ETIKA

KRIEG

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11.1.2001

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Uran-Munition

 

Wer radioaktive Munition einsetzt, ist ein Kriegsverbrecher

Leukämiegefahr bei häufigem Umgang mit Benzol (in Treibstoffen) viel höher als bei Uranmunition, die nicht höher als einen Meter strahle. Dies behauptet Direktor Herwig Paretzke vom Institut für Strahlenschutz des Münchner Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit. (D 10.1.2001)

I bambini del Kosovo fra incertezza e paura. (la Repubblica, Roma, 10.1.2001, p. 3)

Uranio, la Nato boccia la moratoria. Non passa la richiesta di Italia e Germani di sospendere l´uso dei proiettili sospetti. (Corriere della Sera, milano, 10.1.2001, p. 3)

“La Nato sospenda le armi all´uranio”. Il governo italiano chiede una moratoria. Il centrodestra: demagogia che aumenta l´allarme. Il generale Wesley Clark: quei proiettili non sono pericolosi. (Corriere della Sera, milano, 9.1.2001, p. 1)

Balkan-Syndrom: In mehr als zehn Ländern Verdacht. (D 9.1.2001) Kuriosum: Der bayerische Kommentator Florian Stumfall meint, die Gefährlichkeit der Strahlung von Uran-Munition „dürfte mit derjenigen einer Flugzeugreise oder eines Fernsehabends zu vergleichen sein“.

London kannte die Gefahren der Uranmunition für die Gesundheit der Soldaten seit zehn Jahren, wie das Verteidigungsministerium zugab. Im April 1999 beteuerte ein hoher NATO-Beamter: „Ein Gesundheitsschaden träte nur auf, wenn man mehrere Geschosse dieser Art hinunterschlucken würde.“ Schon im Irak-Krieg hatten Amerikaner und Briten versichert, dass sich der Uranstaub nach Explosion der Munition rasch verflüchtigt. (D 8.1.2001)

Einatmen kann tödlich sein. Experten: Aufnahme auch über das Erdreich (Lebensmittel) und Wasser möglich. Ein Milligramm kann zu Entzündungen oder Disfunktionen führen, die Alphastrahlung eines Uranstaubpartikels kann Krebs auslösen. (D 8.1.2001)

Die RAI-Hauptnachricht. Etwas Besseres hätte den Amerikanern nicht passieren können – um es elegant und ohne jede Verdächtigung zu schreiben -, als die Entdeckung eines Plans von angeblichen Terroristen des Weltbösewichts Nr. 1 Osama bin Laden, die die US-Botschaft in Rom in die Luft jagen wollten. Jedenfalls verdrängte diese Meldung in den von der „roten Lilli“ Gruber moderierten Hauptnachrichten der RAI am Sonntag jene über die viel weitreichenderen Folgen radioaktiver US-Waffen, die im Irak und auf dem Balkan eingesetzt worden waren. Einst hatten die Amerikaner als Hauptfeinde die Vietcong verteufelt, dann die Iraner Khomeinis, dann den Libyer Gaddafi, dann den Iraker Saddam Hussein - und jetzt ist eben das Phantom Osama bin Laden an der Reihe – das erhöht den Zauber des Orients. (8.1.2001) Dazu passend: Ecco il commando anti-Usa. La Albright: “Siamo in allarme, ma l´Italia collabora.” (la Repubblica, Roma, 8.1.2001, p. 1) Und wie!

L´uranio scuote i nervi della Nato. Un ex para di como: “Mi sono ammalato nel Golfo”. Il generale Carlo Jean: “Armi prodotte da 40 anni, in Bosnia tutti sapevano”. L´80 % degli ordigni fu sparato nei settori italiano e tedesco. L´inviato della radio del partito radicale morto misteriosamente in Georgia. Il giornalista Antonio Russo indagava su quel metallo. (Corriere della Sera, Milano, 6.1.20001, p. 15)

“Heuchelei vom sauberen Krieg”. Italien schockiert über Krebstote. „Ich will die Wahrheit wissen, ich will wissen, warum ich sterben muß“, schrieb der 24jährige Soldat Salvatore Carbanaro ins Tagebuch. – „Wenn sich herausstellt, dass diese Waffen auch nur das kleinste Risiko (für die eigenen Truppen) darstellen, müssen sie verboten werden.“ (Romano Prodi, EU-Kommissionspräsident). Erstmals wurde uranhaltige Munition 1991 im Golfkrieg gegen den Irak eingesetzt, vor allem in der Gegend um Basra. Damals feuerten Amerikaner und Briten weitaus mehr Geschosse als im Kosovo-Krieg 1999 von Panzern und Flugzeugen ab. Nach einer kanadischen Untersuchung dürften bis zu 35.000 Iraker an den Folgen sterben. Auch die anderen Siegermächte des Zweiten Weltkrieges und eine Reihe weiterer Staaten verfügen über die billigen, aus Abfallprodukten der Atomkraftwerke hergestellten DU-Waffen (DU = depleted uranium = abgereichertes Uran). (D 5.1.2001 dpa) Irakische Männer, Frauen und Kinder: Schadenersatzforderungen bitte an Schwartzkopf, Powell und Konsorten.

