: Wörterbuch der Psychopolitik, Francke Verlag Bern und München, 1967, Stichwort Interventionskriege, S. 64f.)

 

Opferung der Bevölkerung

“... ein Teil der Männer (und wahrscheinlich auch der Frauen) ist für den Atomkrieg, was die Opferung der Bevölkerung bedeutet. Wenn man das „Volk“ zum Siege führen will, darf die sinnlos herumstehende Bevölkerung die Kriegsmanöver nicht hindern. Die alte Ideologie ist zugunsten der Kriegsvernichtung von Freund und Feind verlassen. Das übermäßige Sportdenken unserer Tage, die Sportpsychologie begünstigt jene ungeheure Abstraktion der physischen Überlegenheit von allen übrigen Vorzügen des Menschenbildes. Dresden und Hiroshima waren kleine Proben.
Diese pragmatische Wehrsituation wird von den Soldaten selber nicht verstanden. Im Kampf Mann gegen Mann (im Gegensatz zum Kampf mit der Fernwaffe) ermorden sie einander. In Friedenszeiten schämen sie sich dessen... Deren Eigenbild (von sich selbst) als Ehemänner, Väter, Staatsbürger vor Gericht sagte unzweideutig aus: „Das war ich nicht, das war ein anderer, mit dem ich nichts zu tun habe“.
Der Soldat, die Armee ist insofern ein Status im Staate nach eigenen seelischen Gesetzen. Die Zenturionen, ..., die Fremdenlegionäre, die Werwölfe, ... die Fahne wechselnden Berufssoldaten hält zweierlei zusammen: die Eliteleistung und das darauf begründete Prestige. – Truppe und Offiziere wünschen sich den Ernstfall. ... Wenn Theodor Heuss recht hätte („die ernsten Pazifisten sitzen heute in den Generalstäben“), so wäre diese Spaltung das Ende des Militärs. Denn Rudelseele und moralisches Bewusstsein sind beides entgegengesetzte ethologische Handlungen. Eine Ethik des Krieges ist im atomaren Zeitalter nicht möglich (Wehrkunde, Heft 12, 1958)

(Paul Feldkeller: Wörterbuch der Psychopolitik, Francke Verlag Bern und München, 1967, Stichwort Wehrmotivation, S. 149f.)

 

Psychokrieg

"Mit der psychologischen Kriegführung haben wir den totalen Sieg in diesem Kriege errungen." (Sefton Delmer, britischer Propagandist des 2. Weltkrieges)

 

Kosten sparen - plündern

"Man muß .. sowohl bei der Eroberung wie beim Erhalten des Eroberten darauf bedacht sein, Kosten zu sparen, ja überhaupt in allem, was man tut, Gewinn für den Staat herauszuschlagen. Um dies zu erreichen, muß man die Methode der Römer befolgen, die vor allem darin bestand, die Kriege, wie die Franzosen sagen, "kurz und schonungslos" zu führen. Da die Römer mit großer Streitmacht ins Feld zogen, waren alle ihre Kriege, die sie mit den Latinern, Samnitern und Etruskern führten, in kürzester Zeit beendigt. ... in sechs, zehn und zwanzig Tagen... gleich nach der Kriegserklärung ... eine Schlacht zu schlagen. Wurde sie gewonnen, so machten die Feinde Friedensvorschläge, um ihr Land vor der völligen Verwüstung zu bewahren; die Römer berurteilten sie zur Abtretung von Ländereien. ... (S. 184)
So wurden die Römer ... durch schnelle Beendigung der Kriege und dadurch, daß sie sich begnügten, ihre Feinde durch Niederlage, Plünderungen und vorteilhafte Friedensschlüsse mit der Zeit zu schwächen, immer reicher und mächtiger."
(Niccolo Machiavelli: Discorsi, Gedanken über Politik und Staatsführung, II. Buch, 6. Kapitel, Alfred Kröner Verlag Stuttgart, 1966, S. 185f.)