Allen Staatsmännern und –frauen ins Gewissen (wenn sie noch eins haben):
Jedes Unrecht rächt sich

Atomwaffen und vergleichbare Massenvernichtungsmittel sind abzuschaffen. - Atomversuche sind Verbrechen gegen die Menschheit und einzustellen. (Aus dem ETIKA Überlebensprogramm 2001, 8A)

Wir können nicht fordern, dass Tiere möglichst schnell und schmerzlos getötet werden, und gleichzeitig der Gesellschaft beipflichten, die tatenlos zusieht, wie Menschen als Folge irgendwelcher unnützer und idiotischer Kriegshandlungen qualvoll dahinsiechen – als Opfer skrupelloser Waffenfabrikanten und –händler, von ihnen gekaufter Politiker sowie verrückter Militärs.
Diese alle schrecken vor gnadenlosen Vernichtungsexperimenten an der unschuldigen Zivilbevölkerung nicht zurück, weil sie glauben, dass es keinen Gott gibt, der Vergeltung übt für jede böse und gute Tat.

Wer radioaktive Munition einsetzt, ist ein Kriegsverbrecher.

Wie bizarr ist das alles! Die Amerikaner drängen auf ein Kriegsverbrechertribunal gegen den jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic – und ausgerechnet in diesen Tagen fördern die Italiener ein ungeheures Kriegsverbrechen zu Tage: den Einsatz von radioaktiv verseuchter Munition im Nato-Krieg gegen Serbien, die bei Zivilisten wie Soldaten (noch dazu europäischen „Friedenssoldaten“!) Leukämie (Blutkrebs) auslöst! Der Konflikt Europa – USA wäre vorprogrammiert, wenn nicht alle maßgeblichen Leute sich dermaßen bemühten, den Skandal unter den Teppich zu kehren! Und der sogenannte mitdenkende Staatsbürger mit oder ohne Uniform ist ja längst ausgestorben.

Wie hat es begonnen? Die Zeitschrift „Giornale dei carabinieri“ veröffentlichte – wenn vielleicht auch nicht als erstes Presseorgan – eine Mitteilung, dass der aus Varese stammende und beim siebten Bataillon in Leifers stationierte Rinaldo Colombo (38) an Leukämie gestorben ist. Er hatte an zwei sogenannten NATO-Friedenseinsätzen in Albanien (möglicherweise ist auch das serbische Kosovo gemeint) sowie Bosnien teilgenommen und hatte als solcher mit Munition, die einen schwach radioaktiven Uranmantel hat, zu tun gehabt. Nebenbei bemerkt sind das schöne Friedensbringer, die radioaktive Waffen in andere Länder bringen, um Frieden zu schaffen. Wahrscheinlich ihren Frieden, nicht den Frieden, der identisch ist mit Gerechtigkeit. Dabei wurde darauf verwiesen, dass schon sieben italienische uniformierte Mitglieder der UN-Mission im Kosovo (UNMIK) an Leukämie gestorben sind und weitere zwölf daran erkrankt sind. Weitere Todesfälle seien aus Belgien, Portugal und Spanien gemeldet worden. (D 2.1.2001 rc)

Die NATO geriet schwer unter Beschuß. Sogar EU-Kommissionspräsident Romano Prodi erhob seine Stimme. Italiens Ministerpräsident Giuliano Amato forderte Klarheit. „Amato: la Nato dica la verità. Uranio, muore un altro soldato reduce dalla Bosnia, “la Repubblica, “, Roma, 3..1.2001, p. 1) Gleichzeitig erwachte das Gewissen. War nicht vielleicht auch die bombardierte Bevölkerung im Kosovo, damals noch hauptsächlich Serben, inzwischen vertrieben oder geflüchtet – in Mitleidenschaft gezogen worden? Der „Corriere della Sera“ (Milano, 3.1.2001, p. 1) wagte die Überschrift: “Kosovo, un disastro ambientale”).

60.000 italienische Soldaten haben an sogenannten Friedensmissionen im ehemals hauptsächlich serbisch-christlichen und seit der UNO-Einmischung hauptsächlich albanisch-moslemischen Kosovo teilgenommen. Auf die Serben feuerten NATO-Kampfflugzeuge on März bis Juni 1999 31.000 Uran-Geschosse ab. (D 4.1.2001) Über die genaue Zahl der Opfer werden wir beim Jüngsten Gericht Aufklärung erhalten. Inzwischen hört man nur von immer mehr an Blutkrebs erkrankten NATO-Soldaten. Wie der „europäische Aufstand“ ausgehen wird? Wie das Hornberger Schießen.

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