Die heutigen Römer sind offensichtlich die Amerikaner.

 

Hinter die Kulissen sehen

"Einseitige Informationen sind für jede wissenschaftliche, gerecht sein wollende Betrachtung wertlos. Diese Einseitigkeit in der Publizistik - sprich Propaganda - lässt niemals klare Erkenntnisse zu. Schon die alten Römer sagten deshalb: "audiatur et altera pars"! Man möge auch die andere Seite hören. (S. 8)
Fehl-Informationen waren die Ursachen für irrige Entschlüsse und damit für schwere Fehlschläge, oft mit katastrofaler Auswirkung. (S. 9)

Getreu dem alten Sprichwort, dass die liebe Sonne alles an den Tag bringt, erkennen aber immer mehr besonnene Elemente in aller Welt langsam aber sicher den ungeheuren Schwindel und die abgrundtiefe Verderbtheit, die in diesen frevelhaften, politischen Machenschaften liegen, noch dazu (wo) es sich nicht um kleine persönliche Interessen, sondern um ganze Völkergruppen handelt!
Man will sich nichts mehr vormachen lassen. Es sind zuviel Menschen umgekommen, als dass man mit der Zeit nicht hinter diese politischen Kulissen sehen könnte."
(Alexander Scronn: General Psychologus, Estado do Rio, 1965, S. 10)

 

Krieg beschleunigt soziale Entwicklung

„Die zivilisiertesten und kulturelle am meisten entwickelten Länder sind durch den Krieg der Hungersnot ausgesetzt worden. Dagegen hat andererseits der Krieg als großer historischer Prozeß die soziale Entwicklung in unerhörter Weise beschleunigt.“
(Wladimir Iljitsch Lenin: Um Brot und Frieden, Werke, Dietz Verlag Berlin 1961, Band 26, S. 387)
„Der Krieg hat die Massen aufgerüttelt, hat sie durch unerhörte Schrecken und Leiden geweckt. Der Krieg hat die Geschichte angetrieben, jetzt eilt sie mit der Geschwindigkeit einer Lokomotive dahin.“
(Wladimir Iljitsch Lenin: Die Hauptaufgabe unserer Tage, Werke, Dietz Verlag Berlin 1960, S. 150) 

 

Heil durch Gewalt

"Der Gewalt verdankt der Sozialismus die hohen moralischen Werte, durch die er der modernen Welt das Heil bringt."

(George Sorel: Über die Gewalt, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1969,  S. 306)

Heute könnte man etwas abwandeln: Der Gewalt verdankt die Weltmacht USA, daß sie der modernen Welt mit ihren hohen moralischen Werten das Heil bringt. Wir erinnern an die Fortschritte in Afghanistan, wo nach dem Verschwinden der Taliban Pornografie und Pädophilie um sich griffen, oder an Somalia und andere afrikanische Länder, wo sogenannte Friedenshüter sich mit Kindern sexuell vergnüg(t)en.

 

Freude an der Vernichtung des Wehrlosen

"Auf einmal zeigt sich als überraschende Erscheinung, daß ein permanenter Kult des Bösen entsteht, eine wirklich diabolische Tendenz, vor allem im Film gepflegt, in dem, wie Hans Mayer (Bergedorfer Gespräche, Protokoll 28, 1968) richtig beschrieb, das Publikum nicht etwa den Untergang des Bösen, sondern das Böse selbst genießt. Das ist wohl die Form, in der ... die naturale Aggressivität des Menschen sich ausdrückt ... In den Menschen ... bleibt etwas wie ein kleiner diabolischer Keim, der die Freude an der Vernichtung des Wehrlosen bedeutet, das Thema der echten Horrorfilme."
(Arnold Gehlen: Moral und Hypermoral, Eine pluralistische Ethik, Athenäum Verlag Frankfurt am Main/Bonn 1970, S. 145)
Uns fällt dabei General Schwar(t?)zkopf ein mit seinen chirurgisch präzisen Luftangriffen auf Häuser in Bagdad beim ersten Irak-Krieg.

 

Kooperation statt Konfrontation mit dem Osten

Allzu optimistisch äußerte sich NATO-Generalsekretär Manfred Wörner 1967. Zumindest dachte er bei Osten nur an die Sowjetunion, nicht an den Orient, als er sagte:

"Der Osten wendet sich zum Westen. Unsere politischen Vorstellungen, die sie im Harmel-Konzept niedergelegt sind: ,Kooperation statt Konfrontation´, setzen sich mehr und mehr durch..." (Bundesministerium der Verteidigung-IPStab-, in: Frank S. Rödiger: Wege zum Frieden - Die Positionen der christlichen Kirchen zur Sicherheitspolitik, Demokratische Verantwortung Band 12, Herausgeber: Studiengesellschaft für Zeitprobleme e. V., Bonn 1990, S. 6)

Feiger Massenmord an Wehrlosen aus dem Hinterhalt

„Der Krieg in seiner heutigen Form ist feiger Massenmord an Wehrlosen aus dem Hinterhalt. ... Die Kriegspartei von heute setzt sich nicht etwa aus einer kämpferischen Elite, sondern aus Feiglingen, Schwachsinnigen und Reaktionären zusammen, die den Wandel, der in diesem Jahrhundert stattfand, nicht zur Kenntnis nehmen wollen. ... Kein einziges Problem zwischen den Völkern zwischen den Ideologien und den ihnen entsprechenden Militärblöcken kann heute durch einen Krieg entschieden oder gelöst werden.“
(Dr. Renate Haußleiter-Malluche: Die Frauen und der Krieg, in Deutsche Gemeinschaft, München, Nr. 5, 1969)

Deutsche in Uniform

“Wie hat man uns nach dem Zweiten Weltkrieg erbarmungslos in den Dreck getreten und man tut es heute noch, aber unsere Enkel sollen irgendwann für fremde Interessen den ach so „süßen“ Soldatentod sterben. Und wenn diese Welt der Teufel holt, ich sage nein – nein und nochmals nein.
(K. Schölzke, W., „Alte Kameraden“, 1991, Nr. 12, S. 26, zit. von Igrinjow, siehe unten, S. 9)

Nichts aus der Geschichte gelernt

“Was die Erfahrung aber und die Geschichte lehren, ist dieses, dass Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt und nach Lehren, die aus derselben zu ziehen gewesen wären, gehandelt haben.“
(Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831): Philosophie der Geschichte, Einleitung)

Politiker sollen gegeneinander kämpfen

“Es müssten Gesetze geschaffen werden, welche die für einen Kriegsausbruch verantwortlichen Diplomaten und Journalisten zwingen, als erste in die Schützengräben zu gehen.“
(Paul Loebe, deutscher Reichstagspräsident, zit. von Igrinjow aus Seite 37)

“Beide Völker, das russische wie das deutsche, wollten keinen Krieg. Kriege werden von Politikern, kriminellen Möchte-Gern-Herrschern, angezettelt. Sie sind die Scharfmacher. ... ich will nur sagen, dass für die Soldaten auf den beiden Seiten der Frontlinie der Krieg nur eine Farbe hat, die Farbe des Blutes. Politiker, die heute wieder zu einem Krieg aufwiegeln, sollen als erste auch in die Schützengräben gehen und dort gegeneinander kämpfen, und wir werden ihnen zuschauen.“
(Viktor Matwejew, Tschaikowski, Gebiet Perm, zitiert von Juri Igrinjow: Russen über den Krieg und die Deutschen, Verlag Werner Symanek, Postfach 1826, D-55388 Bingen, 1994, S. 23)

etika.com pflichtet Viktor Matwejew voll bei und fordert ein
Duell zwischen Bush und Saddam Hussein
in Kampfdisziplinen, auf die sie sich selbst einigen
(wir empfehlen, bei Karl Mays Wildwestbüchern nachzuschlagen).

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